04/06/2026
Im Inneren der Pyramide
An meterdickem Mauerwerk entlang
Die Außenwelt verlassend, die uns lieb,
Führt ein nicht wahrnehmbarer Gang
Dorthin, wo nur der Blinde sieht.
In schwarzer Dunkelheit ist ein Verbleiben,
Das beinah ängstigt, das uns schrecken will
Mit ungesagten Worten, die verschweigen,
Was nach Vertrautem ruft – die Zeit steht still.
Täuscht uns das Auge – ist‘s ein Glimmen?
Ein Lichtlein, das sich angstlos hält,
Das fordert, dass wir uns besinnen
Herübergleitend aus entfernter Welt.
Wir sind wie angerührt von einer Kraft
Als wir zurückgelangen in die Welt,
Die unter Lärmen Tagesmühen schafft,
Den Blick in Innenräume uns verstellt.
Wird von dem Gang ins Innre etwas bleiben?
Ein Zeugnis jener andern Welt,
Das unberührt vom äußren Treiben
Uns sachte aufweckt, das erhellt?
Cornelia Haendler
( Gedicht zum Titelbild unserer Ausgabe "Ägypten", hier erhältlich: https://www.waldowverlag.de/vorhang-auf/einzelhefte )