20/12/2025
Der Dezember ist irgendwie an mir vorbei gerast und ich kann gar nicht glauben, dass morgen schon Wintersonnenwende ist!
Seit ich wieder solo praktiziere, sind die letzten Feste bei mir eher zu stillen Beobachtungen geworden als zu ausgewachsenen Ritualen, was auch daran liegt, dass ich ein Jahr hinter mir habe, das ich im Hinblick auf die Hexenkunst als sehr frustrierend empfunden habe.
2025 fing schon damit an, dass die im Januar geplante neue Arbeitsgruppe mangels Interesse nicht zustande kam. Parallel dazu realisierte ich, dass auch ein Stammtisch zum gegenwärtigen Zeitpunkt keinen Sinn machte. Ich fragte mich ernsthaft, ob nur ich den Schuss nicht gehört hatte, und Wicca inzwischen einfach so weit ab vom Trend lag, dass man es auch einfach beerdigen oder zumindest damit wieder in den Untergrund abtauchen könne - übrigens eine Fragestellung, die ich immer stärker auch von anderen Gruppen mitbekomme - oder ob es nur ein vorübergehendes Tief in der üblichen Wellenbewegung war.
War es Zeit, sich zurückzuziehen und sich mehr darauf zu fokussieren, das Überleben der Tradition im Dunkeln zu sichern als neue Triebe sprießen lassen zu wollen? Das Ausbleiben von Suchenden schien diese Frage ernsthaft notwendig zu machen.
Eine zeitlang habe ich mit dem Gedanken gespielt, einem befreundeten Coven in den Niederlanden beizutreten. Bei einem Besuch fühlte ich mich sehr wohl bei diesen Menschen, aber mir fiel auch auf, dass ihre Praxis sich sehr von meiner unterschied. Und ich war einfach zu lang einen anderen Weg gegangen, um jetzt zu etwas anderem umzuschwenken. Ich wusste, dass mich das früher oder später unzufrieden machen würde. Zudem hatte ich eigentlich keinen inhaltlichen Grund, meine Tradition aufzugeben - es waren lediglich die Umstände, die mich gerade zwangen, auf einen Großteil dieser Praxis zu verzichten.
Ich beschloss, lieber allein zu bleiben als in einem Coven zu sein, der nur ein Notnagel sein würde - was auch dieser Gruppe gegenüber nicht fair wäre.
Und so ging es solo weiter im Jahr - diesmal mit einer größeren und bewussteren Entschiedenheit.
Inzwischen habe ich einen gewissen Abstand zu meinem alten Coven und fühle mich wieder ein bisschen wie vor dreißig Jahren als ich allein praktizierte und mehr mit der natürlichen Welt und den Göttern zu tun hatte als mit anderen Hexen. Was wirklich nicht das schlimmste ist!
Jetzt, zum Ende des Jahres, melden sich auch wieder ein paar Suchende und ich bin zuversichtlich, dass der anvisierte Online-Workshop im Januar stattfinden wird. Ich weiß nicht, ob es reicht, um von einer Wicca-Renaissance zu sprechen. Ehrlich gesagt, ich bin skeptisch und weiß auch selbst nicht, ob ich wieder da ansetzen kann und will, wo ich aufgehört habe. Es gab immerhin Dinge an der Gardnerischen Tradition, die für mich nicht funktioniert haben und die auch zu meiner Unzufriedenheit mit dem Coven beigetragen haben.
Aber die Hauptsache ist ohnehin, dass wir uns nicht krampfhaft an eine vorgefertigten Tradition klammern, sondern dem roten Faden unserer Seele folgen. Wenn dieses seltsame Jahr also etwas Gutes gebracht hat, dann, dass ich wieder sehr viel mehr meiner eigenen Aufmerksamkeit und meinen Interessen folge.
In diesem Sinne wünsche ich euch Allen eine wunderbare Wintersonnenwende, Frohe Weihnachten und einen tollen Übergang ins neue Kalenderjahr. Ich bin gespannt was kommt.
Euer Chris
Foto: Chris Frey