16/12/2025
🌟Ist das gerecht?🌟
Diese Frage taucht oft auf, wenn eine Erkrankung das eigene Leben plötzlich verändert. Sie kommt nicht aus theoretischem Interesse. Sie entsteht in einem Moment, in dem etwas zerbricht: Gewohnheiten, Pläne, Vorstellungen von der Zukunft. Und genau deshalb ist sie so schwer zu beantworten.
Der erste Impuls ist verständlich. Wenn ein Körper versagt oder sich gegen einen Menschen wendet, wirkt das wie eine Ungerechtigkeit. Man sieht andere, die keine Einschränkungen haben, und sucht nach einer Erklärung. Doch Krankheit kennt keine Regeln des Ausgleichs. Sie trifft Menschen, ohne Absicht, ohne Logik und ohne irgendeine Idee von Fairness. Manchmal sehr früh, manchmal im falschen Moment, manchmal gleichzeitig an mehreren Stellen des Lebens.
Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, ob Krankheit gerecht ist. Sie ist es nicht. Aber wir können eine andere Frage stellen: Wo beginnt Gerechtigkeit eigentlich?
🌟Gerechtigkeit beginnt dort, wo ein Mensch Unterstützung erhält, ohne dafür beweisen zu müssen, dass er sie verdient.
🌟Sie beginnt dort, wo Behinderung anerkannt wird, ohne dass man sich kleinmachen oder rechtfertigen muss.
🌟Sie beginnt dort, wo Therapie nicht als Privileg wirkt, sondern als selbstverständlicher Teil menschlicher Fürsorge.
Und sie beginnt dort, wo Menschen nicht allein gelassen werden, wenn ihr Körper Grenzen setzt.
Einige, die mit einer chronischen Krankheit leben, entwickeln mit der Zeit eine Art Misstrauen gegen sich selbst. Sie fragen, ob sie zu viel sind, ob sie sich nicht genug anstrengen, ob sie anderen etwas zumuten. Diese Gedanken haben wenig mit persönlicher Schwäche zu tun. Sie entstehen in einer Gesellschaft, die Leistungsfähigkeit zur Norm erhebt. Wer davon abweicht, sucht schnell die Schuld bei sich selbst.
Gerechtigkeit liegt also weniger im Verlauf einer Krankheit als im Umgang mit den Menschen, die sie tragen müssen.
Die Erkrankung selbst erklärt nichts.
Aber wie wir darauf antworten, sagt viel darüber aus, welche Form von Menschlichkeit wir leben wollen.