22/06/2026
BRAVO-Rückblick: Wenn Jugenderinnerung plötzlich bitter schmeckt
München – Was früher achtlos gedruckt wurde, wirkt heute wie ein Schlag ins Gesicht. Carola Niemann war 14, verliebt und stolz, als sie in den 80er Jahren mit ihrem damaligen Freund für die BRAVO fotografiert wurde. Für viele Jugendliche war das Heft damals fast so etwas wie ein Ritterschlag: Wer dort auftauchte, war für einen Moment sichtbar.
Doch der alte Artikel, den Niemann bis heute aufgehoben hat, erzählt nicht nur von Teenagerliebe. Er zeigt auch, wie selbstverständlich rassistische Sprache und eine fragwürdige Sexualisierung Minderjähriger damals in einem Jugendmagazin landen konnten. Die Schlagzeile mit dem N-Wort wirkt aus heutiger Sicht nicht nur daneben, sondern brutal entlarvend.
Niemann sagt rückblickend, sie habe das damals nicht hinterfragt. Das Wort sei im Alltag oft gefallen, und die Freude, in der BRAVO zu erscheinen, habe überwogen. Genau darin liegt der unbequeme Punkt: Nicht alles, was früher „normal“ war, war harmlos.
BRAVO prägte Generationen, brachte Stars in Kinderzimmer und machte Jugendliche selbst zu kleinen Heft-Berühmtheiten. Doch Mediengeschichte besteht eben nicht nur aus Nostalgie, Postern und Dr.-Sommer-Briefen. Sie besteht auch aus Fehlern, die heute nicht mehr weggelächelt werden sollten.