23/09/2026
„Ich sehe, wie die Musik den Menschen nahe geht.“
Die Musikerin Josefine Meyer aus Halle spielt mit der Band „Tricky Notes“ am 2. Oktober im Eulenbergschen Hof in Elben. Celtic-Folk mit modernen Einflüssen. Meyer ist noch an weiteren Projekten in Halle und Leipzig beteiligt. Welche? Ein Gespräch über ihre Arbeit und die Vor-und Nachteile der Selbstständigkeit
Was genau beinhaltet gerade Ihre künstlerische Arbeit?
Meine künstlerische Arbeit gestaltet sich momentan sehr vielfältig. Ich bin als Musikerin in fünf verschiedenen Bandprojekten tätig. In Halle in der Band „Josefine’s Choice“ (irische und schottische Folk-Songs und Balladen), bei „Tricky Notes“, bei „Calluna“ und bei „Ballon Chanson“. Und in Leipzig in der Band „Balfolk“. Zudem arbeite ich in der Keramikwerkstatt „feingemacht“ in der „Großen Ulrichstraße“ in Halle und verkaufe Kunst hallescher Künstler, aber auch eigene. Ein sehr buntes und abwechslungsreiches Arbeitsumfeld. Momentan übe ich sehr viel Gitarre, dabei fasziniert mich insbesondere die irische Dadgad-Stimmung. Ich finde es als Sängerin wichtig, mich unabhängig selbst begleiten zu können. Somit kann ich mittlerweile mein eigenes Solo-Programm gestalten, spiele einmal bis zweimal im Monat im „Anny Kilkenny“ in Halle. Dort gibt es auch immer am letzten Dienstag des Monats eine irische Session.
Warum sind Sie Musikerin geworden? Was sind die Vor-und Nachteile des selbstständigen Weges?
Musik spielte schon immer eine sehr wichtige Rolle in meinem Leben. Schon in der Grundschule schrieb ich meine eigenen Lieder, gemeinsam mit meiner besten Freundin. Wir waren auch zusammen im Ballettunterricht, eine weitere hilfreiche Voraussetzung für das Musizieren, wie ich finde. Musik war für mich aber gerade als Jugendliche ein ganz starkes Ventil für Emotionen, die mich in dieser Zeit ziemlich im Griff hatten. Ich habe schon immer lieber melancholische Musik gehört. Interessante Melodien waren für mich dabei besonders wichtig. Ich war acht Jahre lang Schülerin am „Landesgymnasium für Musik“ in Wernigerode. Die Zeit hat mich stark geprägt. Insbesondere die chorische Ausbildung und der Gesangsunterricht. Dass ich auch Klavier spielen musste, war dabei leider eher ein Hindernis in meiner musikalischen Entwicklung. Viel lieber hätte ich schon damals meine Zeit in Geige oder Gitarre gesteckt. Dafür lernte ich in der Grundschule Blockflöte, was eine gute Voraussetzung für die Irish Flute war, die ich seit acht Jahren spiele. Ich habe dann ein Schulmusikstudium in Weimar (und Englisch in Jena) absolviert und auch das Referendariat abgeschlossen – eine sehr schwere Zeit, in der Musik nur noch wenig Platz fand.
Sie haben als Lehrerin gearbeitet.
Nachdem ich fünf Jahre als Lehrerin gearbeitet habe, merkte ich, wie ausgebrannt ich war und dass Kreatives gar keinen Platz mehr in meinem Leben hatte. Die darauf folgende Selbstständigkeit mit Musik, aber auch Handwerk, war eine ganz logische Konsequenz aus dem, was mich ausmacht. Die Vorteile sind, dass ich jetzt alles, was ich mache, gerne mache. Ich wähle meine Aufgaben und Herausforderungen im Leben (in den meisten Fällen) selbst. Das ist sehr befreiend. Die Nachteile sind größtenteils finanzieller Natur. Oft wird Musik als Spaß und Hobby angesehen, dass dort jahrelange Arbeit und für jedes Konzert stundenlange Proben dahinter stecken, sehen viele nicht. Aber ich erlebe auch viel Wertschätzung und sehe, wie die Musik den Menschen nahe geht, das berührt mich am meisten und zeigt, wie wichtig es ist, daran festzuhalten.
Irischer Folk, Balladen, Schottisches: Was genau reizt Sie an dieser Musik?
Ich kann es nicht ganz genau sagen, was diesen Zauber ausgelöst hat, aber es ist Musik, die vom Leben erzählt, oft von Liebe zu Mensch und Natur. Es hat etwas Schlichtes, manchmal Rebellisches und die Abwechslung kommt durch fröhliche schnelle Tunes. Ich spiele oft auf Sessions in Halle und Leipzig. Dabei gibt es die Musiker, die eher den traditionellen Stil bevorzugen. Ich gehöre zur anderen Gruppe – ich mag es sehr, wenn da auch mal moderne Einflüsse oder untypische Elemente vorkommen. Das finde ich spannend, das entspricht auch dem, wie ich an Musik herangehe. Ich covere sehr ungern, ich finde es viel schöner, eine eigene Version aus den Songs zu machen.
Wie erleben Sie das Musizieren mit den „alten Hasen“ von Tricky Notes?
Die Zusammenarbeit mit „Tricky Notes“ ist entspannt und positiv. Klar, kann es manchmal bei größeren Veranstaltungen auch stressig werden, aber ich merke, wie ich in den Abläufen immer routinierter werde. In der Hinsicht kann ich mich auf meine Bandkollegen komplett verlassen, wir greifen uns gegenseitig unter die Arme und ich konnte, gerade was die Technik anbelangt, enorm viel dazu lernen.
Was sehen und fühlen Sie, wenn Sie aktuell durch die Stadt laufen?
Mein Halle-Gefühl hat sich über die letzten Jahre kaum verändert. Leider muss ich sagen, gehe ich selbst nicht gerne durch die Stadt. Mir fehlen Bäume, ruhige Cafés, Straßen ohne Autos oder Straßenbahnen. Die schwarzen Steine am Markt trüben meine Stimmung, sobald ich dort aus der Bahn steige, da möchte ich so wenig Zeit wie möglich verbringen. Ich lerne über die Musik aber nach und nach kleine Nischen, beispielsweise schöne Gärten und nette Menschen kennen, die mich ein bisschen mit der Stadt versöhnen. Besonders anregend fand ich die Stimmung beim Burgstraßen-Flohmakt!
Tricky Notes & Josefine Meyer, 2. Oktober, Eulenbergscher Hof in Elben, 20 Uhr, alle Termine:
Josefine's Choice
JosefineMeyer.Music
Tricky Notes
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Anny Kilkenny Irish Pub
Text: Mathias Schulze Bild: Josefine Meyer
BU: „Ich wähle meine Aufgaben und Herausforderungen im Leben selbst.“ Josefine Meyer spielt auch regelmäßig im „Anny Kilkenny“ in Halle.