Lisan Verlag

Lisan Verlag Zeitschrift und Verlag für arabische Literatur

22/06/2016
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13/11/2012

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Als der Aufstand der arabischen Völker gegen ihre Diktatoren begann, brach ein zur stillen Gewohnheit gewordenes Tabu ein: nämlich das, dass es ebenso nutzlos wie unmöglich ist, sich gegen herrschende Unrechtsverhältnisse zur Wehr zu setzen und die Gesellschaft nach eigenen Vorstellungen umzugestalt...

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13/11/2012

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Die Tunesier haben es geschafft! Bravo! Eine gute Lektion für die Völker, die leben wollen und das Leben wirklich lieben, … nicht für die, die mit dem Jenseits, der Hölle und den Qualen im Grab beschäftigt sind. Ich grüsse das tunesische Volk und zolle ihm höchste Achtung und Respekt!

Das Huhn Ibrahim AslanDer Hauseingang zur Gasse hin war drei Treppen hoch. Eine Frau saß auf  dem Treppenabsatz vor dem ...
10/01/2012

Das Huhn Ibrahim Aslan

Der Hauseingang zur Gasse hin war drei Treppen hoch. Eine Frau saß auf dem Treppenabsatz vor dem Eingang. Auf ihrem Schoss zerkrümelte sie ein Brot und warf es ihren Hühnern zu, die sich vor dem Haus vergnügten. Von hier aus konnte sie die vorbeilaufenden Menschen beobachten.
Sie bemerkte die verstohlenen Blicke eines Mannes, der auf dem Weg in die Moschee seinen Schritt verlangsamte. Er entfernte sich zwei, drei Schritte und kehrte dann zurück, um stehen zu bleiben. Er schaute sie nicht direkt an. Nur die Hühner verfolgte er mit den Augen, vor allem das braune Huhn verfolgte er auf Schritt und Tritt.
Als die Stimme des Muezzin zum Mittagsgebet aus einem Mikrofon in der Nähe ertönte, ging er. Die Frau konnte sich sein Verhalten überhaupt nicht erklären.

Es dauerte nicht lange, bis das Gebet beendet war, und als sie ihren Blick erhob, stand derselbe Mann wieder am Eingang der Gasse. Kurz darauf begann er zu laufen und die Hühner rannten vor ihm weg. Unten, neben der Treppe blieb er stehen und blickte sie an. Er war von kleiner Statur, trug eine Brille mit Goldrand und ein sauberes, weißes Gewand.
Er sagte: »Guten Tag, verehrte Dame.«
Die Frau auf dem Treppenabsatz staunte nicht schlecht und zwar aus zweierlei Gründen: Zum einen war es die Stimme des Mannes, die in ihrer Vorstellung nur von einem großen Mann stammen konnte. Zum anderen war es die Formulierung »Guten Tag, verehrte Dame.« So etwas hatte noch nie jemand zu ihr gesagt. Währenddessen hatte sie ihre Füße unter dem Gewand versteckt.
»Es geht um das braune Huhn«, sagte er und zeigte mit seinem Kopf in die Richtung des betreffenden Huhnes. Die Frau blickte ihrerseits das Huhn neben der Wand an und wartete.

Er sagte: »Ich meine das braune Huhn.«

»Was ist mit dem Huhn?« fragte sie.

»Ist es wirklich ihr Huhn?«

»Wessen Huhn sonst?«

»Es ist eigentlich nur so eine Frage.«

Er überlegte kurz: »Heißt das, dass das Huhn von Anfang an bei Ihnen war?«

»Ja.«

»Das ist die Antwort, die ich hören wollte, nicht mehr und nicht weniger.«

Er blieb stehen.

»Und warum fragen sie?« entgegnete sie leise.

»Sie haben das Recht zu erfahren, warum ich frage.« Er rückte seine Brille zurecht. »Früher, meine Dame, hatten wir ein braunes Küken, es hatte dieselbe Farbe wie Ihr Huhn. Dieses Küken verließ eines Tages das Haus und kehrte nie wieder zurück. Es verschwand. Im Vorbeigehen sah ich dieses braune Huhn bei ihnen und ich dachte sofort, dass dieses Huhn das verlorene Küken sein muss, natürlich nachdem es gewachsen ist.«

Nach einer Weile fuhrt er fort: »Es schickt sich eigentlich nicht, auf einen solch seltsamen Gedanken zu kommen. Aber es ist nun mal passiert.«

»Wir haben das Huhn, schon seit es ein Ei war und dann aus dem Ei schlüpfte.«

»Sehr schön! Diese Antwort lässt keine Zweifel übrig.«

Er wirkte erleichtert, fügte aber hinzu: »Sehen sie, ich kann ihr Erstaunen verstehen, aber die Sache ist die, dass wir ein braunes Küken verloren hatten, nicht wahr?«

»Das stimmt«, erwiderte sie.

»Mir ist es einfach in den Sinn gekommen, dass ihr Huhn dieses Küken sein muss. Und weil mir diese Sache gerade eingefallen ist, dachte ich, es würde nichts ausmachen, sie danach zu fragen.«

Sie sagte: »Macht nichts.«

»Möge Gott ihnen Gutes bringen! Wissen sie, hätte ich sie nicht gefragt, dann hätte mich diese Sache den ganzen Tag beschäftigt. Schon vorhin in der Moschee hat sie mich beschäftigt. Aber nachdem ich sie nun gefragt habe und sie mir eine überzeugende Antwort gegeben haben, ist die Sache für mich erledigt. Ist es eine Schande so etwas zu fragen?«

Sie war sehr darauf bedacht, sich nicht zu bewegen und in der gleichen Stellung zu verharren, in der er sie beim Ankommen vorgefunden hatte. »Überhaupt nicht«, erwiderte sie.

Er überlegte und fuhr fort: »Sehen sie, ich habe mein Leben lang schon immer solche Fragen gehabt, habe mich jedoch nie getraut, sie zu stellen, weil es mir unangenehm war. Und das, meine Dame, ist eine Tragödie. Und was jetzt geschehen ist, ist der Beweis dafür. Hat sie meine Frage auf irgendeine Art und Weise verletzt?«

»Möge Gott uns vor Unglück bewahren!« flüsterte sie.

Er fügte hinzu: »Deshalb habe ich vor einer Woche beschlossen, jede Frage zu stellen, die mir in den Sinn kommt und die mich beschäftigt, egal welche. Und sie sollten dasselbe tun. Stellen sie jede Frage, die ihnen in den Sinn kommt. Nehmen sie meinen Rat an. Fragen ist nie eine Schande. Ist Fragen eine Schande?«

»Überhaupt nicht.«

»Ich danke ihnen!«

Als er sich umdrehte und wegging, fing sie an, die restlichen Brotkrümel von ihrem Schoß aufzusammeln, um aufstehen zu können, die Treppe herunterzusteigen und ihn beim Verlassen der Gasse zu beobachten. Der Bequemlichkeit halber blieb sie jedoch lieber sitzen und wartete darauf, dass einer der Nachbarn vorbeikommen würde, damit sie erzählen könnte, was sie gerade so erlebt hatte.

Aus dem Arabischen von Idris Kiwirra

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06/12/2011

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10/11/2011

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Besuchen Sie die Veranstaltung „Arabischer Frühling“ an der BuchBasel, am Freitag den 18. November im BuchBasel-Forum um 13:30 Uhr. Die Journalistin Susanne Schanda ist im Gespräch mit den Autorinnen Mansura Eseddin (Ägypten) und Kaouther Tabai (Tunesien, Deutschland).

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