15/01/2026
30th ANNIVERSARY Tour The Sun of Tiphareth live in Oldenburg 13.12.2026 ABSU
Der eigentliche Höhepunkt des Abends folgte schließlich mit dem Auftritt des Headliners ABSU, deren 30jähriges Jubiläum ihres zweiten Albums „The Sun of Tiphareth“ den Anlass für diese Tour darstellte. Auch ABSU spielen an diesem Abend ohne Nebel und nur mit spärlicher Beleuchtung, obwohl gerade im Black Metal eine Präsentation der lyrischen Inhalte nicht nur mittels Corpsepaint, Bühnen-Outfit sowie Theatralik gestalten wird. Zu einem authentischen Black-Metal-Konzert gehört auch das Erlebnis einer mystischen Atmosphäre durch eine passende optische Inszenierung mit Licht und Nebel.
Bandleader und Kultfigur Proscriptor verzichtete live auf seine Rolle hinter dem Schlagzeug und übergab die Drumsticks an den Griechen Lord Vorskaath, um sich vollständig auf den Gesang zu fokussieren. Diese Entscheidung zahlte sich aus: Mit einer intensiven, fast beschwörenden Performance rückte Proscriptor ins Zentrum des Geschehens. Unterstützt von seinem markanten Outfit und dem auffälligen, mit okkulten Symbolen verzierten Mikrofonhalter dominierte er die Bühne. Bei ABSU wurde die selbst gesetzte Doktrin des „mythological occult black metal“ kompromisslos gelebt. Okkultismus war hier kein bloßes Stilmittel, sondern gelebter Inhalt: Crowley-Referenzen und thelemische Symbolik trafen offen auf Elemente der jüdischen Kabbalah, ergänzt durch die tief verankerte Beschäftigung mit altbabylonischer Mythologie. Diese konsequente Vermischung spiritueller Strömungen jenseits bloßer Provokation gehörte von Anfang an zur DNA der Band und machte ABSU früh zu festen Vertretern des okkulten Black Metal.
Erwartungsgemäß bestand das Programm zu rund 90 Prozent aus Material von „The Sun of Tiphareth“, das ABSU durchweg mit musikalischer Präzision, spürbarer Hingabe und überzeugender Authentizität zelebrierten. Wir würden uns freuen ABSU nochmal in 2026 auf einem Szene-Festival sehen zu können, aber danach sieht es zur Zeit nicht aus.
Fazit
Trotz verspäteten Besucheraufkommens zu Beginn entwickelte sich im Amadeus ein intensiver Abend, der vor allem durch musikalische Hingabe und Klasse überzeugte. Gleichzeitig offenbarte der Abend verschenktes Potenzial. Vor allem das mangelhafte Beleuchtung erwies sich als durchgängiges Ärgernis: Das Anstrahlen des Publikums bei gleichzeitiger Verdunkelung der Bühne nahm der Performance einen Teil ihrer visuellen Wirkung und erschwerte sowohl die Wahrnehmung der Musiker als auch das Aufkommen einer angemessenen Atmosphäre. Musikalisch hingegen ließen die Bands keinerlei Zweifel an ihrer Klasse aufkommen. Insbesondere ABSU lieferten mit dem nahezu vollständig gespielten „The Sun of Tiphareth“-Material eine würdige und leidenschaftliche Jubiläumsperformance ab, die dem Status des Albums als Meilenstein der Black-Metal-Historie gerecht wurde