Frizz Das Magazin Halle

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„Das ´Apfel-Latein´ führt die Kleinen spielerisch zu Phänomenen und Verhaltensweisen, die sie ihr ganz Leben über brauch...
13/09/2026

„Das ´Apfel-Latein´ führt die Kleinen spielerisch zu Phänomenen und Verhaltensweisen, die sie ihr ganz Leben über brauchen werden.” (Michael Schwarze im Interview)

Seit 2013 findet im Sommer ein Benefiz-Fußballspiel in der Region zugunsten des Bildungs-und Gesundheitsprojektes „Apfel-Latein“ statt. Dieses Jahr wurde eine Summe von 8.783 Euro eingespielt. Aber was ist das „Apfel-Latein“ genau? Michael Schwarze, Jahrgang 1966, und Regionalsprecher der AOK Sachsen-Anhalt und Vorstandsvorsitzender des Vereins Mitteldeutsches Netzwerk für Gesundheit e.V. , erklärt es im Gespräch

Was ist das „Apfel-Latein“?

Es ist ein gesundheitliches Projekt, das im Bereich Bildung und Prävention ansetzt. Das Projekt betreut elf Grundschulen - neun im Burgenlandkreis, zwei in Halle. Spielerisch und altersgerecht vermittelt das Projekt Aufklärung über lebenspraktische Themen, die mit Spaß am Mitmachen, mit einem Erlebnischarakter vermittelt werden. Jeder Mensch, jedes Kind ist ein Entdecker. Und das „Apfel-Latein“ führt die Kleinen eben spielerisch, nicht in der Art und Weise wie klassischer Schulstoff vermittelt wird, zu Phänomenen und Verhaltensweisen, die sie ihr ganz Leben über brauchen werden.

Die Themen sind mehr, als „nur” gesunde Ernährung.

Ja, die Themen heißen: Ernährung, Bewegung, Natur und Umwelt, gesunde Haut und Sonnenschutz, Stressabbau/Entspannung, Abschied, Musik und Gesundheit, Regionalität und Vereine.

Regionalität und Vereine?

Wenn ich nicht weiß, wo die nächste Apfelplantage ist, wo beispielsweise eine Kräuterwanderung stattfindet oder wo die Kastanien im Herbst runterfallen, kenne ich meine Umgebung und Heimat nicht. Wenn ich nicht weiß, welcher Verein in der Nähe Tanz, Schach oder Sport anbietet, entgehen mir viele Möglichkeiten der Selbstwirksamkeit. Wenn ich nicht weiß, wo ich wohne, bin ich praktisch von meiner Heimat entfremdet. Gerade die Vereine sind die Stützen der Gesellschaft. Und es ist wissenschaftlich erwiesen, dass die bewusste Wahrnehmung der uns umgebenen Natur und Umwelt ganz wichtig für die Gesundheit ist.

Das leuchtet mir ein. Auch gerade vor dem Faktum der „Digitalisierung”. Was hat es mit dem Thema „Abschied” auf sich?

Für den Menschen, auch für die Grundschulkinder, ist es fundamental, wie man mit Verlusten umgeht. Das kann der Verlust von Haustieren oder auch von Mitmenschen sein. Sich dazu ins Verhältnis zu setzen, darf kein Tabu-Thema sein. Und je früher man das lernt, desto besser kann man die Herausforderungen des Lebens auch als Erwachsener meistern.

Worum geht es bei „Stressabbau/Entspannung”?

Unser Lebenswandel hat oft negativen Einfluss auf das seelische Wohlbefinden der Kinder: Reizüberflutung durch übermächtigen oder unkontrollierten Medienkonsum, weniger Zeit und Platz für freies Spiel und Naturerfahrungen sowie familiäre Belastungen wie Armut, Stress oder Streitigkeiten belasten die kindliche Seele. Deswegen geben wir praktische Tipps, um soziale Unterstützung, Entspannung und Erholung, Natur-Tage und vieles mehr zu erfahren.

Und „Musik und Gesundheit”?

Singen und Musik hören und Musik machen wirken sich nachweislich positiv auf das Wohlbefinden und auf das Immunsystem aus. Es macht nicht nur Freude, sondern baut Stress ab und schafft Verbindungen. Wir bieten Tipps zur Durchführung, beispielsweise Bewegungslieder singen oder auch den eigens kreierten „Apfel”-Song nachspielen und singen.

Das Projekt …

… ist ganz grundsätzlich nicht starr. Wir haben über die Jahre immer mehr lebenspraktische Themen integriert, es können also auch neue dazukommen. Die erste stellvertretene Vorsitzende und Koordinatorin des „Apfel-Lateins”, also Anne Loeper, ist hier mit ihrer AG fortschreitend und dynamisch aktiv.

Die Dinge sind so wichtig, dass man sich wundert, warum sie sowieso im Schulplan stehen.

Ich würde mir wünschen, dass die Themen des „Apfel-Lateins“ fester Bestandteil im Lehrplan wären. Seit 2012 kämpfen wir dafür.

Bislang ohne Erfolg?

Wir haben es dem Bildungsminister des Landes Sachsen-Anhalt, also Jan Riedel (CDU), vorgestellt. Bislang möchte er den Schulen die Freiheit geben, selbst zu entscheiden, ob sie es machen oder nicht.

Sie würden es sich als Pflichtfach wünschen?

Ja.

Eine weitere Initiative des Vereins „Mitteldeutsches Netzwerk für Gesundheit” nennt sich „Gesundheit und Pflege”.

Das ist eine Ausbildungsinitiative, die allen jungen Menschen und allen Junggebliebenen in der Region zeigen möchte, dass es attraktive Angebote im Bereich der Pflege - nicht nur der Altenpflege - gibt, dass der Job sehr interessant ist, dass er auch ganz gut bezahlt wird. Wir möchten über die Probleme, Hintergründe und Möglichkeiten von Gesundheits-und Pflegeberufen informieren, zeigen, dass der Beruf auch ein Dienst an der Gesellschaft ist. Wir alle können nicht am Rad drehen, wir alle werden älter, wir alle werden früher oder später der Hilfe bedürfen. Wir bringen Akteure aus Gesundheitswesen, Bildung, Wirtschaft, Sozialbereich und öffentlicher Verwaltung zusammen, um gemeinsam die Gesundheitskompetenz in Mitteldeutschland zu stärken und innovative Projekte anzustoßen.

Apfel-Latein, Spenden unter IBAN: DE08 8005 3762 0387 3073 17, BIC: NOLADE21HAL (Saalesparkasse), Verwendungszweck: Spende für Präventionsprojekt Apfel-Latein, alle Infos: www.gesundinmitteldeutschland.de
Netzwerk für Gesundheit e.V.

Text: Mathias Schulze Bild: Pressestelle Burgenlandkreis (BLK)
BU: Michael Schwarze (links) beim diesjährigen Benefiz-Fußballspiel für das „Apfel-Latein“ auf dem Gelände des Vereins „FC Markwerben 1926”.

„Nie aufgeben!“Der Kunstverein „Talstrasse“ feiert dieses Jahr den 35. Geburtstag. Im Interview spricht der Leiter der K...
10/09/2026

„Nie aufgeben!“

Der Kunstverein „Talstrasse“ feiert dieses Jahr den 35. Geburtstag. Im Interview spricht der Leiter der Kunsthalle "Talstrasse" Matthias Rataiczyk über Vergangenheit und Gegenwart

Wie ist die Kunsthalle „Talstrasse“ entstanden? Was war das vor mehr als 30 Jahren für eine Zeit?

Der Kunstverein „Talstrasse“ mit seinen heute fast 400 Mitgliedern schuf sich 2014 seine eigene Kunsthalle, die seither von ihm getragen wird. Als der Verein sich im Sommer 1991 gründete, war daran nicht zu denken, selbst an vereinseigene Räume dachten von den neun Gründungsmitgliedern - alle Studenten und Absolventen der Burg Giebichenstein - nur wenige. In einer Zeit des Umbruchs ging es um das gemeinsame Tun in komplizierten Zeiten. Dies war in der Talstraße 23 - dem alte Atelierhaus - gut möglich. Auch das Interesse an Kunst aus Ostdeutschland war in der alten Bundesrepublik recht groß, sodass es eindrücklicher war, eine Gruppe vorzustellen als künstlerische Einzelpositionen. Die Kunstausstellungen auf der Peißnitz, die nur Galerien und Vereine präsentierten, motivierten zudem zu einem Zusammenschluss. Als dann 1994 die erste Teilrenovierung der Talstraße 23 abgeschlossen war, testeten wir in den eigentlich zur Vermietung angedachten Räumen einen eigenen Galeriebetrieb.

Das Interesse ……

an diesem neuen Ausstellungsort war riesig. So war es der Anfang unserer permanenten Ausstellungstätigkeit. Nur während des Zusammenschlusses des Altbaus mit dem Erweiterungsneubau zur Kunsthalle blieben die Ausstellungsräume einmalig für wenige Monate geschlossen.

Hätten Sie diese (Talstrassen)-Entwicklung damals für möglich gehalten?

Nein, es war in keiner Weise unsere Intention, Museumsausstellungen zu organisieren. Vielleicht konnte man uns ganz am Beginn am ehesten mit einer Produzenten-Galerie vergleichen. Jahre später förderte die Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt mit dem „Rent a Gallery“-Programm solche Aktivitäten. Wir hatten diese Unterstützung nicht. Unsere Neugier auf das Werk anderer Künstlerinnen und Künstler war groß, so dass wir sehr früh die Türen öffneten für deren Arbeit. Aber es war auch unser Interesse an der Kunst jener Jahre, die den Ruf der Stadt Halle als Ort der Kunst geprägt haben: Die Kunst der frühen Nachkriegsjahre! Eine Kunst, die lange als verfemt galt.

Welche Schwierigkeiten gab es? Was waren die wichtigsten Erkenntnisse, die Sie in den Jahren bezüglich der Kunsthalle angesammelt haben?

Steine lagen überall auf unserem Weg. Neben der Auseinandersetzung mit spannender Kunst waren es vor allem die vielen persönlichen Begegnungen mit Künstler*innen, Sammler*innen, Wissenschaftler*innen, Besucher*innen, aber auch Politiker*innen, die unsere Arbeit in der „Talstrasse“ so bereichert haben. Vielleicht die wichtigste Erkenntnis: Nie aufgeben und Visionen haben zu dürfen! Visionen, die es galt und gilt, mutig und ohne Ängste umzusetzen. Dies begeistert Menschen, führt sie zusammen. Und wenn es noch eine Erkenntnis gab, dann die, dass man nie den Anspruch - auch an sich selbst - zu tief ansetzen sollte. Und dass Angst ein schlechter Ratgeber ist.

Was denken Sie heute, wenn Sie durch Halle laufen?

Ich bin Hallenser, liebe diese Stadt. Hätte es allerdings die Wende, die Entscheidung für die „Talstrasse“ im Jahr 1991 in meinem Leben nicht gegeben, würde ich gewiss nicht mehr hier sein. 1991 war die Stadt eine, wenn auch quirlige, graue Maus. Vieles war plötzlich möglich. Wer wollte, konnte die Initiative ergreifen, so manches entstand und verschwand oder entwickelte sich - so wie die „Talstrasse“ oder das Objekt 5. Noch immer liebe ich diese Stadt, sehr vieles ist geschehen. In der Saale kann man baden, die Luft im Herbst ist rein, viele Straßenzüge sind saniert, nur eher vereinzelt schrecken noch einige Ruinen und berichten von der Vergangenheit. Doch die vielen leeren Geschäfte in den einstigen Einkaufsstraßen machen mich traurig. Auch die Gefahr der Abkopplung ganzer Stadtteile vom klassischen kulturellen Leben, die fehlende soziale Durchmischung und die damit verbundene Spannungen machen mir Sorge.

Wie steht es um die „Kunsthalle Talstrasse" heute? Was ist gut, was ausbaufähig? Pläne, Ziele?

Die Kunsthalle „Talstrasse“ und ihr Träger, der Kunstverein „Talstrasse“, sind über Jahrzehnte langsam gewachsen. Ein dichtes Netzwerk zu Künstler*innen, Kunstinteressierten, Museen und Sammler*innen entstand. Das Haus ist weit über die Grenzen Sachsen-Anhalts bekannt, alljährlich kommen weit mehr als 10.000 Gäste aus nah und fern. Ideen für Projekte und Vernetzungen gibt es zahlreiche. Die Professionalisierung unserer Arbeit über Jahrzehnte war auch nur durch die Unterstützung der Stadt Halle (Saale), des Landes Sachsen-Anhalt und einer Vielzahl verschiedenster Stiftungen und Geldgeber möglich - hier braucht es Kontinuität. Unsere vielen Standbeine lassen hoffen, dass wir auch neue Herausforderungen und Steine auf unserem Weg meistern werden. Aber ohne ein Team von ehrenamtlichen Mitstreiter*innen wird es schwierig werden, unsere vielen Angebote weiter anbieten zu können. So ist beispielsweise die Absicherung der Sonntagskonzerte - über Monate jedes Wochenende - ein Kraftakt. Die vielen begeisterten Stimmen machen Mut und geben Energie. Doch am Ende braucht es Menschen, die sich einbringen - auch als Mitglied in einem Kunstverein.

Kunsthalle „Talstrasse“, alle Infos: www.kunstverein-talstrasse.de

Text: Mathias Schulze Bild: Archiv der Kunsthalle “Talstrasse“

60 Jahre: Ein Kabarett, eine HaltungDas Leipziger Kabarett Kabarett academixer feiert 60-jährigen Geburtstag. Und das wi...
08/09/2026

60 Jahre: Ein Kabarett, eine Haltung

Das Leipziger Kabarett Kabarett academixer feiert 60-jährigen Geburtstag. Und das wird entsprechend gefeiert. Der September ist voller Höhepunkte

Am 10. September wird das Kabarett „academixer“ tatsächlich 60 Jahre alt! Andere denken in diesem Alter langsam über den Ruhestand nach. Die „academixer“ hingegen denken lieber an die nächste Pointe. 60 Jahre „academixer“ sind sechs Jahrzehnte Kabarett in Leipzig, sechs Jahrzehnte Zeitgeschichte mit spitzer Zunge – und vor allem sechs Jahrzehnte mit einem treuen Publikum, mit Freunden, Wegbegleitern und vielen Menschen, die die „academixer“ begleitet haben. Und genau deswegen wird ein ganz besonderer Abend zelebriert. Am 10. September ab 19.30 Uhr findet ein entspanntes „Best-of-Programm“ mit dem Titel „60 Jahre. Ein Kabarett. Eine Haltung.“ statt. Gemeinsam mit Katrin Hart, Bernd-Lutz Lange, Gunter Böhnke, Mathias Tretter und dem Ensemble der „academixer“ wird auf 60 Jahre zurückgeschaut: Kabarett, Zeitgeist, Leipzig und der ganz normale Wahnsinn. Und weil ein 60. Geburtstag nicht mit dem Schlussapplaus endet, wird anschließend bei Häppchen und Getränken weitergefeiert: Erzählen, erinnern, anstoßen und tanzen. Und das war noch längst nicht alles! So gastieren beispielsweise „Gunter Böhnke & Kristina vom Dorf“ mit dem Programm „Das bassd wie de Fausd offs Ooche!“ am 16. September ab 19.30 Uhr bei den „academixern“. Arnd Schimkat mit seiner Bühnenfigur Arthur Senkrecht spielt das Programm „Lachen machen“ am 20. September um 18 Uhr. Und am 22. September um 19.30 Uhr kommen drei alte weiße Cis-Männer, die in den Körpern alter weißer Cis-Männer gefangen sind, kommt die „Titanic Boy Group“ mit Thomas Gsella, Martin Sonneborn und Oliver Maria Schmitt. Ja, richtig gelesen! Die „Titanic Boy Group“ ist zurück aus der Reha der Weltgeschichte. Fresh, stabil und nice wie eh und je. Frischer als ein Smoothie aus Mate, frischer als Testosteron und deutsche Leitkultur und agiler als ein Panik-Emoji auf TikTok. Und woke wie ein Rauchmelder in der Constellation-Bar! Philipp Weber am 23. September und Thomas Freitag am 30. September, beide jeweils ab 19.30 Uhr, runden das schöne Programm ab. Und das sind nur ein paar Gastspiele im September! Mögen die Spiele also beginnen!

60 Jahre academixer: am 10. September, Kabarett academixer in der Kupfergasse 2 in Leipzig, 19.30 Uhr, alle Termine: www.academixer.com

Text: Max Feller Bild: Ch. Scheeff
BU: Die „Titanic Boy Group“ mit Thomas Gsella, Martin Sonneborn und Oliver Maria Schmitt gastiert im September bei den „academixern“.

05/09/2026

„Zeit der Irren und Idioten“. Wenzel, 5.9.2026, Leipzig

Urbane Kunst trifft auf Industrie-Brache - für alle, die Streetart lieben, ist morgen (6.9.)  die letzte Gelegenheit der...
05/09/2026

Urbane Kunst trifft auf Industrie-Brache - für alle, die Streetart lieben, ist morgen (6.9.) die letzte Gelegenheit der "ibug" in Riesa einen Besuch abzustatten. Sonntagstipp! 😍

www.ibug-art.de

„Der Spirit, in dem wir arbeiten, steht der Agenda der AfD grundsätzlich entgegen.“ (Hannes Lingens vom Jazzkollektiv Ha...
01/09/2026

„Der Spirit, in dem wir arbeiten, steht der Agenda der AfD grundsätzlich entgegen.“ (Hannes Lingens vom Jazzkollektiv Halle im Interview)

Das Jazzkollektiv Halle lädt vom 8. bis 13. September zum zweiten „A-minor-Festival“, das das WUK Theater Quartier, Puschkino, oder das Pierre Grasse bespielt. Im Interview spricht Hannes Lingens, Jahrgang 1980, geboren in Hamburg und Mitglied des Jazzkollektivs Halle, über Ost-West, die Landtagswahl und den grundsätzlichen Spirit des Jazz

Zuerst zu Ihrer Person: Sie sind in Hamburg geboren. Was treibt Sie nach Halle? Seit wann sind Sie hier?

Ich bin über Umwege nach Halle gekommen, habe erst in Dresden Musik studiert, dann zog es mich nach Berlin. 2014 bin ich wegen meiner Freundin nach Halle gezogen.

Und Sie sind in Halle geblieben.

Tatsächlich haben wir anfangs mit Halle gehadert. Wir haben lange überlegt, wieder nach Berlin zurückzukehren. Aber die Kinder haben die Dinge verlangsamt, haben uns mit der Stadt verwachsen lassen. Und dann haben wir festgestellt, dass Halle durchaus Vorzüge hat. Und mit Orten wie dem WUK Theater Quartier, dem Blech oder dem Pierre Grasse hat sich hier eine interessante Off-Kulturszene gebildet.

Inwiefern spielt das Thema „Ost-West“ in Ihrem Leben eine Rolle?

Ich habe ja den Großteil meines Erwachsenenleben im Osten verbracht, bin mit 23 Jahren nach Dresden gegangen. Dennoch spüre ich gelegentlich einen gewissen Abstand zu den Menschen, die hier geboren und aufgewachsen sind.

Was ist das für Abstand? Wie fühlt er sich an?

Egal, wo man als „Fremder“ hinkommt: Man findet vor Ort Kollektiverfahrungen, die man nicht teilt, die man nicht selbst erfahren hat, mit denen man nicht selbst groß geworden ist. Das gilt erst einmal ganz grundsätzlich. Das kann man auch nicht nivellieren, aber man kann zuhören. Die Menschen meiner Generation, die hier geboren wurden, erinnern sich noch an ihre DDR-Erfahrungen, an das Großwerden in der Nachwendezeit, an Freiheit und Verunsicherung nach ´89. Das kann ich alles nur im Gespräch erfahren, drüber lesen oder es mir anderweitig nachträglich drauf schaffen, da ich es selbst nicht erlebt habe.

Das klingt nach einer Erklärung. Aber wie fühlt sich der Abstand an?

Ich will es einkreisen. Vielleicht so: Wenn ich nach Hamburg komme und mit Menschen, die ein komplett anderes Leben führen, Bier trinken gehe, kann sich der Abstand ähnlich groß anfühlen. Entscheidend ist dann, in Halle wie in Hamburg, dass man ins Gespräch kommt. Gibt es ähnliche Interessen, politische Haltungen oder kulturelle Prägungen, findet man das Verbindende, können Unterschiede als Bereicherung wahrgenommen werden. Der Abstand gerät in den Fokus, wenn sich Menschen – in Hamburg, Halle oder Bayern– auf gewisse Kollektiverfahrungen zurückziehen, wenn sie damit Phänomene oder Leute verteidigen und einen gewissen Regionalpatriotismus in den Vordergrund stellen, der den „Fremden“, der diese Erfahrungen nicht kennt, ausschließt. Und wie sich die Menschen zu ihren eigenen Erfahrungen ins Verhältnis setzen, hängt auch ab davon, wie man aufgewachsen und sozialisiert ist. Letztlich ist ja jede Biografie auch individuell.

Wie geht es dem „Jazzkollektiv Halle“ aktuell? Welche Gedanken beschäftigen? Pläne, Ziele?

Ganz aktuell steht natürlich das Festival im Vordergrund. Das beschäftigt uns sehr und wir freuen uns drauf. Wir sind als Initiative noch jung und erst seit zwei Jahren ein eingetragener Verein. Wir merken, dass uns extrem viel Wohlwollen entgegenkommt, wir werden in Halle und auch überregional sehr gut aufgenommen, auch Leute aus der Kulturpolitik kommen auf uns zu, dieses Jahr standen wir auf der Liste der Nominierten für den „Deutschen Jazzpreis“ - da werden auch Festivals geehrt. Und natürlich hängt das Damoklesschwert der Landtagswahl über uns: Unter welchen Bedingungen können wir nächstes Jahr weitermachen? Welche Widerstände werden kommen? Dieses Jahr sind wir vom Land gefördert. Und es ist sehr unwahrscheinlich, dass wir von Landesseite aus gefördert werden, wenn die AfD die Kulturpolitik bestimmt. Aber wir wollen nicht klein beigeben. Es gibt noch die Kulturförderung der Stadt, Bundesmittel, private Stiftungen und Unterstützer und Unterstützerinnen und natürlich unsere Fans und Freunde und Freundinnen. Es würde sicherlich nicht alles verunmöglicht werden. Am Festivalsamstag soll es ein Radiogespräch dazu geben.

Stichwort „ AfD bestimmt die Kulturpolitik“. Spitz gefragt: Sie könnten beim Antrag die „Trigger“-Worte raus nehmen?

Das wäre ein Irrweg. Wir bieten eine Kultur des Miteinanders. Unser „A-minor-Festival“ beispielsweise bringt Menschen verschiedener Kulturen zusammen, das ist gelebte Diversität, praktisch unsere DNA. Wie soll man das verbergen? Uns ist auch wichtig, das so einzuordnen, die gesellschaftliche Relevanz unserer Initiativen zu unterstreichen. Bei uns ist die Musik zwar nicht vordergründig politisch, aber der Spirit, in dem wir arbeiten, steht der Agenda der AfD grundsätzlich entgegen. Uns als Demokraten zu positionieren, ist uns wichtig – auch ohne Wahlempfehlung. Schon allein unser Name, also die Begriffe „Jazz“ und „Kollektiv“, sprengen den Heimatpflege-Kulturbegriff der AfD.

Das „A-minor-Festival“ …

… ist ein Festival der Begegnung, der gegenseitigen Inspiration. Deswegen umfasst es auch ein Programm, das stilistisch nicht nur in eine Richtung geht, auch wenn Jazz und Improvisation im Mittelpunkt stehen. Es wird Workshops und Gespräche geben, um die Künstler und Künstlerinnen näher kennenzulernen. Uns geht es nicht darum, einen Act nach dem anderen abzuspulen, uns geht es um Begegnungen.

Was ist Glück?

Mitzubekommen, dass sich Leute engagieren und nicht warten, dass es von anderen getan wird.

2. A-minor-Festival, 8. bis 13. September, Halle, alle Infos: www.jazzkollektiv-halle.de
WUK Theater Quartier
Puschkinocom/profile.php?id=100051289706211 #

Text: Mathias Schulze Bild: Yuval Barel
BU: Der Schlagzeuger, Akkordeonist und Vibraphonist Hannes Lingens vom „Jazzkollektiv Halle“.

September 2026. Halle und Leipzig. Am Start. 😎
29/08/2026

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Die Electro-Pioniere Kraftwerk am Bauhaus Dessau. Am 29. August um 20 Uhr noch einmal.
28/08/2026

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Bereit für den Herbst? Bereit für die Verlosungen September? Ihr kennt das Spiel: Liken, machen, tun, teilen. Here we go...
26/08/2026

Bereit für den Herbst? Bereit für die Verlosungen September? Ihr kennt das Spiel: Liken, machen, tun, teilen. Here we go:

Verlosung September 2026

Stefanie Stahl, Ich erklär das jetzt mal psychologisch, Buch
Neues Buch, 3x1 Exemplare
Kennwort: Stahl

Wenzel, Konzert
5. September, Parkbühne Geyserhaus Leipzig, 19.30 Uhr, 1x2 Tickets
Kennwort: Wenzel

Wolfgang Trepper, Comedy
4. September, Steintor-Varieté Halle, 19.30 Uhr, 1x2 Tickets
Kennwort: Trepper

Kultparty der 80er, Party
5. September, Steintor-Varieté Halle, 20 Uhr, 1x2 Tickets
Kennwort: Party

Jan Plewka & Marco Schmedtje, Konzert
10. September, Leipziger Kupfersaal, 20 Uhr, 2x2 Tickets
Kennwort: Plewka

Gerhard Schöne, Konzert
11. September, Parkbühne Geyserhaus Leipzig, 19.30 Uhr, 1x2 Tickets
Kennwort: Schöne

Felix Meyer, Konzert
12. September, Parkbühne Geyserhaus Leipzig, 19.30 Uhr, 1x2 Tickets
Kennwort: Meyer

Anouk, Musical
18. September, Steintor-Varieté Halle, 16 Uhr, 1x2 Tickets
Kennwort: Anouk

Peter Wohlleben, Lesung
19. September, Leipziger Kupfersaal, 20 Uhr, 2x2 Tickets
Kennwort: Wohlleben

The Jailbreakers, Konzert
19. September, Leipziger Anker, 20 Uhr, 1x2 Tickets
Kennwort: Jailbreakers

IC Falkenberg, Konzert
19. September, Steintor-Varieté Halle, 19.30 Uhr, 1x2 Tickets
Kennwort: Falkenberg

Vicki Vomit, Lesung
25. September, Leipziger Anker, 20 Uhr, 1x2 Tickets
Kennwort: Vomit

Ulla Meinecke, Konzert
26. September, Leipziger Anker, 20 Uhr, 1x2 Tickets
Kennwort: Meinecke

A Life without Punk, Show
28. September, Felsenkeller Leipzig, 20 Uhr, 1x2 Tickets
Kennwort: Punk

Zur „Es reicht! Gesundheit statt Sparwahn!“-Kundgebung am 5. September in Berlin: „Das neue Gesetz wird die Versorgung d...
25/08/2026

Zur „Es reicht! Gesundheit statt Sparwahn!“-Kundgebung am 5. September in Berlin: „Das neue Gesetz wird die Versorgung der Menschen mit einem Kahlschlag-Sparplan verschlimmern.“ (Allgemeinärztin Konstanze Gerlach im Interview)

Konstanze Gerlach, Jahrgang 1983, ist Teil der Leipziger Band „Seelenherz“, die am 27. August beim großen Die Liedertour-Festival mit ihrer Band „Seelenherz" am Biedermeierstrand in Hayna spielen wird. Und Gerlach ist Allgemeinärztin in Leipzig! Zur bevorstehenden Kundgebung „Es reicht! Gesundheit statt Sparwahn!“ am 5. September in Berlin hat sie Stellung bezogen:

Was hat es mit der Kundgebung unter dem Motto „Es reicht! Gesundheit statt Sparwahn!“ auf sich?

Im Juli wurde im Bundestag das GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz verabschiedet. Es enthält weitreichende Kürzungen für die gesamte Breite der Strukturen unseres Gesundheitswesens. Bislang praktizierten wir bereits in einer Mangelversorgung bei Psychotherapie-Plätzen und Facharztterminen. Das Rettungswesen samt Notaufnahmen wird überrannt. Die Kliniken sind überfüllt. Das neue Gesetz setzt nicht auf Verbesserung, sondern wird die Versorgung der Menschen mit einem Kahlschlag-Sparplan verschlimmern. Wir sprechen, um nur ein paar Beispiele zu nennen, von Budgetierung der Schwangeren- und Kindervorsorge, Hautkrebsscreening, Honorarkürzung der Psychotherapie und vielem mehr. Auch dem Rettungswesen wird maßgeblich Geld entzogen. Der Geschäftsführer der ADAC Luftrettung Frédéric Bruder sagte bereits im Juni in einem Interview deutlich: „Wir werden nicht mehr jeden retten können“. Sämtliche Berufsverbände sind vor der Gesetzesverabschiedung Sturm gelaufen. Ihre Initiativen und Beiträge wurden von der Politik ignoriert. Das Gesetz wurde durchgepeitscht, als die Menschen mit Fußball-WM und Ferienzeit abgelenkt waren.

In Summe …

… führt das Spargesetz unter anderem zu längeren Wartezeiten, Zuspitzung der Terminknappheit, noch weniger Psychotherapie-Plätzen und Verschlechterung der Personaldichte im Pflegebereich. Bei mir in der Hausarztpraxis bekommen diese Maßnahmen ein Gesicht, wenn die Menschen mit ihrer Überweisung wiederkommen und einfach keinen Termin bekommen, egal wie dringend die Abklärung ist. Zusatzbudgets für Hausarztvermittlungsfälle und Terminservicevermittlung über die 116117 werden ab 2027 wegfallen. In Summe ist das nicht nur eine Gefahr für Leib und Leben, sondern kappt am völlig falschen Ende Kosten. Nach einiger Zeit wird dieses Vorgehen zu einer Verteuerung führen. Was Vorsorge nicht aufdeckt, wird als fortgeschrittene Erkrankung später teuer. Ganz zu schweigen vom menschlichen Leid! Stellen Sie sich vor, eine Frau wird schwanger und kommt nicht zur Vorsorge unter! Haben Kinder nicht das Recht, gesund aufzuwachsen? Wie soll man Kinder frühzeitig fördern mit Sprache oder Gehör, wenn keine Untersuchungen stattfinden, die das Problem aufdecken?! Und das zieht sich durch alle Branchen des Gesundheitswesens. Wenn der „Topf“ alle ist, muss die Praxis die Patienten wegschicken. Hierbei geht es nicht darum, dass die Ärzte „statt Porsche Ferrari“ fahren wollen! Eine Praxis zu betreiben kostet viel Geld. Wir können Patienten nicht umsonst behandeln. Eine Kinderärztin, Dr. Bea Merscher, hat sich aufgemacht zu recherchieren und Politiker direkt kontaktiert. Unterm Strich war die Botschaft „ist uns egal“. Daraufhin hat sie eine Kundgebung geplant, direkt vor der Tür der Gesetzgebenden. Mittlerweile bildet die Rednerschaft eine große Breite quer durchs Land ab. Zu hören sein werden VertreterInnen aus Psychotherapie, des Behindertenverbandes, Heilmittelerbringer, Ärztinnen aus Gynäkologie und Geburtshilfe, VertreterInnen aus dem Hebammenwesen, aus dem Rettungswesen, der Kinderheilkunde, der Pflege, der Intensivpflege, der Unfallchirurgie, der Sozialarbeit, Creator wie der „KidsDoc“, VertreterInnen aus dem Rechtswesen oder ApothekerInnen. Aus hausärztlicher Sicht werde auch ich für die Menschen und meine Kollegen sprechen. Es wird Musik geben, beispielsweise mit einem Hamburger „Inklusiven-Kinderchor“, meiner Band „Seelenherz“ und „Rosa“.

„Rosa“?

„Rosa“ ist die Indie-Pop Band von Saskia Adler und Fred Zahl. Eine Followerin von Dr. Bea hat eine Hymne zur Kundgebung geschrieben. „Rosa“ hat sie vertont, produziert und wird diese spielen. „Punkt12!“ ist bereits veröffentlicht und kann gerne gestreamt und geteilt werden. Ich hoffe, dass die Leute sich über das informieren, was auf Sie zukommen soll und mit uns gemeinsam, friedlich laut werden. Kommt am 5. September um 13 Uhr nach Berlin! Die Kundgebung ist ausdrücklich überparteilich und wird durch Kleinspenden finanziert. Sie formt sich zu einer Bewegung aus dem Volk, das der Politik sagen will: Stopp! So geht das nicht! Hört uns zu und besinnt euch auf die Pflicht, zu unserem Wohl zu handeln! Es muss gespart werden, ja! Aber ihr müsst einen anderen Weg finden! Vorschläge dafür gibt es genug. Von Menschen, die jeden Tag in diesem Beruf arbeiten und von deren Berufsverbänden.

„Es reicht! Gesundheit statt Sparwahn!“, 5. September, ab 13 Uhr in Berlin, alle Infos unter www.esistpunkt12.de

https://open.spotify.com/.../track/2hLCnVZKLUAj2vJCO7wsj9

Die Liedertour "Lieder am Strand" mit KARO NERO, Seelenherz und Schüller am 27. August, Biedermeierstrand Hayna, 19.30 Uhr, Tickets: www.biedermeierstrand.de/karo-nero-gaeste-lieder-am-strand

https://seelenherzband.de/

Text: Mathias Schulze Bild: Amelie Anders

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Halle
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