28/07/2026
H e i s s ! Aus dem Spuren-Newsletter:
Die Zahlen sind klar, das subjektive Empfinden ist klar, ein Blick auf Thermometer, Felder und Wälder lässt keinen Zweifel zu: Dieser Sommer ist sehr heiss. Und wir brauchen nicht weit zurückzudenken, um uns daran zu erinnern, wie heiss es in einigen der zurückliegenden Sommer doch war. Schlag nach bei Wikipedia (Hier). Was im Verlaufe der meteorologischen Aufzeichnungen als Wetteranomalie eines «Jahrhundertsommers» galt, wird nach den Hitzesommern in den Jahren 2003, 2018 und 2023 mittlerweile als «das neue Normal» bezeichnet.
Wetter ist das, was uns zustösst und was von alleine geschieht. So jedenfalls galt die Regel bis vor kurzem. Angesichts der aussergewöhnlichen Häufung von «heiss» und «trocken» haben wir allen Grund, diese Regel in Frage zu stellen. Doch sobald wir das tun und ernstlich von menschengemachten Faktoren sprechen, welche das Klima beeinflussen, wird das Klima zwischen uns Menschen noch viel heisser als draussen im Freien. Wie The Guardian für das Vereinigte Königreich berichtet, wurde in den Medien das heisse Wetter des Juni sehr wohl ausführlich thematisiert, doch Reizwörter wie «Klima» oder «Klimaerwärmung» kamen in den Berichten kaum mehr vor.
Die Diskussion über die Klimaveränderung ist derart aufgeladen und «tüppig» geworden, dass wir ihr lieber aus dem Weg gehen, auf dass es unter uns nicht «tätscht». Obschon ich mir in den zurückliegenden Wochen Abend für Abend meist nichts sehnlicher wünschte als ein reinigendes Gewitter, halte auch ich mich an dieser Stelle lieber zurück. Schon gar nicht beginne ich, andere wegen ihrer Wahl des Verkehrsmittels zu kritisieren. Aus Erfahrung tue ich das. Weil es nichts bringt.
Statt endlich zu handeln oder schädliches Tun zu unterlassen, verlieren wir uns in endlosen Streitereien unter Menschen. Dabei pendeln wir zwischen «Virtue Signaling» (die eigene Tugend hervorkehren) und «Blame Game» (Schuld sind die andern). Ich meine, das hat seine Gründe. Zum einen stecken wir seit 2000 Jahren im Programm einer Untergangserwartung, die untrennbar verbunden ist mit Gefühlen von Angst, Schuld und – ja – auch Hoffnung. Die der Rechtgläubigen und Auserwählten auf bessere Zeiten nach dem Zusammenbruch.
Zum andern bestimmt uns ein noch viel älteres evolutionäres Programm dazu, möglichst keine eigene Energie zu verbrauchen und wo immer möglich den bequemen Weg einzuschlagen. Was diese Vorgabe in Zeiten von scheinbar unbeschränkt fliessendem Treibstoff, Elektriziät, aber auch stets verfügbaren Mengen an Zucker, Salz und Fett für unsere Gesundheit bedeutet, wird im Spuren-Buch «Die Lustfalle» beschrieben:
https://shorturl.at/syzLA
Was tun? Einen kühlen Kopf bewahren und die Sache mit etwas Distanz betrachten, ist gewiss nicht verkehrt. Fällt mir in den Tagen Ende Juli auch grad wieder etwas leichter. Ihnen hoffentlich doch auch.
Herzliche Grüsse
Martin Frischknecht