Die Venendocs

Die Venendocs Die Venendocs – Der Podcast für Gefäßmedizin mit Herz und Verstand 🎧🎧🎧
Prof. Dr. Kahle und Prof.

Dr. Reich-Schupke bieten Expertenwissen im Plauderton für Krampfadern, Thrombose, Lymphödem, Lipödem, pAVK und Co. 🎧🎧🎧

Wann ist eine Flachstrickversorgung sinnvoll?Flachstrick ist nicht automatisch bei einer bestimmten Diagnose erforderlic...
09/09/2026

Wann ist eine Flachstrickversorgung sinnvoll?

Flachstrick ist nicht automatisch bei einer bestimmten Diagnose erforderlich. Entscheidend ist der individuelle Befund – also Form, Umfang und Beschaffenheit des betroffenen Beins oder Arms.

Die aktuelle Leitlinie zur medizinischen Kompressionstherapie empfiehlt Flachstrick insbesondere bei:
• größeren Umfangsunterschieden oder einer stark konischen Form
• ausgeprägten Haut- und Gewebefalten
• der Gefahr von Einschnürungen oder Druckspitzen
• schwer kontrollierbaren beziehungsweise therapieresistenten Ödemen

Flachgestrickte Kompressionsstrümpfe besitzen eine höhere Materialsteifigkeit und können außergewöhnlichen Körperformen individuell angepasst werden.

Wichtig: Eine Diagnose wie Lipödem oder Lymphödem bedeutet nicht automatisch, dass immer Flachstrick notwendig ist. Umgekehrt kann Flachstrick auch bei anderen Erkrankungen sinnvoll sein, wenn der Befund es erfordert.

Nicht allein die Diagnose entscheidet – sondern das Gewebe, die Körperform und das Therapieziel. Die Kompressionsversorgung sollte deshalb immer individuell ausgewählt und regelmäßig überprüft werden.



Grundlage ist die aktuelle, bis 2031 gültige S2k-Leitlinie „Medizinische Kompressionstherapie der Extremitäten“⁠.

LISE-Studie: erhebliche Einschränkung der Lebensqualität bei Frauen mit Lipödem Untersucht wurden:* 104 Frauen mit Lipöd...
07/09/2026

LISE-Studie: erhebliche Einschränkung der Lebensqualität bei Frauen mit Lipödem

Untersucht wurden:
* 104 Frauen mit Lipödem
* 42 gesunde Kontrollpersonen
* zusätzlich explorativ 44 Frauen mit fortgeschrittener Krebserkrankung

Frauen mit Lipödem berichteten in allen acht Bereichen des RAND‑36 eine signifikant schlechtere gesundheitsbezogene Lebensqualität als gesunde Kontrollen. Körperliche Funktion, Schmerzen, Vitalität und emotionale Einschränkungen lagen in einer ähnlichen Größenordnung wie bei der Vergleichsgruppe mit fortgeschrittener Krebserkrankung. Auch Körperbildprobleme, Fatigue, Angst und depressive Beschwerden waren deutlich ausgeprägter.

Kritische Einordnung: Querschnittsbefragung mit Selbstrekrutierung über eine Patientenorganisation. Die Krebsvergleichsgruppe stammte aus einer früheren Studie; außerdem bestanden Altersunterschiede. Die Ergebnisse dürfen daher nicht als Gleichsetzung von Lipödem und Krebs verstanden werden.

Praxisrelevanz: Die Studie stützt eine strukturierte Erfassung von Schmerz, Funktion, psychischer Belastung und Lebensqualität. Sie liefert aber keinen Nachweis für eine bestimmte Therapie und keine neue Kassenleistung.

Originalstudie in PLOS ONE, veröffentlicht am 14. August 2026

Unser Fazit: LIPLEG liefert erstmals hochwertige randomisierte Evidenz für einen deutlichen Nutzen der Liposuktion beim ...
04/09/2026

Unser Fazit: LIPLEG liefert erstmals hochwertige randomisierte Evidenz für einen deutlichen Nutzen der Liposuktion beim Lipödem. Ein wichtiger Schritt für eine evidenzbasierte Lipödemtherapie – aber noch nicht das letzte Wort.

Und ja, es wird Kritik geben an der Studie, der Methodik, der Datenqualität und den Drop-outs. Aber nehmen wir es erst einmal als einen Meilenstein, der seit 2019 unglaublich viel Arbeit, Mühe und Koordination gekostet hat und in seiner Komplexität bisher weltweit einzigartig ist.

Ein besonderer Dank gilt dem medizinischen Leiter der Studie Prof. Dr. Maurizio Podda, der die Studie mit großem Engagement gestartet hat, aber ihren Abschluss leider nicht mehr miterleben konnte.

Link zur Publikation: www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(26)00910-4/fulltext

Venendocs -Der Podcast für Gefäßmedizin mit Herz und Verstand🎙️ Die kreative Pause ist vorbei!Wir haben die freie Zeit g...
03/09/2026

Venendocs -
Der Podcast für Gefäßmedizin mit Herz und Verstand

🎙️ Die kreative Pause ist vorbei!

Wir haben die freie Zeit genutzt, neue Ideen gesammelt und sind bereits mitten in der Planung weiterer Episoden.

Freut Euch ab Januar 2027 auf brandneue Folgen, spannende News und die eine oder andere Überraschung! 💙 ❤️

Bis dahin hört gerne rein in unserer Podcast-Bibliothek unter www.venendocs.de

Wir freuen uns auf Euch!

Eure Venendocs

Krebs überstanden – Thromboserisiko weiterhin erhöhtEine Krebserkrankung kann das Risiko für venöse Thromboembolien offe...
01/09/2026

Krebs überstanden – Thromboserisiko weiterhin erhöht

Eine Krebserkrankung kann das Risiko für venöse Thromboembolien offenbar noch viele Jahre später beeinflussen.

Eine große dänische Registerstudie untersuchte 222.297 Menschen, die ihre Krebserkrankung seit mindestens fünf Jahren überlebt hatten. Im Vergleich zu Personen ohne Krebsvorgeschichte war ihre Rate venöser Thromboembolien weiterhin um 85 Prozent erhöht. Dieser Zusammenhang zeigte sich bei allen 21 untersuchten Tumorarten.

Relativ am stärksten ausgeprägt war das erhöhte Risiko bei Menschen unter 50 Jahren.

Wichtig: Aus dieser Beobachtungsstudie lässt sich keine Empfehlung für eine routinemäßige medikamentöse Langzeitprophylaxe ableiten. Sie zeigt aber, dass eine zurückliegende Krebserkrankung auch Jahre später anamnestisch relevant bleibt.

Bei neu aufgetretener einseitiger Beinschwellung, Schmerzen oder Thromboseverdacht sollte deshalb immer auch nach früheren Tumorerkrankungen gefragt werden.

Fazit: Krebs überstanden bedeutet nicht automatisch, dass auch das erhöhte Thromboserisiko vollständig verschwunden ist.

Quelle: Dänische Registerstudie mit 222.297 Fünfjahres-Krebsüberlebenden, European Journal of Preventive Cardiology, veröffentlicht am 29. August 2026.

Lipödem Stadium 1–3: Warum diese Einteilung überholt istDie bekannten Stadien beschreiben ausschließlich das äußere Ersc...
30/08/2026

Lipödem Stadium 1–3: Warum diese Einteilung überholt ist

Die bekannten Stadien beschreiben ausschließlich das äußere Erscheinungsbild des Fettgewebes – nicht die tatsächliche Schwere der Erkrankung.

Eine Patientin mit „Stadium 1“ kann starke Schmerzen und erhebliche Einschränkungen haben. Eine Patientin mit „Stadium 3“ kann dagegen deutlich weniger Beschwerden erleben.

Die aktuelle S2k-Leitlinie stellt deshalb mit starkem Konsens klar:

Die morphologische Stadieneinteilung soll nicht als Maß für die Schwere des Lipödems verwendet werden.

Auch eine zwangsläufige Entwicklung von Stadium 1 über 2 zu 3 ist nicht belegt. Das Lipödem soll nicht grundsätzlich als fortschreitende Erkrankung verstanden werden.

Entscheidend sind vielmehr:
• Schmerzen und Druckempfindlichkeit
• Schwere- und Spannungsgefühl
• funktionelle Einschränkungen
• individuelle Krankheitsbelastung

Die Stadien können das Aussehen beschreiben – aber weder die Beschwerden noch den Therapiebedarf.

Wir sollten nicht das Stadium behandeln, sondern die Patientin bzw. ihre Beschwerden.

Quelle: S2k-Leitlinie Lipödem, AWMF 037-012, Version 5.0, 2024.

Lipödem oder Lipalgie-Syndrom – brauchen wir einen neuen Namen?Die aktuelle Diskussion verunsichert viele Betroffene. Au...
27/08/2026

Lipödem oder Lipalgie-Syndrom – brauchen wir einen neuen Namen?

Die aktuelle Diskussion verunsichert viele Betroffene. Ausgelöst wurde sie durch die Entscheidung der Földiklinik, das bisher als Lipödem bezeichnete Krankheitsbild künftig „Lipalgie-Syndrom“ zu nennen. Die Begründung: Das reine Lipödem sei keine Ödemerkrankung und keine Erkrankung des Lymphgefäßsystems. Im Mittelpunkt stünden vielmehr die disproportionale Fettgewebsverteilung und der Schmerz.

Was daran fachlich nachvollziehbar ist: Die Bezeichnung „Lipödem“ kann tatsächlich irreführen. Sie suggeriert eine relevante Flüssigkeitsansammlung und damit eine Erkrankung, die primär „entstaut“ werden müsse.

Die aktuelle deutsche S2k-Leitlinie stellt jedoch klar: Das Lipödem ist weder eine klassische Ödemerkrankung noch primär Ausdruck einer venösen oder lymphatischen Funktionsstörung.

Auch bildgebende und histologische Untersuchungen fanden beim isolierten Lipödem überwiegend keine für ein Lymphödem typischen Veränderungen. Die manuelle Lymphdrainage kann Beschwerden lindern – wahrscheinlich aber eher über schmerzmodulierende und neurophysiologische Wirkungen als durch die Entfernung großer Flüssigkeitsmengen.

Insofern ist der Perspektivwechsel wichtig: weg von der Vorstellung eines grundsätzlich „gestauten“ Beines, hin zu einer differenzierten Betrachtung von Fettgewebe, Schmerz, Funktion und Begleiterkrankungen.

Aber ist „Lipalgie-Syndrom“ bereits der wissenschaftlich bessere Begriff?

Hier ist Zurückhaltung angebracht. Die Földiklinik trifft eine klinikinterne Entscheidung. Eine offizielle Umbenennung durch Fachgesellschaften, AWMF, WHO oder Gemeinsamen Bundesausschuss ist damit nicht erfolgt. Die gültige S2k-Leitlinie, die ICD-11 und die Regelungen des G-BA verwenden weiterhin den Begriff Lipödem.

Auch international wurde 2026 in einem Delphi-Konsens weiterhin von „Lipedema“ gesprochen. Die Expertinnen und Experten beschrieben eine krankhafte Fettgewebsverteilung mit Schmerzen oder Beschwerden, betonten zugleich aber, dass die Evidenz zu Pathophysiologie, Diagnostik und vielen Therapieansätzen noch begrenzt ist.

Der Begriff „Lipalgie“ stellt den Schmerz in den Mittelpunkt. Das passt zur deutschen Leitlinie, nach der eine schmerzlose disproportionale Fettverteilung als Lipohypertrophie und nicht als Lipödem bezeichnet werden soll. Gleichzeitig reduziert der neue Begriff möglicherweise ein komplexes Krankheitsbild zu stark auf den Schmerz. Veränderungen des Fett- und Bindegewebes, Mikrozirkulation, Entzündungsprozesse, hormonelle Einflüsse und mögliche Veränderungen der Gewebsflüssigkeit werden weiterhin untersucht.

Auch das pauschale Absetzen der manuellen Lymphdrainage lässt sich nicht allein aus der Aussage „kein Ödem“ ableiten. Die S2k-Leitlinie sieht sie bei unzureichender Wirkung der Kompression ergänzend zur Schmerzmodulation vor. Für eine dauerhafte routinemäßige Verordnung beim isolierten Lipödem fehlt allerdings ebenfalls eine überzeugende Evidenz.

Unsere Einordnung: Die Debatte ist wissenschaftlich sinnvoll. Sie korrigiert überholte Vorstellungen und zwingt uns, genauer zu diagnostizieren:
* Liegt tatsächlich ein Lipödem vor?
* Besteht zusätzlich eine Adipositas, ein Lymphödem oder eine venöse Erkrankung?
* Welche Beschwerden sind objektivierbar?
* Welche Therapie verbessert Schmerz, Funktion und Lebensqualität?

Eine neue Bezeichnung allein löst diese Fragen jedoch nicht. „Lipalgie-Syndrom“ ist ein nachvollziehbarer Vorschlag – aber noch kein allgemein anerkannter neuer Krankheitsname. Ebenso wenig rechtfertigt die Debatte, Beschwerden zu psychologisieren oder Betroffenen eine reale körperliche Erkrankung abzusprechen.

Wir sollten weder an alten Erklärungsmodellen festhalten noch wissenschaftliche Unsicherheiten vorschnell für beendet erklären. Entscheidend bleibt nicht das Etikett, sondern eine sorgfältige, individuelle und leitlinienorientierte Diagnostik und Therapie.

26/08/2026
Lipödem: Weniger Schmerzen durch mediterrane Low-Carb-Ernährung?Eine aktuelle Studie untersuchte über sieben Monate:• 24...
26/08/2026

Lipödem: Weniger Schmerzen durch mediterrane Low-Carb-Ernährung?

Eine aktuelle Studie untersuchte über sieben Monate:

• 24 Frauen mit Lipödem
• 24 Frauen mit Übergewicht oder Adipositas ohne Lipödem

Alle Teilnehmerinnen ernährten sich energiereduziert, kohlenhydratarm und mediterran.

Bei den Frauen mit Lipödem zeigten sich nach der Ernährungsintervention:

• eine Abnahme von Gewicht und Fettmasse
• eine deutliche Verringerung der Schmerzintensität
• eine reduzierte Lipid- und Proteinoxidation
• eine verbesserte antioxidative Kapazität

Besonders interessant: Die Schmerzabnahme war unabhängig mit der Verringerung der Lipidperoxidation verbunden. Veränderungen klassischer Entzündungsmarker erklärten die Schmerzverbesserung dagegen nicht.

Was bedeutet das?

Eine energiereduzierte mediterrane Low-Carb-Ernährung könnte die Beschwerden bei Lipödem günstig beeinflussen. Die Studie liefert außerdem Hinweise darauf, dass Veränderungen des oxidativen Gleichgewichts dabei eine Rolle spielen könnten.

Aber: Es gab keine randomisierte Kontrollgruppe ohne Ernährungsumstellung. Deshalb bleibt offen, welcher Anteil der Verbesserung auf die mediterrane Low-Carb-Ernährung, die verringerte Energiezufuhr, den Gewichtsverlust oder weitere Veränderungen zurückzuführen ist.

Die Ergebnisse sind vielversprechend – aber noch keine Grundlage für eine allgemein verbindliche „Lipödem-Diät“. Sie sollten an einer großen Zahl von Betroffenen inklusive Kontrollgruppe geprüft werden.

Quelle:
Jeziorek M, Chachaj A, Szyller J, et al. Low-carbohydrate Mediterranean style diet improves pain and body composition in women with lipedema: role of redox balance. Scientific Reports. 2026.
DOI: 10.1038/s41598-026-65560-y
https://www.nature.com/articles/s41598-026-65560-y

Habt Ihr bereits beobachtet, dass Eure Ernährung die Lipödemschmerzen beeinflusst?

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