06/05/2026
Zillo Flash - sehr lesenswert Danke Zillo
Wer kennt noch die wundervollen Berliner von X-Perience, die mitten in den alternativ angehauchten, wahlweise Eurodance-verseuchten Neunzigern mal eben einen kristallklaren Synth-Pop-Hit mit „A Neverending Dream“ in den Charts positionierten konnten? Sängerin Claudia Uhle hat mich seinerzeit sofort mit ihrer sympathischen und ausdrucksstarken Stimme berührt, auch wenn der Sound doch um einiges poppiger war als all die dunklen Wave-Veröffentlichungen, denen ich sonst eher mein Ohr lieh. Mit Angelzoom und dem neuen Album „Grey Devotion“ ist man 30 Jahre später interessanterweise längst selbst im weiten Œuvre des dunklen Pop angekommen, integriert auf leichtfüßig-emotionale Weise viele Einflüsse aus 80s-Synthie-Pop, Neoklassik, Ambient, Wave und alternativ-düsterer Stilistik. Elegante elektronische Sounds, eine traumartige Atmosphäre, Melancholie, Pop aus dem Hier und Jetzt („The Darkness Behind Me“ mit Jester Mullholland), dazu diese wundervolle Stimme und fertig ist ein abwechslungsreiches, spannendes Album, natürlich gezeichnet in etwas dunkleren Farben. Ob tanzbare 80s-Songs für die „Stranger Things“-Fraktion („Infinitive Energy“ feat. DJ29), nicht zu leugnende Depeche-Mode-Einflüsse in „No Second“, gemeine Ohrwurm-Hits wie „80s Forever“, „And I Run“ oder „Lunatic Laundromat“ – all diese Schattierungen erhalten ihren Platz. Selbst die schon erwähnten neoklassischen Fragmente finden sich hier und da im Sound von Angelzoom wieder. Liebevoll nostalgische Déjà-Vus in Richtung der großen französischen Pop-Queen Mylène Farmer höre ich außerdem im romantisch aufgeladenen „Stargazing Heart“ heraus. Für Freunde des synthetischen Wave-Pop, die mit einnehmenden Melodien, wunderschönem Frauengesang à la Chandeen eine kleine Weltflucht zulassen möchten, sei „Grey Devotion“ eine absolute Empfehlung von einem, der mit eher elektronischen Pop-Sounds selten auf du ist.
Text: Rajko Bärs