04/07/2026
Archivfund:
Dieses Foto ist ausgesprochen interessant, weil die Rückseite die Geschichte des Bildes über Jahrzehnte dokumentiert. Man kann mehrere Stationen der internationalen Bildvermarktung nachvollziehen.
Auffällig sind folgende Stempel:
Ilse Collignon
München 40, Karl-Theodor-Straße 62
München 23 (spätere Postleitzahl)
Der Stempel kommt mindestens in zwei Varianten vor. Das spricht dafür, dass die Agentur über einen längeren Zeitraum existierte und ihre Adresse bzw. Postleitzahl angepasst wurde.
Black Star
BLACK STAR, Chrysler Building, New York
Zusätzlich:
BLACK STAR, Clifford's Inn, Fleet Street, London E.C.4 – Picture on Loan
Black Star war eine der bedeutendsten internationalen Fotoagenturen des 20. Jahrhunderts. Dass sich deren Stempel auf der Rückseite befinden, zeigt, dass das Bild international vertrieben wurde.
Credit: Philippe Halsman
Der Credit-Stempel nennt ausdrücklich Philippe Halsman, einen der berühmtesten Porträtfotografen der Welt (1906–1979), bekannt vor allem für seine zahlreichen Aufnahmen von Salvador Dalí, Einstein, Marilyn Monroe, Alfred Hitchcock u. a.
Darunter steht from Black Star, also erfolgte der Vertrieb über Black Star.
Transglobe Agency
Ebenfalls ein internationaler Bildvertrieb.
Der Spiegel
Ressort Kultur
Interne Archivnummer 3207.
Das zeigt, dass mindestens ein Abzug beim SPIEGEL in der Bildredaktion lag.
Es gibt Hinweise darauf, dass Ilse Collignon neben ihrer Tätigkeit als Journalistin, Autorin und Literaturagentin auch im Bildgeschäft aktiv war. Allerdings ist dieser Teil ihrer Biographie heute kaum dokumentiert.
Bekannt ist Folgendes:
* Ilse Margarete Collignon (geb. Rehtmeyer, später Riefenstahl, dann Collignon) lebte von 1913 bis 2003 in München. Sie war zunächst Journalistin und veröffentlichte später zahlreiche Romane. Kurz vor ihrem Tod erschien ihr Erinnerungsbuch über ihre Schwägerin Leni Riefenstahl („Liebe Leni…“). ([Wikipedia][1])
* Ihr zweiter Ehemann war der Fotograf und Kriegsberichterstatter Klaus Collignon. Dadurch hatte sie enge Verbindungen in die Fotografenszene der Nachkriegszeit. ([Wikipedia][1])
* Mehrere Originalabzüge international bekannter Fotografen tragen auf der Rückseite einen Agenturstempel **„Ilse Collignon, München 13, Adalbertstraße 88“**. Dieser Stempel erscheint beispielsweise auf Vintage Prints von Frank Horvat aus den 1950er Jahren. Das spricht dafür, dass sie als Bildvermittlerin oder Bildagentur für Fotografen tätig war. ([Sothebys.com][2])
* Auch die Schweizer Fotografin Helene Fischer ließ ihre Bilder in München offenbar über Ilse Collignon vertreten. In einer biografischen Darstellung wird Collignon ausdrücklich als eine Art Agentin für Helene Fischer bezeichnet. ([Wikipedia][3])
# # # Was sich daraus ableiten lässt
Es spricht einiges dafür, dass Ilse Collignon in den 1950er- und 1960er-Jahren eine **kleine, persönliche Fotoagentur** betrieb. Nach allem, was heute nachvollziehbar ist, war sie keine klassische Pressebildagentur wie Schostal, Mauritius, Interfoto oder Sven Simon, sondern vertrat einzelne Fotografen und vermittelte deren Bilder an Redaktionen und Verlage.
Die Adalbertstraße 88 in München war offenbar der Sitz dieser Agentur. Von dort aus wurden Bildabzüge mit ihrem Agenturstempel verschickt. ([Sothebys.com][2])