04/11/2025
Tabak, Drogen, falsche Pässe - unterwegs mit dem Hamburger Zoll / Sendung am 11.11. um 18.15 im NDR Fernsehen
Manchmal geht es schon morgens um vier los. Dann brausen sie los zum ZOB, zwanzig Mann in Formation. Die Zöllner warten auf Fernbusse aus Warschau und Amsterdam, Brüssel und Paris. Die ersten Busse kommen schon um 5 Uhr.
Wenn er anrollt, machen sie eine kurze höfliche Ansage, bitten um Geduld.
Koffer, Taschen, Beutel werden auf dem Bahnsteig aufgereiht, und dann kommt erstmal aufgeregt bellend Drogenhund Loki, benannt zu Ehren der Frau des Altkanzlers, zum Einsatz.
Sie schnüffelt alles ab, bellt manchmal aufgeregt, aber ihre Hundeführerin wiegelt ab. Wenn Loki wirklich Drogen gerochen hat, bleibt sie aufmerksam sitzen und rührt sich nicht mehr von der Stelle. Vor einiger Zeit haben die Beamten im doppelten Boden eines Koffers aus Paris 5 Kilo Kokain gefunden. Doch hier jault und bellt der Hund nicht deswegen. Eine Passagierin aus Paris lächelt wissend: „Der riecht bestimmt meine guten Esswaren.“
Die Zöllner haben alles dabei: einen Röntgenmobil, wo das Gepäck der Passagiere durchleuchtet wird und einen Scanner, der die Pässe und Aufenthaltsgenehmigungen prüft. Wer von den Passagieren hofft, hier durch die Kontrollen zu rutschen, wird enttäuscht. Spätestens jetzt ist Schluss.
Die Frau am Passdurchleuchtungsgerät wird fündig, holt die Polizei dazu. Die führt einen jungen Mann ohne gültige Papiere ab.
Gibt der Kollege aus dem Röntgenmobil einen Hinweis auf „unklare Strukturen“, „etwas Eckiges , das ich nicht zuordnen kann“ , sieht er einen „langen schwertähnlichen Gegenstand “, machen sie eine Nachkontrolle.
Die unklare Struktur sind Zi******en, aber in genehmigter Anzahl. Doch dann fischen sie zwischen den Gepäckstücken sieben Kreditkarten hervor. Alle ausgestellt auf unterschiedliche Namen.
Nun beginnt hektisches Telefonieren: die Polizei rückt an, prüft, ob die Kreditkarten als gestohlen gemeldet sind. Der junge Mann, in dessen Gepäck sie gefunden wurden, kann sich nicht erklären wie sie da hineingeraten sind. „Jetzt beginnt die Märchenstunde“, sagt Zollbeamter Tristan. „Das kennen wir schon“.
Und das Schwert? Das fällt nicht unter das Waffengesetz. „Das ist ein religiöser Gegenstand“ erklären drei würdig aussehende Männer mit blauen Turbanen. Sikhs, die auf dem Weg zum Tempel sind.
Ein anderer Mann hat Cannabis dabei. Er hat es in Amsterdam gekauft. Das ist nicht erlaubt. Er muss sich wegen Einfuhr von Drogen verantworten.
In der Tasche der Reisenden aus Paris finden sich wirklich Töpfe und Schachteln mit allerlei angenehm riechenden Lebensmitteln. „Der Hund weiß, was gut ist“ lacht die Dame aus Ghana. Ich koche leidenschaftlich gern“.
Am nächsten Morgen Vorbesprechung. Zöllnerin Kathrin hat für heute eine Route ausgearbeitet
Kioske und Shisha-Bars. Im Visier unversteuerter Tabak.
Gleich im ersten Landen werden sie fündig. Der Besitzer ist nicht da, erklärt ein Angestellter.
Doch die Zöllner wissen auch ohne Besitzer, wo sie suchen müssen. Sie haben langjährige Erfahrung. Unterm Tresen fischen sie Zi******en ohne Steuerbanderole hervor und Snooze . Der Verkauf ist verboten. Die Zollbeamten konfiszieren den Fund, doch sie sind noch lange nicht fertig. Unter den Kunden fällt ihnen ein junger Mann auf. Er hat keine Aufenthaltsgenehmigung für Hamburg. Und dann entdecken sie bei der Durchsuchung noch eine Backstube im Keller mit aufgerissenen Mehltüten und einen Ofen, wo Fladenbrot gebacken wird. Das ist ein Fall für die Lebensmittelaufsicht, denn dafür hat der Laden keine Genehmigung, und hier könnte man sich auch gut eine üble Magenverstimmung zuziehen.
Und dann geht es noch in Shisha-Bars. Der Besitzer ist in Dubai auf Urlaub, erklärt der Angestellte aufgebracht. Im Hinterzimmer werden verschiedene Sorten Shishapfeifen in zwölf verschiedenen Geschmacksrichtungen zubereitet. Aber wo ist der Tabak dazu, will Einsatzleiterin Kathrin wissen.
Der Angestellte zuckt die Achseln. „Keine Ahnung. Das kann ich mir auch nicht erklären“. Die Beamten untersuchen den Keller, leuchten den Hinterhof ab, gucken in die Mülltonnen.
„Das alte Katz-und Mausspiel“, seufzt ein Zollbeamter. Der Tabak könnte in einem Zimmer über der Bar versteckt sein oder in einem Auto irgendwo um die Ecke. „Hier passt einiges nicht zusammen“, stellt die Einsatzleiterin resolut fest. Sie werde ein Ermittlungsverfahren einleiten.
In der nächsten Shishabar finden sie im Keller eine solide Tür, aber die ist verschlossen. Der Betreiber rückt an mit einem Riesenschlüsselbund. Keiner passt. Doch die Zollbeamten werden trotzdem fündig. Shisha-Tabak unter allerlei leeren Kisten.
„Ich hab´ dazu keine Lust mehr“, seufzt der Betreiber. „Ich mach´ einfach ein normales Cafe auf. Das lohnt sich sowieso mehr. Manche Gäste sitzen hier an einer Pfeife drei Stunden rum. Da verkaufe ich doch lieber in der Zeit zehn Kaffee“.