29/12/2025
Ich als Ostdeutscher habe den Hype um die Ostseelenstreichelei von Juli Zeh nie verstanden. Für mich war das nie mehr als Selbstmarketing zwischen Buchdeckeln. Viel Verständnis. Viel Rechtfertigung. Selten bis nie echte Antworten. Hübsche Sprachbilder vom Dorf. Die "die da unten" schonten und Verantwortung in eine andere Welt verbannten.
Das Volk klatschte und las sich die Seele sauber.
Aber es passte ins Zeitenbild der Republik . Die einen, die von oben herab jeden Tag über Ostdeutschland urteilten. Pauschal und arrogant. Die Anderen. Kaum in der Lage zu einem sachlichen Reflex auf der anderen Seite. Statt dem entschieden entgegen zu treten, versammelte sich die Ostpolitik zunächst im Jammertal. Und tat so, als wären die Parteien West ganz andere als jene, deren MitgliedsBuch sie selber führten. Was ihre ohnehin kaum vorhandene Glaubwürdigkeit vollends pulverisierte. Nun erfand man den Kümmerer, der alles und jedes "mitnahm", um den Dienstleister und Retter zu geben. Hoch lebt seitdem der Stammtisch. Nicht das Großhirn. Was nicht funktionieren kann. Weil Demokratie ein Mitmachsystem ist. Und Politik kein Pizzaservice.
Die Lücke, die so zwischen richtigem, realen Leben und politischem Popanz entstehen konnte, füllte ein bis dato unbefleckter Extremismusverein names AxD. Als der politische Osten realisierte, was er angerichtet hatte, fiel ihm außer der Übernahme der extremistischen Narrative nichts mehr ein. Michael Kretschmer war und ist einer der Treiber dieser Entwicklung.
Kurz: Wer diese komplexe Katastrophe auf Unzufriedenheit verniedlichst und naziwählende Menschen in Schutz nimmt, der glaubt auch, dass Hi**er 60 Millionen Menschen alleine tötete. Und alle anderen 1945 befreit wurden. Eigentlich muss man sich fragen, warum solche Meinungen überhaupt eine solche Präsenz erreichen können. Man kann für den Osten nämlich auch kritisch Partei ergreifen. Ohne N***s und deren Wählende zu feiern und aus der Verantwortung zu lassen.