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„DAS RATHAUS“Der große Grenzstreit zwischen Amtsruhe und PuffbohneEs war einmal in Thüringen, irgendwo zwischen Kreisuml...
25/06/2026

„DAS RATHAUS“

Der große Grenzstreit zwischen Amtsruhe und Puffbohne

Es war einmal in Thüringen, irgendwo zwischen Kreisumlage, Fördermittelanträgen und nicht genehmigten Parkbänken, da lagen zwei stolze Städte: die ehrwürdige Kreisstadt Amtsruhe und die große Nachbarstadt Puffbohne.
Seit Jahrhunderten stritten beide darüber, wer eigentlich wichtiger sei.
Als in Amtsruhe schon Leben herrschte, was das Gebiet von Puffbohne noch Urwald.
„Wir sind die älteste Stadt!“, rief Amtsruhe.
„Mag sein“, antwortete Puffbohne, „aber wir haben die meisten Kreisverkehre.“
„Wir haben Geschichte!“
„Wir haben Straßenbahnen!“
„Wir haben die erste urkundliche Bratwurst!“
„Wir haben zehn verschiedene Bratwurststände auf einem einzigen Weihnachtsmarkt!“
So ging das seit Generationen.

Eines Tages beschloss der Bürgermeister von Amtsruhe, den Konflikt endgültig zu lösen.
„Wir brauchen eine wissenschaftliche Untersuchung!“
Daraufhin wurde ein Koordinierungsrat gebildet, dann ein Lenkungsausschuss, dann eine Projektgruppe zur Begleitung des Lenkungsausschusses.
Dann auch noch ein Unterarbeitskreis „Historische Befindlichkeiten“.
Nach zwei Jahren lag das Ergebnis vor: „Beide Städte halten sich für wichtiger als die jeweils andere.“

Für dieses Gutachten waren lediglich 48 Sitzungen und 67.000 Euro erforderlich gewesen.
Währenddessen hatte Puffbohne ebenfalls gehandelt.
Dort gründete man das „Institut für urbane Überlegenheit“.
Nach dreijähriger Forschung kam man zu folgendem Ergebnis:
„Alles innerhalb von 20 Kilometern um Puffbohne ist eigentlich Vorort.“
Diese Studie kostete zwar das Dreifache, wurde aber in Hochglanzbroschüren gedruckt.

Der Streit erreichte seinen Höhepunkt, als das Land Thüringen einen Wettbewerb ausschrieb:
„Lebenswerteste Kommune des Jahres“
Amtsruhe reichte 800 Seiten Konzepte ein.
Puffbohne schickte eine PowerPoint-Präsentation mit 120 Folien.
Die Jury besuchte zuerst Amtsruhe.
Dort erklärte man ihr die historische Bedeutung jeder einzelnen Kopfsteinpflasterfuge.
Anschließend fuhr die Jury nach Puffbohne.
Dort verlor sie sich auf dem Weg vom Parkhaus zum Rathaus und wurde erst drei Stunden später wiedergefunden.
Am Ende gewann überraschend ein Dorf mit 300 Einwohnern, weil dort niemand wusste, dass es einen Wettbewerb gab.
Das sorgte für Empörung.

Der Stadtrat von Amtsruhe verabschiedete einstimmig eine Resolution.
Der Stadtrat von Puffbohne verabschiedete zwei.
Daraufhin trafen sich die Bürgermeister beider Städte zu einem Krisengespräch.
Nach sechs Stunden Diskussion fanden sie endlich einen gemeinsamen Nenner.
„Worüber sind wir uns eigentlich einig?“, fragte der Bürgermeister von Amtsruhe.
Der Oberbürgermeister von Puffbohne dachte kurz nach.
Dann nickten beide.
„Dass die Landesregierung immer die anderen bevorzugt.“
Darauf stießen sie mit einer Thüringer Bratwurst an.
Welche Stadt die bessere hatte, darüber streiten sie allerdings bis heute.
Und so kehrte wieder Frieden ein, zumindest bis zur nächsten Fördermittelrunde.
Ganz aktuell wurde noch eine Expertenrunde durch beide Städte gegründet. In der wurde ausführlich diskutiert, ob der Bürgermeister in Amtsruhe, der in Puffbohne wohnt, als Aufbauhelfer oder aus Rache entsendet wurde.
Ein Ergebnis liegt bis heute nicht vor.
Das Industriegebiet „Puffbohner Kreuz“ liegt zwar auf der Gemarkung von Amtsruhe, wird aber auch nicht als Versöhnungsprojekt anerkannt.

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Frank Kuschel

„DAS RATHAUS“  Das Phantom von Amtsruhe macht hitzefreiIn meiner Lieblingsstadt Amtsruhe, wo Beschlüsse länger reifen al...
24/06/2026

„DAS RATHAUS“

Das Phantom von Amtsruhe macht hitzefrei

In meiner Lieblingsstadt Amtsruhe, wo Beschlüsse länger reifen als guter Käse und Akten mehr Staub ansetzen als ein Dachboden, geschah heute, an einem besonders heißen Junitag etwas Unerhörtes:
Ich, das Phantom und der Schatten im Rathaus von Amtsruhe, mache hitzefrei.

Ich bin bekanntlich kein gewöhnliches Gespenst. Ich schwebe seit Jahren durch die Flure des Rathauses, las heimlich Vorlagen, korrigierte Tippfehler in Beschlussvorlagen und erschien regelmäßig in Ausschusssitzungen, ohne jemals auf einer Teilnehmerliste zu stehen.

Doch an diesem Dienstag war selbst für mich Schluss.
Die große Rathaussanierung für zwölf Millionen Euro sollte eigentlich ein Vorzeigeprojekt sein. In den Festreden war von Nachhaltigkeit, Zukunftsfähigkeit und modernster Technik die Rede gewesen.
Lediglich bei der Dämmung hatte man offenbar beschlossen, der Zukunft etwas weniger Aufmerksamkeit zu schenken.
So verwandelte sich das Rathaus bereits am Vormittag in eine Mischung aus Gewächshaus, Backofen und finnischer Sauna. Die Mitarbeitenden bewegten sich nur noch in Zeitlupe. Kugelschreiber wurden weich. Die Büroklammern begannen, sich selbst zu verbiegen.
Der Bürgermeister erklärte beruhigend:
„Die Temperaturen sind völlig normal. Das Gebäude speichert lediglich städtische Wärme für kalte Tage.”
Im zweiten Stock zeigte das Thermometer inzwischen 37 Grad.
Im dritten Stock hatte das Thermometer bereits gekündigt.
Besonders dramatisch war die Lage an den Wasserspendern.
Diese waren leer.
Nicht etwa wegen eines technischen Defekts, sondern aufgrund eines außerordentlich wirtschaftlichen Liefervertrages. Dieser sah vor, dass der gesamte Wasserbedarf eines Jahres jeweils bis zum 31. Dezember des Vorjahres verbindlich angemeldet werden musste.
Niemand hatte damals mit Temperaturen über 20 Grad im Juni gerechnet und deshalb weniger Wasser bestellt.
Die Verwaltung hatte also vorsorglich exakt die Menge Wasser bestellt, die statistisch für einen normalen Thüringer Sommer aus dem Jahr 1984 erforderlich gewesen wäre.
Nun standen die Beschäftigten vor den leeren Spendern und betrachteten die Geräte wie Pilger eine versiegte Quelle.
Ein Mitarbeiter fragte vorsichtig:
„Könnten wir vielleicht kurzfristig Wasser nachbestellen?“
Die Antwort lautete:
„Das wäre vergaberechtlich kompliziert.“
Währenddessen erinnerte der Stadtrat an seinen historischen Beschluss.
Mit den Stimmen von AfD, CDU und ProAmtsruhe war festgestellt worden, dass es keinen Klimawandel gebe.

Die Begründung lautete sinngemäß:
„Wenn es keinen Klimawandel gibt, braucht man auch keine Klimaschutzmaßnahmen.“
Folgerichtig wurden Ventilatoren als ideologische Beeinflussungsgeräte eingestuft.
Sonnenschutzfolien galten als unnötige Panikmache.
Und über die Anschaffung einer Klimaanlage wurde gar nicht erst gesprochen, weil deren Existenz den Stadtratsbeschluss hätte infrage stellen können.

Als die Temperatur im Sitzungssaal schließlich die Schmelzgrenze von Verwaltungslogik überschritt, erschien ich als Phantom und Schatten von Amtsruhe noch einmal.
Ich schwebte durch den Flur, wischte mir den Schweiß von der durchsichtigen Stirn und verkündete:
„Liebe Verwaltung, ich bin seit Jahrzehnten tot. Aber selbst ich halte diese Hitze nicht mehr aus.“

Dann griff ich zum Formular „Antrag auf vorübergehende geisterbedingte Dienstbefreiung“, stempelte es eigenhändig ab und verschwand.

Man munkelt, ich habe mich bis September 2026 in den Keller eines unbeheizten Archivs zurückgezogen. Dort herrschen angenehme 22 Grad.
Dies ist aber nur ein Gerücht. Wenn dem so wäre, gebe es bis September keine Rathausgeschichten mehr. Einige wurden vom Glauben abfallen.

Im Rathaus arbeitet man weiter an einer Lösung.
Derzeit prüft eine interfraktionelle Arbeitsgruppe mit einer geplanten Laufzeit von drei Jahren die Frage, ob Wärme möglicherweise doch existiert.

Und lesen macht auch bei Hitze Spaß 🤩
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Frank Kuschel

23/06/2026
„DAS RATHAUS“Die verschwundene Jugendherberge von Amtsruhe In der schönen stolzen Kreisstadt Amtsruhe gibt es vieles: vi...
23/06/2026

„DAS RATHAUS“

Die verschwundene Jugendherberge von Amtsruhe

In der schönen stolzen Kreisstadt Amtsruhe gibt es vieles: vier Beigeordnete, sechs Arbeitskreise zur Erarbeitung von Leitlinien für Arbeitskreise, eine Stadthalle mit Nutzungsordnung in Romanlänge und einen Bürgermeister, der in Puffbohne wohnt und jede Pressemitteilung persönlich auf Kommafehler überprüft.
Nur eines gibt es nicht, eine Jugendherberge.
Eines Tages fragte ein Tourist auf dem Marktplatz: „Entschuldigen Sie, wo ist denn die Jugendherberge?“
Der Mitarbeiter der Tourist-Information erschrak. „Jugend?“ „Ja.“ „Und Herberge?“ „Ja.“
„Also Übernachtung für junge Menschen?“
„Genau.“
Der Mitarbeiter blätterte hektisch in einem Ordner.
„So etwas hatten wir einmal. Das muss vor der Einführung des dritten Parkraumkonzeptes gewesen sein.“

Daraufhin setzte der Bürgermeister eine Arbeitsgruppe ein: „Zukunftskonzept Jugendherberge 2045“.
Die Arbeitsgruppe tagt bereits seit zwei Jahren.
Das Ergebnis: Junge Menschen seien grundsätzlich willkommen, allerdings nur nach vorheriger Anmeldung.
Die Anmeldung müsse mindestens sechs Wochen vorher erfolgen.
Für Schulklassen sei ein Antrag in dreifacher Ausfertigung einzureichen.
Die Herberge dürfe keinen Lärm verursachen.
Und schlafen dürfe man dort nur, wenn die Brandschutz-, Denkmalschutz-, Landschaftsschutz-, Fledermausschutz- und Ruhezeitenordnung eingehalten werde.
Nach weiteren Beratungen stellte der Kämmerer fest:
„Eine Jugendherberge kostet Geld.“
Daraufhin wurde das Projekt aus finanziellen Gründen gestoppt.

Stattdessen beschloss der Stadtrat mehrheitlich die Einrichtung eines neuen Arbeitskreises:
„Arbeitskreis Ursachenforschung Jugendherbergemangel“
Dieser tagt bis heute.
Sein letzter Zwischenbericht umfasst 428 Seiten.
Das Fazit lautet: „Es konnte bislang nicht abschließend geklärt werden, weshalb Amtsruhe als einzige Kreisstadt weit und breit keine Jugendherberge besitzt.
Als mögliche Ursachen kommen aber infrage: es gibt gar keine Jugendlichen mehr, an Amtsruhe haben Jugendlichen kein Interesse, Amtsruhe gibt es gar nicht, Jugendliche stören, sind zu laut und setzen sich auch noch auf die Bänke im Schlosspark ….

Zur weiteren Untersuchung wird die Bildung einer Lenkungsgruppe empfohlen.“
Der Bürgermeister zeigte sich zufrieden:
„Wir haben das Problem zwar nicht gelöst, aber hervorragend verwaltet.“

Dabei hatte Amtsruhe schon einmal eine Jugendherberge.
Als Phantom und Schatten habe ich gleich mal im Stadtarchiv recherchiert.
Bereits im Juni 1922 wurden in Amtsruhe die ersten Jugendherbergsunterkünfte eingerichtet. Die Mädchen waren im Alten Rektorat in der Kohlgasse untergebracht, während die Jungen im Dachgeschoss des Prinzenhofs übernachteten.
Ab 1928 wurde das Alte Rektorat als gemeinsame Jugendherberge für Jungen und Mädchen genutzt.
Wie viele Jugendherbergen entstand auch die Arnstädter Einrichtung im Zuge der Wandervogel- und Jugendbewegung, die preiswerte Unterkünfte für junge Reisende schaffen wollte.
Die Jugendherberge entwickelte sich zu einem festen Bestandteil des touristischen Angebots der Stadt.
Später befand sich die Jugendherberge im Gebäude „Lindenhof“ am Bierweg. Sie trug den Namen des Antifaschisten „Werner Gottfeld“.
Von diesem Haus existieren noch Fotos, die als „Ehemalige Jugendherberge Amtsruhe“ bezeichnet werden.
Die Schließung erfolgte 1990. Heute wird das Gebäude vom DRK genutzt.
2022 hätte die Amtsruher Jugendherberge ihr 100-jähriges Bestehen feiern können. Stattdessen erinnert heute vor allem die Stadtgeschichte an eine Einrichtung, die einst zahlreiche junge Wanderer und Schulklassen in die älteste Stadt Thüringens brachte.

Und so reisen bis heute alle Schulklassen und viele Jugendliche an Amtsruhe vorbei.
Die Stadt besitzt weiterhin keine Jugendherberge, dafür aber den wahrscheinlich größten Bestand an Sitzungsprotokollen zu diesem Thema in ganz Thüringen.
Darauf ist man in Amtsruhe schon ein bisschen stolz.

Darauf erst mal ein 📕 Buch, lesen hilft.
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Frank Kuschel

Warum solltest du MACHANDELTAL erleben?Weil es manchmal Geschichten gibt, die nicht nur erzählt werden.Sondern die etwas...
22/06/2026

Warum solltest du MACHANDELTAL erleben?

Weil es manchmal Geschichten gibt, die nicht nur erzählt werden.

Sondern die etwas in dir wachrufen.

Etwas, das du längst vergessen glaubtest.

Den Geruch deiner Jugend.

Die Musik deiner ersten Freiheit.

Die Freunde, mit denen du die Welt verändern wolltest.

Die Nächte, in denen alles möglich schien.

Und die Sehnsucht nach einem Ort, an dem man einfach man selbst sein durfte.

MACHANDELTAL ist kein Theaterabend.

Es ist eine Zeitreise.

Eine Liebeserklärung an das Leben.

An Freundschaft.

An Musik.

An die verrückte Idee, dass Träume stärker sein können als jede Realität.

Wenn Dirk Zöllner und Jörg Menge und Brandy Brennecke die Bühne betreten, dann präsentieren sie nicht einfach eine Graphic Novel.

Sie öffnen eine Tür.

Zu einer Welt voller Erinnerungen, Musik, Humor, Melancholie und Hoffnung.

Einer Welt, in der Sherman, Taifun und Bärbel nicht nur Figuren sind.

Sondern Spiegel unserer eigenen Geschichten.

Vielleicht warst du nie in Ostberlin.

Vielleicht hast du nie eine Kassette mit dem Bleistift zurückgespult.

Vielleicht hast du nie in einer Garage, einem Keller oder einer Turnhalle von einer großen Zukunft geträumt.

Und trotzdem wirst du dich wiederfinden.

Denn MACHANDELTAL erzählt von etwas Universellem:

Von der Sehnsucht, dazuzugehören.

Von den Menschen, die uns geprägt haben.

Von den Wegen, die wir gegangen sind.

Und von den Träumen, die tief in uns immer noch leben.

Zwischen eindrucksvollen Bildern, bewegenden Geschichten und Live-Musik entsteht etwas, das heute selten geworden ist:

Ein Abend, der nicht nur unterhält.

Sondern berührt.

Du wirst lachen.

Du wirst nicken.

Du wirst dich erinnern.

Und vielleicht sitzt du irgendwann mitten in der Vorstellung da und denkst:

“Verdammt … genau so hat es sich damals angefühlt.”

Denn MACHANDELTAL ist mehr als eine Show.

Es ist ein Gefühl.

Ein Sehnsuchtsort.

Ein Stück gelebte Geschichte.

Und vielleicht die schönste Erinnerung daran, dass wir alle einmal jung waren und davon überzeugt, die Welt verändern zu können.

Wenn du wissen willst, warum die Menschen nach der Vorstellung noch lange sitzen bleiben, warum sie lächeln, schweigen oder plötzlich über ihre eigene Geschichte sprechen – dann musst du MACHANDELTAL selbst erleben.

Warte nicht darauf, dass dir jemand davon erzählt.

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Manche Veranstaltungen besucht man.

MACHANDELTAL erlebt man.

MACHANDELTAL – Termine & Informationen⁠

Vielleicht wartet dort nicht nur eine Geschichte auf dich.

Vielleicht wartet dort ein kleines Stück von dir selbst. ❤️🎶📖🌿

Frank Kuschel

Dirk Zöllner Brandy Bass Menge

Sommer im Machandeltal

„DAS RATHAUS“Der große Rat von Amtsruhe tagt wieder einmalIn der beschaulichen Stadt Amtsruhe steht wieder einmal die wi...
22/06/2026

„DAS RATHAUS“

Der große Rat von Amtsruhe tagt wieder einmal
In der beschaulichen Stadt Amtsruhe steht wieder einmal die wichtigste Veranstaltung des Jahres bevor, die Stadtratssitzung. Kenner nannten sie auch liebevoll das „kommunalpolitische Improvisationstheater“.
Schon Tage vorher herrschte große Aufregung.
Ich als Phantom und Schatten im Rathaus bin auch aufgeregt, weil es im Rathaus vor den Stadtratssitzungen immer besonders hektisch zugeht. Und es am Sitzungsabend mit der Ruhe im Rathaus auch vorbei ist.

Der Bürgermeister hat eine mutige Vision entwickelt und dem Statdrat nun zur Entscheidung vorgelegt.
Die Stadthalle, bislang mäßig für Konzerte, Vereinsfeste, Fasching, Tanzabende und auch politische Veranstaltungen genutzt, sollte künftig für Parteien gesperrt werden.
„Politik führt nur zu Diskussionen“, erklärte er feierlich. „Und Diskussionen können die öffentliche Ruhe gefährden. Deshalb müssen wir die Politik aus der Politik heraushalten.“
Nicht alle Fraktionen im Stadtrat sind damit einverstanden. Die Linken-Grüne sind überzeugt, dass Aussperrung politische Probleme nicht lösen., eine sozial ausgewogene Stadtpolitik hingegen schon.
Auch die Fraktion ProAmtsruhe reagierte umgehend, wenn auch mit völlig anderer Motivation.
„Nein!“, erklärte sie. Da verliert die Stadt doch Mieteinnahmen.
Damit ist die Debatte zwar noch nicht beendet, aber zumindest eröffnet. Es wird spannend.

Parallel dazu beschäftigte sich der Stadtrat mit dem Jahresabschluss 2025 der städtischen Wohnungsbaugesellschaft.
Das Problem bestand lediglich darin, dass nicht alle Stadträte diesen Abschluss nicht kennen. ER wurde bisher nur geheim im Aufsichtsrat beschlossen. #
kannten.
„Wie sollen wir etwas beschließen, das wir nicht gesehen haben?“, fragte ein Stadtrat im Vorfeld der Sitzung vorsichtig.
„Das ist eine überholte Denkweise“, erwiderte im Auftrag des Bürgermeisters das Rechtsamt. „Modernes Regieren basiert auf Vertrauen. Wer Unterlagen liest, zeigt nur mangelndes Vertrauen.“
Mal abwarten, wie die Stadträte reagieren.

Die SPD-Fraktion hat ebenfalls einen bemerkenswerten Vorschlag vorbereitet.
Da die geplante Marktsanierung durch ein Gericht vorläufig gestoppt worden war, wollte sie Geld dafür in eine besondere Rücklage einstellen.
„Aber das ist rechtlich gar nicht zulässig“, flüsterte ich dem Bürgermeister schon vor Tagen ins Ohr.
„Gerade deshalb ist es doch innovativ“, entgegnete die SPD. „Wenn nur erlaubt wäre, was erlaubt ist, gäbe es keine Fortschritte.“
Ich empfehle den Bürgermeister, schon sich mal vorsorglich bereits die Telefonnummer der Kommunalaufsicht zu notieren

Die Fraktion Linke-Grüne hat dagegen ein deutlich einfacheres Anliegen.
„Die vorgesehenen Mittel für den Jonastalverein sollen endlich ausgezahlt werden.“
Darüber wurde bereits früher im Stadtrat diskutiert und zwar eine Dreiviertelstunde darüber, ob Auszahlungen tatsächlich dazu gedacht seien, ausgezahlt zu werden.
Auch diesmal wird die Stadtratsmehrheit den Antrag in den zuständigen Ausschuss, zusätzlich einen Unterausschuss und eine Arbeitsgruppe zur Ausschussstruktur überweisen.
Vorgestern war der Bürgermeister erst beim Jonastalverein zu Gast und hat erklärt, wie wichtig dessen Vereinsarbeit für das Gedenken an die Opfer der N***s im Jonastal sei.
Wie der Verein aber ohne finanzielle Unterstützung das Dokumentationszentrum und die Gedenkorte im Jonastal erhalten soll, lässt der Bürgermeister weiter prüfen.

Den Höhepunkt des Abends wird jedoch die Fraktion der „Arbeitsgemeinschaft für Dauerempörung“ (AfD) liefern.
Sie beantragte regelmäßige Polizeisprechstunden in allen Ortsteilen.
„Eine hervorragende Idee“, werden viele murmelten.
Als Phantom und Schatten habe ich nur die Frage: Welche Polizei?“
Die Stadt besitzt bekanntlich keine Polizei.
Die AfD erwiderte im Vorfeld: „Dann soll die Verwaltung eine gründen!“
Dafür ist aber nur das Land zuständig.
Nicht für die AfD: „Dann soll die Stadt dem Land sagen, dass es Polizei schicken soll!“
Noch hat der Bürgermeister einige Stunden Zeit, sich auf diese Debatte vorzubereiten. Und im Arnstädter des Jahres 2026 hat der Bürgermeister auch noch aktuelle einen AfD-Ratgeber.

Auch diesmal könnte es sein, dass am späten Abend die politischen Veranstaltungen in der Stadthalle doch nicht verboten sind, der Jahresabschluss der WBG noch immer nicht allen bekannt ist, die Rücklage für den Marktplatz weiterhin geprüft werden, die Vereinsmittel an den Jonastalverein das Rathaus immer noch nicht verlassen haben und die Stadtpolizei durch die AfD selbst gegründet werden soll.
Der Bürgermeister wird dennoch zufrieden sein.
Sein Pressesprecher muss, ohne zu lachen, verkünden: „Die Sitzung war ein großer Erfolg.“
Und wenn ja ein Journalist fragen sollte: „Was wurde denn beschlossen?“, hat der Pressesprecher ein vorformulierte Standardantwort:
„Das ist eine schwierige Frage. Aber wir haben sehr lange darüber gesprochen.“
Und in Amtsruhe gilt seit jeher:
Nicht das Ergebnis macht gute Stadtpolitik, sondern die Dauer der Debatte darüber.

Und ich beobachte und mach ein Buch daraus und dort wird’s verlegt 👉wo man gute Bücher kauft
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Frank Kuschel

„DAS RATHAUS“Die große Sommersonnenwende von AmtsruheIn der beschaulichen Stadt Amtsruhe stand die Sommersonnenwende, di...
21/06/2026

„DAS RATHAUS“

Die große Sommersonnenwende von Amtsruhe

In der beschaulichen Stadt Amtsruhe stand die Sommersonnenwende, die heute ist, bevor.
Das bedeutete, der längste Tag des Jahres, die kürzeste Nacht und für die Stadtverwaltung eine große organisatorische Herausforderung seit der Einführung des Lochers mit vier statt zwei Löchern.
Der Bürgermeister hatte bereits Monate zuvor eine Arbeitsgruppe gegründet.
„Wir müssen vorbereitet sein!“, verkündete er feierlich.
„Worauf?“, fragte der Hauptamtsleiter.
„Nun, auf die längere Sonne natürlich!“
Daraufhin wurde eine Projektgruppe „Sonnenmanagement 2026“ eingerichtet.
Sie tagte siebenmal, verfasste 43 Seiten Protokoll und empfahl schließlich die Anschaffung eines zusätzlichen Schattens.
Leider stellte sich heraus, dass Schatten nicht ausgeschrieben werden konnten.
Währenddessen bereitete der Bauhof das traditionelle Sonnwendfeuer vor, zumindest glaubte man das.
Als die ersten Bürger auf dem Festplatz erschienen, fanden sie dort lediglich einen einsamen Grill und ein Schild:
„Feuer entfällt aus brandschutztechnischen Gründen. Bitte stellen Sie sich die Flammen vor.“
Die Stadtratsmehrheit applaudierte trotzdem.
„Eine sehr nachhaltige Lösung!“, lobte der Fraktionschef von ProAmtsruhe.
„Außerdem CO₂-neutral!“, ergänzte sein Stellvertreter.

Nur ein Oppositionsrat fragte wieder einmal kritisch:
„Warum haben alle Nachbarorte ein Feuer und wir nicht?“
„Weil wir innovativ sind!“, erklärte der Bürgermeister.

Am Abend sollte der Höhepunkt stattfinden, die feierliche Begrüßung der untergehenden Sonne.
Dazu hatte die Verwaltung eigens einen Aussichtspunkt ausgewählt.
Leider zeigte dieser exakt nach Norden.
Dort warteten nun mehr als geladene 500 Bürger gespannt auf einen Sonnenuntergang, der sich beharrlich weigerte aufzutauchen.
„Vielleicht verspätet sie sich“, mutmaßte der Bürgermeister.
„Bestimmt wegen der vielen Baustellen“, nickte der Bauamtsleiter.
Inzwischen hatte sich am Bierstand eine lange Schlange gebildet.
Der Wirt verkündete:
„Das Bier ist alle.“
„Wie kann das sein?“, fragte jemand.
„Die Stadt hat anhand der Besucherzahlen vom letzten Jahr bestellt.“
„Und wie viele waren das?“
„Drei.“
„Warum nur drei?“
„Letztes Jahr hat es geregnet.“

Gegen Mitternacht geschah dann doch noch etwas Magisches.
Die Sonne war längst verschwunden, das Bier war leer, die Bratwürste waren kalt, und die Stadtkapelle spielte versehentlich Weihnachtslieder.
Da erhob sich ein älterer Bürger und sprach:
„Liebe Leute, die wahre Sommersonnenwende besteht nicht aus Feuern, Formularen oder Arbeitsgruppen. Sie besteht darin, gemeinsam draußen zu sitzen und über die Verrücktheiten des Lebens zu lachen.“
Für einen Moment wurde es still.
Dann lachten alle, sogar Bürgermeister.
„Wissen Sie was?“, sagte er. „Nächstes Jahr machen wir es einfacher.“
„Wie denn?“
„Wir gründen nur noch eine Arbeitsgruppe.“
Und so endete die längste Nacht von Amtsruhe mit viel Gelächter, wenig Organisation und der Erkenntnis, dass selbst die Sonne manchmal weniger Chaos verursacht als eine gut gemeinte Verwaltung.

Das es heute besonders lang hell ist .. lohnt sich das lesen noch mehr, da schaffst du an einem Abend ein ganzes Buch 📕 👇👇👇
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Frank Kuschel

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An Der Weiße 18
Arnstadt
99310

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