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1997, als das Disney-Musical »Die Schöne und das Biest« das erste Mal in Wien zu sehen war, kostete ein sichteingeschrän...
02/09/2026

1997, als das Disney-Musical »Die Schöne und das Biest« das erste Mal in Wien zu sehen war, kostete ein sichteingeschränktes Ticket am Sonntag und von Dienstag bis Donnerstag 130 Schilling, am Freitag und am Samstag 140 Schilling.

Die teuerste Kategorie kostete 1300 bzw. 990 Schilling.

Vergleichen wird das inflationsbereinigt mit heutigen Preisen
Teuerste Kategorie: 189 Euro
Sichteingeschränkt: 30 Euro
Die unterschiedlichen Preise nach Wochentage gibt es so nicht mehr, die Aufteilung der Plätze ist auch eine andere. In den ersten Wochen fällt immer der teuerste Preis an, »Dynamic Pricing«, auch »Ticketpiraterie« genannt, sei Dank.

Man kann dennoch die direkten Preise in Beziehung setzen und die Teuerung errechnen.
Kategorie 1 (1997): 1300 ÖS wären heute 177,13 Euro
Sichteingeschränkt (1997) 130 ÖS wären heute 17,72 Euro
Stehplatz (1997): 35 Schilling wären heute 4,83 Euro

Kategorie 1 (2026): 189 Euro
Sichteingeschränkt (2026): 30 Euro
Stehplatz (2026): 15 Euro

Teuerung
Kategorie 1: + 6,7 %
Sichteingeschränkt: + 69,3 %
Stehplatz: + 210 %
Kategorie 6 (65 Euro) + 53,9 %

Die VBW werden wissen, warum sie potenzielle Zielgruppen gezielt ausschließen.

Wie immer sehr unterhaltsam auf eine ganz eigene Weise.Will Artificial Intelligence render life meaningless? Professor P...
01/09/2026

Wie immer sehr unterhaltsam auf eine ganz eigene Weise.

Will Artificial Intelligence render life meaningless? Professor Peter Murphy, PhD, joins Caroline & Phillip to discuss digital consciousness, the future of work, Khloe Kardashian, lemonade stands, and Nobu.

Broadcasting live from an abandoned warehouse in downtown Los Angeles

Will Artificial Intelligence render life meaningless? Professor Pet...

30/08/2026

Von 2005 bis 2015 war der Schauspieler und Regisseur Michael Schottenberg Direktor des Wiener Volkstheaters. Eine beliebte Floskel, die viele Regisseure, so mancher Direktor verwendet, ist jene, dass sie »Geschichten erzählen« wollen. Seit 2015 macht das Schottenberg ganz konkret. Eben ist sein 13. Buch mit Reisegeschichten erschienen. 13 Bücher in 11 Jahren, kein schlechter Output. Die Geschichten des Reiseschriftstellers sind in der ganzen Welt angesiedelt und zeigen eine ganz eigene Handschrift.
Schottenbergs neuestes Buch heißt »Irgendwo auf der Welt« und bietet 66 Geschichten. Am Ende jede Kapitels gibt’s einen EAN-Code, der zu einer Audio-Datei führt. Schottenberg hat das Buch nämlich auch eingelesen.

Lese- und Hörproben gibts hier:
https://amalthea.at/produkt/irgendwo-auf-der-welt/

Seitenblicke mit Michael Schottenberg
https://on.orf.at/video/14336789/16144935/schottenberg-verreist-wieder-seitenblicke-vom-27082026

Drei Jahrzehnte ist es her, dass Disneys »Die Schöne und das Biest« im Raimund Theater zu sehen war, damals ohne jeden A...
29/08/2026

Drei Jahrzehnte ist es her, dass Disneys »Die Schöne und das Biest« im Raimund Theater zu sehen war, damals ohne jeden Anspruch, mehr zu sein als ein Familienstück mit sprechendem Kerzenhalter. Ab 25. September 2026 ist eine Neuinszenierung von Matt West mit Marlene Jubelius als Belle und Dominik Hees als Biest am Start. Was sich geändert hat, ist nicht das Stück. Es ist die Verpackung.

Erste PR-Arbeitsproben der VBW zeigen, dass die Show als »feministisch« verkauft werden soll, was absurd ist. Gleichzeitig aber ein Phänomen, das etwa Beate Hausbichler in ihrem Buch »Der verkaufte Feminismus. Wie aus einer politischen Bewegung ein profitables Label wurde« beschreibt. Man könnte es »Femvertising« nennen – Feminismus als Aufkleber, nicht als Aussage.

Das Verfahren an sich ist nicht neu. Das Gleiche hatten wir bei »Maria Theresia«, wo eine Historikerin jede noch so freie Deutung durchwinkte, weil: ganz auszuschließen sei das alles ja nicht. Wissenschaftliche Beglaubigung im Konjunktiv, quasi mit einem Augenzwinkern.

Und bei »Rock Me Amadeus« wurde ein Falco gezeigt – vor allem in den Konzertszenen –, den es so nie gegeben hat. Falco war ein Solist im Sinne großer Entertainer. Er stand allein auf der Bühne. Der Künstler, die Band, aus. Alles Chichi (und diese lächerlichen Choreos), was da von den VBW inszeniert wurde: grob falsch.

Nun also »Die Schöne und das Biest«. Was verwundert: Es gibt noch keine Statements von Shirin David, Ikkimel, Yasmo, Sookee oder Ebow, die eine feministische Neuinterpretation ja sicher unterstützen würden. Es gibt keine neu formulierten Textpassagen wie (frei nach Ikkimel):

Dein Schloss stinkt nach Männerschweiß und Machtkomplexen,
ich bin nicht dein Heimchen, ich bin dein Albtraum am Exen!
Hier im Schloss?
Ich tret die Türen ein, ich zünd die Bude an!
Du bist kein Biest, du bist ein Peilo,
der keine Absage vertragen kann!
Und pass auf,
wenn die Atzen-Gang den Laden stürmt:
Wir treiben dich durchs Viertel,
bis dein ganzes Ego türmt!

Im ORF-Beitrag ist zumindest schon mal die Einmoderation ganz auf Linie, wenn von der »Geschichte einer klugen, unabhängigen Frau, die in einem verfluchten Schloss unter anderem auf ein Biest trifft« berichtet wird.

Hauptdarstellerin Marlene Jubelius: »Sie will Abenteuer, daher find ich schon, dass es auf ne Weise feministisch ist, weil sie nicht eine typische Disney-Prinzessin ist, die jetzt nur auf dem Weg ist, ihren Prinzen zu finden.« Fast sympathisch. Mehr Selbstdistanzierung von den möglicherweise vorgegebenen Textschnipseln geht praktisch nicht (»schon«, »auf ne Weise«, interessante Distanzmarker).

Fassen wir kurz zusammen, worum es geht: Belle nimmt den Platz ihres Vaters ein – Selbstopferung unter Zwang, keine Einwilligung –, wird gefangen gehalten und isoliert. Das Narrativ verlangt von ihr, Empathie und Liebe für ihren Peiniger zu entwickeln. Die Botschaft lautet im Kern: »Wenn du einen aggressiven, kontrollierenden Mann nur lange genug liebst und erträgst, wird er sich für dich in einen guten Menschen verwandeln.« Das ist das Gegenteil von weiblicher Selbstbestimmung – es ist eine klassische Verantwortungsverschiebung.

Belle lehnt zwar den machohaften Gaston ab (was oft als feministisch interpretiert wird), landet aber am Ende genau in derselben traditionellen Rolle: Sie wird die treue Gefährtin eines mächtigen Mannes in einem Schloss. Ihr Wunsch nach »Abenteuer in der großen weiten Welt« löst sich in Luft auf, sobald der Prinz »gerettet« ist. Sie wird in die altbekannte Rolle der Frau gedrängt, die für die emotionale Läuterung des Mannes verantwortlich ist. Das Biest ist gewalttätig, brüllt und zerstört Gegenstände – die Frau muss durch Geduld, Sanftmut und Liebe seine Wut bändigen.

Trotz der Behauptung, es gehe um »innere Werte«, bleibt die Optik zentral: Belle ist natürlich makellos schön, das Biest wird am Ende erst dann mit dem Happy End belohnt, wenn es sich in einen glattpolierten, normschönen Prinzen verwandelt.

Man darf Märchen inszenieren, aber Feminismus ist kein Merchandise. Merchandise gibt es dann vermutlich eh: Plastik-Entchen, wie immer.

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25/08/2026

Erinnerungen an Mörbisch, Teil 2. Nun arbeitet die Marketing-Maschinerie auf Hochtouren, allein, es ist zu spät. Online möchte man die Besucherzahl von 105.000 als »Erfolg« verkaufen und auch so dargestellt wissen. Wir lesen:

»Die Seefestspiele Mörbisch haben die Saison 2026 mit 105.327 Besucherinnen und Besuchern bei ›Ein Käfig voller Narren‹ beendet. Einschließlich der sechs Gastveranstaltungen kamen rund 141.000 Gäste auf die Seebühne.«

Und was haben wir 2023 gelesen?
»180.890 Menschen machten an 30 Abenden den Musical-Blockbuster ›Mamma Mia!‹ zum Hit in Mörbisch. Zusammen den Gastveranstaltungen strömten diesen Sommer insgesamt 202.590 Gäste nach Mörbisch.«

Quellen:
2026
https://www.kulturgericht.at/news/seefestspiele-morbisch-ziehen-positive-bilanz.html?fbclid=IwY2xjawT6SJBwZG9mAWV4dG4DYWVtAjExAGJyaWQRMDQ1eXlydGVMNVluRzJjWEtzcnRjBmFwcF9pZBAyMjIwMzkxNzg4MjAwODkyAAEejdBQIUZqZcXx5xeRuLswRlp3jbdBUtxR3K_NSUoUOKeHr4CC5eX8L98SEjY_aem_9dZfgDs7cEIQKWZ6uHjakg

2023
https://www.meinbezirk.at/eisenstadt/c-lokales/180890-menschen-besuchten-mamma-mia_a6220818

Verkaufte Tickets 2023–2026
2023: 180.000
2024: 145.000
2025: 157.000
2026: 105.000

24/08/2026

Eine Erinnerung an Mörbisch 2026: die Begrüßungsrede von Alfons Haider im O-Ton, so weit sie der- oder diejenige, der oder die sie transkribiert hat, verstanden hat. Ein Juwel im Transkript. Und im Anschluss daran: Wie schreibt das Perplexity im Stil zweier bekannter österreichischer Schriftsteller:innen um (Elfriede Jelinek und Elias Hirschl)? Nicht unlustig.

Alfons Haider.

Geht es Ihnen gut? Herrlich. Mein Gott, na, wenn so ein gutes Publikum da ist [er erwähnt irgendeinen Reiseveranstalter], dann kann ja nix schiefgehen.
Schön, dass Sie da sind, schön, dass Sie den Weg hergefunden haben. Die letzte Strecke sind Sie ja fast geschwommen. Vielleicht einmal einen Riesenapplaus, meine Damen und Herren, bitte an alle Technikerinnen und Techniker, die ja schon wieder alles fertiggemacht haben.
Und weil sie so stimmungsvoll sind: Wo sitzen denn die Burgenländer? Geben Sie Laut. Burgenländer.

Niederösterreicher

Die Wiener

Die Oberösterreicher

Die Steirer

Die Kärntner

Die Salzburger

Die Tiroler

Und unsere Vorarlberger – einer ist da.
Ich begrüße natürlich auch alle Damen und Herren ausn Ausland hier bei uns. Wir wissen, dass wir sehr viele deutsche Gäste haben, die hier Urlaub machen. Schön, dass Sie da sind. Auch ab und zu immer wieder verirrt sich jemand ein Schweizer [versucht sich nun in Schweizerdeutsch]: Haben wir heute Schweizer herinnen. Haben wir? Super. Wenn Sie das Stück bis zur Pause nicht verstanden haben, kommen Sie zu mir, ich erklär’s Ihnen. – Ma, diese blöden Witze, na. … Und das Publikum hat sich auch so herausgeputzt heute. Das ist unfassbar. Nein, gnädige Frau, diese Ringe. San de von ihm? Na ned de an den Fingern. Unter de Augn. Und do herüben is eine Dame, das is unfassbar, das glauben Sie nicht. Mit Kroko-Sandalen. Kroko-Sandalen beim Regen. Ahso, Sie sind barfuß. Entschuldigen S’.
Tja, Tatsache ist, meine Damen und Herren, dass wir Frauen … Wir Frauen is guat … morgen bin I wieder … Von Frauen erwartet man immer, dass sie schön sein müssen. Das hat einen logischen Grund, weil Männer besser schauen können als denken. Das is normalerweise der Jubel bei den Frauen.
… Kurzes unverständliches Geplänkel …
Es ist »La Cage auf Folles«, danke, dass Sie ausgehalten haben. Ich hab a bissl Bauchweh, weil die Bühne is immer noch a bissl nass – also unsere Tänzerinnen und Tänzer haben heute a bissl a »Holiday on ice« hier. Warum spielen wir dieses Stück? Weil es eine der schönsten Liebeskomödien ist, die es gibt, meine Damen und Herren, mit wunderbaren Melodien, einem Welthit, »I am what I am«, »Ich bin, was ich bin«. Und die Geschichte ist ganz kurz: Junger Mann kommt nach Hause, erzählt, dass er ein Mädchen heiraten will. Die Eltern sind begeistert. Die Eltern des Mädchens nicht wirklich. Weil die Eltern des Buben sind zwei Männer. Mehr brauch ich Ihnen nicht erzöhn. Der Vater des Mädchens ist der Generalsekretär der Partei für Zucht, Moral und Ordnung. Sie können Ihnen vuastön, was das für Verwirrungen haben wird. Aber wir wern schaun, wies ausgeht. Schön, dass Sie da sind.
Joël Zupan ist heute unser Jacob, meine Damen und Herren. Am Dirigentenpult von unserem 40-köpfigen Damen- und Herrenorchester dort hinten ist kein Geringerer als Günter Fruhmann. Ein Riesenapplaus für unser Orchester im Orchestergraben.
Mir bleibt jetzt nur mehr eines zu sagen: Ich wünsche Ihnen einen wunderschönen guten Abend. Schließen Sie Ihre Augen für ein bisschen, und dann machen S’as wieder auf. Ah, ich hab eine wichtige Kollegin vergessen. Entschuldigung. Musicalstar Maya Hakvoort ist heute Abend hier. Wo ist sie? Maya Hakvoort … Irgendwo ist sie … Gerade in Baden … Jetzt freuen Sie sich. In diesem Stück geht es um eine einzige Sache. Es geht um die Liebe. Und der Satz »Ich bin, was ich bin« hat eine neue Bedeutung, meine Damen und Herren, durch den Terroranschlag in Berlin und durch den Mord an einem unschuldigen homosexuellen Niederösterreicher vor zwei Wochen. Und ich sag euch ganz laut und deutlich, auch denen, die es nicht hören wollen: Ich bin auch, was ich bin, und verdammt noch mal, ich bleibe auch, was und wie ich bin. … Willkommen bei »La Cage aux Folles.«

Elfriede Jelinek:

Der Käfig ist ausverkauft (nach Elfriede Jelinek)
Geht es Ihnen gut. Natürlich geht es Ihnen gut, sonst wären Sie nicht da, hierher kommt nur, wem es gut geht, die anderen liegen woanders und zahlen keinen Eintritt. Herrlich, sagt man da, herrlich kommt von Herr, und ein Herr ist immer da, auch wenn er nicht angekündigt wird. Der Reiseveranstalter hat Sie veranstaltet, er veranstaltet Reisen, wir veranstalten das Übrige, ein Publikum lässt sich gut veranstalten, ein Volk noch besser, das hat sich bewährt, das ist erprobt, das läuft.

Schön, dass Sie den Weg hergefunden haben, den Weg findet man immer, es ist ja immer derselbe. Die letzte Strecke sind Sie geschwommen, weil es regnet, es regnet auf uns herunter, als wollte etwas etwas abwaschen, aber es wäscht nichts ab, es wird nur alles glatt. Einen Riesenapplaus bitte für die Technikerinnen und Techniker, die schon wieder alles fertiggemacht haben. Fertiggemacht. Das Wort ist gut, ich behalte es, es macht uns alle fertig, und dann klatschen wir dazu, weil Klatschen die billigste Form ist, dabei gewesen zu sein.

Und weil Sie so stimmungsvoll sind: Wo sitzen die Burgenländer. Geben Sie Laut. Sie geben Laut, Laut geben können sie, das haben sie von den Hunden gelernt oder die Hunde von ihnen, das ist nicht mehr auseinanderzuhalten und muss es auch nicht. Unter den Burgenländern liegen die Römer, unter den Römern die Keltinnen und Kelten, unter denen liegt Boden, und unter dem Boden ist wieder Boden, und der Boden ist unser, darum heißt er Heimatboden, das Blut dazu erwähnen wir nicht, es ist bei Kunstlicht kaum zu sehen. Niederösterreicher. Wiener, die geben keinen Laut, die geben Bescheid. Oberösterreicher, die haben eine Geschichte, aber sie ist gerade in der Reinigung. Steirer, grün, wie das Gras über allem. Kärntner, wir sagen jetzt nichts, wir haben es ja schon gesagt, es hat nichts geholfen. Salzburger, dort werden die Toten alle Sommer neu aufgeführt und gut bezahlt. Tiroler, Berge sind hoch, damit man von oben nicht hinunterschauen muss. Und unsere Vorarlberger, einer ist da. Einer ist immer da, einer genügt, an einem kann man zeigen, dass man niemanden ausschließt.

Ich begrüße die Damen und Herren aus dem Ausland. Wir haben sehr viele deutsche Gäste, wir hatten schon einmal sehr viele deutsche Gäste, damals sind sie geblieben und wir haben ihnen die Fenster geschmückt, aber das war ein anderes Stück, ein Volksstück, es lief lange und ohne Pause. Schön, dass Sie da sind, diesmal zahlen Sie. Und ab und zu verirrt sich ein Schweizer herein, verirrt, ja, der Schweizer verirrt sich nie, der Schweizer weiß immer, wo etwas liegt, besonders wenn es anderen gehört. Wenn Sie das Stück bis zur Pause nicht verstanden haben, kommen Sie zu mir, ich erklär's Ihnen. Erklären kann ich alles, verstehen wird trotzdem niemand, sonst müssten wir aufhören.

Und das Publikum hat sich herausgeputzt. Herausgeputzt wird, was hinein soll. Gnädige Frau, diese Ringe. San de von ihm. Na, ned de an den Fingern, unter de Augn. Die sind von der Nacht, die Nacht schenkt einer Frau, was sie nicht wollte, und am Morgen trägt sie es. Und da herüben eine Dame mit Kroko-Sandalen bei Regen. Das Krokodil ist nicht mitgekommen, das Krokodil ist Schuh geworden, es ist befördert worden, man muss aus allem etwas machen. Ahso, Sie sind barfuß. Entschuldigen S'. Dann lebt es noch irgendwo und weint nicht, das Weinen haben wir übernommen, wir machen es besser, wir machen es öffentlich.

Tatsache ist, meine Damen und Herren, dass wir Frauen. Wir Frauen is guat, morgen bin i wieder. Von Frauen erwartet man, dass sie schön sein müssen, das hat einen logischen Grund, weil Männer besser schauen können als denken. Und jetzt jubeln die Frauen, sie jubeln über den Satz, der sie zerteilt, Jubel ist billiger als Widerspruch und man sitzt bequemer dabei.

Es ist La Cage aux Folles, der Käfig voller Narren, und Sie sitzen im Dunkeln und schauen hinein und sind sicher, dass Sie draußen sind. Ich hab a bissl Bauchweh, die Bühne ist noch nass, unsere Tänzerinnen und Tänzer haben Holiday on Ice, es ist Glatteis, wir gleiten alle aus, aber wir gleiten mit Musik, und Musik nennt man das, was das Geräusch des Aufprallens übertönt. Warum spielen wir dieses Stück. Weil es eine der schönsten Liebeskomödien ist, und Komödie heißt, dass diesmal keiner stirbt, aber nur diesmal. Junger Mann kommt heim und will ein Mädchen heiraten. Die Eltern des Buben sind zwei Männer. Der Vater des Mädchens ist Generalsekretär der Partei für Zucht, Moral und Ordnung. Zucht. Wer Zucht sagt, meint züchten, wer züchten sagt, meint aussortieren, wer aussortiert, hat eine Liste, und die Liste hat einen guten Drucker. Sie können sich vuastön, was das für Verwirrungen haben wird. Wir wern schaun, wies ausgeht. Wir schaun immer, wies ausgeht, und dann sind wir überrascht.

Joel Zuppan ist heute unser Jacob. Am Dirigentenpult unseres vierzigköpfigen Orchesters Günter Fruhmann. Vierzig Köpfe, gezählt, wir zählen gern Köpfe, wir haben Übung darin, und wir wissen, wie man die Zahl später korrigiert.

Mir bleibt nur eines: Ich wünsche Ihnen einen wunderschönen guten Abend. Schließen Sie die Augen ein bisschen, und dann machen S'as wieder auf. Zugemacht haben wir sie ja schon länger. Ah, ich hab eine wichtige Kollegin vergessen. Musicalstar Maya Hakvoort ist heute Abend hier. Die Frau vergisst man zuerst, das ist keine Absicht, das ist Übung, Übung macht die Vergessenen.

In diesem Stück geht es um eine einzige Sache, es geht um die Liebe, und der Welthit heißt Ich bin, was ich bin. Das hat schon einmal einer gesagt, aus einem brennenden Busch heraus, und seither brennt es in Abständen weiter. Der Satz hat eine neue Bedeutung durch den Terroranschlag in Berlin und durch den Mord an einem unschuldigen homosexuellen Niederösterreicher vor zwei Wochen. Unschuldig, sagen wir, als hätte einer schuldig sein können, als gäbe es eine Version, in der es passt. Und ich sag es ganz laut und deutlich, auch denen, die es nicht hören wollen, und die hören es nicht, sie haben ja Karten, sie sind ja da: Ich bin auch, was ich bin, und verdammt noch mal, ich bleibe auch, was und wie ich bin. Bleiben. Bleiben ist das Gefährlichste, weil man dabei stehen bleiben muss, wo man getroffen wird.

Willkommen bei La Cage aux Folles. Der Käfig ist ausverkauft, wie immer, und die Tür geht nach innen auf.

Elias Hirschl:

Ansage, Version 4.2 (nach Elias Hirschl)
Geht es Ihnen gut. Gut. Ich frage das nicht, weil es mich interessiert, ich frage das, weil es im Ablaufplan steht, Punkt eins: Publikum abholen. Ich hole Sie ab. Sie sind abgeholt.

Diese Vorstellung wird Ihnen präsentiert von einem Reiseveranstalter, dessen Namen ich hier nenne, weil er dafür bezahlt hat, und ich nenne ihn zweimal, weil er für zweimal bezahlt hat. Wenn ein so gutes Publikum da ist, kann nichts schiefgehen. Das ist statistisch nicht belegt. Es ist mir gesagt worden von einem Mann in einem Poloshirt, der Head of Audience Experience ist und dessen Vertrag im September ausläuft, so wie meiner, so wie alle.

Schön, dass Sie hergefunden haben. Die letzte Strecke sind Sie geschwommen. Das ist kein Wetter, das ist eine Rahmenbedingung. Wir haben das Wetter in unserem Risikobericht unter Punkt 14 geführt, gleich hinter Punkt 13, Weltuntergang, und gleich vor Punkt 15, Bühne nass. Die Bühne ist nass. Unsere Tänzerinnen und Tänzer machen deshalb heute Holiday on Ice, das ist kein Fehler, das ist ein Feature. Sollte jemand stürzen, applaudieren Sie bitte, weil ein Sturz mit Applaus als geplante Choreografie gilt und wir dann nichts melden müssen.

Einen Riesenapplaus für unsere Technikerinnen und Techniker, die alles fertiggemacht haben. Sie sind seit sechzehn Stunden hier. Zwei von ihnen sind eigentlich Studentinnen, einer ist eigentlich Cellist, einer ist eigentlich weg, aber sein Name steht noch im Plan, also nennen wir ihn mit. Applaus ist die einzige Währung, in der wir sie bezahlen können, weil Applaus keine Sozialabgaben hat.

Und jetzt segmentieren wir Sie. Wo sitzen die Burgenländer. Geben Sie Laut. Danke, 41 Prozent Beteiligung, das ist über Benchmark. Niederösterreicher. 63 Prozent, sehr stark, Sie sind unsere Kernzielgruppe, Sie sind der Grund, warum es hier Parkplätze gibt. Die Wiener. 38 Prozent, aber mit Abo. Die Oberösterreicher. Solide. Die Steirer. Auffällig laut, wir vermuten Bus. Die Kärntner. Die Salzburger. Die Tiroler, danke, das war ein Jodler, das war nicht gefragt, wir nehmen es trotzdem, wir schneiden es später über die Pausenbilder. Und unsere Vorarlberger, einer ist da. Einer. Wir haben letztes Jahr auch einen gehabt. Wir haben Grund zur Annahme, dass es derselbe ist. Wir haben ihn nie gehen gesehen.

Ich begrüße die Damen und Herren aus dem Ausland, insbesondere unsere deutschen Gäste, die hier Urlaub machen und deren Zufriedenheitswerte bei 4,6 von 5 Sternen liegen, wobei die 0,4 auf die Portionsgröße zurückgehen. Und ab und zu verirrt sich ein Schweizer herein. Haben wir heute Schweizer herinnen. Haben wir. Super. Wenn Sie das Stück bis zur Pause nicht verstanden haben, kommen Sie zu mir, ich erklär's Ihnen. Ich verstehe es auch nicht, aber ich erkläre es seit vier Jahren, und noch nie hat sich jemand beschwert, was entweder heißt, dass ich gut bin, oder dass niemand zuhört. Ma, diese blöden Witze. Der Witz mit dem Schweizer steht im Skript. Er ist 2011 zum letzten Mal überarbeitet worden. Er funktioniert. Das ist das Traurige daran.

Sieben Dinge, die Sie über unser Publikum heute nicht wissen. Nummer 4 wird Sie zerstören.

Sie haben sich herausgeputzt.

Gnädige Frau, diese Ringe. San de von ihm.

Na, ned de an den Fingern. Unter de Augn.

Sie schlafen seit dem Frühjahr nicht mehr durch, wie 71 Prozent der Anwesenden, aber das steht nicht im Programmheft, im Programmheft steht ein Interview mit dem Intendanten über Mut.

Da herüben eine Dame mit Kroko-Sandalen bei Regen.

Ahso, Sie sind barfuß. Entschuldigen S'.

Es gibt keinen Punkt 7, Punkt 7 ist ein Platzhalter, Platzhalter performen besser als Inhalte.

Tatsache ist, meine Damen und Herren, dass wir Frauen. Wir Frauen is guat, morgen bin i wieder was anderes, wir haben da eine Rotation. Von Frauen erwartet man, dass sie schön sein müssen, weil Männer besser schauen können als denken. An dieser Stelle ist normalerweise der Jubel bei den Frauen. Da ist er. Er ist verlässlich. Er kommt seit Jahrzehnten an derselben Stelle, und ich habe aufgehört, mich zu fragen, was das für ein Geräusch ist.

Es ist La Cage aux Folles, danke, dass Sie ausgehalten haben. Aushalten ist unser gemeinsames Geschäftsmodell. Warum spielen wir das Stück. Weil es eine der schönsten Liebeskomödien ist, mit einem Welthit, I am what I am, verfügbar auf allen Plattformen, im Foyer als Tasse, als Tragetasche und als Schlüsselanhänger, Regenbogen, sechs Farben, hergestellt in einem Land, in dem es dafür Haft gibt. Die Geschichte in kurz: Junger Mann will heiraten, die Eltern sind begeistert, die Eltern des Mädchens nicht, weil die Eltern des Buben zwei Männer sind, und der Vater des Mädchens ist Generalsekretär der Partei für Zucht, Moral und Ordnung, eine Partei, die es nicht gibt, aber deren Grundsatzprogramm ich problemlos aus vier real existierenden zusammenkopieren könnte, ich habe es probiert, es hat vier Minuten gedauert, es liest sich stimmiger als das Original. Sie können sich vuastön, was das für Verwirrungen haben wird. Wir wern schaun, wies ausgeht. Es geht seit 1983 gleich aus.

Joel Zuppan ist heute unser Jacob. Am Dirigentenpult unseres vierzigköpfigen Orchesters Günter Fruhmann. Vierzig Köpfe, wir haben nachgezählt, weil es im Vertrag steht, es sind achtunddreißig, zwei sind krank, wir sagen vierzig, niemand zählt mit, das ist der ganze Trick, das war immer der ganze Trick.

Ich wünsche Ihnen einen wunderschönen guten Abend. Schließen Sie die Augen ein bisschen und dann machen S'as wieder auf. Ah, ich habe eine wichtige Kollegin vergessen. Musicalstar Maya Hakvoort ist heute Abend hier. Wo ist sie. Irgendwo. Gerade in Baden. Freuen Sie sich trotzdem, Freude ist hier kein Zustand, Freude ist ein Cue.

In diesem Stück geht es um eine einzige Sache, es geht um die Liebe. Und der Satz Ich bin, was ich bin, hat eine neue Bedeutung durch den Terroranschlag in Berlin und durch den Mord an einem unschuldigen homosexuellen Niederösterreicher vor zwei Wochen. Ich sage das jetzt, und in acht Sekunden geht das Licht aus, und morgen steht es in einer Liste, Platz 3, zwischen einem Kabinettsumbau und einem Video, in dem jemand ein Handy in einen Mixer wirft. Ich weiß das, weil ich nachgeschaut habe. Ich habe gestern nachgeschaut, wo der Mann steht, und er stand auf Platz 3, und darunter stand: Nummer 7 wird Sie zum Weinen bringen. Nummer 7 war ein Hund auf einem Skateboard.

Also sage ich es laut, in der Lautstärke, die dieses Mikrofon hergibt, das gleich abgedreht wird: Ich bin auch, was ich bin, und verdammt noch mal, ich bleibe auch, was und wie ich bin. Das ist kein Slogan. Es wird einer werden, spätestens Freitag, es wird auf einer Tasche stehen, und ich werde die Tasche im Foyer verkaufen, weil mein Vertrag im September ausläuft.

Willkommen bei La Cage aux Folles. Bitte bewerten Sie uns anschließend mit fünf Sternen.

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