01/12/2025
BUCHTIPP
„(Mein Onkel) Miljenko hatte sich die E-Klasse Ende der Neunziger gekauft. E-Klasse und Mercedes, das klang klasse in seinen Ohren. Er hatte damals einiges an Schwarzgeld angesammelt, nachdem er mehr als fünf Jahre lang von einer deutschen Baustelle zur nächsten gezogen war. Ein deutscher Beamter hatte ihm dann gesagt, dass der Staat alle Beträge auf seinem deutschen Bankkonto entwenden würde, sobald Miljenkos Duldung endgültig ausgesetzt und seine Abschiebung nur noch eine Frage deutscher Polizeiarbeit wäre. Miljenko hatte nie herausgefunden, ob das tatsächlich passiert wäre, da er einen guten Teil des Geldes in einen Benz der 124er-Serie investierte.“ aus Boris Matić, Deans Reise
Der Roman begleitet den jungen Dean auf einer Reise nach Bosnien und Herzegowina, in das Land seiner Geburt. Was zunächst wie ein Rückweg zu den eigenen Wurzeln erscheint, entwickelt sich zu einer vielschichtigen Auseinandersetzung mit der vom Krieg geprägten Vergangenheit. Dean bewegt sich zwischen Sprachen, Kulturen und inneren Brüchen – und sucht nach einem Halt in einer Welt, in der er sich zugleich zugehörig und verloren fühlt.
Boris Matić hat ein aufwühlendes, präzise beobachtetes Buch geschrieben über Entwurzelung, das Leben nach dem Überleben und die schwierige Kunst, mit der eigenen Geschichte zurechtzukommen.
„Es ist ein Roman über die Rast- und Ruhelosigkeit im heutigen Europa, in dem Millionen Menschen aus ihrer Heimat aufgebrochen sind, um anderswo ihren Traum von einem anderen Leben zu erfüllen. Und trotzdem nicht loskommen. Denn der Imperativ, dass man sein Leben im Griff haben sollte, wissen sollte, was man will, den hat Dean verinnerlicht.“ Ralf Julke, LZ Leipziger Zeitung, 18. Juni 2025
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