25/04/2026
🏠Ein Haus loslassen – wenn man sich nicht nur von Wänden verabschiedet🩵
Es gibt Momente im Leben, in denen eine scheinbar einfache Aufgabe viel mehr bedeutet. Wenn Aufräumen nicht nur Aufräumen ist, Entrümpeln nicht nur das Aussortieren von Gegenständen, und der Verkauf eines Hauses nicht nur eine Immobilienangelegenheit ist.
Sondern ein Abschied. 😞
Vor einem Jahr blieb die Zeit plötzlich stehen. Meine Mutter starb unerwartet an einem Herzinfarkt. Es gab keine Vorbereitung, kein Abschiednehmen. Auf einmal stand das Haus leer – das Haus, in dem seit 1979 immer jemand gelebt hatte. Das Haus, in dem ich aufgewachsen bin, in dem ich bis 1992 lebte und das für mich immer „Zuhause“ bedeutete.
Jetzt räumen mein Bruder und ich es gemeinsam auf, reinigen es, entrümpeln es und bereiten es für den Verkauf vor. Wir leben beide längst in unseren eigenen Häusern. Und doch fühlt es sich mit jeder gepackten Kiste und mit jedem weggegebenen Gegenstand so an, als würde mein Herz ein Stück mehr zerbrechen.❤️🩹
Denn es sind nicht nur Dinge, die wir einpacken. Es sind Erinnerungen.
Jede Ecke, jedes Möbelstück, jede Kleinigkeit trägt eine Geschichte in sich. Eine Stimmung, ein Lachen, einen ganz normalen Moment. Und gleichzeitig tauchen diese Gedanken auf: Was wäre gewesen, wenn … Wenn ich geblieben wäre. Wenn ich meinen alten Traum verwirklicht und den Dachboden ausgebaut hätte. Von dort oben war der Blick am schönsten – auf die umliegenden Berge, auf unser Dorf. Als junges Mädchen habe ich mir oft vorgestellt, wie es wäre, dort zu leben.
Doch das Leben hat mich in eine andere Richtung geführt. Ich bin viel durch Europa gereist, habe in Deutschland und Österreich gelebt, und vor dreißig Jahren bin ich schließlich in ein anderes Komitat, in ein anderes Dorf gezogen, um dort neu anzufangen und zu bauen. Es war eine bewusste Entscheidung – und doch ist ein Teil von mir immer hier geblieben.
Denn es gibt Orte, die mehr sind als nur Orte. Sie sind Wurzeln.🩵
Und jetzt muss ich genau diese Wurzeln loslassen.
Gestern war ich beim Ansiedlungsjubiläum in Pilisszentiván. Dort wurde auch ein Film über die Geschichte der Schwaben gezeigt – „300 Jahre, aber was haben uns die Schwaben gegeben?“. Viele schwere Schicksale wurden darin sichtbar: Vertreibungen, Neuanfänge, Verluste. Geschichten, die nicht nur von der Vergangenheit erzählen, sondern auch von uns.
Denn die wichtigste Botschaft war nicht der Schmerz, sondern das Überleben. Die Fähigkeit, immer wieder aufzustehen. Trotz Unsicherheit weiterzugehen, ein Zuhause zu schaffen, das Leben neu aufzubauen.
In gewisser Weise sind wir Schwaben darin geübt geworden – auch wenn wir uns das nie ausgesucht hätten. Generationen haben gelernt, immer wieder von vorne zu beginnen. Loszulassen und trotzdem etwas Wesentliches weiterzutragen.
Und genau diese Geschichte nehmen wir jetzt mit, während wir dieses Haus loslassen.
Denn dieses Haus war mehr als ein Gebäude. Es hat uns mehr als einmal eine Chance gegeben. Es hat uns ein Zuhause geschenkt. Sicherheit. Leben.
Und vielleicht ist es jetzt an der Zeit, dass es all das weitergibt.
Dass jemand anderes darin denselben Segen erkennt.
Der Schmerz wird noch verstärkt durch den Gedanken, dass meine Mutter vielleicht noch hätte leben können. Sie war erst 73 Jahre alt. Alles geschah so plötzlich, dass es bis heute schwer zu begreifen ist. Vielleicht ist es genau deshalb so schwer, dieses Haus jetzt zu betreten. Weil dort alles gleichzeitig präsent ist: die Vergangenheit, der Verlust und dieses Gefühl, dass etwas unvollendet geblieben ist.
Und doch gibt es tief in mir auch das Wissen: Ein Zuhause verschwindet nicht einfach. Es existiert nicht nur in Wänden.
Sondern in uns.💖
In unseren Erinnerungen, in unseren Geschichten, in dem, was wir weitertragen.
Ein Haus kann man verkaufen. Dinge kann man loslassen.
Aber ein Teil von Zuhause bleibt für immer bei uns.