18/05/2026
Eine ausführliche und differenzierte Besprechung. Herzlichen Dank Dialog-Profi, wir schätzen es sehr.
Ohne Haare, Tereza Drahoňovská & Štěpánka Jislová, Kommode Verlag. Rez 908 von HPR
Wieder einmal ein gelungener Sach-Comic, passend zum Ehrengast-Auftritt Tschechiens bei der FBM 2026: „Eine autobiografische Graphic Novel über das Leben mit Alopezie: Haare. Erst sind es nur kleine, runde Flecken, dann fallen die Haare in großen Büscheln aus. Ihr Aussehen ändert sich rapide, sie erkennt sich im Spiegel kaum wieder und traut sich nur noch mit Kopftuch auf die Straße. Der Arztbesuch bringt schnell Klarheit: Sie leidet unter Alopezie, krankhaftem Haarausfall. Für Tereza steht eine lange Reise an, um mit ihrer Krankheit und ihrem neuen Aussehen klarzukommen. Die Autorin Tereza Drahoňovská, die selbst mit Alopezie lebt (einer Krankheit, an der allein in Deutschland 1,5 Millionen Männer und 500 000 Frauen leiden), hat sich mit der Illustratorin Štěpánka Jislová zusammengetan, um ihre Geschichte zu erzählen. Dabei ist eine informative und zugleich unterhaltsame und leicht zugängliche Graphic Novel entstanden, die die ehrlichen Beschreibungen der Hauptfigur durch einfallsreiche und ausdrucksstarke Illustrationen ergänzt.“ Und mit fein gestaltetem Cover, das mit transparenter Imprägnierung je nach Lichteinfall feines 3D von kahlem Kopf plus fühlbaren „Haaren“ zeigt, kontrastiert auf der Rückseite mit „echten“, fein! –Gut lesbar sind die Sprechblasen-Texte, weil: mit Gemeinen (= Groß-/Kleinschreibung) – statt der leider üblich gewordenen VERSALIEN, die schlechter lesbar sind. Ansonsten ist „Ohne Haare“ leider auch „ohne Seiten(-Zahl)“, unpaginiert eben, eine andere Unsitte, die sich eingeschlichen hat – Quellen-Angaben entfallen somit: Zwar ist die Haupt-Person nur bedingt gelungen zeichnerisch umgesetzt, wie ein Blick ins Nachwort mit einigen Original-Fotos zeigt), doch das Layout ist künstlerisch variabel eingesetzt, den situativen Kontext integrierend, etwa die Berg-Tour (mit Ondrej) illustrierend. Als Exkurs ist eine Doppelseite zur Alopezie geboten, die ohne Panels daher kommt, doch ähnlich strukturiert ist. (Eine weitere Sequenz dieser Art gibt´s zu Perücken,,,) Warum ist Alopezie super“ dagegen ist in Panels dargestellt. Das innere Zerrissensein zur Einnahme von Medikamenten stellt die Künstlerin durchs Trennen de Abbildung „in one“ in mehrere Panels geteilt dar, darunter gestellt eine frei gestellte Illu in vier Schritten tatsächlich „in one“. Farblich ist die Graphic Novel quasi klassisch = SW mit Schmuckfarbe rosa, die vielschichtig eingesetzt wird. Psychologische Unterstützung sucht die Protagonistin schließlich auch und lässt sich auf eine Heldenreise ein – eine bekannte Metapher aus der Weiterbildungs- und Coaching-Szene: Diese wird eingeführt und in der Story erläutert. Auf diese sehr unterschiedliche Weise(n) begleitet die Betrachterschar Tereza durch ihr Auf und Nieder hin zur Akzeptanz und zum friedvollen Umgehen mit der Situation, womit sie gar zur Inspiration für andere wird...