Hanauer Bote

Hanauer Bote Das wöchentliche Mitteilungsblatt für die Stadt Hanau Auch über konstruktive Kritik zu unserer Arbeit freuen wir uns. Ihre Beiträge entfernen wir zeitnah.

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Gemeinden, entwickelte sich der Bote schnell zur geschätzten Plattform für regionale Vereine, um über ihre Arbeit und ihre Veranstaltungen zu berichten. Inzwischen erscheint die Gesamtausgabe, der Mittelhessen-Bote, in einer Auflage von mehr als 325.000 Exemplaren. Ohne das eigentliche Konzept, Partner der Vereine zu sein, verlassen zu haben, berichtet der Hanauer Bote inzwischen selbst aktiv über Ereignisse aus der Region: Spannende Reportagen, das Leben in den Vereinen, aber auch kritische Töne zum politischen Geschehen gehören inzwischen zum inhaltlichen Erscheinungsbild des Hanauer Boten - einmal die Woche kostenfrei in jedem Haushalt. Spielregeln:
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SpekulationDie entscheidende These mal gleich vorab: Nicht die AfD wird die große Gewinnerin der am Sonntag beginnenden ...
05/09/2026

Spekulation

Die entscheidende These mal gleich vorab: Nicht die AfD wird die große Gewinnerin der am Sonntag beginnenden Landtagswahlen im Osten sein, sondern die SPD – oder besser deren Parteispitze. Hört sich im ersten Moment vielleicht schräg an, ist bei näherem Hinsehen aber durchaus drin. Natürlich ist das alles Spekulation. Aber gibt es bei der Politik etwas Interessanteres, als zu spekulieren, als Ergebnisse vorherzusagen? Ergebnisse, die eigentlich sicher scheinen, aber dann doch ganz anders lauten?
Es ist wie beim Fußball. Auch hier gibt es – wie in der Politik – Regeln und Gesetzmäßigkeiten. Und eben immer wieder Überraschungen, die beide Bereiche so spannend machen können. Wenn etwa der Liga-Spitzenreiter beim Letzten antritt und nicht wie erwartet haushoch gewinnt, sondern vielleicht mit Ach und Krach ein Unentschieden erzwingt. Oder wenn der beste Elfmeterschütze der Liga gegen alle Erwartungen über die Latte ballert. In der Politik gibt es solche Abweichungen und Überraschungen ebenfalls. Die Wahl von Ernst Albrecht zum Ministerpräsidenten in Niedersachsen, die Nicht-Wahl von Heide Simonis in Schleswig-Holstein, die Wahl des Kurzzeit-Regierungschefs Kemmerich in Thüringen oder der Patzer bei der Kanzlerwahl von Friedrich Merz. Auch die Politik ist stets für Überraschungen gut.
Nehmen wir aber jetzt mal an, bei den Landtagswahlen gäbe es keine Überraschungen und die Wahlergebnisse entsprächen denen der aktuellen Umfragen. Dann sieht es für die AfD trotz massiv gestiegener Werte in der Bilanz ziemlich bitter aus. In Sachsen-Anhalt – obwohl man dort an Überraschungen gewöhnt ist – würde sie am Sonntag die angestrebte absolute Mehrheit nicht erreichen und weiter auf den harten Oppositionsbänken sitzen bleiben. In Mecklenburg-Vorpommern und in Berlin, wo am 20. September gewählt wird, hat sie nicht mal die Chance auf eine Regierungsbeteiligung, weil niemand mit den „Schmuddelkindern“ spielen will. Und ob man im nächsten Jahr in Nordrhein-Westfalen, Bremen, Schleswig-Holstein oder dem Saarland nochmal so einen Überflieger wie Ulrich Siegmund installieren kann, ist mehr als fraglich.
Und weshalb dann die SPD als Gewinner der Landtagswahlen? Ausgerechnet die Partei, die von einem Wahldesaster ins nächste stolpert? Okay, die Partei selbst wird weniger gewinnen, die in letzter Zeit selbst aus den eigenen Reihen kritisierte Parteispitze hingegen schon. Für Lars Klingbeil und Bärbel Bas dürften die Ostwahlen nicht wie oft propagiert der Schlussakkord sein, sondern eher die Rettung. Das werden wir in den ersten Stellungnahmen der beiden und auch ihrer Mitstreiter Miersch und Klüssendorf feststellen können. Natürlich wird man das gute Abschneiden der AfD pflichtschuldigst bedauern und ankündigen, den Kampf gegen rechts noch zu verstärken. Und natürlich wird man auch erklären, mit dem eigenen Ergebnis nicht zufrieden zu sein und dass man sich künftig noch stärker um die arbeitende Mitte kümmern will und so weiter und so fort. Aber dann werden sie nicht ohne Stolz darauf verweisen, dass sie in Sachsen-Anhalt entgegen früheren Erwartungen doch noch den Sprung in den Landtag geschafft und damit eine Alleinregierung der AfD verhindert haben.
Fast schon zum Fremdschämen. Diese einstmals so große und stolze Partei, die in ihrer über 160-jährigen Geschichte so viel für dieses Land getan hat, ist dankbar, nach einer Zitterpartie die Fünf-Prozent-Hürde geschafft zu haben. Die Reaktionen dürften denen ähneln, die man bereits nach dem peinlichen 5,5-Prozent-Ergebnis in Baden-Württemberg erleben musste. Und die SPD wird in Magdeburg in der (Minderheits‑)Regierung bleiben. Gestärkt wird das Selbstbewusstsein durch das erwartbare Weiterregieren von Manuela Schwesig in Schwerin und die weitere Teilhabe an der Macht in Berlin, vielleicht sogar erstmals unter einer regierenden Bürgermeisterin von der Linkspartei.
Es ist also kaum zu erwarten, dass sich in der SPD etwas ändern wird. Dass es zu einer echten Aufarbeitung der dauernden Stimmverluste kommt. Schließlich hat sich nach dem Ampel-Desaster auch nichts Wesentliches geändert. Die Jusos zumindest wissen, wie es weitergehen sollte: Keinesfalls dürfte die SPD noch weiter nach rechts rücken, haben sie bereits erklärt. Da sind also die Hunderttausenden von Arbeitern zur rechten AfD abgewandert, weil ihre Stammpartei zu rechts geworden ist? Was für eine krude Logik! Eher haben wohl die Jahre, in denen die SPD den Grünen und Linken hinterher gehechelt ist, die Basis erodieren lassen.
Es dürfte also fast alles beim Alten bleiben. Falls es so kommt, wie hier vorhergesagt. Es kann natürlich auch ganz anders kommen. Sonntagabend wissen wir schon mehr. Bis dahin bleibt alles – wie schon gesagt – reine Spekulation.
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Zwischenrufer heißt unsere Kolumne, in der Dieter Schreier einen Blick auf das Hanauer Stadtgeschehen oder allgemeine Themen wirft. Der gelernte Journalist hat viele Jahre als Redaktionsleiter, Chefredakteur und Geschäftsführer bei Institutionen und Zeitungsverlagen in Nordrhein-Westfalen, Bayern, Thüringen und Hessen gearbeitet und ist heute als Medienberater und in der Journalisten-Weiterbildung aktiv. In Hanau ist er seit mehr als 25 Jahren präsent.

Bittersüß Na, da hat er ja gerade nochmal die Kurve gekriegt, der Lars, unser oberster Steuereinnehmer. Nein, er werde d...
29/08/2026

Bittersüß

Na, da hat er ja gerade nochmal die Kurve gekriegt, der Lars, unser oberster Steuereinnehmer. Nein, er werde das Vorhaben, aus seinem Haus, Steuer auf Zucker zu erheben, wo gar kein Zucker ist, nicht weiterverfolgen, erklärte Klingbeil. Da war das Kind aber schon in den Brunnen oder der Zuckerwürfel in den Kaffee gefallen, um im Bild zu bleiben. Das war nicht süß, sondern bitter, also quasi bittersüß.
Die Planungen aus dem Finanzministerium waren an Absurdität allerdings auch kaum zu überbieten. Zuckersteuer auf Cola Zero, die sich ja gerade dadurch auszeichnet, dass da eben kein Zucker drin ist? Da fragt man sich, ob die Cannabis-Freigabe der Ampel wirklich so eine gute Idee war. Als mögliche Begründung wurde angeführt, dass die Konsumenten ja nach der drastischen Preiserhöhung eben auf diese Süßstoff-Getränke ausweichen würden und damit dem Fiskus verloren gingen. Welch eine Logik!
Zugleich sollen nicht nur die Steuersätze, sondern auch das Einnahmegebiet drastisch auf Milchmix, alkoholfreies Bier, Fertigkaffee und sonstige Flüssignahrung erweitert werden. Daran will Klingbeil offenbar festhalten. Garniert wurde das Ganze auch noch mit einer detaillierten Staffelung je nach Zuckergehalt und Getränk. Schließlich müssen wir unserem Ruf, das komplizierteste Steuersystem der Welt zu haben, gerecht werden. Außerdem soll mit dem Abkassieren nicht wie versprochen erst 2028, sondern bereits im nächsten Jahr begonnen werden. Es muss halt klingeln in den Klingbeil-Kassen.
Vielleicht war der Finanzminister überrascht von der Wucht der Proteststürme, die kurz nach Bekanntwerden der Pläne durch die Republik jagten. Proteste, die FDP-Generalsekretär Martin Hagen treffend in dem Satz zusammenfasste, man müsse sich nicht wundern, dass sich die Bürger von dieser Regierung „vera…“ vorkommen. Zusätzlich war der Termin der Enthüllung besonders sensibel, so kurz vor den Landtagswahlen im Osten. Bei der AfD dürften sicher die Sektkorken geknallt haben.
War ja nur ein Arbeitspapier, versucht Klingbeil zu beschwichtigen. Wobei auch bei Wählern gilt: Schon der Versuch ist strafbar. Allerdings muss man feststellen, dass diese neue Steuer ohnehin reich an – sagen wir mal vorsichtig – „Merkwürdigkeiten“ ist. Angeblich entspringt sie ja der lobenswerten Sorge der Regierung um die Gesundheit der Bürger. Als der Kanzler nach dem Vorwurf, die Koalition habe doch versprochen, keine Steuern zu erhöhen oder neue einzuführen, semantisch feingliedrig erklärte, es handele sich hier ja nicht um eine Steuer, sondern eine „Abgabe“, schwollen bei vielen bereits die Halsadern. Inzwischen redet man wieder von Steuer, da Abgaben in der Regel zweckgebunden verwendet werden müssen. Denn von dem Vorschlag aus dem Gesundheitsbereich, das zwecks Gesundheitsförderung eingenommene Geld solle auch dem darbenden Gesundheitswesen zugutekommen, will man schließlich nichts wissen. So dürften die Millionen und Milliarden in den unersättlichen Kassen des Finanzministers versickern.
Betroffen sind übrigens vor allem die Bürger, die am unteren Ende der Einkommensskala stehen. Diejenigen also, die man angeblich entlasten will, wie man nicht müde wird, zu betonen. Denen hingegen, die genug in der Tasche haben, kann es ziemlich egal sein, ob der Preis für die Getränke um mehr als 30 Prozent steigt. Zugleich ja hier mit der Zuckersteuer auch noch zwangsläufig die Mehrwertsteuer steigt. Ein netter Beifang, den Klingbeil & Co. sicher begrüßen. Hessens Ministerpräsident Rhein hat dazu eine klare Meinung: In Zeiten wie diesen die Preise für Lebensmittel hochzutreiben, hält er schlichtweg für ein Unding.
Das Problem an der ganzen Causa ist ja weniger das absurde Arbeitspapier, das jetzt wieder (teilweise) einkassiert werden soll. Das eigentliche Problem ist, dass die Bürger keinerlei Zweifel an dieser Verklappse hatten. Inzwischen traut man der Regierung offenbar alles zu. Deren Purzelbäume sorgen lediglich für noch mehr Frust und überdecken ihre – vielleicht nicht ausreichenden, aber immerhin begonnenen – Reformbemühungen. Und sie leiten wieder einmal Wasser auf die Mühlen der politischen Ränder, die immer breiter werden. Und das ist die eigentliche bittersüße Erkenntnis aus diesem politischen Debakel.
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Zwischenrufer heißt unsere Kolumne, in der Dieter Schreier einen Blick auf das Hanauer Stadtgeschehen oder allgemeine Themen wirft. Der gelernte Journalist hat viele Jahre als Redaktionsleiter, Chefredakteur und Geschäftsführer bei Institutionen und Zeitungsverlagen in Nordrhein-Westfalen, Bayern, Thüringen und Hessen gearbeitet und ist heute als Medienberater und in der Journalisten-Weiterbildung aktiv. In Hanau ist er seit mehr als 25 Jahren präsent.

RegelnDie Stadt Hanau will künftig die Standorte der Wertstoff-Container mit Videokameras überwachen, um Müllsünder zu e...
22/08/2026

Regeln

Die Stadt Hanau will künftig die Standorte der Wertstoff-Container mit Videokameras überwachen, um Müllsünder zu ermitteln. Zugleich wurden Strafen und Kontrollen gegen Abfallsünder drastisch erhöht. Die Nachbarstadt Bruchköbel hat am Montag angekündigt, dass alle Altkleider-Container im Stadtgebiet abgebaut werden, weil man der Vermüllung sonst nicht mehr Herr wird. Altkleider können künftig kontrolliert nur noch beim DRK und im Wertstoffhof abgegeben werden. In Erlensee sollen Aufkleber der oft gehörten Ausrede entgegenwirken, man habe gedacht, das Abstellen von Müll neben Abfallbehältern sei erlaubt.

Nur einige Beispiele neuer Regeln aus der engeren Region, mit denen Rathäuser der Verschmutzung ihrer Kommunen entgegenwirken wollen. Zudem weisen die Maßnahmen auf ein landesweites Phänomen hin: die steigende Missachtung des öffentlichen Raums und die Bereitschaft Einzelner, ihre Faulheit und Gleichgültigkeit zulasten Vieler auszuleben.

Dass Altkleider-Container überquellen und auch als Ablageplätze für Abfall, sogar Sperrmüll, missbraucht werden, kann man überall beobachten. Zumindest in Sachen Altkleider sind neben der Gleichgültigkeit Weniger aber auch eine ungehemmte Konsumlust und selbst fragwürdige EU-Regelungen mitschuldig. Nachdem die Brüsseler Bürokraten entschieden haben, dass generell jeder Textilstoff in den Verwertungscontainern landen soll, werden hier vermehrt auch nicht mehr tragbare Klamotten entsorgt, die oftmals wegen ihrer synthetischen Billigqualität noch nicht einmal zum Recycling, sondern nur zur energetischen Verwertung in der Müllverbrennung taugen. Nur machen diese jetzt immer öfter den Umweg über die Sammelstellen, die der Flut des wertlosen Krams nicht mehr Herr werden.

Das Hauptproblem sind aber Zeitgenossen, die sich nicht an die Regeln halten und gleichgültig auf Kosten anderer ihren Dreck entsorgen. Und da dürfte man kaum eine Gruppe ausschließen können. Ob jung oder alt, ob Radfahrer mit Plastiktüte oder schicke Dame im teuren SUV – das miese Verhalten geht nach bisherigen Erkenntnissen quer durch alle Bevölkerungsschichten. Wie gesagt: Es sind Minderheiten, aber die Lasten und Kosten, um die Verschmutzungen zu beseitigen, muss wie so oft die Mehrheit tragen.

Nach der ursprünglichen Definition handelt es sich dabei um „asoziales“ Tun. Laut Wiki bezeichnet „asozial“ ein „von der anerkannten gesellschaftlichen Norm abweichendes Verhalten: Ein Individuum oder eine Gruppe verstößt durch die eigenen Handlungen gegen geltende gesellschaftliche Normen und gegen Interessen anderer Mitglieder der Gesellschaft.“ Dabei sollte jeder wissen, dass eine Gesellschaft nur friedlich und gedeihlich funktionieren kann, wenn sich möglichst alle an die Regeln halten und Rücksicht aufeinander nehmen.

Man fragt sich, wieso Leute den öffentlichen Raum als Müllhalde benutzen, wo es doch genügend Möglichkeiten der korrekten Entsorgung gibt. Vor jeder Haustür stehen genügend Restmüll- und Recyclingtonnen. Und was nicht in die Tonne passt, kann auf Wertstoffhöfen entsorgt werden oder wird von der Sperrmüllabfuhr abgeholt. Und das zumeist auch noch gebührenfrei. Man braucht aber nur diverse Containerstandorte, bestimmte Ecken in den Innenstädten oder zum Beispiel Autobahnabfahrten betrachten, um zu erkennen, dass manche Hirnis weder Respekt vor dem öffentlichen Raum noch vor der Natur haben.

Unwillkürlich fragt man sich auch, woher dieses regellose Verhalten kommt, in einem Land, in dem permanent immer mehr Regeln aufgestellt, immer mehr Vorschriften erlassen werden. Offenbar lassen sich aber Anstand und Rücksichtnahme gegenüber anderen nicht vollständig gesetzlich verordnen. Und man kann leider mit noch so vielen Regeln kaum fehlende Erziehung und mangelnden Respekt wettmachen. Auch wenn das immer wieder versucht wird.

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Zwischenrufer heißt unsere Kolumne, in der Dieter Schreier einen Blick auf das Hanauer Stadtgeschehen oder allgemeine Themen wirft. Der gelernte Journalist hat viele Jahre als Redaktionsleiter, Chefredakteur und Geschäftsführer bei Institutionen und Zeitungsverlagen in Nordrhein-Westfalen, Bayern, Thüringen und Hessen gearbeitet und ist heute als Medienberater und in der Journalisten-Weiterbildung aktiv. In Hanau ist er seit mehr als 25 Jahren präsent.

EbbeAn der Küste ist so eine – der Anziehungskraft des Mondes geschuldete – Ebbe eigentlich etwas Feines. Zum Beispiel, ...
15/08/2026

Ebbe

An der Küste ist so eine – der Anziehungskraft des Mondes geschuldete – Ebbe eigentlich etwas Feines. Zum Beispiel, wenn man eine Wattwanderung plant. In Flüssen hingegen ist eine – der Trockenheit geschuldete – Ebbe hingegen ein Ärgernis, das sich zum Desaster ausweiten kann. So wie in diesen Wochen, in denen das Niedrigwasser insbesondere des Rheins schwerwiegende Auswirkungen auf viele Wirtschaftsbereiche bis hin zum Mainhafen in Hanau hat.
Wie üblich wird die Ursache wieder in der vermeintlich mangelnden Bekämpfung des Klimawandels gesehen. Dass aber auch hier – so wie in vielen anderen Bereichen – die mangelnde Anpassung an veränderte klimatische Bedingungen einen gehörigen Anteil am Desaster hat, wird kaum erwähnt. Gerade der Rhein ist ein weiteres Beispiel für eklatante Versäumnisse in diesem Bereich.
Seit Jahren, gar Jahrzehnten, wird über die „Vertiefung“ der Fahrrinne am Mittelrhein debattiert und lamentiert. Binnenschifffahrt und Wirtschaft sind dafür, Umweltschützer und ökologisch bewegte Politiker sind dagegen. Passiert ist bisher nur wenig. Dabei geht es bei den Plänen ja gar nicht um ein generelles Ausbaggern des Mittelrheins. Das Projekt „Rheinvertiefung“ – amtlich „Abladeoptimierung“ genannt – sieht lediglich an bestimmten Stellen das Schleifen von Felsbarrieren und das Entfernen von Sandbänken vor.

Einsprüchen mit wenig Tiefgang von Umweltbewegten und Ebbe in den öffentlichen Haushalten steht die Flut von Mahnungen und Warnungen aus der Wirtschaft entgegen. Auch die Industrie- und Handelskammer Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern fordert seit Jahren immer wieder die Umsetzung des Projektes. Immerhin gibt es auch bei uns viele Betriebe, die auf eine funktionierende Binnenschifffahrt angewiesen sind. Vom Mainhafen Hanau, einem der wichtigsten Umschlagplätze zwischen Rhein und Donau und bedeutendem Wirtschaftsfaktor der Region, ganz zu schweigen. Wie hoch der aktuelle Schaden für den Hafen und damit letztlich für die Stadtkasse sein wird, lässt sich derzeit kaum beziffern. Wenn Hanaus Holding-Chef Markus Menzen – eher ein optimistisch gestimmter Typ, den nichts so schnell erschüttert – erklärt: „Die Lage ist ernst“, sollte das zu denken geben.

Das aktuelle Desaster in der Binnenschifffahrt – dem effizientesten und umweltschonendsten Transportmittel des Landes – trifft unverschuldet den Mainhafen ebenso wie die Wirtschaft. Es ist der jahrelangen alleinigen Konzentration auf den Klimaschutz geschuldet, also dem fragwürdigen Glauben, Deutschland könne mit seinem lächerlichen Anteil am CO2-Ausstoß das Weltklima beeinflussen. Maßnahmen zur Klimaanpassung, nicht nur in Krankenhäusern, Pflegeheimen, Schulen und Innenstädten, sondern eben auch bei der Infrastruktur, wurden vor allem vom Bund und den Ländern sträflich vernachlässigt. Das rächt sich nun. Statt millionenschwere Flops wie die Oberleitungen für Elektro-Lkw bei Darmstadt zu installieren, hätte man sich lieber um die Binnenschifffahrt kümmern sollen.
Die aktuellen Vorschläge, das Problem zu mildern, haben eher etwas mit Symbolpolitik zu tun. Die Aufhebung des Sonntagsfahrverbotes löst jedenfalls nichts. Zwar erleichtert es die Planungen der Logistikunternehmen, aber es schafft keine zusätzlichen Transportkapazitäten. Es fehlen nicht nur Lkw, sondern vor allem seit Jahren auch genügend Fahrer. Und wenn man bedenkt, dass es mehr als 100 Lastwagen braucht, um die Ladung von einem einzigen modernen Binnenschiff aufzunehmen, dann weiß man um die Wirkungslosigkeit der Maßnahme.
Zwar werden jetzt wieder Forderungen laut, endlich zu handeln, aber auch die Gegenstimmen melden sich schon wieder. So spricht sich aktuell die grüne Umweltministerin von Nordrhein-Westfalen gegen eine Rheinvertiefung aus und fordert stattdessen einen Umbau der kompletten Binnenschifffahrtsflotte hin zu Schiffen mit geringerem Tiefgang. Statt einer realistischen Lösung also die Vertagung des Problems auf den Sankt-Nimmerleins-Tag.
Machen wir uns nichts vor: Nach dem Sommer werden neue Säue durchs mediale Dorf getrieben. Und das Thema „Rheinvertiefung“ wird erst wieder auftauchen, wenn die nächste Trockenperiode erneut die Pegel sinken lässt. Dann wird wieder debattiert und lamentiert. Denn die nächste Ebbe kommt bestimmt. Am Rhein ebenso, wie in manchen Köpfen.

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Zwischenrufer heißt unsere Kolumne, in der Dieter Schreier einen Blick auf das Hanauer Stadtgeschehen oder allgemeine Themen wirft. Der gelernte Journalist hat viele Jahre als Redaktionsleiter, Chefredakteur und Geschäftsführer bei Institutionen und Zeitungsverlagen in Nordrhein-Westfalen, Bayern, Thüringen und Hessen gearbeitet und ist heute als Medienberater und in der Journalisten-Weiterbildung aktiv. In Hanau ist er seit mehr als 25 Jahren präsent.

Abrissbirne Eine Abrissbirne ist eigentlich eine gute Sache. Jedenfalls, wenn man ein Gebäude ab- oder einreißen will. E...
08/08/2026

Abrissbirne
Eine Abrissbirne ist eigentlich eine gute Sache. Jedenfalls, wenn man ein Gebäude ab- oder einreißen will. Ein erster gezielter Schlag an der richtigen Stelle und die Statik des Hauses ist so geschädigt, dass es nicht mehr sicher bewohnbar ist und nur noch abgerissen werden kann. Richtig doof allerdings, wenn man mit einer Abrissbirne unkontrolliert vor einem Haus herumwedelt, das gerade erst errichtet wurde und eine Zukunft haben soll.
Vor der Beschädigung oder dem Einsturz eines solchen Hauses hat jetzt Hanaus Bundestagsabgeordneter Pascal Reddig gewarnt. Mit dem Gebäude meint er die allseits gelobte Rentenreform, an der er als Vertreter der CDU maßgeblich mitgewirkt hat. Als Herumfuchtler mit der Abrissbirne betätigen sich die ostdeutschen Ministerpräsidenten, zu denen sich weitere Politiker aus dem Westen gesellen. Es geht um die „Rente mit 63“, die sinnvollerweise von der Rentenkommission als unglaublich teures, aber wirkungsloses Instrument erkannt wurde und deshalb abgeschafft werden soll.
Allein schon wegen der immensen Kosten, welche die Rentenkasse extrem belasten, ist deren Streichung ein wichtiges Element, um die Versicherung wieder ins Lot zu bringen und die Beiträge gerade für die jungen Generationen nicht ins Unermessliche steigen zu lassen. Wer diesen wichtigen Baustein aus dem Gebäude zieht, da haben Pascal Reddig und viele Experten vollkommen recht, der gefährdet die gesamte so dringend notwendige Reform.
Zuerst ausgedacht haben sich diese Attacke die CDU-Ministerpräsidenten aus Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt, wobei letzterem angesichts der bevorstehenden Wahlen offenbar der Pürzel brennt. Dass auch Mecklenburg-Vorpommerns SPD-Ministerpräsidentin auf den Zug aufgesprungen ist, verwundert nicht, sitzt doch auch ihr vor der Wahl die AfD im Nacken. Eher amüsant ist, dass inzwischen auch die SPD-Chefs der so bedeutungsvollen Bundesländer Bremen und Saarland in den Chor einstimmen. Das mag vielleicht dem Wunsch entspringen, auch mal wieder in den Medien vorzukommen. Und dass die SPD-Co-Vorsitzende und Arbeitsministerin Bärbel Bas – welche den Reformvorschlag fast enthusiastisch begrüßt hatte – sich plötzlich „gesprächsbereit“ zeigt, mag wohl nur der Versuch sein, die Linken in der Partei ruhigzustellen.
Dabei sind die Argumente, die für einen Erhalt der „Rente mit 63“ (die ja inzwischen erst ab 64 gilt) angeführt werden, nach wie vor an den Haaren herbeigezogen. Zum einen wird erklärt, dass die Regelrente gerade im Osten oftmals die einzige Rente ist, da die Ostdeutschen keine zusätzliche Altersvorsorge betreiben konnten. Wenn aber jemand jetzt mit 45 Arbeitsjahren in die Rente geht, hat er mindestens 36 Jahre davon im System der Bundesrepublik gearbeitet. Da hatten, wie die Zahlen zeigen, nicht wenige die Möglichkeit, zusätzlich vorzusorgen, und haben das auch getan.
Nicht mehr hören kann man den Hinweis auf den Dachdecker oder die Pflegekraft, mit denen ja auch damals die Einführung dieses Angebotes begründet wurde. Das Problem ist nur, dass es vor allem Männer in gut bezahlten Bürojobs waren, die diese Frühverrentung genutzt haben. Wer in einem Knochenjob arbeitet, braucht aber nicht erst nach 45 Jahren eine abschlagsfreie Rente, sondern benötigt je nach Gesundheitszustand eine auskömmliche Erwerbsminderungsrente, die gegebenenfalls auch wesentlich früher greift.
Die ganze Debatte hat wohl weniger einen sachlichen Hintergrund als sie vielmehr der Panik angesichts der Umfragen vor den aktuellen Landtagswahlen geschuldet ist. Wie weit die Panik um sich gegriffen hat, zeigt auch die peinliche Forderung der am Hungertuch nagenden anhaltinischen SPD, die Fünf-Prozent-Hürde zu schleifen, um ihren Einzug in den Landtag abzusichern. Das ist genauso unsinnig wie das Laborieren am Rentenpaket.
Wer allerdings glaubt, mit populistischen Forderungen Stimmen für die Mitte sammeln zu können, täuscht sich. Wenn das Rentenpaket scheitert, wird das lediglich den Eindruck vermitteln, dass die Regierung schlichtweg reformunfähig ist. Und das nutzt nur denen, die man eigentlich eingrenzen will. Insofern kann man auch hoffen, dass spätestens nach der Landtagswahl die Diskussion beendet ist, und das Reformprogramm konsequent und ohne wesentliche Abstriche umgesetzt wird.
Allen Beteiligten sollte eins klar sein: Mit einer Abrissbirne kann man Altes und untauglich Gewordenes zerstören, aber niemals Neues und Zukunftsweisendes erschaffen.
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Zwischenrufer heißt unsere Kolumne, in der Dieter Schreier einen Blick auf das Hanauer Stadtgeschehen oder allgemeine Themen wirft. Der gelernte Journalist hat viele Jahre als Redaktionsleiter, Chefredakteur und Geschäftsführer bei Institutionen und Zeitungsverlagen in Nordrhein-Westfalen, Bayern, Thüringen und Hessen gearbeitet und ist heute als Medienberater und in der Journalisten-Weiterbildung aktiv. In Hanau ist er seit mehr als 25 Jahren präsent.

ErklärungsnotWie erklärt man sich, weshalb jemand mit einem Auto in eine Menge rast, um möglichst viele Menschen zu töte...
01/08/2026

Erklärungsnot

Wie erklärt man sich, weshalb jemand mit einem Auto in eine Menge rast, um möglichst viele Menschen zu töten? Magdeburg, München, Berlin Breitscheidplatz und jetzt Tiergarten. Psychisch gestört oder durch radikale Ideologie verblendet? Wohl immer beides. Wer willkürlich Menschen tötet und verletzt, muss krank im Kopf sein, gleich welche Begründung er für sein Tun vorschützt. Gleiches gilt für diejenigen, die auf andere Menschen einstechen, auf sie schießen, sie erschlagen. Auf Menschen in Trier, Mannheim, Würzburg und anderswo und natürlich auch in Hanau. Man versteht es nicht, man gerät in Erklärungsnot.
In diese geraten jetzt aber auch – wieder einmal – verschiedene Institutionen und Organisationen, bis hin zu Parteien. Die Polizei etwa, ob sie den vorbestraften Tiergarten-Attentäter ausreichend überwacht hat. Die Justiz, ob es richtig war, den in Deutschland geborenen jungen Mann mit libanesischen Wurzeln auf freien Fuß zu setzen. Bei aller berechtigten Kritik sollte man aber nicht vergessen, dass es in einem freiheitlichen demokratischen Rechtsstaat weder die totale Überwachung noch den totalen Schutz vor Verbrechern geben kann.
Am größten ist die Erklärungsnot aber bei Teilen der queeren Community und auf der linken Seite des politischen Spektrums. Denn die Tat im Tiergarten unterscheidet sich von anderen Amokfahrten. Hier wurde nicht nur wahllos in die Menge gerast, sondern offenbar gezielt Besucher des Christopher Street Days angegriffen. Von einem radikalisierten Islamisten, dem eine freie und offene Gesellschaft, in der jeder und jede so leben darf, wie sie mag, zuwider ist. Natürlich wird dieses freie Leben immer wieder von Rechten beleidigt, diskriminiert und angegriffen, wie man nicht müde wird zu betonen. Dass die Attacken aber in erheblichem Maße auch von radikalen Muslimen, darunter vielen Jugendlichen kommen, wird gern verschwiegen. Die Tatsache, dass sich Schwule und Lesben – ähnlich wie jüdische Mitbürger – in muslimisch geprägte Stadtviertel etwa in Berlin nicht mehr trauen können, ist eine Schande für unsere Gesellschaft.
Absurd, wenn etwa die Linke aus Berlin-Neukölln als eigentlichen Auslöser der Attacke Rechte und die AfD benennt. Erst nach einem Sh*tstorm schiebt sie nach, sie habe mit „den Rechten“ auch Islamisten gemeint. Wäre der Attentäter aus dem rechten Milieu gewesen, hätte es einen bundesweiten Aufschrei und Demonstartionen mit Zehntausenden gegeben. Da aber der Täter aus einem vermeintlichen Opfermilieu stammt, gibt es nur wachsweiche und absurde Erklärungsversuche von links. Dabei gibt es weder Täter noch Opfer erster oder zweiter Klasse.
Die Linke und so mancher von Grünen und SPD sollten einsehen, dass die klare Benennung des islamistischen Problems nichts mit Rassismus zu tun hat, sondern mit einer ehrlichen Analyse. Und so mancher aus der Community sollte erkennen, dass es absurd ist, auf Anti-Israel-Demos mit „Queer for Palestine“- Schildern herumzulaufen. Sich also mit einer Gesellschaft zu solidarisieren, in der Schwule diskriminiert, ausgegrenzt, bestraft, gar gesteinigt oder gehängt werden.
Machen wir uns ehrlich: Wir haben neben anderem eben auch ein Problem mit einer Minderheit von Muslimen, die unsere freie Gesellschaft ablehnt und sie attackiert. Nur wenn das Problem klar benannt und klare Kante gezeigt wird, kann man die Mehrheit – darunter auch die große Mehrheit der Migranten, die sich gesetzestreu verhält – vor den Radikalen schützen. Dann können wir zwar nicht die abscheulichen Attacken vollkommen verhindern und erklären. Aber wir geraten wenigsten nicht in Erklärungsnot, bei der Frage, ob wir genug getan haben.

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Handwerk„Handwerk hat goldenen Boden.“ Diese Volksweisheit ist recht verstaubt und in die Jahre gekommen. Was dereinst a...
25/07/2026

Handwerk

„Handwerk hat goldenen Boden.“ Diese Volksweisheit ist recht verstaubt und in die Jahre gekommen. Was dereinst als Wahrheit galt, wurde in unserer modernen Zeit eher als Witz empfunden. Vor allem bei jungen Leuten. Mit den Händen arbeiten, sich selbige vielleicht sogar noch schmutzig machen, war verpönt. Körperliche Anstrengung in altmodischen Berufen galt als ziemlich uncool (um aber gleichzeitig zwecks Muskelaufbau in teure Muckibuden zu strömen). Dann schon lieber einen schicken Bürojob, eine lukrative Karriere in der IT-Branche, „irgendwas mit Medien“ oder am besten gleich Influencer mit Wohnsitz in Dubai. Oder eine Akademikerlaufbahn. Der Mensch fängt schließlich erst mit dem Studium an, war die oft verbreitete Meinung. Manch einer verzichtete sogar ganz auf eine Ausbildung oder den Abschluss eines Studiums. Ein Defizit, das bekanntlich oft in die Grundsicherung, bisweilen auch in die Politik führt.

Für die Handwerksbetriebe war die Missachtung ihres Berufsstandes in den vergangenen Jahren jedenfalls ein echtes Handicap. Ausbildungsplätze zu besetzen glich einem Lotteriespiel, viele Stellen blieben leer trotz intensiver Werbung. Dabei war es nicht nur schwierig, Nachwuchs im Beruf zu finden, sondern auch Nachfolger für die Betriebe. Viele mittelständische Handwerksbetriebe gaben auf, weil sich niemand fand, der die Tradition fortsetzen wollte. Die Politik tat mit ihrer Verordnungs- und Regelungswut ein Übriges, um die Branche so unattraktiv wie möglich zu machen.

Inzwischen scheint sich der Wind aber zu drehen. Seit etwa drei Jahren kehrt sich der Trend um. In dieser Woche meldete Handwerks-Präsident Jörg Dittrich erneut einen Anstieg bei den Ausbildungszahlen. Um fast fünf Prozent liegt im ersten Halbjahr die Zahl der unterschriebenen Ausbildungsverträge über dem Vorjahr. Wobei für alle Spätentschlossenen immer noch mehr als 20.000 Ausbildungsplätze bundesweit zur Verfügung stehen.

Einer der Hauptgründe dürfte der Siegeszug der „Künstlichen Intelligenz“ – kurz der KI – sein. Obwohl, oder besser gerade weil das Handwerk damit noch am wenigsten zu tun hat. Immer mehr jungen Leuten dämmert es, dass diese technische Entwicklung Schneisen in viele bisher so beliebte Berufszweige schlägt. KI ersetzt Aufgaben von IT-Programmierern, übernimmt Bürotätigkeiten, produziert Grafiken, Texte, Bilder, ganze Filme. Und sie gefährdet damit viele bisher so begehrte Ausbildungs- und Arbeitsplätze.

Im Gegenzug gibt es so manche Dinge, die die KI eben nicht kann und auf lange Sicht wohl auch nicht können wird. Künstliche Intelligenz kann keine Dächer decken und keine Mauern mauern, sie kann keine Wände streichen und keine Duschen reparieren. Sie kann keine Fenster einbauen und keine Gärten anlegen. Und selbst wer anständige Wurst und traditionelles Brot haben möchte, wird ohne Metzger und Bäcker nicht auskommen. Kurzum: Wann immer Hand angelegt werden muss, um etwas Nützliches zu schaffen, versagt die Künstliche Intelligenz kläglich.

Für das Handwerk und seinen Nachwuchs sind das durchaus gute Aussichten. Zukunftssichere Arbeitsplätze locken hier ebenso, wie ein Imagewandel. Immerhin werden auch im Handwerk längst moderne Techniken und moderne Materialien eingesetzt, und es stellen sich immer neue und interessante Herausforderungen. Schülerinnen und Schülern, die über ihre Zukunft nachdenken, kann man deshalb nur empfehlen, sich auf den Ausbildungsmessen und verschiedenen Veranstaltungen der Handwerkerschaft – auch in unserer Region – umzusehen.

Notwendig ist aber auch eine entsprechende Anerkennung und Wertschätzung dieser Berufe in der Gesellschaft. Spätestens wenn der Abfluss verstopft ist, wird man merken, dass ein Klempner genauso viel – wenn nicht mehr – wert ist, wie ein Professor für Genderforschung.

Zu hoffen ist, dass auch die Politik diese Entwicklung erkennt. Dass sie bei ihren Bemühungen, die Wirtschaft zu fördern und sie von unsinniger Bürokratie zu befreien, nicht nur die Industrie, sondern auch das Handwerk und somit die mittelständischen Betriebe berücksichtigt. Immerhin: Ein Anfang ist mit den jüngsten Reformvorhaben gemacht.

Wenn das konsequent fortgesetzt wird, werden weniger Betriebe dieser Branche aufgeben und vielleicht neue entstehen. Mit interessanten Ausbildungs- und sicheren Arbeitsplätzen. Mag also sein, dass das Handwerk vielleicht keinen goldenen Boden hat. Einen stabilen hat es aber allemal.

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Zwischenrufer heißt unsere Kolumne, in der Dieter Schreier einen Blick auf das Hanauer Stadtgeschehen oder allgemeine Themen wirft. Der gelernte Journalist hat viele Jahre als Redaktionsleiter, Chefredakteur und Geschäftsführer bei Institutionen und Zeitungsverlagen in Nordrhein-Westfalen, Bayern, Thüringen und Hessen gearbeitet und ist heute als Medienberater und in der Journalisten-Weiterbildung aktiv. In Hanau ist er seit mehr als 25 Jahren präsent.

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