29/11/2019
Neuerscheinung im Frühjahr 2020:
Jean-Luc Nancy
Gott, Gerechtigkeit, Liebe, Schönheit
Vier kleine Vorträge
Bebilderung: Rosemarie Trockel
Begleittext: Marcus Steinweg
Übersetzung: Esther von der Osten
Herausgabe und Gestaltung: Wilfried Dickhoff
WDPRESS, Berlin 2020
Auszug 1:
"... Ich möchte mit dem Zitat eines großen französischen Dichters vom Anfang des 20. Jahrhunderts schließen, Arthur Rimbaud. Seinen größten Text, Eine Zeit in der Hölle, beginnt er folgendermaßen: „Eines Abends habe ich mir die Schönheit auf die Kniee gesetzt und ich fand sie bitter und habe sie beschimpft.“ Die Schönheit als überkommene Form, als Gepflogenheit einer ganzen Epoche wird ihm unerträglich. Und vierzig Seiten weiter, nachdem er durch alle Kritik an dieser Welt festgefahrener Konventionen hindurchgegangen ist, endet Rimbaud mit den Worten: „Das ist geschehen und vorbei, heute verstehe ich mich nun darauf, die Schönheit zu grüßen.“ Wir verstehen die Schönheit erst zu grüßen, wenn wir uns einmal all dessen entledigt haben, was den Gepflogenheiten entspricht und als schicklich gilt, ob es nun eine eigene Gepflogenheit ist oder ob es die Gepflogenheiten der Mode einer Gesellschaft sind." (Jean-Luc Nancy)