18/02/2016
LOST SOCIETY - BRAINDEAD
Release: 12/02/2016
Rating: ★ ★ ★ ★ ★ ★ ✫
Knapp eine Woche früher, als zunächst angekündigt, hauen uns die jungen Finnen von Lost Society ihr bereits drittes und längst erwartetes Album um die Ohren
Nach der Veröffentlichung des ersten offiziellen Videoclips „I’am the Antidote“ via Nuclear Blast, erntete es viel böse Kritik des Stil-und Gitarrenlabelwechsels betreffend, tauschte man doch nach zwei erfrischenden Thrashscheiben die guten Jacksons mal eben gegen ESP’s aus und auch der gleichzeitig Opener der neuen Scheibe präsentierte sich in ungewohnter, schon eher thrashfremder Manier, der viele glauben ließ, daß das Quartett zunehmend zu verweichen droht…
Ohne mich von irgendwelchen subjektiven Vorurteilen beinflussen zu lassen, höre ich mich in das frische Werk rein und stelle recht schnell fest, daß es sich deutlich in allen Belangen von seinen Vorgängern unterscheidet…was jetzt nichts negatives bedeuten soll…ganz im Gegenteil
Während „Fast Loud Death“ noch mit recht knapp gehaltenen , aber zahlreichen Tracks und mächtig viel Speed aufwartete, begegnet uns „Braindead“ insgesamt etwas gediegener, aber viel abwechslungsreicher und hin und wieder auch sehr überraschend
Viel Raum für Ideen, komplexe Strukturen und instrumentalische Spielereien wurde geschaffen, was im Einzelnen dazu führt, daß sich die Songs in ihrer Spieldauer etwas mehr dehnen, als gewohnt und kaum ein Track dem anderen ähnelt…
Mit „I’m the Antidote“ eröffnet Lost Society die Langrille und sorgt mit sattem Groove und messerscharfen, klaren Riffs im konstanten Mid-Tempo für die erste ordentliche Überraschung
Ich persönlich hätte als Opener wohl eher einen anderen Titel gewählt, so wäre da „Mad Torture“ zum Beispiel ein prima Kandidat gewesen, um uns gleich von Anfang an, voll eins auf die zwölf“ zu geben
Erfreulich die Tatsache, daß die Bassläufe von Mirko unwahrscheinlich gut zur Geltung kommen, gerade bei „Riot“ knallt der Viersaiter einfach nur herrlich
Natürlich fehlen auch die schnellen Stücke nicht und mit „Rage Me Up“ und „Hangover-Activator“ sowie dem bereits erwähnten „Mad Torture“ beweisen Lost Society, daß sie sich in puncto Speed in keiner Weise von ihren Vorgängern distanzieren, hier klingt Thrash noch immer so, wie er zu klingen hat
Auffällig ist auf jeden Fall der Umstand, daß die meisten Tracks durch viele ausufernde Solis und Gitarrenmelodien aufgeblasen wurden, welche ausnahmslos das musikalische Talent der jungen Band unterstreichen, wobei es durchaus für den ein oder anderen aber auch schon mal etwas anstrengend wirken kann…weniger kann manchmal auch mehr sein
Gleiches gilt auch für Samy’s reifende Stimme, die mir nicht immer 100%ig zu gefallen weiß, dieses stellenweise recht heißer wirkende Gekrächtze ist nicht ganz so mein Fall, ist dennoch halbwegs tolerierbar
Komplexität wird dann in „Only (My) Death Is Certain" sehr groß geschrieben…mit einer Länge von über 8 Minuten das längste Stück von Lost Society überhaupt…und das eindrucksvollste noch dazu
Atmosphärisch düster und zaghaft beginnend, baut sich der Titel zunehmend auf und erinnert mich dabei an Thrash-Legenden vergangener Tage, bevor der Refrain dann endgültig aus der Melancholie herausführt und zum mitsingen verleitet…nicht typisch Lost Society, aber trotzdem hervorragende Arbeit
Das beinahe schon obligatorische Cover kommt diesmal von Pantera, wobei man sich schon mal die Frage stellen könnte, warum die Wahl ausgerechnet auf „P.S.T.88“ fiel…auch hierfür werden die Finnen ihre berechtigten Gründe haben
Klingt vielleicht nicht besser als das Original, aber trotzdem ziemlich geil
Richtig angenehm überrascht hat mich allerdings die Easy Listening Version von „Terror Hungry“…ausgerechnet der No-Metal Titel auf dem Album hat es mir am meisten angetan…
Sachen gibt’s…erinnert mich an einer der Sacred Reich Alben, wo es mir genauso ergangen ist...
Was bleibt zu sagen…viel Groove, weniger Thrash, mehr Melodie…das Ganze in einer gesunden und ausgewogenen Kombination…
„Braindead“ klingt anders, aber nicht weniger schlecht…vielleicht sogar besser, als der Vorgänger
Meine persönliche Sympathie für die Band fährt die fehlenden Punkte ein und somit verfehlt das Album nur knapp die Höchstnote ■