Hanauer Bote

Hanauer Bote Das wöchentliche Mitteilungsblatt für die Stadt Hanau Auch über konstruktive Kritik zu unserer Arbeit freuen wir uns. Ihre Beiträge entfernen wir zeitnah.

Seit 1992 informiert der Hanauer Bote jeden Mittwoch kostenlos über das Geschehen in der Brüder-Grimm-Stadt. Mit einer Auflage von rund 39.000 Exemplaren erreicht der Bote flächendeckend alle Haushalte in Hanau. „Zeitung für alle“ ist seit jeher das Credo des Boten, seit die erste Ausgabe Anfang der 70er Jahre erschien. Ursprünglich ein Medium für öffentliche Bekanntmachungen und Mitteilungen der

Gemeinden, entwickelte sich der Bote schnell zur geschätzten Plattform für regionale Vereine, um über ihre Arbeit und ihre Veranstaltungen zu berichten. Inzwischen erscheint die Gesamtausgabe, der Mittelhessen-Bote, in einer Auflage von mehr als 325.000 Exemplaren. Ohne das eigentliche Konzept, Partner der Vereine zu sein, verlassen zu haben, berichtet der Hanauer Bote inzwischen selbst aktiv über Ereignisse aus der Region: Spannende Reportagen, das Leben in den Vereinen, aber auch kritische Töne zum politischen Geschehen gehören inzwischen zum inhaltlichen Erscheinungsbild des Hanauer Boten - einmal die Woche kostenfrei in jedem Haushalt. Spielregeln:
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Sonderbar„Berlin, Berlin – du bist so wunderbar“, hat dereinst die Gruppe Kaiserbase die deutsche Hauptstadt besungen. D...
10/01/2026

Sonderbar

„Berlin, Berlin – du bist so wunderbar“, hat dereinst die Gruppe Kaiserbase die deutsche Hauptstadt besungen. Die Opfer der Gewalt in der Silvesternacht, die Betroffenen des Stromausfalls oder aber diejenigen, die täglich unter den teilweise chaotischen Verhältnissen der Hauptstadt leiden, dürften das Lied inzwischen allenfalls als Satire empfinden. Und als Außenstehender mag man das Wort „wunderbar“ vielleicht eher durch das Wort „sonderbar“ ersetzen.
Natürlich liegt die Hauptverantwortung für den tagelangen Stromausfall, der Zehntausende getroffen, ja Menschenleben gefährdet hat, bei den Brandstiftern. Bekannt dazu hat sich die linksextremistische, ominöse Gruppe „Vulkan“. Leute, die sich selbst vielleicht als politische Aktivisten bezeichnen, tatsächlich aber nichts anderes sind als kriminelle Terroristen. Sie hätten den „Herrschenden den Saft abdrehen wollen“, heißt es im Bekennerschreiben, und außerdem gegen die Energieerzeugung mit fossilen Brennstoffen protestiert. Was für Idioten!
Genauso sonderbar wie diese Begründung ist aber auch das Krisenmanagement des Berliner Senats und der Verwaltung. Natürlich kann man die „kritische Infrastruktur“ nicht zu hundert Prozent schützen, wie der regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) nicht müde wird, zu betonen. Natürlich nicht, aber man darf sich schon fragen, ob es zum Beispiel sinnvoll ist, das vorgeschriebene Notfall-Ersatzkabel im gleichen Kanal zu verlegen, wie das Hauptkabel.
Der permanente Sicherheitshinweis des Mannes, der anfangs lieber Tennis spielte, soll aber offensichtlich vom eigentlichen Skandal ablenken. Der Tatsache nämlich, dass Berlin auf solche Krisensituationen nur mangelhaft vorbereitet ist. Erst vor Kurzem hatte der Landesrechnungshof die völlig unzureichende Katastrophenvorsorge der Stadt angeprangert. Statt realen Gefahren vorzubeugen, hat man sich lieber darum gekümmert, die traditionelle Mohrenstraße politisch korrekt umzubenennen. Dass in den stromlosen Tagen nicht mehr passiert ist, dürfte nur dem aufopferungsvollen Einsatz der Rettungskräfte, der Bauarbeiter und der Nachbarschaftshilfe zu verdanken sein.
Das Bild eines hilflosen Bürgermeisters, der neben einer mehr als 90-jährigen Pflegebedürftigen steht, die man auf ein Feldbett in einer Turnhalle verfrachtet hat, ist nicht nur beschämend, sondern dürfte sich im aufkommenden Wahlkampf nicht gut machen. Dazu kamen stammelnde und offenbar überforderte grüne Bezirksbürgermeisterinnen. Einzig SPD-Senatorin Franziska Giffey war als Kümmerin omnipräsent. Typisch für Berlin, dass diese beliebte Politikerin von der eigenen Partei längst abserviert wurde. Und die AfD? Die kann sich einfach zurücklehnen. Wie so oft in diesem Land werden ihr die Wählerstimmen von den anderen kostenfrei ins Haus geliefert.
Und wie wird es in Berlin weitergehen? Die Aussichten für die Wahlen zum Abgeordnetenhaus im September versprechen jedenfalls wenig Änderung. Nach den bisherigen Umfragen dürfte es zu einer rot-rot-grünen Koalition, erstmals mit einer regierenden Bürgermeisterin der Linkspartei kommen. Na dann: alles Gute, Berlin!
Das Ärgerliche ist nur, dass Berlin oftmals als Aushängeschild für die ganze Republik betrachtet wird – was ja nicht ganz so abwegig ist. Eine Stadt, die nicht nur sonderbar, sondern offenbar auch nicht mehr ganz bei Sinnen ist. Und so mag auch diese erste Kolumne des neuen Jahres mit einem Liedtext nicht nur beginnen, sondern auch enden. Einem Gassenhauer, der die Hauptstadt ganz gut beschreibt, auch wenn er bereits Ende des 19. Jahrhunderts entstanden ist: „Du bist verrückt mein Kind, du musst nach Berlin. Wo die Verrückten sind, da jehörste hin!“

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Zwischenrufer heißt unsere Kolumne, in der Dieter Schreier einen Blick auf das Hanauer Stadtgeschehen oder allgemeine Themen wirft. Der gelernte Journalist hat viele Jahre als Redaktionsleiter, Chefredakteur und Geschäftsführer bei Institutionen und Zeitungsverlagen in Nordrhein-Westfalen, Bayern, Thüringen und Hessen gearbeitet und ist heute als Medienberater und in der Journalisten-Weiterbildung aktiv. In Hanau ist er seit mehr als 25 Jahren präsent.

Vorbei„Ein Jahr geht schnell vorüber“, hat die Münchner Freiheit in ihrer, mit dem London Symphony Orchestra eingespielt...
27/12/2025

Vorbei

„Ein Jahr geht schnell vorüber“, hat die Münchner Freiheit in ihrer, mit dem London Symphony Orchestra eingespielten legendären Ballade bereits in den Achtzigern treffend festgestellt. In der Tat, spätestens ab 30 ahnt, ab 40 merkt man, wie schnell die Zeit vergeht, wie die Jahre verfliegen. 2025, das nun vorbei ist, war auch wieder so ein schnelles Jahr. Nicht zuletzt deshalb, weil sich in dieser ohnehin hektischen Zeit die Nachrichten nur so jagten. Die guten, leider aber auch zu viele schlechte Nachrichten. Verzichten wir darauf, an Inflation, enttäuschte Reformversprechen, weltweite Konflikte, Irrsinn im Großen wie im Kleinen und anderes zu erinnern. Zum Trübsinn reicht, wenn man allein eins bedenkt: Die meisten (wenn auch nicht alle) Atomwaffen auf dieser Welt befinden sich in Händen von Staatslenkern, die man wahlweise als Autokraten, Diktatoren oder Quartalsirre bezeichnen kann – aber sicher nicht als lupenreine Demokraten.
Schauen wir also lieber nach vorn, auf das Jahr 2026, dass zumindest für die Bürgerinnen und Bürger der Brüder-Grimm-Stadt einige Veränderungen mit sich bringt. Wenn am Mittwoch um Mitternacht die Sterne am Hanauer Himmel tanzen, Kirchenglocken und Böller das neue Jahr begrüßen, wird Hanau eine kreisfreie und selbstständige Stadt sein. Der Main-Kinzig-Kreis verliert – jedenfalls statistisch – ein Viertel seiner Einwohner und die Stadt gewinnt eine ganze Menge Beinfreiheit und Selbstständigkeit.
Dass dieser Prozess ohne Streit und heftige Auseinandersetzungen über die Bühne ging, ist sicher den beiden Hauptakteuren, Oberbürgermeister Claus Kaminsky und Landrat Thorsten Stolz, zu verdanken. Und es hat der Landesregierung und den Abgeordneten in Wiesbaden die Entscheidung erleichtert, den Weg für die Kreisfreiheit Hanaus zu ebnen. Außerdem: Es wurde kein Tischtuch zerschnitten. Da, wo es sinnvoll ist, kooperieren Stadt und Kreis auch in Zukunft und künftig werden nun zwei starke Stimmen die Interessen der Region auf höheren Ebenen vertreten.
Dass die Region auch mit starken Stimmen in Berlin vertreten ist, durfte man in diesem Jahr erfreut feststellen. Mit Pascal Reddig und Johannes Wiegelmann haben zwei neue und junge Bundestagsabgeordnete der CDU bereits in den ersten Monaten für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Und dass Pascal Reddig nun zum Vizevorsitzenden der Rentenkommission berufen wurde, die eine der wohl wichtigsten Sozialreformen der Republik vorbereiten soll, dürfte man in der künftig selbstständigen Stadt mit Genugtuung aufnehmen.
Die Kreisfreiheit markiert außerdem die Krönung einer politischen Ära und läutet zugleich auch ihr Ende ein. Im Herbst wird Claus Kaminsky, Hessens dienstältester Oberbürgermeister, die schwere und überaus prächtige goldene Amtskette auf jüngere Schultern legen. Ob es weibliche oder männliche Schultern sein werden, wird bereits im März entschieden, wenn die Hanauerinnen und Hanauer in die Wahllokale gerufen werden. Wobei man angesichts der Kandidatenliste derzeit davon ausgehen kann, dass es wohl zu einer Stichwahl kommen wird. Aussichtsreichste Bewerber: Bürgermeister Dr. Maximilian Bieri von der SPD und Stadträtin Isabelle Hemsley von der CDU. Beide vom Oberschlaus geschickt frühzeitig platziert, der damit den Hanauern eine langwierige Suche nach potenziellen Nachfolgern erspart hat, wie sie leider in anderen Kommunen mittlerweile nicht unüblich ist. Erfolgreicher Abschluss eines erfolgreichen politischen Weges!
So zuversichtlich die Hanauer also auf ihre Wahlen im neuen Jahr schauen können, so kritisch dürften viele die bevorstehenden Wahlen in der Republik sehen. In Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern wäre laut derzeitigen Umfragen eine Mehrheitsregierung ohne die AfD nicht denkbar, an Elbe und Saale müssen sogar die Sozialdemokraten um den Einzug ins Parlament bangen. In Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz wären Koalitionen aus der Mitte heraus zwar noch möglich, nach dem bisherigen Stand müssten aber Grüne und SPD ihre Spitzenpositionen räumen. Ob man in der Mitte denn inzwischen den Schuss von rechts und links gehört hat? Angesichts der aktuellen Politik mag man daran Zweifel haben.
Bleibt also für das neue Jahr vor allem Hoffnung. Die Hoffnung darauf, dass es den Menschen, denen es jetzt nicht so gut geht, im neuen Jahr besser gehen wird. In unserem Land genauso, wie in den vielen Krisenregionen der Welt. Bemühen wir uns also, jeder und jede, unseren Beitrag dazu zu leisten. Mutig und unverzagt, auch wenn wir manchmal stolpern. Liegenbleiben ist keine Option. Zitieren wir dazu noch einmal die Münchner Freiheit: „Versuchen wir es wieder, solang man Träume noch leben kann“. In diesem Sinne: Auf ein gutes Neues!
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Zwischenrufer heißt unsere Kolumne, in der Dieter Schreier einen Blick auf das Hanauer Stadtgeschehen oder allgemeine Themen wirft. Der gelernte Journalist hat viele Jahre als Redaktionsleiter, Chefredakteur und Geschäftsführer bei Institutionen und Zeitungsverlagen in Nordrhein-Westfalen, Bayern, Thüringen und Hessen gearbeitet und ist heute als Medienberater und in der Journalisten-Weiterbildung aktiv. In Hanau ist er seit mehr als 25 Jahren präsent.

AuftragEinen Baum gab es nicht. Vielleicht ein paar Tannenzweige, stibitzt im Wald. Kerzen waren aus. Abgebrannt in den ...
20/12/2025

Auftrag

Einen Baum gab es nicht. Vielleicht ein paar Tannenzweige, stibitzt im Wald. Kerzen waren aus. Abgebrannt in den dunklen Bombennächten. An Geschenke war kaum zu denken, an ein Festmahl ebenso wenig. Vielleicht hatte die Mutter ein paar Kekse backen können, mit Mehl und Butter, welche man auf dem Land gehamstert oder gegen die letzten Wertsachen auf dem Schwarzmarkt eingetauscht hatte.
Weihnachten in Deutschland vor 80 Jahren war ein trauriges Fest, aber irgendwie auch ein frohes. Erstmals war 1945 die Stille Nacht wirklich eine stille Nacht. Kein Sirenenalarm, kein Brummen der Bomber, keine Detonationen, kein Geschützdonner der Artillerie. Und es gab auch kein Geschrei der Gestapo oder der Feldjäger mehr, wenn sie jüdische Nachbarn, Regimegegner oder versteckte Deserteure abholten. Aus dem Volksempfänger, der berüchtigten „Goebbels-Schnauze“, kamen keine Durchhalteparolen, keine Lügen mehr. Die großen und kleinen Führer, die Goldfasane und sonstigen Parteigrößen hatten sich feige aus dem Staub gemacht. Ihrer Verantwortung entzogen durch Suizid oder Flucht.

Ja, es war eine stille Nacht, in der die Menschen auf sich selbst zurückgeworfen waren. In die Sorge um das tägliche Überleben mischte sich vielleicht die Scham über die in den letzten Monaten bekannt gewordenen Verbrechen, die Deutsche verübt hatten. Und man bangte vielleicht um Väter und Söhne, die noch nicht aus dem Krieg zurückgekehrt waren und deren Verbleib ungewiss war.

Wer eine Ahnung davon bekommen will, wie die Menschen damals gelebt haben, sollte das Hanauer Dokumentationszentrum im Pioneer-Park besuchen, wo man zwischen den Bildern der zerstörten Stadt eine kleine Notwohnung besichtigen kann. Und vielleicht gibt es in der Familie noch betagte Angehörige, die als Kinder diese Stille Nacht 1945 erlebt haben. Man sollte sie fragen, sie erzählen lassen oder aber Berichte aus dieser Zeit lesen. Denn die Stille Nacht vor 80 Jahren steht im krassen Gegensatz zu den üppigen Weihnachtsfesten unserer Zeit samt Geschenkorgien und Glitzerwelten.
Die Erinnerung an Weihnachten 1945 kann uns wieder erden und demütig werden lassen. Was sind schon unsere Herausforderungen gegen die Probleme der damaligen Zeit? Probleme, die die Menschen damals nicht resignieren ließen, sondern neue Kräfte entfalteten, die das auch moralisch zerstörte Land wieder aufgebaut haben. Und es erinnert uns an die Kernbotschaft des Weihnachtsfestes, die 1945 so präsent war wie nie: „Friede auf Erden den Menschen guten Willens“.
Weihnachten 2025 wird uns genau diese Botschaft nach Jahrzehnten der Sorglosigkeit wieder ins Bewusstsein gerückt. Im vierten Jahr des Krieges in Europa – einer Situation, die man nach den Schrecken des 20. Jahrhunderts kaum für möglich gehalten hätte – mögen wir uns an das Wort von W***y Brandt erinnern, dass der Frieden nicht alles, aber ohne Frieden alles nichts ist. Wir mögen an die Menschen in der Ukraine denken, die mit uns oder ein paar Tage später als orthodoxe Christen Weihnachten feiern. In ständiger Angst, von russischen Drohnen oder Bomben attackiert zu werden. Und wir mögen an die Menschen in den anderen Krisenregionen der Welt denken, etwa im Sudan, im Nahen Osten, oder an die Menschen in Sydney, die um die Opfer des feigen Attentats auf das jüdische Chanukka-Fest trauern.
Das macht demütig und es zeigt, dass die Botschaft aus Bethlehem keine Zustandsbeschreibung war. Es war vielmehr ein Ausdruck der Hoffnung, aber auch ein klarer Auftrag an uns alle: Der Frieden muss gewollt und gestaltet, manchmal sogar erkämpft werden. Im Kleinen wie im Großen. In diesem Sinne: Gesegnete Weihnachten!
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Zwischenrufer heißt unsere Kolumne, in der Dieter Schreier einen Blick auf das Hanauer Stadtgeschehen oder allgemeine Themen wirft. Der gelernte Journalist hat viele Jahre als Redaktionsleiter, Chefredakteur und Geschäftsführer bei Institutionen und Zeitungsverlagen in Nordrhein-Westfalen, Bayern, Thüringen und Hessen gearbeitet und ist heute als Medienberater und in der Journalisten-Weiterbildung aktiv. In Hanau ist er seit mehr als 25 Jahren präsent.

TapferDa haben sie sich also nicht verbiegen lassen, die tapferen Jungs von der Kinzig. Pascal Reddig und Johannes Wiege...
13/12/2025

Tapfer

Da haben sie sich also nicht verbiegen lassen, die tapferen Jungs von der Kinzig. Pascal Reddig und Johannes Wiegelmann, junge und neue Abgeordnete für Hanau und den Main-Kinzig-Kreis im Deutschen Bundestag haben beim sogenannten Rentenpaket mit „Nein“ gestimmt. Gemeinsam mit einigen Kollegen aus der „Jungen Gruppe“ der CDU. Gegen die eigene Regierung, gegen den eigenen Kanzler. Das muss man sich erst mal trauen.
Mag sein, dass man sich in der Gruppe vorher abgestimmt hat, um ein Desaster für die Koalition zu vermeiden. Fakt ist aber, dass die jungen Parlamentarier mutig die Interessen nicht nur der jungen Generation vertreten und deutlich gemacht haben, dass Abgeordnete keine willenlosen Erfüllungsgehilfen einer Regierung sind, wie sich das mancher dort wohl gern wünschen würde.
Das auch unter Fachleuten umstrittene Rentenpaket sei gegen seine fundamentale Überzeugung geschnürt worden, sei gegen die Generationengerechtigkeit und deshalb könne er es nicht mit seinem Gewissen vereinbaren, dem zuzustimmen, hatte Reddig in einer vielbeachteten Rede vor dem Deutschen Bundestag erklärt. Und er hat den Abgeordneten und damit auch den Bürgern noch einmal eine unbequeme Wahrheit ins Gedächtnis gerufen: Der demographische Wandel warte nicht auf die nächste Wahl, sondern er schlage in den 2030er Jahren mit mathematischer Präzision auf die Staatsfinanzen durch. Ja, so ist es!
Und er hat den Widersinn des jetzt beschlossenen Rentenpakets auf den Punkt gebracht. „Wir beschließen erst verbindliche Kosten und verlassen uns dann auf unverbindliche Reformversprechen“, so seine Aussage im Parlament. Damit hat er die Skepsis, die viele Bundesbürger hinsichtlich des Reformwillens und der Reformfähigkeit der Koalition haben, treffsicher artikuliert.
Wer hat in der ganzen Causa nun gewonnen und wer verloren? Die meisten Leitartikler sind sich da einig. Natürlich habe der Kanzler verloren, der trotz der letztlich erreichten Mehrheit das Desaster für die Koalition nur knapp abwenden konnte. Und auch Unionsfraktionsvorsitzender Jens Spahn habe verloren, weil er seine Leute „nicht im Griff hat“. Wobei man sich fragen muss, ob die Zeiten eines Zuchtmeisters à la Herbert Wehner nicht längst vorbei sind. Wenn man genauer hinschaut, hat aber auch der SPD-Vorsitzende und Finanzminister Lars Klingbeil verloren, der mit seinen Basta-Reden ein merkwürdiges Verhältnis zur parlamentarischen Demokratie offenbart hat. Gesetze werden immer noch von der Legislative beschlossen, nicht von der Exekutive. Die eigene Fraktion als reine Abnicker zu deklassieren, dürfte dort einiges Stirnrunzeln verursacht haben.
Erhebliche Schrammen – auch in den eigenen Reihen – hat auf jeden Fall die SPD-Co-Vorsitzende und Arbeitsministerin Bärbel Bas abbekommen, beziehungsweise sich selbst zugefügt. Schließlich hat sie den ganzen Streit ursächlich erzeugt, weil sie den Gesetzentwurf über die Koalitionsvereinbarung hinaus ausgedehnt hat. Ihre Äußerung zum Thema Beitragszahler-Steuerzahler vor den Unternehmern hätte man vielleicht noch als Lapsus kaschieren können. Dass sie aber danach beim Juso-Kongress den alten Klassenkampf wiederbelebt und die Arbeitgeber als Hauptgegner der Sozialdemokraten identifiziert hat, ist nicht mehr zu erklären. Wenn bei der letzten Bundestagswahl Millionen SPD-Wähler nach rechts gewandert sind, weil ihnen die Partei zu links geworden ist, dann ist die Konsequenz, die Partei noch weiter nach links zu rücken, ein fragwürdiges Erfolgskonzept. Zumal auf der linken Seite bereits Heidi Reichinnek mit ihrem Happy-Hour-Sozialismus residiert. Für traditionelle Sozialdemokraten ist diese Entwicklung der SPD mehr als schmerzlich.
Gewonnen haben aber sicherlich die jungen Abgeordneten, die die Interessen ihrer Generation mutig vertreten haben und nun die Koalition auf einen Reformpfad gezwungen haben, wie die Hektik bei der Einberufung der Rentenkommission beweist. Dass man ihnen angeblich mit dem künftigen Verlust des Mandates gedroht hat – geschenkt! Über die Bundestagsabgeordneten an Main und Kinzig entscheiden weder Herr Merz noch Herr Spahn, sondern immer noch die Parteimitglieder vor Ort, die sie nominieren und am Ende die Bürgerinnen und Bürger, die sie wählen. Man mag mit Pascal Reddig vielleicht nicht immer einer politischen Meinung sein, eins wissen die Hanauer aber jetzt: Sie werden nicht durch einen Duckmäuser, sondern durch einen mutigen und tapferen Abgeordneten in Berlin vertreten. Und das ist mal eine gute Botschaft in diesen oft so unerfreulichen Zeiten.
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Zwischenrufer heißt unsere Kolumne, in der Dieter Schreier einen Blick auf das Hanauer Stadtgeschehen oder allgemeine Themen wirft. Der gelernte Journalist hat viele Jahre als Redaktionsleiter, Chefredakteur und Geschäftsführer bei Institutionen und Zeitungsverlagen in Nordrhein-Westfalen, Bayern, Thüringen und Hessen gearbeitet und ist heute als Medienberater und in der Journalisten-Weiterbildung aktiv. In Hanau ist er seit mehr als 25 Jahren präsent.

Nehmen wir einmal an, Sie hätten eine – zumindest nach Ihrer Meinung – hervorragende Geschäftsidee. Sie eröffnen – viell...
06/12/2025

Nehmen wir einmal an, Sie hätten eine – zumindest nach Ihrer Meinung – hervorragende Geschäftsidee. Sie eröffnen – vielleicht sogar in Hanau – einen Laden, in dem sie gewaltfrei und klimaneutral geklöppelte Wollsocken für Damen anbieten. Leider ist das Interesse der Damenwelt an diesen Füßlingen mehr als gering. Nach einem Monat haben Sie gerade mal fünf Prozent ihrer monatlichen Produktion verkauft. Es gibt nun zwei Möglichkeiten. Variante A: Sie geben das Geschäft auf, weil es offensichtlich nicht genügend Interessenten für gewaltfrei und klimaneutral geklöppelte Damensocken gibt. Oder Variante B: Sie eröffnen 19 weitere Läden in Hanau, so dass Sie dann 20 Läden haben mit je 5 Prozent Absatz. Und 20 mal fünf Prozent macht bekanntlich 100 Prozent. Bingo!
Nun würde jeder, der bei der Vermittlung der Grundrechenarten nicht gerade im Schulstreik war – gegen das Klima, gegen rechts oder gegen die Wehrpflicht – zweifellos die Variante A wählen. Anders sieht das aus, wenn man eine Mission erfüllen will, wenn man eine Vision vom besseren Menschen hat. Dann wird man immer mehr Läden mit gewaltfrei und klimaneutral geklöppelten Damensocken eröffnen, in der Hoffnung, dass sich irgendwann die Sache schon durchsetzen wird. Koste es, was es wolle.
Diese an sich widersinnige Verhaltensweise kann man immer wieder in der Politik beobachten. Und zwar in der großen Welt ebenso, wie in der kleinsten Großstadt. An dieser Stelle wurde schon einmal vor Monaten darauf hingewiesen, dass sich Erwartungen an die Menschen, die am grünen Tisch entwickelt wurden, nicht erfüllt haben. Das galt für die mangelnde Nutzung der Trinkwasser-Refill-Angebote in den Hanauer Geschäften und auch für das Carsharing-Angebot im Pioneer-Park.
Nun könnte man es dabei bewenden lassen. Die Stadt sieht das aber offenbar anders. Der gefloppte Car-Sharing-Versuch wird nicht beendet, sondern soll sogar ausgeweitet werden. Entsprechende Flächen in der City würden nun gesucht, heißt es. Also noch mehr Läden für gewaltfrei und klimaneutral geklöppelte Damensocken. Da wird schlechtem Geld gutes Geld hinterhergeworfen.
Dabei hat die Stadt in Sachen Mobilität bisher durchaus Augenmaß bewiesen. In die Anschaffung teurer Elektrobusse für die HSB steigt man behutsam ein und hat sich damit im Gegensatz zu manchen kommunalen Vorreitern viel Ärger und viele Kosten erspart. Und auch bei den E-Scootern hat sich Hanau bisher zurückgehalten und will dies laut aktuellen Berichten auch weiter tun. Damit erspart sich Hanau viele Probleme, die andere Städte haben, welche die Elektroroller genehmigt haben – man blicke nur in die Nachbarschaft nach Frankfurt.
Der von Klimabewegten gepriesene und von Fachleuten schon damals bezweifelte ökologische Effekt ist nämlich ausgeblieben. Die Flitzer ersetzen nachgewiesen nicht das Auto, sondern allenfalls das ökologisch wertvolle zu Fuß gehen. Auch als Kombi mit dem ÖPNV taugen die Dinger nicht, da sie zumeist – wie in Frankfurt – in der Straßenbahn aus Brandschutzgründen gar nicht mitgenommen werden dürfen. Stattdessen sorgen die Roller nur für Ärger. Lustig mag ja noch der Anblick des Finanzberaters sein, der im Maßanzug samt Umhängetasche auf dem E-Roller durch das Bankenviertel von Mainhatten rauscht. Er meint vielleicht, das wäre hip und chic, dabei sieht es nur bescheuert aus. Aber gar nicht lustig sind jugendliche Draufgänger, die verbotenerweise mit der Angeschmachteten im Doppelpack durch die Fußgängerzone sausen und vor allem ältere Passanten gefährden. Da wird der Roller schnell zum Rollator-Schreck.
Dass die Dinger oft als Stolperfalle kreuz und quer auf den Gehwegen liegen oder samt ihrer umweltschädlichen Batterien einfach in den Fluss geworfen werden, belastet Kommunen wie zum Beispiel Frankfurt oder Köln zusätzlich. Zudem steigen die Unfallzahlen mit E-Rollern drastisch, wie jüngste Erhebungen zeigen. Wobei fast die Hälfte ohne Beteiligung anderer Verkehrsteilnehmer passiert ist, sondern es die E-Roller-Fahrer eigenständig von den Socken gehauen hat.
Insofern ist es zu begrüßen, dass Hanau sich diesen Ärger und diese Gefahren nicht aufhalst. Angesichts eines massiv ausgebauten Parkangebotes in der City und eines beachtenswerten und dichten Busnetzes der HSB ist es kaum ein Problem, wenn die Hanauer die letzten Meter nicht mit dem E-Roller überwinden, sondern sich traditionell auf die Socken machen. Die müssen ja nicht unbedingt gewaltfrei und klimaneutral geklöppelt sein.
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Zwischenrufer heißt unsere Kolumne, in der Dieter Schreier einen Blick auf das Hanauer Stadtgeschehen oder allgemeine Themen wirft. Der gelernte Journalist hat viele Jahre als Redaktionsleiter, Chefredakteur und Geschäftsführer bei Institutionen und Zeitungsverlagen in Nordrhein-Westfalen, Bayern, Thüringen und Hessen gearbeitet und ist heute als Medienberater und in der Journalisten-Weiterbildung aktiv. In Hanau ist er seit mehr als 25 Jahren präsent.

AbwartenEs begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot ausging von dem Oberbürgermeister Claus Kaminsky, auf das alle We...
29/11/2025

Abwarten

Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot ausging von dem Oberbürgermeister Claus Kaminsky, auf das alle Welt wissen solle, dass der Hanauer Weihnachtsmarkt nie und nimmer nicht vor dem Totensonntage seine Tore öffnen werde. Auf dass die Freude über das bevorstehende Fest des Lebens nicht das Gedenken an die Verstorbenen überlagern und verdrängen solle.
So könnte man vielleicht die berühmte Weihnachtsgeschichte aus dem Evangelium des Lukas neu schreiben, wenn man das standhafte Verhalten in Hanau schildern wollte. Wobei es natürlich fern liegt, den damals anordnenden römischen Kaiser Gaius Octavius mit Claus Kaminsky gleichzusetzen. Immerhin gibt es Historiker, die diesen erfolgreichsten römischen Kaiser als das größte politische Genie der Weltgeschichte bezeichnen. Obwohl, eigentlich…na ja, lassen wir das.
Fakt ist jedenfalls, dass Hanaus OB in Sachen Weihnachtsmarkt seit Jahren standhaft bleibt. Obwohl immer wieder mal eine frühere Öffnung des Marktes gefordert wird. Und auch immer mehr Städte bereits Wochen vor dem ersten Advent die Tore öffnen. In Darmstadt, Rüdesheim, Fulda und anderen Kommunen glühen schon lange die Glühweinkocher und brutzeln die Reibekuchen, während die Hanauerinnen und Hanauer noch auf diese Genüsse bis zum vergangenen Montag warten mussten. Es scheint aber, dass die Bürger der Brüder-Grimm-Stadt mit diesem „Abwarten“ durchaus klarkommen, denn Proteste gegen diese seit Jahren geübte Anordnung aus dem Rathaus gibt es kaum. Und das ist auch gut so.
Immer mehr wird der „Advent“, was übersetzt „Ankunft“ heißt und auf die Geburt Christi verweist, ausgedehnt und damit die Vorfreude auf das Weihnachtsfest verwässert. An Lebkuchen und Spekulatius bereits im Spätsommer in den Supermärkten hat man sich ja wohl oder übel mittlerweile gewöhnt. Ganz offensichtlich werden aber auch die Weihnachtsdekos immer früher installiert, Weihnachtsstorys im Fernsehen immer früher gesendet und zigmal wiederholt. War der „Kleine Lord“ früher noch ein Familienereignis, wird er heute – ähnlich wie „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ – permanent gesendet und ist jederzeit in der Mediathek abrufbar.
Eine „Vorfreude“, die sich endlos ausdehnt, ist aber keine echte Vorfreude mehr. Und die wochenlange Dauerbeschallung mit Weihnachtsmusik in Kaufhäusern und im Radio erzeugt keine Stimmung, sondern nervt einfach. Insofern ist es gut, dass der Hanauer Weihnachtsmarkt eine zeitliche Begrenzung hat, etwas Besonderes im Jahreslauf bleibt, und die Atmosphäre bewahrt, statt sie belanglos werden zu lassen.
Zudem ist die Stimmung auf den Weihnachtsmärkten im Land nicht völlig ungetrübt. Angesichts der massiven Sicherheitsmaßnahmen, Pollern, Absperrungen und zusätzlichen Polizeistreifen dürfte auch dem Letzten klar werden, was der Bundeskanzler mit dem „Stadtbild“ gemeint hat. Einige Märkte wurden sogar abgesagt, weil die Sicherheitsmaßnahmen nicht mehr finanzierbar sind. Hoffen wir alle, dass es friedlich zugeht und uns Schreckensmeldungen erspart bleiben.
Und natürlich können auch die Preise angesichts der Inflation aufs Gemüt schlagen. Für eine Familie mit Kindern wird der Besuch zu einem teuren Vergnügen, für die alleinerziehende Verkäuferin mit ihrem kleinen Sohn nahezu unerschwinglich. Eine Krakauer für sechs Euro ist schon eine Hausnummer. Dabei sind die Hanauer noch gut dran. In Deutschlands heimlicher Weihnachtsmarkthauptstadt Köln, wo auf nahezu jedem Platz zum weihnachtlichen Vergnügen geladen wird, werden für die Wurst schon sieben Euro aufgerufen. Was aber die zehntausenden Touristen aus Holland und Belgien oder von der anderen Seite des Kanals nicht stört, wenn erstmal Glühwein und Kölsch gezündet haben. Diejenigen, die sich das Vergnügen leisten können, sollten deshalb auf dem Hanauer Markt zumindest einen Abstecher zum Suppenstand der Serviceclubs machen, wo für soziale Zwecke gekocht wird. Oder im Stadthof am Weihnachtsbaum einen Zettel aussuchen und damit einem Kind aus dem Albert-Schweitzer-Kinderdorf einen Wunsch erfüllen. Das ist zwar keine Lösung des gesamten Problems, aber wenigstens eine kleine Hilfe. Und immerhin gibt es ja auch noch preiswertere Märkte in den Stadtteilen oder von Vereinen, die klein, aber fein und anheimelnd sind.
Bei all dem Trubel, bei all der Kommerzialisierung und auch bei manchen Sorgen und Befürchtungen sollten wir aber eins nicht vergessen: Das besinnliche Abwarten auf ein Ereignis, das – egal ob man daran glaubt oder nicht – die Welt verändert hat.
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Zwischenrufer heißt unsere Kolumne, in der Dieter Schreier einen Blick auf das Hanauer Stadtgeschehen oder allgemeine Themen wirft. Der gelernte Journalist hat viele Jahre als Redaktionsleiter, Chefredakteur und Geschäftsführer bei Institutionen und Zeitungsverlagen in Nordrhein-Westfalen, Bayern, Thüringen und Hessen gearbeitet und ist heute als Medienberater und in der Journalisten-Weiterbildung aktiv. In Hanau ist er seit mehr als 25 Jahren präsent.

HundertprozentigNun steht es also fest. Rechtssicher. Hundertprozentig. Mit der offiziellen und kaum überraschenden Nomi...
22/11/2025

Hundertprozentig

Nun steht es also fest. Rechtssicher. Hundertprozentig. Mit der offiziellen und kaum überraschenden Nominierung durch die SPD am letzten Samstag wissen die Hanauer nun, wer die beiden wohl aussichtsreichsten Kandidaten für die Nachfolge von Oberbürgermeister Claus Kaminsky sind: Dr. Maximilian Bieri für die Sozial- und Isabelle Hemsley für die Christdemokraten. Nominiert wurde auch bereits Sascha Feldes für die Grünen, die angekündigten Kandidaturen von FDP, Linken und AfD stehen noch aus.
Bei diesem Personaltableau und der derzeitigen allgemeinen politischen Lage dürfte relativ sicher sein, dass die Hanauerinnen und Hanauer im Frühjahr zweimal in die Wahllokale gerufen werden, Ein Durchmarsch wie bei den letzten Wahlen mit Claus Kaminsky ist kaum zu erwarten, eine Stichwahl höchstwahrscheinlich. Hessens dienstältester und wohl auch einer der erfolgreichsten Oberbürgermeister des Landes war lange Zeit eine Bank für die Sozialdemokraten. Meriten, die sich die beiden Spitzenkandidaten, die noch jung und noch nicht allzu lange in Verantwortung sind, erst noch verdienen müssen.
Dabei ackern die beiden seit ihrer Wahl zum Bürgermeister und zur Stadträtin sichtlich für die Stadt und ihre Bürger. Kaum ein Tag, an dem nicht über Aktionen oder Aktivitäten, Erfolge und neue Projekte berichtet wird. Interessant dabei, dass ihre Hauptthemen die klassischen – und auf höheren Ebenen bisweilen vernachlässigten – Themen ihrer jeweiligen Parteien sind. Der Sozialdemokrat Bieri für Bildung und Soziales, die Christdemokratin Hemsley für Ordnung, Sicherheit und Sauberkeit. Letztlich natürlich eine Folge der von Claus Kaminsky vorgenommenen Dezernatsverteilung.
Spannend wird diese Persönlichkeitswahl werden, denn beide scheinen sowohl bei der Leistungsbilanz als auch bei den Sympathiewerten gleichauf zu liegen, beide wurden zudem von ihren Gremien mit hundertprozentiger Zustimmung gewählt. Isabelle Hemsley hat mit ihren Aktionsfeldern sicherlich die populäreren Themen im Gegensatz zu den oftmals sperrigen Bereichen der Sozialpolitik. Zudem hat sie mit ihrer jungen Truppe der in früheren Jahren oft als verschlafen geltenden Hanauer CDU ein frisches Gesicht gegeben. Und dass ihr Mitstreiter und neuer Bundestagsabgeordneter Pascal Reddig in Berlin keine schlechte Figur macht, dürfte ebenfalls hilfreich sein.
Max Bieri wiederum hat zwar die hundertprozentige Unterstützung der heimischen Sozialdemokraten, muss aber damit leben, dass seine Partei im Bund nicht aus dem Quark kommt und im Umfragetal dümpelt. Es scheint, als müsse er die dickeren Bretter bohren, wenn man allein an die Krankenhausreformen denkt. Aber er hat auch gezeigt, dass er die Beharrlichkeit dafür besitzt. Und dass er keine Angst vor Fürstenthronen hat, wie die Kritik an Maßnahmen der Regierung oder sein Kampf gegen die Statistiker in Wiesbaden in Sachen Großstadt beweist. Gerade die Wiesbadener scheinen ihn fast zu fürchten, haben sie es doch nicht mit einem Nobody zu tun, sondern mit einem promovierten Mathematiker und Informatiker, der ihnen auch professionell Paroli bieten kann.
Angesichts der Tatsache, dass in manchen Kommunen immer weniger Bewerber für kommunale Ämter zur Verfügung stehen, können die Hanauer also froh sein, über diese beiden aussichtsreichsten Kandidaten. Beide wissen, was Arbeit ist, beide sind mit und in ihrer Stadt verwurzelt, beide sind keine Ideologen, sondern Realisten, beide sind keine Spalter, sondern wollen die Stadtgemeinschaft zusammenhalten.
Beide wissen aber auch, dass der Weg, den sie gehen werden, kein leichter sein wird. Das gilt weniger für den Wahlkampf als vielmehr für die Zeit danach. Denn man kann davon ausgehen – egal welches Ergebnis die Wahl hat – dass beide weiterhin Verantwortung in und für die Stadt tragen werden. Einer Stadt, die sich nach dem Jahreswechsel als kreisfreie Kommune etablieren muss. Einer Stadt aber auch, die wie alle Kommunen in Deutschland vor gewaltigen Herausforderungen steht. Die Zeiten voller Kassen, die es zumindest in Hanau gab, sind vorbei. Solange zudem der Bund nicht aufhört, Wohltaten zu beschließen, deren finanzielle Lasten dann zumeist von den Kommunen getragen werden müssen, wird sich an der prekären Lage auch nichts ändern.
Immerhin sind in Hanau die Aussichten besser als anderswo. Die wachsende und prosperierende Stadt glänzt durch eine moderne und innovative Wirtschaft, hat viele Zukunftsaufgaben früh erkannt und auf den Weg gebracht. Und sie verfügt über eine Bürgerschaft, die fleißig ist, sich in weiten Teilen mit ihrer Stadt identifiziert, ehrenamtlich engagiert und das von Claus Kaminsky identifizierte „Hanau-Gen“ in sich trägt. Also die in all den Jahrhunderten stets bewiesene Bereitschaft, nicht zu verzagen, sondern immer wieder aufzustehen und beherzt anzupacken. Egal also, wie die Wahl ausgeht: Auf die Hanauerinnen und Hanauer werden sich der neue Oberbürgermeister oder die neue Oberbürgermeisterin verlassen können. Hundertprozentig.
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Zwischenrufer heißt unsere Kolumne, in der Dieter Schreier einen Blick auf das Hanauer Stadtgeschehen oder allgemeine Themen wirft. Der gelernte Journalist hat viele Jahre als Redaktionsleiter, Chefredakteur und Geschäftsführer bei Institutionen und Zeitungsverlagen in Nordrhein-Westfalen, Bayern, Thüringen und Hessen gearbeitet und ist heute als Medienberater und in der Journalisten-Weiterbildung aktiv. In Hanau ist er seit mehr als 25 Jahren präsent.

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Gutenbergstraße 1
Gelnhausen
63571

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