03/03/2026
Dazwischen ist auch ein Ort.
Gestern in der Lesung habe ich die Teilnehmenden eingeladen, sich auf meiner Seelenlandkarte zu verorten.
Also nicht: Was machst du beruflich? Sondern: Wo stehst du gerade mit deinen Gefühlen?
Bist du in der Schatzkiste deiner Seele?
Im Tal der Tränen?
Auf dem Vulkan der Wut?
Oder irgendwo ganz anders?
Eine Person sagte:
„Ich bin im Zwischenraum. Ich weiß noch nicht, ob es dahin oder dahin geht.“
Ich konnte ihn gut fühlen, weil ich innerlich sofort gespürt habe:
Ja, genau da stehe ich auch.
Dieser Zwischenraum ist komisch. Man ist nicht mehr da, wo man war.
Aber man ist auch noch nicht irgendwo angekommen.
Er ist so schwer auszuhalten, weil wir es gewohnt sind, sofort etwas zu tun, direkt Antworten zu bekommen oder unangenehme Gefühle möglichst schnell zu beseitigen.
Der Zwischenraum ist deshalb so wichtig, weil er ein Ort ist, an dem wirkliche Veränderung stattfinden kann.
Wenn wir sofort handeln oder wegdrücken, bleiben wir im Alten.
Wir reagieren zwar, aber wir ändern nichts.
Der Zwischenraum unterbricht genau diesen Automatismus.
Er zwingt uns, eine Zeit lang ohne Lösung zu bleiben und macht Dingen Platz, die vorher unsichtbar waren.
Zum Ende habe ich die Frage gestellt:
Wozu bist du heute hier gewesen?
Ein Teilnehmer sagte, er habe vorher gar nicht gewusst, warum er gekommen ist.
Jetzt wisse er es.
Er habe sich mit dem Tod nie wirklich beschäftigt, obwohl er ihn im nahen Umfeld erlebt hat.
Ob er jetzt wirklich hinschaut, ob er so mutig ist, weiß er noch nicht. Aber er weiß, warum er gekommen ist.
Dann fiel ein Satz, der mich sehr berührt hat:
„Du machst keine Personalentwicklung. Du machst auch kein Coaching. Du machst Lebensentwicklung.“
Ich arbeite nicht an Selbstoptimierung.
Es geht nicht darum, besser zu funktionieren.
Es geht um unser Verhältnis zum Leben. Gerade dort, wo Endlichkeit, Verlust, Übergänge und Sinnfragen auftauchen.
Da kommt etwas in Bewegung und das ist Entwicklung. Stück für Stück wickelst du eine Schicht nach der nächsten ab…wie ein Geschenk, das ausgepackt werden will.
Wie ist es mit dir?
Kennst du diesen Zwischenraum?
Wie gehst du damit um?