15/03/2026
Jahresgedenken für Carsten Pfeiffer
1987 erschien in der von Carsten Pfeiffer gegründeten Edition Heiderhoff ein Lyrikband mit dem Titel „Der Traum trägt das blaue Segel": Gedichte von Olav H. Hauge, ausgewählt, übertragen und mit einem Nachwort von Andreas Struve. Diesen Band hat der Dichter und Übersetzer Klaus Anders so geliebt, dass er um Hauges Willen Norwegisch gelernt hat. 25 Jahre später, 2012, erschien in der Edition Rugerup der von ihm übertragene Band „Gesammelte Gedichte" von Olav H. Hauge, und dieser Band wiederum fiel Carsten Pfeiffer ins Auge. Dieser tat, was er so gut konnte: Er nahm Kontakt mit mir auf, wir trafen uns, wir verbrachten schöne Stunden im Garten der Schwartzschen Villa in Berlin Steglitz, teils aufgeregt über unsere liebsten Dichterinnen und Dichter und unsere verlegerischen Wünsche und Träume sprechend, teils schweigend. So begann eine Freundschaft, die letztes Jahr nach der Leipziger Buchmesse darin münden sollte, dass Carsten in den Verlag einsteigt und wir gemeinsam das Programm gestalten. Der Vertrag war ausgehandelt und wir waren voller Hoffnung. Jahrzehntelang war Carsten Vertriebsleiter bei großen und kleineren Verlagen gewesen, ich war jahrzehntelang Übersetzerin, Lektorin, Graphikerin, zusammen hätten wir viel Schönes geschafft. Und er hätte seine Bücher vorfinanziert, denn am Ende steht und fällt jeder fröhliche Plan mit der Frage, wie man ihn praktisch umsetzt.
Carsten besaß noch aus Heiderhoff-Zeiten die Rechte zu vielen Werken, die er damals veröffentlicht hat oder nicht mehr veröffentlichen konnte, weil der Verlag unterging. Etwa 30 zum Teil mehrsprachige Lyrikbände waren erschienen, von Autoren wie René Char, Jannis Ritsos, Alain Bosquet, Karl Krolow, Herman Melville, Jaime Siles, Gotthard de Beauclair.
Anfangen wollte Carsten in der Edition Rugerup mit einem Text von Henry Miller: Manifest des individuellen Lebens, übersetzt von Mirko Bonné.
Heute vor einem Jahr starb Carsten überraschend. Ich erfuhr es nach der Buchmesse und war wie gelähmt, im Herbst erschien kein Buch in der Edition Rugerup. Jetzt will ich zusätzlich zum normalen Programm versuchen, wenigstens einen Teil von Carstens Träumen umzusetzen, eine „in memoriam" Reihe. Aber dazu muss ich praktische Probleme lösen, und immer wird mir sein Talent als Vertriebsleiter fehlen. Vor allem aber wird er mir als Freund fehlen, der solche Leidenschaft für Poesie und Literatur hatte und solch ein feiner Mensch war.