14/08/2026
Welches Werk von Bertolt Brecht hat euch besonders beeindruckt?
Kaum ein Dramatiker hat das Theater des 20. Jahrhunderts so geprägt wie Bertolt Brecht. Mit Stücken wie „Die Dreigroschenoper“, „Mutter Courage und ihre Kinder“ oder „Der gute Mensch von Sezuan“ stellte er gesellschaftliche Fragen in den Mittelpunkt – und revolutionierte gleichzeitig die Art, wie Theater erzählt wird.
Sein sogenanntes episches Theater entstand dabei nicht im Alleingang. Wichtige Impulse kamen unter anderem vom politischen Theater Erwin Piscators, an dessen Bühne Brecht Ende der 1920er-Jahre mitarbeitete. Auch Künstler:innen und Mitarbeitende wie Elisabeth Hauptmann, Kurt Weill, Hanns Eisler oder später seine Ehefrau, Helene Weigel, prägten seine Theaterarbeit. Besonders die Musik bekam eine neue Funktion: Lieder sollten eine Handlung nicht einfach emotional begleiten, sondern sie unterbrechen, kommentieren und das Publikum zum Nachdenken bringen.
Brecht wollte verhindern, dass Zuschauer völlig in der Illusion einer Geschichte aufgehen. Mit dem sogenannten Verfremdungseffekt sollten vertraute Situationen plötzlich fremd erscheinen – und dadurch hinterfragbar werden. Das Publikum sollte gesellschaftliche Zustände nicht als selbstverständlich hinnehmen, sondern erkennen: Immerhin sind sie von Menschen gemacht und deshalb auch veränderbar.
Brechts eigenes Leben war von den politischen Umbrüchen seiner Zeit geprägt. Einen Tag nach dem Reichstagsbrand floh er am 28. Februar 1933 aus Deutschland. Über Prag, Wien und Zürich gelangte er zunächst nach Dänemark, später nach Schweden und Finnland und schließlich in die USA. 1948 kehrte er nach Deutschland zurück. Ein Jahr später gründete er gemeinsam mit Helene Weigel in Ost-Berlin das Berliner Ensemble. Weigel wurde dessen Intendantin, Brecht übernahm die künstlerische Leitung. Seine Theaterarbeit war dabei immer auch Teamarbeit. Das Berliner Ensemble entwickelte Brechts Ideen weiter – und machte seine Theaterästhetik international bekannt.
Bertolt Brecht verstarb heute vor 70 Jahren, am 14. August 1956, im Alter von 58 Jahren in Berlin. Seine Theaterkonzepte werden bis heute weltweit gelehrt, seine Stücke auf Bühnen immer wieder neu interpretiert. So ist beispielsweise Brechts „Dreigroschenoper“ aktuell als Open-Air in der Südpfalz zu sehen. Mehr dazu erfahrt ihr hier: https://x.swr.de/s/dreigroschenoper