05/12/2025
FUSSBALL | Hintergrund
Der Fussballgott muss in Dornach Denker und Lenker sein
(eh) Simon Grether (33) fand sein Fussballer-Glück in der Innerschweiz. Beim FC Luzern spielte er sechs Jahre in der Super League und wurde dank seiner positiven Einstellung zum Beruf als Fussballgott mit einem Lied gefeiert. Via dem FC Rotkreuz und den Black Stars schloss er sich im Sommer 2023 dem SC Dornach an und versucht mit den Schwarzbuben den Aufstieg zu realisieren.
Grether hat etwas vorzuweisen im Fussball, dennoch blieb er geerdet. Er ist ein ruhiger Zeitgenosse, was nicht heissen soll, dass er sich einem Fest oder einem lustigen Abend im Kreise der Teamkollegen verschliessen würde. Beim SC Dornach ist er mit seinem sportlichen Rucksack der Kern des Teams, der verlängerte Arm von Trainer Arjan Peço. Es wird viel erwartet und verlangt vom Super League Spieler. Aber wieso absolvierte der Basler hauptsächlich in der Innerschweiz seine über 140 Spiele, begann doch seine Laufbahn im Nachwuchs des FC Basel, bis in die U20?
Leihspieler Grether wurde in Luzern glücklich
Aufgewachsen in Reinach BL begann er auch dort mit dem Fussball. Sein Talent war früh aufgefallen und so war der Wechsel zum FC Basel keine Überraschung. Mit 20 Jahren erhielt Grether den ersten Profivertrag. Im Sinne des Propheten im eigenen Lande lief es dann allerdings auch bei ihm. «Ich kam vorerst zu Einsätzen in der ersten Mannschaft, gab am 13. Juli 2012 in Genf gegen Servette mein Debut. Im Winter hatte man mich zwecks Spielpraxis nach Bellinzona ausgeliehen.» Im Sommer kehrte Grether nach Basel zurück. Der FCB wurde inzwischen Schweizer Meister, aber Grether durfte den Titel nicht mitfeiern. Dafür lieh man in gleich wieder zum FC Winterthur aus. Spielpraxis bekam er, aber als er wieder ans Rheinknie zurückkehrte, fand man keinen Platz für den Aussenverteidiger. Es folgte gleich die nächste «Leihe». Man gab ihn in die Challenge League an den FC Wohlen ab. Damit war das Thema FCB für beide Seiten erledigt. «Es gab später zwar nochmals Kontakte, als Patrick Rahmen Trainer in Basel wurde, aber es wurde nichts daraus.» Grether mag nicht zurückschauen und erst recht nicht jene Zeiten kommentieren. Klar ist aber, dass das dauernde Schweben zwischen Hoffnung (Rückkehr) und Enttäuschung (Ausleihe) keinen Menschen unberührt lässt.
Vom Leihspieler zum Fussballgott
Grether nahm es sportlich, schaute vorwärts und versuchte das Bestmögliche aus seiner Karriere zu machen. In Wohlen spielte er so gut, dass Remo Gaugler, damals Sportchef beim FC Luzern, und Patrick Rahmen, Assistenztrainer, auf ihn Aufmerksam wurden und ihn in die Innerschweiz holten. Grether zeigte Leistung, die Verantwortlichen waren zufrieden und der Vertrag wurde mehrmals verlängert, so dass er ganze sechs Saisons beim FC Luzern versuchte Tore zu verhindern. Selbst erzielte er nur zwei. Das erste, 2018, in der Nachspielzeit zum 2:1 Erfolg gegen den FC Zürich. Dieser Treffer und seine vorbildliche Einstellung auf und neben dem Platz führten dazu, dass er bei den FCL-Fans als «Fussballgott» gefeiert wurde. «Es entstand eine intensive Beziehung zu den Fans, die ehrliche Arbeit auf dem Platz und meine Art schätzten. Ich hob trotzdem nicht ab, auch nicht, als sie gar ein Lied sangen. Ich empfand es als Wertschätzung und Anerkennung für meine Leistung.» Grether wurde mit Luzern einmal Cupsieger.
Im Juni 2022 war Schluss mit der Profikarriere. Er wechselte zum FC Rotkreuz und war Teil des Teams, das im Schweizer Cup für Furore sorgte. Dennoch wechselte er nach nur einem halben Jahr nach Basel, zu den Black Stars. «Für mich und die Familie war klar, dass wir in die Region Basel zurückkehren würden. Das sagte ich den Verantwortlichen in Rotkreuz. Es ging dann schneller als wir dachten. Wir bezogen eine Wohnung in Basel und so entstanden auch die Kontakte zum FC Black Stars. Wenn ich irgendwo zusage, möchte ich dann auch länger bleiben. Es passte aber nicht so, wie ich es mir erhoffte. In Dornach wurde dann Markus Neumayr Trainer und da wir zwei schon in Luzern zusammenspielten, lag es auf der Hand, dass ich nach Dornach wechselte.»
Zufrieden mit dem Team und sich
Grether sagt, dass er noch immer das Sportlergen in sich habe. Er kam nach Dornach um aufzusteigen. Das sei auch das Ziel der Vereinsführung gewesen. Dass die vielen Mutationen es schwierig machen, ein eingespieltes Team zu werden, sei ihm klar. Auf dem Platz versucht er die Fäden zu ziehen, kann jedoch nicht jede Rolle ausüben. «Wir stehen nach der Vorrunde auf Rang drei mit reellen Chancen auf den Aufstieg. Das ist positiv, hatten wir im Sommer doch einen happigen Umbruch. Viele Leistungsträger verliessen uns und die vielen neuen Spieler mussten erst zu einem Team zusammenwachsen.» Das war auch eine Aufgabe für Grether. «Wir hatten sehr gute, aber auch schwächere Phasen. Zu oft konnten wir ein Spiel nicht über die gesamte Dauer auf demselben Level bestreiten. Ich bin aber überzeugt, dass wir mit der Vorbereitung noch einiges stärker auftreten werden.» Mit 33 Jahren kann er, Gesundheit vorausgesetzt, noch das eine und andere Jahr spielen. Er werde das auch tun, sofern es so laufe wie aktuell. Man müsse klare Ziele haben und dafür arbeiten. «Es war nicht immer einfach, man erwartete wegen meinem Rucksack viel. Ich kann aber nicht auf dem ganzen Feld Einfluss nehmen. Wenn ich zurückblicke, bin ich mit der Hinrunde zufrieden, was meine Leistungen betrifft. Ich bin ohne Verletzungen durchgekommen, was auch wichtig ist.»
Die verpasste Chance
Wie lange er noch aktiv auf dem Platz stehe, lasse er offen. Sicher sei, Stand jetzt, dass Grether nicht Trainer werde. Funktionär hingegen könne er sich vorstellen und das durchaus in Dornach, wo er sich wohl fühlt. Grether sagt, dass er seine Zeit als Profi nicht missen möchte. Er habe viele tolle Trainer gehabt, von denen er Gutes mitnehmen konnte. Er spricht Patrick Rahmen an, nennt aber auch Gerardo Seoane, Markus Babbel oder Murat Yakin. «Wenn ich an meine Profizeit zurückdenke, kommt mir nur etwas in den Sinn, das ich hätte anders machen können. Ich hätte den Versuch wagen sollen ins Ausland zu gehen.» Da wäre für ihn Deutschland eine gute Wahl gewesen, ist er doch dank seines Vaters auch Deutscher. «Vorbei ist vorbei», meint er. Simon Grether, der den Innerschweizer Dialekt nie angenommen hat, wird noch oft auf den Amateur-Fussballplätzen zu sehen sein. Er konzentriert sich auf seine Arbeit in Dornach, verbringt Zeit mit seiner Familie und ist offen für viele Dinge. Vielleicht wird er eines Tages wie so viele Experte bei einem TV- oder Radiosender. Spieler und Typen wie es Simon Grether ist, braucht es im Fussball.