01/11/2025
Meine Angst und unsere von Jochen Veit
Alles beginnt, wie es das oft tut. Ein Alltag will bewältigt werden. Leas Großmutter ist verstorben und Lea bricht auf, gemeinsam mit ihrem Mann Marcus, um an der Beerdigung teilzunehmen. Ihre beiden Kinder sind zu Hause geblieben, in ihrem Eigenheim, am Rand eines stillgelegten Tagebaureviers und Martins Bruder, Michael, achtet auf sie. Die Kinder mögen ihren Onkel Micha und er sie, auch wenn dieser so seine Kämpfe mit sich austrägt. Seine Geister. Machen es ihm nicht leicht das Leben auszuhalten.
Während Lea und Marcus geschwisterlichen Zwist und Erinnerungswellen bewältigen, bricht zu Hause bei den Kindern ein schweres Unwetter los. Eines, das nicht nur den Kindern Angst macht und als Lea den Kontakt zu ihnen verliert, sich Marcus bei einem dummen Unfall verletzt, gerät die Situation außer Kontrolle und die Schwingen ihrer Angst besetzen Krallen.
Vereinnahmt von diesem grandiosen Cover, dem Titel, war ich im Inneren des Textes nicht minder gefangen. Auf knappen 195 Seiten braut sich einiges zusammen und Veits Szenerie, ein halb verlassenes Dorf am Rand eines Tagebauareals, wirkt für sich einen ganz eigenen düsteren Zauber.
Welche Bilder gaukelt uns unsere Angst vor? Was macht meine Angst mit mir? Was unsere Angst mit Dir? In der Geschichte verschwimmen die Grenzen. Während Lea die Geduld mit mit sich und der Situation verliert, erlebt Michael mit den Kleinen ein märchenhaft alptraumartiges Szenario.
Was ist real? Was Traum, was Angsttraum? Gelten in unseren Träumen unsere Regeln? Eine kluge Frage, die hier aufgeworfen wird.
Spannende Frage von Veit, der mit uns und unserer Wahrnehmung ebenso spielt, wie mit der seiner Figuren. So fegt man durch seinen Text. Der sich bedrohlich aufbaut wie das in ihm aufziehende Unwetter. Monster bleiben hier nicht unter dem Bett. Sie fordern die Konfrontation ein und man ist froh, kommt man am Ende mit heiler Haut davon. Weil der Kopf macht, was der Kopf macht. Das Herz, was das Herz tut. Wir schützen die, die wir lieben. Es kostet Kraft sich seiner Angst zu stellen, aber sie zu teilen macht sie auch kleiner. So macht unsere Angst mit uns nicht was sie will!
Lieben Dank an Karl Rauch Verlag und Politycki & Partner für dieses Rezi-Ex, diese so besondere Geschichte.
https://petrasbuecherapotheke.de/meine-angst-und-unsere-jochen-veit