17/12/2025
"Wir würden auch entsprechende russische Übergriffe und Angriffe erwidern"
Dieser Satz ist kein Signal der Stärke.
Er ist ein Signal der brandgefährlichen Gedankenlosigkeit.
Er stammt nicht von irgendeinem Twitterkrieger, nicht aus einem Bierzeltraum militärischer Großmachtfantasien, sondern aus dem Mund eines deutschen Bundeskanzlers – eines Mannes, der offenbar glaubt, Geschichte sei etwas für Fußnoten, nicht für Verantwortung.
Deutschland.
Das Land, das zwei Weltkriege erlebt hat.
Das Land, das sich dem Frieden verpflichtet hat.
Das Land, das gelernt haben sollte, dass Eskalation kein Zeichen von Mut ist, sondern oft nur von politischer Unreife.
Und nun also: „erwidern“.
Als wäre Krieg ein Tischtennismatch.
Als würde man Raketen mit Retourkutschen beantworten.
Als gäbe es bei einem militärischen Schlagabtausch mit Russland so etwas wie einen kontrollierten Ausgang.
Diese Aussage ist kein Schutzversprechen – sie ist eine Einladung zur Eskalation.
Sie ignoriert, dass Deutschland keine Atommacht ist.
Sie ignoriert, dass deutsche Städte keine Spielsteine sind.
Sie ignoriert vor allem eines: den Willen der Bevölkerung, die keinen Krieg will – weder direkt noch „solidarisch“, weder offen noch durch die Hintertür.
Wer so spricht, spielt mit dem Leben von Millionen.
Mit der Zukunft Europas.
Mit der letzten verbliebenen Glaubwürdigkeit deutscher Außenpolitik.
Wut ist hier kein Affekt – sie ist notwendig.
Denn was hier formuliert wird, ist keine Verteidigungsdoktrin, sondern eine rhetorische Aufrüstung, die mehr nach Kaltem Krieg klingt als nach kluger Staatsführung.
Deutschland braucht keine martialischen Ansagen.
Deutschland braucht Deeskalation, Diplomatie und Vernunft.
Und vor allem braucht es Politiker, die begreifen, dass man Frieden nicht dadurch sichert, indem man laut ankündigt, wie entschlossen man bereit ist, ihn zu zerstören.
Diese Aussage verdient keinen Applaus.
Sie verdient Widerspruch. Lauten. Entschiedenen. Unmissverständlichen.
Nicht mit unseren Kindern.
Nicht in unserem Namen.
Nicht mit unserer Zukunft.
Nicht mit Europa als Kollateralschaden.