13/10/2026
Die Greißlerei, ein zumeist von Familien und mit 1-2 Angestellten geführtes Nahversorgungsgeschäft, war die dominante Form für die Versorgung der Bevölkerung mit alltäglichen Gütern (Lebensmittel, Brennmaterial, Kurzwaren,…) bis in die 1960er. Durchschnittlich 50-70m² groß, zumeist mit angeschlossenem L***r, bildeten sie das Rückgrat der städtischen Nahversorgung. Die Besitzer:innen wohnten oft über dem Geschäft oder in unmittelbarer Umgebung, ihre Kundschaft rekrutierte sich aus der Nachbarschaft.
Der Höhepunkt dieser Geschäftsform war in Wien während der Zwischenkriegszeit, in der bis zu 21.000 Verkaufsstellen existierten. Die Greißlerei war aber auch ein sozialer Ort, an denen Menschen soziale Kontakte pflegen konnten und oft in schwierigen Situationen auf Kredit einkauften. Eine erste Verdrängungswelle vollzog sich während der Herrschaft des Nationalsozialismus, in der jüdische Eigentümer:innen enteignet wurden. Nach dem Krieg gab eine kurze Phase der Renaissance dieser Geschäftsform durch Einführung technischer Innovationen (Kühlaggregate) und der Ausweitung des Warensortiments. Mit der Einführung von Supermärkten ab Ende 1950er beginnt das große „Greißlersterben“, dass sich bis in die 2000er fortsetzte. Mit Veränderung der Einkaufsgewohnheiten (bewusster und kritischer Konsum) kehren langsam wieder spezialisierte Greißlereien ins Stadtbild zurück. Viele von Migrant:innen geführte Gemischtwarengeschäfte treten auch das Erbe der klassischen Greißlerein an und füllen mit Produkten aus den Herkunftsländern und flexiblen Öffnungszeiten die Befürfnisnischen, die die großen Supermarktketten offenlassen.
Mehr zum Thema gibt es in der Podcastfolge: www.geschichtsgreisslerei.at ☺️