08/06/2026
Ich zahle jeden Monat pünktlich meine Miete. Und trotzdem habe ich aufgehört, diese Wohnung mein Zuhause zu nennen.
Früher dachte ich, ein Zuhause entsteht dort, wo man lange genug lebt.
Heute bin ich mir da nicht mehr sicher.
Ich habe Vorhänge aufgehängt, Möbel gekauft, die Wände dekoriert und Blumen auf den Balkon gestellt. Ich habe versucht, anzukommen. So wie man es eben macht.
Aber irgendwo im Hinterkopf bleibt immer dieser Gedanke:
Wie lange noch?
In den letzten Jahren habe ich zu viele Geschichten gehört. Häuser wurden verkauft. Wohnungen modernisiert. Mieten erhöht. Eigenbedarf angemeldet.
Und jedes Mal standen Menschen da, die geglaubt hatten, sie hätten endlich ihren Platz gefunden.
Wer heute eine neue Wohnung sucht, merkt schnell, wie sich das Land verändert hat. Dutzende Interessenten bei einer Besichtigung. Hunderte Bewerbungen. Absagen, auf die nicht einmal mehr eine Antwort folgt.
Manchmal habe ich das Gefühl, wir zahlen nicht mehr für ein Zuhause.
Wir zahlen für die Erlaubnis, vorübergehend irgendwo bleiben zu dürfen.
Das Bittere daran ist nicht die Miete.
Es ist dieses Gefühl, nie ganz Wurzeln schlagen zu können. Nichts mehr selbstverständlich planen zu können. Nicht zu wissen, ob man in fünf Jahren noch am selben Fenster sitzt und auf denselben Baum schaut.
Ich kenne Menschen, die seit Jahrzehnten arbeiten, ihre Rechnungen pünktlich bezahlen und trotzdem Angst haben, ihre Wohnung zu verlieren.
Eigentlich sollte ein Zuhause der Ort sein, an dem Sorgen draußen bleiben.
Für viele ist es inzwischen selbst zu einer Sorge geworden.
Geht es Ihnen auch so?