13/01/2026
Sie stand an der Kasse und zählte ihr Kleingeld.
Vor mir eine Frau, vielleicht Mitte sechzig.
Gepflegt. Ordentlicher Mantel. Ruhige Hände.
Sie öffnete ihre Geldbörse und begann zu zählen.
Ein Euro.
Fünfzig Cent.
Noch ein paar Münzen.
Hinter ihr wurde es unruhig.
Ein Seufzen.
Ein Blick auf die Uhr.
Jemand räusperte sich demonstrativ.
Sie zählte weiter. Langsam. Konzentriert.
Nicht aus Trotz.
Nicht aus Absicht.
Sondern, weil es genau stimmen musste.
Ich dachte nicht: Warum dauert das so lange?
Ich dachte: Wie oft habe ich selbst schon so gestanden.
Manchmal zählt man nicht nur Geld.
Man zählt Tage.
Man zählt Ausgaben.
Man zählt, wie lange es noch reicht.
Die Frau zahlte, steckte die Münzen zurück und lächelte entschuldigend.
Ein kurzes Lächeln.
Dann ging sie.
Die Schlange bewegte sich wieder.
Alles wie immer.
Aber irgendetwas blieb hängen.
Vielleicht die Erinnerung daran, dass man nie weiß, warum jemand an der Kasse länger braucht...