08/01/2026
“First Cuts” klingt wie ein kaputter Seziertisch im feuchten Proberaum: Blut, Schweiß, Bier und kein Gedanke daran, irgendwem gefallen zu wollen. THE 1428 werfen ihr Debüt mit Anlauf ins Gesicht und machen sofort klar, dass Horrorpunk für sie kein Kostüm ist, sondern Haltung. Das Album lebt von Dreck unter den Fingernägeln, von Melodien, die kleben bleiben, und von Songs, die lieber beißen als geschniegelt rumzuliegen. Der Einstieg kommt ohne Warnung, direkt auf die Zwölf. Kein Intro-Gelaber, kein Aufbau – hier wird gespielt, als würde gleich der Strom abgestellt. Punkrock trifft auf Horror, alles schön kompakt, alles auf Angriff. Genau so muss das.
“Jacky Boy” ist einer dieser Songs, die man nach dem ersten Durchlauf schon mitgrölt, obwohl man ihn eigentlich noch gar nicht kennen kann. Melodisch, rotzig, arschcool. Kein unnötiger Schnickschnack, sondern Punk mit Haken im Refrain und dreckigem Grinsen. Bei “Acid Rain” wird es schleppender und fieser. Endzeit-Feeling, Verwesung, Zombies im Kopf – der Song schiebt schwer nach vorne und fühlt sich an wie der Soundtrack zum langsamen Untergang. Nichts Hochglanz, sondern grauer Himmel und kaputte Straßen. “Plan 9” ist der Beweis, dass THE 1428 Humor haben und wissen, wie viel Trash sie sich erlauben können. Sci-Fi-Horror, Augenzwinkern, Punkrock mit Spaß an der Sache. Nicht dumm, nicht albern – einfach Bock auf Lärm und Chaos.
Richtig dreckig wird es bei “Cthulhu Stopped Dreaming”. Hier kratzt der Song mehr, die Vocals gehen aggressiver nach vorne, und der Horror ist nicht mehr Comic, sondern klaustrophobisch. Das ist der Moment, in dem das Album die Zähne zeigt und nicht mehr nur freundlich knurrt. “Santa Muerte” zieht das Licht runter. Düster, schwer, fast schon unheilvoll. Kein Song für die Tanzfläche, sondern für dunkle Ecken, in denen der Schweiß kalt wird. Hier zeigt sich, dass THE 1428 auch Atmosphäre können, ohne das Tempo ständig hochzuschrauben. Mit “Fire Walk With Me” wird es wieder schräger, etwas entrückt, fast filmisch. Der Song fühlt sich an wie ein Fiebertraum zwischen Punkshow und Horrorfilm und bringt genau die Art von Abwechslung rein, die ein Album am Leben hält. “Bear Mountain Road” tritt zum Schluss nochmal alles um. Laut, direkt, voll auf die Fresse. Ein Song für klebrige Clubböden, kaputte Kehlen und Bier, das schneller leer ist als der Song vorbei. Kein Anspruch, nur Energie.
“First Cuts” ist kein Album für Leute, die Horrorpunk nur als Nostalgie-Schaufenster wollen. Das hier ist roh, lebendig und mit echtem Spaß am Krach. THE 1428 spielen, als hätten sie nichts zu verlieren – und genau das macht dieses Debüt so stark. “First Cuts” stinkt nach Keller, klingt nach Club und macht verdammt gute Laune. Wer das ignoriert, sollte vielleicht weniger jammern und öfter wieder laute Musik hören.