Game we play called life

Game we play called life Meine exklusive Kolumne jetzt bei Facebook ..

26/02/2015

Auch ich kann es nicht lassen.
Die Medienmaschinerie hat mich in ihren Bann gezogen – zumindest teilweise.
Das Geschäft mit der Angst funktioniert wirklich klasse. Ausgezeichnet sogar möchte ich behaupten. Und derzeit würde ich meinen Job wirklich gerne gegen den eines Kinderarztes tauschen. Cash für jede Impfung zu bekommen lohnt sich gerade wirklich, schätze ich.

Am vergangenen Montag habe auch ich also einen Termin zum Impf - Quickie für meinen 20 Monate alten Sohn gemacht. Gestern war es dann soweit. Die Nacht von Dienstag auf Mittwoch war besonders schlimm. Nicht für meinen Sohn und auch sonst für niemanden anderen außer für mich. Masochistisch wie ich nun mal veranlagt bin, habe ich sämtliche Foren durchforstet und mich über die potenziellen Nebenwirkungen der MMR Impfung informiert. Gestoßen bin ich dabei auf Kommentare von Impfkritikern á la „Impfen ist Misshandlung“ oder von Impfbefürwortern á la „Ihr unverantwortlichen Schweine“. Beides irgendwie ziemliche Schwarz-Weiß Extreme, denen ich mich keinesfalls anschließen will. Tatsächlich halte ich es aber eher für fahrlässig das Immunsystem eines wenigen Wochen alten Säuglings mit einer 6-fach Impfung zu malträtieren, nur weil „der Arzt und die STIKO das gesagt haben“. Aber genau das ist die so gefährliche Vollkasko Mentalität unserer Gesellschaft. In Zeiten in denen wir unser Smartphone versichern und J.Lo. ihren Allerwertesten, ist es schier unerträglich, auf Etwas bestimmtes KEINEN direkten Einfluss nehmen zu können. Also wird geimpft auf Teufel Komm raus – meist unwissend darüber, dass dies trotz allem keinen 100 % Schutz bedeutet.

Nachdem die Impfung gestern Vormittag dann gelaufen war und mein Sohn nun zu 95 % immun gegen MMR ist, empfand ich gemischte Gefühle. Zum einen Erleichterung zum anderen Verachtung. Da hatte die Pharma Maffia und die brutale Keule an die Vernunft doch tatsächlich gesiegt. Zumindest in diesem Falle. Warum ich einem Kleinkind tote Hepatitis B Erreger muskulär in die Blutbahn jagen sollte, ist mir allerdings bis heute wirklich schleierhaft.

Fakt ist ja folgendes: Ich bin gar nicht gegen das Impfen im Allgemeinen. Ich bin nur dafür, dass man im einzelnen Falle betrachtet WAS WANN wirklich sinnvoll ist. Und ob die Nebenwirkungen einer Impfung eventuell sogar gravierender sind als die Krankheit an sich.

Seit gestern beobachte ich meinen Sohn kritisch und interpretiere in jede kleine, noch so seltsame Grimasse die Anfänge von Autismus. Geschlafen habe ich übrigens fein gebettet auf einer Matratze neben seinem Bett – nur für den Fall das eine der 25.000 Nebenwirkungen der Impfung auftreten könnte. Übrigens kommt man in der Regel erst nach 8-10 Tagen in den Genuss von MMR Impfkomplikationen. Halleluja. Mein Rücken wird’s mir danken.

Haben wir vielleicht einfach alle ein bisschen Gott Vertrauen – so oder so.
Er wird’s schon richten.

15/09/2014

.. In diesem Sinne … Viel Spaß allen Mami's!!

AngebotsWOCHEN bei Aldi.

Das erste was man lernt, wenn man Mutter wird ist, das man während der Stillzeit blähende und saure Lebensmittel vermeiden sollte und welches Tragetuch ergonomisch das Beste ist. Informativ ja – und trotzdem Schwachsinn! Denn das Einzige, was die Hebammen einem noch im Kreissaal unmittelbar nach den letzten Presswehen eintrichtern sollten ist, dass man an einem „Babysachen-Angebotstag“ bei Aldi die Nacht vorher auf dem Parkplatz campieren muss und die Knarre, den Totschläger oder aber wenigstens das Pfefferspray griffbereit halten sollte.

Es war mal wieder soweit. Aldi hatte Babysachen. Strahlend erzähle ich in der Spielgruppe davon und philosophiere darüber, wann in dieser Woche ich es schaffen könnte die Angebote der AngebotsWOCHE zu kaufen.
Die Mehrfach Mamis unter uns lächelten beseelt und erklärten mir, dass ich es doch eventuell bereits am Montag um 7.45 Uhr schaffen sollte, wenn ich noch eine reelle Chance auf Jungs Klamotten in der passenden Größe haben wollte.
Etwas irritiert marschierte ich mit meinem kleinen Wonneproppen also Montagmorgen um kurz vor acht zur Aldi Filiale meines Vertrauens. Nächster Fehler. Ziehe nie mit Kind in den Krieg!

Vorbei an Wein und Süßigkeiten stand ich also plötzlich mit Einkaufswagen und Baby mitten im Getümmel. Zumindest etwas vorbereitet von meinen Freundinnen wagte ich mich, mir einen Eindruck über die Situation zu machen.
Da waren die Mütter die sich schnell ein, zwei Teile griffen die sie wirklich brauchten und dann verschwanden. Sehr sympathisch. Dann waren da die Mütter die ebenfalls mit Kind kamen, die Pakete reihenweise aufrissen, ihre Jaquelines und Kevins quer durch’s ganze Aldi her zitierten mit den Worten „Komm’ ma ran, wie müss’n dat ma anprobier’n“. Weniger sympathisch.
Aber dann erblickte ich die Kategorie Mensch, die ich so in freier Wildbahn jetzt noch nicht gesehen hatte.
Südländerin, Mitte 30. Die jährlichen Tornados in den USA sind ein Sc***ss dagegen.
Sie handelte sehr routiniert und absolut rücksichtlos während sie Massen an wahllosen Klamotten in ihre 2 (!!!) Einkaufswagen verfrachtete.
Ungläubig schaute ich mir das Schauspiel an und war dankbar darüber, dass mein Wurm schlief. Hätte seine kleine heile Welt doch ansonsten jetzt schon einen weniger kleinen Knacks.

Das die südländischen Familien gerne viele Kinder haben wusste ich ja bereits und fand’ das doch auch gar nicht schlimm. Aber 8 -10 Stück pro Größe? Unwahrscheinlich.

Aus meinen Gedanken gerissen wurde ich dann von einem harten Schlag in die Seite. Mit mir konnte man auch keinen Krieg gewinnen.
Ich wagte einen Blick auf das mittlerweile schon ziemlich verwüstete Schlachtfeld, konnte aber nichts jungenmäßiges in unserer Größe mehr finden.
Meine Luchsaugen wanderten in die Wagen der augenscheinlichen 32-Fach Mama und sahen den von mir im Prospekt bereits ausgewählten Schlafanzug in der richtigen Größe. Kurz überlegte ich, ihn einfach rauszustehlen, verwarf’ diesen Gedanken allerdings schnell wieder, weil ich einfach zu viel Angst vor ihren Brüdern hatte.

Jetzt schläft mein Junge eben in einem Mädchenschlafanzug 2 Nummern zu groß. Interessieren tut ihn das glücklicherweise noch nicht.

26/07/2014

Es sind die Menschen die mich nachdenklich machen. Menschen, die mir begegnen, wenn ich Samstagsmorgens um neun zum Frühstück verabredet in die Stadt fahre.
Menschen die übernächtigt, abgerockt und restbetrunken Richtung Bahnhof schwanken.
Menschen, die vor dem Kaufhof sitzen, eingewickelt in Decken, als sei Winter. Ich hingegen schwitze und meine Haare kleben unschön an meiner Stirn fest. Ob das wohl auch so wäre, wenn ich die Nacht über draußen verbringen müsste statt in meinem wohlig warmen Bett?
Ich sehe genervte Verkäuferinnen die die angerosteten Schilder der Läden auf die Straße zerren und ihre Samstage hinter einer Kasse verbringen müssen.
Ich betrete das Café in dem ich mit meiner guten Freundin Victoria verabredet bin.
Sie sitzt bereits an einem kleinen schnuckeligen Tisch am Fenster, einen Milchkaffee schlürfend, während sie rausschaut in diese trostlose, graue Welt samstagsmorgens um kurz vor neun.
Ich gehe zu ihr, setze mich und sage:„Weißt du, wir haben ein sehr schönes Leben!“

02/06/2014

Wie man es auch dreht und wendet, am Ende läuft alles auf die eine entscheidende Frage hinaus: Was willst du im Leben erreichen? Ich meine, was willst du wirklich? Was steckt tief in dir? Wofür schlägt dein Herz? Wonach hast du so eine riesige Sehnsucht, das du glaubst, sie würde dich zerreißen?
Ich bin davon überzeugt, dass man einem tief im Inneren verankerten Traum, nicht entfliehen kann. Du kannst dich nicht auf Ewig selbst belügen. Das geht nun mal einfach nicht. Wenn es etwas gibt auf dieser Welt, dem du nicht gefolgt bist obwohl du es eigentlich wolltest, sei es einen Beruf den du nie erlernt hast, ein Hobby, dem du nie nachgegangen bist, ein Haus, das du nie gebaut hast, eine Reise die du nie unternommen hast oder die eine große Liebe, um die du nicht gekämpft hast, wird dich diese eine Sehnsucht ein Leben lang verfolgen. Nicht immer gleich stark, aber trotzdem ist sie präsent. Vermutlich sogar jeden Tag.
Du wirst oft an deinen Wunsch erinnert werden und dich dann fragen "was wäre gewesen wenn ..."
Es scheint wie ein Fluch über dir, den du dir selbst auferlegt hast und von dem auch nur du selbst dich befreien kannst. Und zwar jetzt. Auf der Stelle. Ohne Kompromisse. In der Gegenwart steckt so unendlich viel Kraft. Nutze sie.
Es ist dein Leben. Lebe!

13/04/2014

Borderline brach' Herz.

Den folgenden Artikel habe ich vor zwei Jahren für das Magazin "Emotion" geschrieben. Er behandelt das sensible Thema "Borderline" .. ein Begriff, der vielen bekannt vor kommt, von dem die wenigsten allerdings genaues wissen.

Aber lest selbst …

… "Hätte man mich vor zwei Jahren gefragt, was Liebe kann, hätte ich wohl gesagt: alles.
Doch heute, nach einer emotionalen Höllenfahrt, weiß ich, dass das nicht stimmt.
Christian und ich lernten uns während des Studiums kennen. Ich war damals sehr unerfahren, hatte gerade mein Abitur gemacht und wenig von der Welt gesehen. Ganz im Gegensatz zu ihm. Christian – sieben Jahre älter als ich – reiste viel, hatte ein Jahr in London gelebt, kannte sich in New York aus. Mich beeindruckte das. Ich fand ihn sehr charismatisch und außerdem unglaublich gut aussehend.

Auch dass er so oft umgezogen war – in seiner Heimatstadt allein fünf Mal – hielt ich für einen Beweis seiner Weltgewandtheit, Unabhängigkeit. Immer wieder Altes hinter sich lassen, um Neues auszuprobieren: wie aufregend. Was für ein selbstbewusster Mann, dachte ich. Was für ein Freigeist! Dass diese Rastlosigkeit auch ein Zeichen dafür sein könnte, dass er vor sich selbst floh, sich in seinem Leben nicht zurechtfand, auf die Idee kam ich nicht.

Um so geschmeichelter war ich, als er mich nach nur zehn Monaten fragte, ob wir zusammen ziehen sollten. Natürlich sagte ich „ja“. Trotz seiner Wutausbrüche, die in den Wochen davor immer schlimmer geworden waren. Sowie auch seine Stimmungsschwankungen. Morgens malte er sich die Party, auf die wir eingeladen waren, in leuchtenden Farben aus, am Abend wollte er dann nicht mehr mit. Ich wüsste doch, dass er all die Leute nicht ertragen könnte. Ständig erfand ich bei meinen Bekannten Ausreden, zog mich von ihnen zurück und zu meiner besten Freundin brach ich sogar den Kontakt ab, weil sie mir immer wieder sagte: „Mit Christian stimmt etwas nicht.“

Ich ahnte, dass sie Recht hatte, wollte es aber nicht wahrhaben. Auch nicht, als er anfing, mich aus heiterem Himmel zu beschimpfen und die Anruflisten auf unserem Telefon zu kontrollieren. Ganz genau musste ich Rechenschaft ablegen, warum ich wen angerufen hatte. Aber für all das fand ich immer wieder Entschuldigungen: seine einsame Kindheit oder die Klassenkameraden, die ihn gemobbt hatten. Und dann konnte er ja auch so süß sein. So aufmerksam und liebevoll. Aber ich wusste eben nie, wie lang diese positiven Phasen anhielten. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass er mit mir spielte, mir etwas vormachte. Wann war er echt? Was konnte ich ihm glauben?

Ich erinnere mich an einen meiner Geburtstage. Er hatte ein Picknick vorbereitet, jede Menge Geschenke gekauft und sich viele kleine Kreuzworträtsel ausgedacht, deren Lösungwörte Hinweise auf noch mehr Überraschungen gaben. Es war ein wundervoller Tag, bis Christian am Abend in die Küche stürmte und mich anbrüllte: Ich wüsste doch, dass er eine Laktose-Intoleranz hätte, wie könne ich denn da zum Geburtstagsessen eine Lasagne vorbereiten. Ich kam gar nicht dazu, zu antworten. Ihm zu sagen, dass ich ausschließlich laktosefreie Zutaten besorgt hatte. Er schrie einfach weiter: „Ich habe es so satt mit dir, du unfähige, blöde Kuh!“

Seine Ausbrüche waren wie ein emotionales Erdbeben. Sein Hass zog mir den Boden unter den Füßen weg. Ich fiel ins Leere. Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt – gegen seine extremen Gefühle konnte ich mich nicht wehren. 20 Kilo habe ich während unserer Beziehung zugenommen, habe im wahrsten Sinne des Wortes alles in mich hineingefressen.

In jener Nacht kam er spät nach Hause. Ich versuchte, mit ihm zu reden. Doch er antwortete nicht. Zwei Tage lang bestrafte er mich mit brutalem Schweigen. Ich entschuldigte mich, sagte, dass er Recht hätte, dass ich ihm viel früher hätte Bescheid geben müssen, dass ich für den Auflauf nur laktosefreie Lebensmittel verwenden würde. Im Nachhinein: ein absurdes Szenario.

Damals tat ich alles, damit es Christian gut ging. In seinen klaren Momenten schätzte er das auch. Dann sprach er davon, sich zu ändern. Und so ein Moment war es, in dem er sich entschied, zum Arzt zu gehen, ernsthaft herausfinden wollte, was mit ihm los ist. Diagnose Borderline haute ihn um. Und mir zerriss es fast das Herz, ihn so leiden zu sehen. Er weinte, sagte, dass er sich wertlos fühle – gescheitert.

Da die Antidepressiva, die Christian verschrieben bekam, nichts brachten, fing er an, Ritalin zu nehmen. Viel zu viel. Er schnupfte es wie Kokain. Aber es schien ihm zu helfen. Zuerst war ich erleichtert, aber dann merkte ich, dass das Zeug seinen Körper angriff. Ich hatte Angst um ihn und rief heimlich seinen Arzt an. Als Christian davon erfuhr, drehte er durch. Wieder einmal brüllte er herum, wie sehr er mich hasse, stundenlang, bis er die Wohnungstür hinter sich zuwarf und ging. Diesmal für immer.

Obwohl ich manchmal richtig Angst vor ihm hatte, fiel es mir schwer, die Trennung zu akzeptieren. Längst war ich in eine Co-Abhängigkeit gerutscht, wie mein Therapeut mir erklärte: Ich hatte meinen Selbstwert ganz an Christians Stimmungen gekoppelt. Erleichterung darüber, dass ich nun endlich wieder ich selbst sein konnte, verspürte ich lange nicht.

Erst als ich beim Umzugskistenpacken meinen Tennisschläger in der Hand hielt. Da erinnerte ich mich an eine junge Frau, die ihre Gegnerinnen vom Platz fegte. An mich, wie ich früher war. Kaum wieder zu erkennen. Aber diese Frau gefiel mir. Und da wusste ich, dass ich auf dem richtigen Weg bin. "

16/03/2014

Es gibt da ein gutes Wort, das heute immer mehr in Vergessenheit gerät. Leider.

Es ist ein Wort, das vom Aussterben bedroht ist wie so manche Tierart. Bedroht von Arbeitgebern, die uns immer mehr schuften sehen wollen; von Werbung, Hochglanzmagazinen und Fernsehsendungen, die uns einreden wollen, wir seien nichts wert ohne die perfekte Figur. Ohne perfekte Frisur. Ohne perfekte Wohnung. Ohne exotische Reisen (der Slogan „Reise Dich interessant“ ist so eine Frechheit) und ohne diesen gottverdammten neuen Staubsauger-Roboter, der jetzt mit seinen 95 Programmen sogar die Wände hochfahren kann.

Es ist ein gutes Wort, das wir dringend wiederbeleben müssen, wenn wir freier atmen und leichter leben wollen.

Es ist "Genug".

Warum versuchen wir, alles immer besser, schneller, toller zu machen – auch uns selbst? Nur weil es vielleicht möglich ist? Es ist auch möglich, im Kopfstand zu essen oder ein Lexikon auswendig zu lernen. Und trotzdem macht das fast keiner. Weil es anstrengend ist, das Leben dadurch aber nicht besser wird.

Genug.

Genug gearbeitet für heute.

Genug Geld auf dem Konto, um heute glücklich zu sein.

Genug erreicht.

Genug PS im Auto, Speicherplatz auf dem Handy und Freunde auf Facebook.

Genug Freizeitaktivitäten und Reisen.

Genug maximiert. Du brauchst nicht alles aus Dir und Deinem Leben herausquetschen wie aus einer Orange.

Genug minimiert. Du brauchst nicht magersüchtig mit Dingen umgehen.

Wofür kämpfst Du Dich ab, wo es doch eigentlich längst GENUG ist?

14/02/2014

Valentinstag.

14/11/2013

"Game we play called life" verabschiedet sich nach rund zwei Jahren! Es ist Zeit, mich neuen Projekten zuzuwenden.

POSTPARTAL - die neue Kolumne für Mamas, Papas und alle die sich sonst für das Leben mit Baby interessieren.

Schön war's mit euch!!
Und ich hoffe man sieht sich wieder ...

https://www.facebook.com/pages/Portpartal/233275273499822?bookmark_t=page


Eure Alex

Über die schönen Ereignisse, Nervdinger und Kuriositäten im Leben mit Baby.

12/05/2013

Eine Liebeserklärung

12. Mai 2012. Muttertag. Zum 106. Mal.

Gestern ging ich einkaufen. Ich hasse es, samstags einzukaufen. So voll, so viele dämliche Menschen die einem mit ihrem zugegebenermaßen schwer lenkbaren Einkaufswagen über die Füße brettern oder dir in die Hacken fahren.
Ich sah Leute, die Gedankenverloren durch die Gänge liefen und Blumen, Pralinen oder Badeperlen kauften, weil „man das eben so macht“.
Ich könnte jetzt darauf plädieren, dass wir unseren Müttern jeden Tag dankbar sein sollten, sie jeden Tag schätzen müssten. Natürlich sollten wir das, und trotzdem finde ich es schön, dass es einen Tag gibt, an dem wir besonderes Augenmerk auf unsere lieben Mamas legen. Das haben sie definitiv verdient – die meisten jedenfalls.

Meine absolut! Deswegen bekommt sie auch keine Dickmacher und auch nicht den hundertsten Badezusatz.
Das hier ist was ganz anderes.

Hätte man mir vor einigen Jahren gesagt, dass ich heute mal so einen Text schreiben werde - ich hätte laut gelacht. Ehrlich, ich hätte es getan! Vermutlich hätte ich die Person auch mit irgendetwas beworfen oder angespuckt. Jedenfalls wäre aus meinem Mund niemals ein „Ja, na klar, auf jeden fall!“, gekommen. Maximal mit einem ganz fiesen ironischen Unterton.

Mama, lies’ und freu’ dich.

Als ich mit sieben Jahren zum Balettunterricht ging und das einzige Mädchen mit roter Nickelbrille war das KEIN Tütü hatte, fühlte ich mich wie ein idiotischer Trampel mit uncoolem T-Shirt und Klumpsportschuhen. Ich war zwei Mal da. Dann wollte ich nicht mehr. Ohne Tütü? Niemals!
Heute weiß ich, dass sich Investitionen erst dann lohnen, wenn man sich seiner Sache sicher ist und das man auf Menschen die einen nur belächeln ohnehin nicht viel geben darf.

Als ich mir mit elf Jahren aus Alufolie ein Bauchnabelpiercing bastelte und damit quer über den Campingplatz lief während ich laut Britney Spears’ „Stronger“ über meinen Discman hörte , hast du nur geschmunzelt. Ein richtig kleiner Rebell war ich! Grade frage ich mich, was mich mehr zum lachen bringt: Die Tatsache das ich Britney Spears gehört habe oder aber das ich es durch einen Discman tat. Tja, Zeiten ändern sich.

Ganz Holland muss mich für bescheuert gehalten haben, aber ich fühlte mich großartig.
Du hast mir verboten, mich piercen zu lassen. Natürlich hast du das. Ich war elf.
Mit 18 könne ich das alles tun.
„Die Zunge, den Bauchnabel, das ganze Gesicht kannst du dir dann löchern lassen“.
Heute bin ich 23. Wo sind die Piercings?

Als ich mit 13 das Tragen von hochhackigen Stiefeln für mich entdeckt habe, hast du sie kurzerhand einkassiert und weggeschmissen. Mein gutes Taschengeld... einfach Futsch. Stattdessen durfte ich atmungsaktive Schuhe von Geox tragen. Heiß!

Du hast mich nicht umgebracht als ich eine Telefonrechnung von 470 € produzierte.
Im Nachhinein hätte ich dich jedenfalls verstanden!
Hey, aber die erste Jugendliebe war mir so unfassbar wichtig. Kannst du dich erinnern, dass der gute Herr nie so viel zu erzählen hatte? Gar kein Thema, so blieb mehr Raum für meine Monologe. Ich war doch schon so erwachsen. Da gehörten stundenlange Handytelefonate eben dazu.
Zur Strafe musste ich Unkraut im Vorgarten jäten.
Konsequent, aber ein Stundenlohn von umgerechnet gut 156 € war schon sehr fair.
Plan B: Gärtnerin werden.

Währenddessen habe ich Bibi Blocksberg gehört. Erinnerst du dich? Mit meinem alten Kassettenrecorder.
Da war das große Mädchen plötzlich wieder ganz klein.

Du hast mich von der Bushaltestelle eingesammelt, wenn ich mich auf dem Weg dahin mal wieder „geschminkt“ hatte. Heute weiß ich, dass es „therapeutischem Gestalten“ näher kam und pinker Lippenstift außerhalb des horizontalen Gewerbes niemals getragen werden sollte.

Als ich mit 14 zu meinem Vater gezogen bin hast du gelitten, aber du warst da als ich wieder zurückkam. Ohne Bedingungen.

Als ich 15 war und meine Noten nachließen, hast du mit meinem Freund Schluss gemacht. Du hast ihn ernsthaft angerufen und gesagt: „Alex wird dich nie mehr sehen dürfen. Ich beende das hiermit!“
Das war Karneval 2006. Ich habe in meinem Leben bisher nie wieder so geschrien.

Mit 16 wollte ich die Schule abbrechen und eine vielversprechende Lehre zur Friseurin machen. „Du machst dein Abitur und danach kannst du lernen was du willst!“
Ich habe dich verachtet. Du hast mir meine Entscheidungskompetenz abgenommen.
Kurz darauf hast du auch noch meinen Laptop einkassiert.
Ich hatte drei Jahre lang keinen eigenen Internetzugang. So dramatisch!
Aber offensichtlich absolut nötig.

Zum Abitur hast du mir ein Notebook geschenkt.
Heute bin ich fast eine Bachelorette.
Danke!

Du hast Händchen gehalten, wenn es nötig war - beim Zahnarzt, beim ersten Liebeskummer.
Aber du hast Entscheidungen getroffen, wenn ich sie hätte nur falsch treffen können.

Eure Mama kann eure Freundin sein, aber sie ist in erster Linie eure Mutter.
Und wenn ihr sie nicht mindestens einmal aus tiefstem Herzen gehasst habt, ihr nicht mindestens einmal die Pest an den Hals gewünscht habt, dann bin ich mir sicher, hat sie irgendetwas falsch gemacht.

Du hast mir immer gesagt „Irgendwann wirst du mir dankbar sein“.
Damals hätte ich dich am liebsten umgebracht.
Heute, tja heute, da bin ich es.
Dankbar.

Dankbar für dich als Mensch, für dich als Mutter und vor allem dankbar für dich als Oma des kleinen Zwerges der mich ganz bald ein Leben lang begleiten wird.

Einen wunderschönen Muttertag wünsche ich dir und allen anderen Mami’s da draußen. Es ist der letzte Muttertag ohne das ich selbst eine bin. Wie aufregend.

21/02/2013

Der 6. Monat.

Woche 21-24. Hört sich schon richtig nach was an. Sieht vor allem auch schon richtig nach was aus. Der größer werdende Bauch ist zwar die meiste Zeit schön anzusehen, kann aber in gewissen Momenten auch jetzt schon störend sein. Ja, jetzt schon. Ich bin gespannt wie ich damit umgehe, wenn aus Woche 21, Woche 35 wird. Nun ja, bis dahin ist ja noch ein bisschen Zeit.

Eine tolle Erfindung ist das sogenannte Stillkissen. Optisch vergleichbar mit einer bunten, großen Wurst, die praktischerweise dafür sorgt, dass man sich auch mit Kugel gemütlich betten kann.
Da mir das örtliche Gesundheitszentrum zu Beginn der Schwangerschaft mitteilte, dass man einen Geburtsvorbereitungskurs erst mit Vollendung der 28. Woche in Angriff nehmen sollte, habe ich damals beschlossen, einfach viel zu lesen, mir viel anzusehen und vor allem, mir viel erzählen zu lassen.
Beim Durchstöbern diverser Sender Mediatheken, stieß ich auf uralte Folgen der Serie „Mein Baby“. Zwei Minuten geschaut und den Tränen nahen. „Ich hätte dann doch ganz gerne einen Kaiserschnitt“, murmelte ich in mich hinein.
„So ist das eben. Alles ganz natürlich“, höre ich meine ebenfalls schwangere Freundin noch sagen, der ich wenig später mein Leid klagte. Toller Kommentar.
Isabelle die mich von Anfang an verunsicherte. Mit ihren ständigen Stretchübungen bei denen sie die Füße hinter den Ohren versteckte. Ich habe es in meinem ganzen Leben nicht einmal geschafft, im Stehen mit flachen Handflächen meine Füße zu berühren. Isabelle die sich ganz auf ihre eigene Kraft, Akupunktur und Räucherstäbchen verließ um die Schmerzen zu überleben. Wohingegen ich mir den Zugang für das nötige Schmerzmittel am liebsten jetzt schon zwischen die Rückenwirbel legen lassen und sämtliche Anästhesisten des Krankenhauses mit Geld und Schokolade bestechen würde. Grade nach den zwei Minuten „Mein Baby“ erschien mir eine frühzeitige Narkose sehr wertvoll.

Nun gut. Habt ihr schon mal von der Wehenübung „Apfelschütteln“ gehört? Sollte diese Übung in dem von mir gestern gebuchten Kurs durchgeführt werden, muss ich meine Mitarbeit leider verweigern. Während die Dame sich mit den Händen an die Wand lehnt, rüttelt der Partner wie ein Irrer an beiden Pobacken. Ihr lacht? Ich weine! Das ist kein billiger Versuch der Effekthascherei. Es soll wirklich Menschen geben, die das tun. Mir schleierhaft.

Ebenso grausam empfand ich auch den Anblick der Geburtszange. Ich frage mich, warum jeder beschissene Auspuff von irgendeinem hoch bezahlten Stardesigner entworfen wird, aber ein medizinisches Gerät so aussieht, als hätte sich seit dem tiefsten Mittelalter kein Mensch mehr um dessen Weiterentwicklung bemüht.

Das Blöde am Kinderkriegen ist, dass es zu viele Experten gibt, die einem am laufenden Band mit vermeidlich nützlichen Ratschlägen um die Ecke kommen.
Ich habe jetzt beschlossen, in erster Linie mir selbst zu vertrauen.

Denn ich glaube, dass keine schwangere Frau der Welt vor der Geburt wissen muss, wie sich eine heftige Wehe anhört oder wie eine Geburtszange aussieht.
Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß.
Panik genug werde ich, bei meinem Glück im 18-stündigen Wehenmarathon, wahrscheinlich sowieso noch haben. Wieso also 4 Monate vorher schon beginnen alles und jeden verrückt zu machen. Nicht gut für mich, nicht gut für’s Baby.
Ich gehe jetzt shoppen.
H&M hat nämlich mit Sicherheit keine Geburtszangen im Schaufester liegen.

07/02/2013

Lagebericht aus Woche 19.

Kaum zu glauben, bald ist Halbzeit. Wo sind die letzten fünf Monate nur hin?
Die komatösen Zustände aus Monat 1-3 hat mein Kopf wohl weitestgehend verdrängt. Besser ist das.

Trimester zwei, sprich Monat 4-6, heißt in diversen Ratgebern und meiner ultimativen Baby App auch „das Wohlfühltrimester“. Gut, Anfang Monat vier hab ich davon jetzt noch nicht so viel gemerkt, aber es geht bergauf. Gott sei Dank!

Also geht’s jetzt auf an’s genießen. Bevor in ein paar Wochen das Sodbrennen, die dicken Füße und die Rückenschmerzen seinen Weg in meine vier Wände finden.

Aufatmen ist angesagt. Ich kann morgens aus dem Bett aufstehen ohne mit defektem Kreislauf direkt Richtung Toilette zu rennen. Es ist erstaunlich mit wie wenig man zufrieden sein kann.

Toll ist auch, dass ich langsam nicht mehr verfressen, sondern wirklich schwanger aussehe. Dies hat allerdings auch zur Folge, dass mit wachsendem Bauch (und Oberschenkeln, und Po) auch die normalen Klamotten nicht mehr passen. Her also mit Umstandsjeans, und weiten Shirts. Der Markt bietet eine wahnsinnig große Auswahl an schicker Schwangerschaftsmode. Nicht ganz billig, aber es ist durchaus möglich, sich als „Frau in anderen Umständen“ auch top zu kleiden.
Das einzige Problem sind die diversen hohen Schühchen, die sich in durchschnittlichen Kleiderschränken einer jeden Frau befinden. Ich selbst habe mich mittlerweile mit der Vorstellung arrangiert, in den kommenden Monaten auf High Heels keinesfalls mehr gefährlich sexy, sondern gefährlich vom Umkippen bedroht, auszusehen.
Gut, dass es bald Sommer ist. Da haben meine baldigen Wasserfüße in Flip Flops sowieso mehr Platz.

Ein wachsender Bauch hat auch den Vorteil, dass sogar der größte Idiot auf den letzten Ultraschallfotos von Anfang Februar, mittlerweile einen kleinen Menschen erkennt.

Vorbei sind die Zeiten des unförmigen Zellhaufens. Übrigens ziert sich mein Kind nicht im Geringsten was das preisgeben seines Geschlechtes anbelangt. Zu jedem Termin beim Arzt plantscht es erstaunlicherweise sehr freizügig in meinem Uterus herum.
„Schaut nur alle her, ich werde ein.....“
Von wem hat es das nur? Von mir sicher nicht. So weit es geht meide ich nämlich öffentliche Saunen oder andere Orte an denen man sich nackig machen muss, weil die Schnappatmung mit der ich dann zu kämpfen habe, wirklich extrem unangenehm ist. Wie man sich vorstellen kann, stellt dies vor allem in der Schwangerschaft ein recht großes Problem dar.
Jegliche Art von Schamgefühl ist in der Schwangerschaft nämlich vollkommen fehl am Platz. Am besten sogar, man vergräbt es zu Beginn gemeinsam mit der Flasche Sekt und anderen Genussmitteln.
Aber ich hab ja noch ein paar Monate bis ich mich breitbeinig und voller Schmerzen in einem Krankenhaus befinde um mein durchaus sehr offenes Kind auf die Welt zu bringen. Vielleicht gibt es auch Kurse mit dem Thema„Wie verliere ich die Panik davor mich unten ohne in den Kreissaal zu begeben und in regelmäßigen Abständen jemanden anderen den Fortgang der Geburt kontrollieren zu lassen.“ Oder „Alle mal reingreifen bitte!“
Ich werde mich im örtlichen Gesundheitszentrum mal informieren. Mein Kalender bietet neben „Fit in der Schwangerschaft“, „Geburtsvorbereitungskurs“ und „Yoga für Schwangere“ immerhin noch ein bisschen Luft für die wirklich wichtigen Dinge.

Neulich teilte mir beim wöchentlichen Einkauf bei dem ich Tonnenweise „Ben&Jerrys“ und Wassermelonen in meinen Wagen schaufelte, eine ebenfalls schwangere Dame mit: “Bald fängt unser Leben erst richtig an, was!?!?!“ Natürlich beseelt lächelnd. Wie auch sonst.

Für einen klitzekleinen Moment kam ich mir vor wie eine Rabenmutter. Ich finde nämlich nicht, dass mein Leben erst jetzt anfängt. Ich konnte das Leben ohne Baby im Bauch und bald im Arm nämlich auch extrem gut leiden. Ich freue mich sehr, aber ich bin nun mal nicht ständig glücklich darüber, dass mein Leben von nun an nicht mehr so sein wird, wie es mal war.
Ohne Witz, mir machen die Frauen Angst, die sich angeblich keine Sorgen machen. Um gar nichts. Heute früh habe ich einen kleinen Jungen gesehen, der freudestrahlend als Prinzessin verkleidet Richtung Kindergarten dackelte.
Das könnte ich im Leben nicht tolerieren. Das würde mir doch Sorgen machen. Eine begnadete Autorin schrieb mal“ Wir Rabenmütter sind die besseren Mütter, glaubt mir!“

Das beruhigte mich sehr.
Kurz darauf trat mir mein liebes Kind mit seinen derzeit ca. 400 Gramm in den Magen.
Ich habe ganz lange beseelt gelächelt.
Ehrlich.

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41066
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