27/12/2025
In den vergangenen Tagen hat uns viel Kritik am Buchprojekt “We are Austria. 77 außergewöhnliche Frauen aus Österreich” erreicht. Mit dem Buch wollen wir außergewöhnliche Österreicherinnen – bereits verstorbene und lebende – vor den Vorhang holen, ihnen Sichtbarkeit verschaffen und ihren bemerkenswerten Einsatz für ein vielfältiges, offenes und gleichgestelltes Zusammenleben würdigen.
Vor einigen Tagen hat Soap&Skin Anja Plaschg geteilt, dass ein biografischer Text, der im genannten Buch in der Ich-Form über sie erschienen ist, nicht von ihr autorisiert worden sei. Zu Wort meldete sich auch Corinna Milborn, die diese Kritik aus eigener Erfahrung bestätigte. Mit beiden haben wir inzwischen persönlich Kontakt aufgenommen. Auch von anderen portraitierten Frauen haben wir kritische Hinweise erhalten.
Diese Kritik nehmen wir, Matthias Opis und Elisabeth Stein-Hölzl, als Geschäftsführende des Molden Verlags und der Styria Buchverlage sehr ernst. In der Begeisterung für dieses Projekt haben wir an mehreren Stellen die gebotene Sorgfalt, besonders was die Freigabe der Texte der portraitierten Frauen in Ich-Form betrifft, vermissen lassen. Das schmerzt die davon betroffenen Frauen und fügt dem Projekt Schaden zu. Dafür entschuldigen wir uns persönlich in aller Form! Erst dann, wenn alle offenen Fragen in diesem Zusammenhang beantwortet sind, werden wir eine weitere Auflage des Buches in Auftrag geben.
Ein Verlag ist ein lebendiger Organismus, der aus mehr als Strukturen und Prozessen besteht. Da sind auch viel Emotion und Kommunikation im Spiel. Und da sind, nicht nur in unserem Fall, vor allem Menschen mit Idealismus, Professionalität und Herzblut am Werk. Und dort, wo Menschen arbeiten, passieren Fehler. Das gilt auch für uns.
Auf einige Punkte der Kritik möchten wir hier näher eingehen:
Wie ist dieses Buch entstanden?
Ein Vorbild für dieses Projekt waren die „Good Night Stories for Rebel Girls“. So wie bei diesen Büchern steht auch bei „We are Austria“ gut sichtbar eine Autorin auf dem Cover. Wir wollten keinesfalls suggerieren, dass die portraitierten Frauen die Texte selbst verfasst hätten. Darum ist im Impressum des Buches detailliert ausgewiesen, welche Texte von der Autorin geschrieben und welche von weiteren Beiträgerinnen verfasst wurden. Im Vorwort wird klargestellt, dass die Texte zwar aus der Ich-Perspektive geschrieben sind, aber auf gründlicher Recherche basieren, nicht auf eigens geführten Interviews. An der Umsetzung dieses komplexen Projekts haben neben der Autorin mehrere Kolleginnen aus dem Verlag mitgewirkt. Sie alle standen mit vielen – nicht allen – der porträtierten Frauen im Austausch. Wo kein direkter Kontakt möglich war, haben sich die Autorin und die Beiträgerinnen ausschließlich auf Aussagen der Frauen in öffentlichen Interviews und auf O-Töne gestützt.
Nach welchen Standards arbeiten wir?
Zuletzt hat Nicola Werdenigg kritisiert, dass es sich nicht um „individuelle Missverständnisse“, sondern um ein „strukturelles Problem“ und einen „juristischen Präzendenzfall“ handle. Die von Frau Werdenigg zurecht eingeforderten Standards haben wir, was die Freigabe der Texte betrifft, nicht erfüllt. Das tut uns leid.
Ein zweiter wichtiger Kritikpunkt betrifft das Thema KI. Unsere Policy als Verlag hierzu ist eindeutig: Überall dort, wo unter Zuhilfenahme von KI-Tools gearbeitet wurde, machen wir das transparent. Im Fall der „77 Frauen“ wurden die Grafiken mithilfe von Midjourney KI gestaltet. Das haben wir im Impressum ausgewiesen. Wie alle anderen Bücher der Styria Buchverlage wurde auch dieses Buch einem gründlichen Lektorat und Korrektorat unterzogen.
Für wen ist dieses Buch?
Ein dritter Kritikpunkt betrifft die Annahme, dass es sich um ein Kinderbuch handle. Die Styria Buchverlage verfügen über kein Kinderbuch-Programmsegment. Es wurde vom Verlag auch an keiner Stelle kommuniziert, dass es sich bei den „77 Frauen“ um ein Kinderbuch für 10-Jährige handelt. Zielgruppe sind vielmehr Jugendliche und (junge) Erwachsene.
Postscriptum
Wir bedanken uns bei allen, die sich mit Hinweisen und berechtigter Kritik gemeldet haben. Unser Anliegen war, Österreicherinnen zu würdigen, die mit ihren Talenten, ihrer Kraft und ihrem Engagement die Welt verändern. Dass unsere Fehler davon ablenken, tut uns leid.