17/04/2022
Manchette liebte Jazz, Kino und Literatur. Entsprechend virtuos wußte er, Bilder aus Alltag, Abenteuer und Sozialkritik mit den Klängen eines großen „Roman Noir“ zu verbinden. (Für Manchette ist „ein guter Roman Noir… ein gesellschaftskritischer Roman, der zwar Geschichten und Verbrechen erzählt, der aber zugleich versucht, die Gesellschaft – oder einen Teil der Gesellschaft – an einem bestimmten Ort zu einem bestimmten Zeit abzubilden. Von meinem Standpunkt aus war dies ein genau umrissener Zeitraum, nämlich der nach 68.“)
Durch seinen erzählerischen Reduktionismus, knappe Dialoge, kurze Sätze und hintergründigen Humor hat Manchette – an die Tradition von Dashiell Hammett und Raimond Chandler anknüpfend – eine moderne auf Europa zugeschnittene Form des amerikanischen „ hard-boild“ Krimis gefunden.
Manchette gilt als Begründer des neueren sozialkritischen französischen Kriminalromans, des sogenannten Neo Polar. Er arbeitete als Drehbuchautor und veröffentlichte unter anderem zehn Kriminalromane, von denen die meisten verfilmt wurden, so „Nada“ von Claude Chabrol, „Que d’os!“ („Knüppeldick“) von und mit Alain Delon, „Morgue pleine“ (volles Leichenhaus“) von Jaques Bral.
Alle Kriminalromane sowie die gesammelten Essays zum Roman Noir in den „Chroniques“ sind auf Deutsch im DistelLiteraturVerlag erschienen.
Jean-Patrick Manchette wäre dieses Jahr 80 Jahre alt geworden. Anlass für uns, Ihnen jede Woche einen seiner bei uns erschienen Kriminalromane mit einer Leseprobe vorzustellen.