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Alter Schwede! Mit dem neuen Album „Ex Voto / The Silent Love“ vollendet der schwedische Musiker Christian Kjellvander e...
04/01/2026

Alter Schwede!

Mit dem neuen Album „Ex Voto / The Silent Love“ vollendet der schwedische Musiker Christian Kjellvander eine Trilogie, die sich auch auf den Alben „About Love and Loving Again“ und „Hold Your Love Still“ mit der Liebe in ihren zartesten, konfliktreichsten und spirituellsten Formen beschäftigt. Am 8. März gastiert Kjellvander in Leipzig. Grund genug, sich einen Song aus dem neuen Album genauer vorzunehmen

Liebe, Religion, die Natur und deren Schönheit. Beugt sich Christian Kjellvander, Jahrgang 1976, über diese Themen, wird man mit einer emotionalen Tiefe, mit einer poetischen Präzision, mit psychedelischen und spirituellen Songs beschenkt. Auch auf dem neuen Album „Ex Voto / The Silent Love“ finden sich atmosphärische Lieder, die von einer geisterhaften Intimität durchzogen sind.

Wie es Kjellvander in drei Minuten und sechsundfünfzig Sekunden gelingt, große Menschheitsthemen poetisch zu verdichten, lässt sich am Song „Hole In My Heart“ explizieren. Schon das Intro ist großartig: Intensiv, intim, wie ein Countdown, der nicht mehr aufzuhalten ist, wie ein Schicksal, das vorbestimmt seinen Lauf nimmt, stellt sich der Sound mit großer Ruhe ins Gemüt. Nach zehn Sekunden erhebt das lyrische Ich seine Bariton-Stimme. Hier reist gerade jemand ab: „I packed the Mercedes – perfectly.“ Immerhin kann der Mercedes, der äußere Reichtum, perfekt bestückt werden: Hinein mit all den Dingen, die mitzunehmen sind in ein neues Leben mit sich selbst. Ein Abschied? Man weiß es nicht.

Noch während alles gepackt wird, beobachtet sich das lyrische Ich, lässt es seine Gedanken und Emotionen fließen, erkennt es seine Irrtümer: Natürlich kann es nicht nur die schönen Dingen einpacken, schließlich nimmt es sich immer selbst mit. Die Diagnose ist schonungslos: „There is a hole in my heart.“ Ein Befund, der das lyrische Ich auf Schritt und Tritt, egal, wo es steht und wandelt, verfolgt. Weilte der Blick eben noch auf dem Reichtum, auf dem Mercedes, fangen nun - kaum hat das lyrische Ich seine innere Wahrheit erkannt – engelsgleiche, geisterhafte Sirenen zu flüstern an. Der Luxus wird entwertet, er taugte nichts. Was wird es fortan mit dem Loch im Herzen anfangen? Gefüllt werden konnte es bislang nicht. Weder durch Beziehungen zu anderen Menschen, noch durch materielle Güter. Glück ist nicht im Außen zu finden: „There is a hole in my heart / That I've often tried to fill.“

Aber bleibt ihm jetzt nur noch das ewige Betäuben, das ewige Ausweichen? Der Gesang wird kerniger, bestimmender, klarer, kein Selbstmitleid nirgends, nur noch Verantwortungsübernahme. Und plötzlich weiß das lyrische Ich, wo das Gold, wo der Umgang mit dem Loch im Herzen, ausschließlich zu finden ist: „There is the gold that I find / Between the wild and the will.“ Das wahre Gold liegt also zwischen der Wildnis und dem Willen. Zwischen dem Schicksal, dem das lyrische Ich ausgeliefert war, und seinen freien Entscheidungen als gereiftes Subjekt. Zwischen den Determinanten, Traumata und Wunden, die prägten, und der eigenen Kraft, Dinge in die Hand zu nehmen. Zwischen den Mustern und der selbst bestimmten Identität. Zwischen (schmerzhaften) Erfahrungen und Werten, die sich das lyrische Ich fortan selbst und immer setzen kann und muss. Zwischen, zwischen, zwischen, immer nur dazwischen! Eine niemals endende Dynamik!

Gelassen werden Wahrheiten geraunt: Du kannst um dein Herz riesige Mauern bauen, ständig ins Außen fliehen, versuchen, dich lebenslang zu schützen. Alles ist möglich. Und dann kannst du irgendwann das Risiko eingehen, das alles zusammenbricht, dass dich endlich jemand so sieht, wie du dich eigentlich nur selbst siehst, wie du nie wolltest, dass dich jemand sieht. Du kannst dich also deiner größten Angst stellen - und einfach dabei zusehen, was das Universum mit dir macht. Wird es dich verletzen? Schau einfach nur zu, halte es aus! Wird es dich belohnen? Schau einfach nur zu, halte es aus!

Die Engel flüstern, der Chor des Himmels weitet die emotionale Hingabe, der Sound wird eindringlicher, der Gesang selbstbewusster, im Traurig-Melancholischem öffnet sich eine kraftvolle Perspektive: „And there is the road that we love / That takes us to something new.“ Doch was braucht es dazu? „I think I am the hole in my heart and as long as I can I will / Be dancing between the lines of the wild and the will.“

Das lyrische Ich entdeckt, dass es nicht nur ein Loch im Herzen hat, das es mal ausblenden oder ignorieren kann, sondern ein Leben lang das Loch im Herzen selbst ist! Das lyrische Ich entdeckt, dass es bis zum letzten Atemzug das wahre Gold nur zwischen der Wildnis und dem Willen finden kann - ein ewiger Tanz, ein tägliches Aushandeln, ein alle Sekunden anhaltendes Ausbalancieren. Der Song endet mit einem positiven Ausblick: In dem Moment, in dem das lyrische Ich das uralte „Erkenne, was Du bist“ umsetzt, in dem es sein „Zwischen“ an die Liebsten kommuniziert, ist seine tiefste Persönlichkeit, das Loch im Herz, paradoxerweise eben nicht mehr nur das Loch im Herz, sondern viel, viel mehr. Erst wenn das lyrische Ich sein Loch im Herzen selbst füllen kann, erst wenn es den lebenslangen Tanz zwischen Wildnis und Willen annimmt, ihn schätzen, lieben und respektieren gelernt hat, kann es nachts neben dem Gegenüber schlafen, kann es auch das „Zwischen“ des Gegenübers erkennen und in gesunde Verbindung treten, kann es Liebe geben und empfangen. Ist der Song eine Utopie, ein Gebet, ein ganz normales Lebens-und Liebeslied? Auf jeden Fall ein Meisterwerk.

Christian Kjellvander, 8. März, Leipziger Naumanns im Felsenkeller, 20 Uhr, Christian Kjellvander Christian Kjellvander official
Felsenkeller Leipzig tapete records

https://www.youtube.com/watch?v=6zcyh0E3MKk&list=RD6zcyh0E3MKk&start_radio=1

Text: Mathias Schulze Bild: David Möller

„Ich kann auf der Bühne wirklich frei sein“Der Leipziger Musiker „Thon“ stellt am 17. Januar im Naumanns Tanzlokal seine...
23/12/2025

„Ich kann auf der Bühne wirklich frei sein“

Der Leipziger Musiker „Thon“ stellt am 17. Januar im Naumanns Tanzlokal seine neue EP „No more Darkness“ vor. Grund genug, nachzufragen. Ein Gespräch über Drogen, Rampenlichter und „Dran-Musik“:

Lass uns über dein Verhältnis zur Kunst reden: Was passiert mit deiner Privatidentität, mit deinem Ego, wenn du auf der Bühne stehst? Ist das ein Kick, eine Droge?

Auch wenn das vollkommen paradox klingt: Auf der Bühne fühle ich mich mir selbst oft viel näher als im sogenannten „echten Leben“. Ich rücke da an den Kern, das Unterbewusste, das Unverstellte meines Ichs heran. Die Masken beginnen zu fallen, ich kann auf der Bühne wirklich frei sein. Ein Zustand, der im Privaten oft eher schwierig herzustellen ist. Ich glaube, dass ist der eigentliche Grund für meine Bühnensucht, die ich mit vielen Kollegen teile. Es geht gar nicht so sehr um Aufmerksamkeit und das Ego-Ding, was Bühnenmenschen ja so gerne unterstellt wird. Es geht darum, zur eigenen Quelle, zum wahren Ich durchdringen zu können. Und ja, das macht extrem süchtig. Das suchtet!

Wie schützt du dich vor dem Blenden des Rampenlichts?

Ich bin tatsächlich im wörtlichen Sinne auf Grund meiner Sehschwäche sehr lichtempfindlich. Da helfen Sonnenbrillen. Oder eben das Rausgehen im Dunkeln. Auf der Bühne entfaltet sich allerdings ein Zauber, der mich vor dem Blenden der Scheinwerfer schützt. Im metaphorischen Sinne erzeugt das Rampenlicht kein Blenden bei mir. Vielmehr öffnet es das Tor zu vielen Möglichkeiten.

Stichwort „Drogen“. Ohne Ross und Reiter zu nennen: Was siehst du diesbezüglich in der Leipziger Szene?

Ich habe nicht das Gefühl, dass Drogen eine große Rolle spielen. Auch wenn im Kunstumfeld naturgemäß eine gewisse Affinität dazu besteht. Alles andere musst du mit meinen Kollegen besprechen.

Na, das mache ich. Mal schauen, wer antwortet. Was bedeutet dein Deal mit Dran-Musik?

Der Deal mit „Dran“ ist ein großes Glück. Es handelt sich dabei um ein Netzwerk, ein Kollektiv von sehr engagierten Menschen, die versuchen die Leipziger Musikszene nach vorne zu bringen. Da ist kein Geld im Spiel. Alles eher im Gedanken von Low-Budget aber eben High-Spirit. „Dran“ veröffentlicht meine Musik analog und digital, wie es ein Label eben macht. Außerdem sind sie Ideengeber, Kontaktbörse zu anderen Bands, Promoter und vor allen Dingen: Sehr entspannte und coole Menschen. Ein so positives Umfeld ist für mich sehr wichtig, um konzentriert an meinem Projekt arbeiten zu können.

Pläne, Ziele für 2026?

Das Jahr startet auf jeden Fall krass. Noch im Alten, am 29. Dezember, supporte ich in der Moritzbastei Phillip Boa and the Voodooclub. Am 2. Januar kommt meine Single „Luft“ samt Video raus. Und das Ding ist ziemlich gut geworden.

Sind wir gespannt.

Am 16. Januar steht die EP Release „No more Darkness“ an. Und das werde ich am 17. Januar mit einem Konzert im Naumanns Tanzlokal feiern! Dazu habe ich großartige Leipziger Gäste eingeladen: „Zalvox“ und und „Lorning“. Ich hoffe natürlich, dass es so weiter geht. Es werden weitere Veröffentlichungen folgen. Außerdem eine kleine Tour. Ich lasse da auf jeden Fall jetzt keine Luft ran.

https://www.youtube.com/watch?v=yhVfUGiERd0&list=RDyhVfUGiERd0&start_radio=1

THON MUSIC
NAUMANNs Tanzlokal
Moritzbastei
facebook.com/profile.php?id=100063690576473

Text: Mathias Schulze Bild: Niklas Wolf

"Die aktuelle Entwicklung der Mietpreise ist unsympathisch und richtet sich gegen die Bedürfnisse der eigenen Bewohner u...
16/12/2025

"Die aktuelle Entwicklung der Mietpreise ist unsympathisch und richtet sich gegen die Bedürfnisse der eigenen Bewohner und Bewohnerinnen. Hat hier jemand „enteignen” gesagt? Und: Jedes Prozent für eine rechtsradikale Partei ist bekanntermaßen ein Prozent zu viel." (Julius Forster)

Die sechsköpfige Leipziger Band „Hotel Rimini” hat nicht nur ein neues Album mit dem schönen Titel „Gefährdete Arten“ herausgebracht, sondern spielt auch am 18. Januar um 20 Uhr im Schauspiel Leipzig. Musikalisch mischen sich bei der Band E-Gitarre, Kontrabass und Drums mit Cello und Violine. Piano und Akustikgitarre treffen auf Effektgeräte, hinzu kommt beispielsweise ein sporadisch eingesetztes Waldhorn. Und textlich widmet man sich wunderbar lakonisch den Krokodilstränen städtischer Wohlstandsproblematiker. Zwischen Rainald Grebe und Element of Crime vertont sich eine kosmische Verlorenheit. Ein schöner Soundtrack zur digitalen Einsamkeit. Grund genug, den Sänger Julius Forster, der eine schöne raue und schroff beiläufige Stimme hat, das „Letzte Wort” im Dezember zu erteilen

Wenn Sie in diesen Tagen an Leipzig denken, welches Kompliment würden Sie der Stadt und/oder ihren Bewohnern machen?

Die Stadt lässt Luft zum Atmen und Denken, bietet trotz des voranschreitenden Ausverkaufs noch viele kreative Räume und Platz für Ideen. Sie bleibt dabei angenehm unprätentiös, unaufgeregt aufregend. Und sie ist eine der wenigen deutschen Großstädte, über die man nicht rechtfertigend sagen muss, dass sie auch nette Ecken hat, weil sie von großflächiger Schönheit ist.

Welchen Tadel würden Sie der Stadt aussprechen?

Die aktuelle Entwicklung der Mietpreise ist unsympathisch und richtet sich gegen die Bedürfnisse der eigenen Bewohner und Bewohnerinnen. Hat hier jemand „enteignen” gesagt? Und: Jedes Prozent für eine rechtsradikale Partei ist bekanntermaßen ein Prozent zu viel.

Kriege, Klima, Inflation – überall Krisen. Wie gelingt es Ihnen, optimistisch zu bleiben?

Ein (un)gesundes Maß an Verdrängung gepaart mit dem Guten, was mich unmittelbar umgibt.

Welchen Kulturtipp in oder aus Leipzig würden Sie unbedingt empfehlen?

Leipzig hat ja einen ziemlich üppigen Strauß an Kultur zu bieten, deshalb hier eine willkürliche, absolut unvollständige Liste: Luru-Kino, Rotor Books, Westflügel, Feinkost, Glasfabrik, Heiter bis Wolkig, Noch Besser Leben, Besser Leben, Horns Erben, UT Connewitz, Schaubühne Lindenfels, NaTo, Schauspielhaus, Pittlerwerke, Spinnerei, Tapetenwerk, Villa Hasenholz, Musik von Damian Dalla Torre, Trio.Diktion, Ensemble Ambidexter, sink, CLANK, Das Paradies, Karl Die Große, Timm Völker. Und die (noch) kostenlosen Dauerausstellungen der einschlägigen Museen.

So, und jetzt wirklich: Ihr letztes Wort?

Fort!

www.hotelrimini-band.de Schauspiel Leipzig Hotel Rimini

Bild: Fabian Raabe

„Ich sehe viel Dummheit und Hass. Auf der anderen Seite - und das sind für mich die Helden der Neuzeit - sehe ich Mensch...
03/12/2025

„Ich sehe viel Dummheit und Hass. Auf der anderen Seite - und das sind für mich die Helden der Neuzeit - sehe ich Menschen, die sich engagieren für das Wohl Aller, sich nicht unterkriegen lassen von Feindseligkeit und Empathielosigkeit der Anderen und weiter an das Gute im Menschen glauben. Das sind in jedem Fall sehr viel mehr!“ (Stoppok, der am 12. Dezember im Anker gastiert, im Interview)

Der Liedermacher Stoppok, Jahrgang 1956 und geboren in Hamburg, spielt mit wunderbar schnoddriger Stimme Folk, Blues und Rock. Mit großartigen Songs wie „Aus dem Beton“ oder „Wetterprophet“ ist er auch im Osten der Republik bekannt geworden. Nun spielt er zusammen mit der Sängerin Tess Wiley im Leipziger Anker. Grund genug, bei Stoppok nachzufragen

Zum Konzert in Leipzig: Wer ist Tess Wiley? Warum begleitet sie Sie?

Tess ist eine wunderbare Sängerin aus Texas, die aber zur Zeit in Gießen wohnt, also unsere Ökobilanz nicht unnötig durch lange Flugreisen strapaziert. Obendrein spielt sie sehr groovy Gitarre und Piano und wir haben beide den gleichen Humor, was nicht nur in der Musik, sehr wichtig ist.

Sie werden nächstes Jahr 70 Jahre jung. Da darf eine Frage erlaubt sein: Was sehen und empfinden Sie, wenn sich in stillen Stunden ein Rückblick auf Ihr Leben eröffnet?

Dass ich bisher unwahrscheinliches Glück in meinem Leben gehabt habe, in jeder Beziehung. Ich mache seit satten 50 Jahren Musik, ohne Kompromisse, ohne irgendwelche kommerziellen Zugeständnisse. Habe unzählige Konzerte gespielt und gehe immer noch mit voller Begeisterung auf die Bühne, das ist schon fast unverschämt. Darüber hinaus habe ich tolle Kinder, eine Partnerin, die ich liebe und mit der ich seit Jahren glücklich bin, und kenne darüber hinaus so viel tolle, liebe Menschen, aus allen Teilen dieser Welt.

Spezieller gefragt: Was hat sich im Laufe der Jahre im Musikgeschäft verändert, was ist gleich geblieben? Gibt es Ratschläge, die Sie heute Newcomern ins Stammbuch schreiben würden?

Der Einfluss der großen Konzerne ist immer größer geworden und die versuchen die positive Kraft der Musik kaputt zu machen und alles zu kontrollieren. Dadurch wird es immer schwieriger, neue Impulse, die lebensnotwendig für unsere Gesellschaft sind, zu setzen. Junge Musiker haben es immer schwerer sich auszuprobieren und in der realen Welt, also vor Publikum ihre Erfahrungen zu sammeln. Viele Menschen gehen leider nur noch zu Konzerten, wenn sie die Künstler aus den Medien kennen und lassen sich nicht mehr auf spontane Neuentdeckungen mehr ein. Mein Tipp an Newcomer ist aber, sich trotz der verschärften Situation, nicht einlullen zu lassen und zu versuchen, seinem ganz eigenen Gefühl zu folgen und es hörbar zu machen.

Noch eine Frage zu Ihrer Wahrnehmung: Was sehen Sie auf Ihren Reisen durch Deutschland gerade für ein Land?

Ich sehe viel Dummheit und Hass. Menschen, die gar nicht mehr spüren, warum sie eigentlich leben und jeglichen Bezug zur Realität verloren haben und dadurch irgendwelche Schuldigen suchen, die möglichst so schwach sind, das sie auf denen rumtrampeln können. Auf der anderen Seite - und das sind für mich die Helden der Neuzeit - sehe ich Menschen, die sich engagieren für das Wohl Aller, sich nicht unterkriegen lassen von Feindseligkeit und Empathielosigkeit der Anderen und weiter an das Gute im Menschen glauben. Das sind in jedem Fall sehr viel mehr!

Welche Erinnerungen haben Sie an Leipzig?

Eine ganze Menge.

Beispiele?

Beispielsweise mein Auftritt im August 1989 am Völkerschlachtdenkmal vor ca. 70000 Menschen, kurz vor dem Mauerfall. Eine, logischerweise, sehr spezielle Situation, in jeder Hinsicht. Dann die ersten Auftritte danach, wo ich wirklich das Gefühl hatte, das die Menschen im Osten meine Texte besser verstehen als im Westen.

Kann das Rampenlicht blenden? Wie schützt man sich davor?

Wenn man eine eher labile Persönlichkeit ist, kann das Rampenlicht sehr gefährlich sein. Schützen kann man sich ganz einfach, in dem man versucht zu begreifen, dass man für das Publikum eine Projektionsfläche ist und man das von der eigenen Person trennen muss. Wenn man sich aber wie der King fühlt, weil einem ein paar Tausend Menschen zujubeln, hat man schon verloren.

Was ist Glück?

In Frieden zu leben! Keine Angst haben zu müssen und zu wissen wo man hingehört.

Bitte vollenden Sie den Satz: „Ohne Musik …

… kein Leben, keine Zukunft.

Stoppok feat. Tess Wiley, 12. Dezember, Leipziger Anker, 20 Uhr, www.stoppok.de der ANKER

Text: Mathias Schulze Bild: Thomas Willemsen
BU: Stoppok gastiert im Dezember mit Tess Wiley im Leipziger Anker.

"Ohne Beethoven wäre die Musik heute sicher eine andere.“ (Ragna Schirmer im Interview)Die Pianistin Ragna Schirmer und ...
28/11/2025

"Ohne Beethoven wäre die Musik heute sicher eine andere.“ (Ragna Schirmer im Interview)

Die Pianistin Ragna Schirmer und der Schlagzeuger Matthias Daneck, die am 31. Dezember das Programm "Bilder, Beat und Beethoven" in Halle spielen werden, spüren dem Rhythmus bedeutender Klavierkompositionen von Ludwig van Beethoven, Maurice Ravel oder Modest Mussorgsky nach. Grund genug, bei Schirmer nachzufragen:

In der Pressemitteilung ist zu lesen, dass Sie mit dem Schlagzeuger Matthias Daneck „dem Rhythmus in bedeutenden Klavierkompositionen nachspüren“. Können Sie den Ansatz des Abends erklären?

Natürlich, gerne: Tasteninstrumente sind grundsätzlich sehr vielfältig. Man kann - im Gegensatz zu vielen anderen Instrumenten - am Klavier mehrstimmig spielen, ganze Orchestersätze sind als Adaption möglich. Neben all den wunderbaren Melodien spielt aber auch das rhythmische Element in der Musik immer eine große Rolle. Wenn wir nun als Duo „PiaCussion“ das Piano mit Percussion kombinieren, können wir die rhythmischen Aspekte in Klavierstücken betonen, ergänzen oder auch brechen, indem beispielsweise das Schlagzeug andere Rhythmen spielt als das Klavier. So öffnen sich neue Welten.

In der Pressemitteilung wird auch der Brückenschlag von Ludwig van Beethoven zum „Swing“ erwähnt. Können Sie diese Gedanken so erläutern, dass sie der „gewöhnliche Hörer“ versteht?

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts geschah in der Musik sehr viel Innovatives. Wenn man späte Klavierstücke von Mozart mit frühen Kompositionen von Chopin oder Schumann vergleicht, dann ist kaum zu glauben, dass dazwischen nur wenige Jahrzehnte liegen. Ein wichtiger Wegweiser war Ludwig van Beethoven. Interessanterweise hat er einerseits Strukturen durchbrochen, beispielsweise die strengen Formen von Sinfonien und Sonaten verlassen, andererseits aber eine neue Strenge in der Notation begründet, indem er keine Improvisationen in seinen Werken mehr zuließ und genau bezeichnete, wo welcher Akzent zu setzen sei und wann genau welche Dynamik. Ohne Beethoven wäre die Musik heute sicher eine andere. Und sein Umgang mit Rhythmus ist unvergleichlich: Hört man den Beginn der Waldsteinsonate, dann kann man kaum ruhig auf dem Stuhl sitzen bleiben. Er wiederholt denselben Akkord dreizehn Mal mit unterschiedlichen Betonungen. So kommt eine unglaubliche Bewegung in die Musik. Genau das ist doch „Swing“ ...

Sie sind 1972 in Hildesheim geboren. Wann kamen Sie nach Halle? Wo wohnen Sie aktuell?

Ich wohne seit 1996 in Halle. Derzeit beziehe ich zusätzlich noch eine Arbeitswohnung in Zürich. Wo sich langfristig mein Lebensmittelpunkt befinden wird, muss sich noch entscheiden.

Wie haben Sie denn damals „den Osten“ wahrgenommen? Wie nehmen Sie ihn heute wahr?

Das ist eine komplexe Frage. Ich hatte schon als Kind sehr viel Beziehung zur damaligen DDR, da meine Großmutter Bernburgerin war. Nicht nur aus biographischen Gründen interessierte ich mich für „den Osten“, sondern als Musikerin natürlich auch aus kulturellen. In den 90er Jahren wehte ja wortwörtlich ein „Wind of Change“, und ich wollte dabei sein, mitgestalten. So zog ich nach Halle und beteiligte mich aktiv an Diskussionen und kulturpolitischen Gremien. Ich empfand mich als „Wossi“.

Damals …

… ging es für junge Menschen auch und vor allem darum, wie gesellschaftlich relevante soziale Ideen des Zusammenhalts über die als überstülpt empfundene Wiedervereinigung gerettet werden könnten. „Wir sind das Volk“ sollte ja nicht nur die Mauer eingerissen haben, sondern als Idee auch fortgesetzt werden. Wenn ich mir heute die politische Landschaft anschaue, ist das leider nicht gelungen. Es schmerzt mich sehr, dass wir nach mehr als dreißig Jahren immer noch von den „fünf neuen Bundesländern“ sprechen. Eine echte Wiedervereinigung hat offenbar nie stattgefunden. In unserem Programm „VolkseigenTon“ mit Axel Ranisch setzen wir uns mit der Lyrik und Musik der DDR auseinander und werfen Fragen über die Rolle der Kultur in einem Staat auf. Wenn wir dieses Programm spielen oder als CD verschenken, wird oft sehr emotional reagiert und hinterher diskutiert. Das zeigt uns, wie aktuell diese Themen immer noch sind und wie schmerzhaft die Lebens-Brüche vieler Biographien.

Zur Musik, zu Ihrer Identität: Was ist das genau für ein Verhältnis, das Sie als Pianistin zu Ihrem Instrument, zur musikalischen Tätigkeit pflegen? Ist es eine reine Liebesbeziehung? Was gibt Ihnen das Musizieren?

Eine interessante Frage. Auf jeden Fall ist es eine Liebesbeziehung, die längste meines Lebens. Für eine große Liebe setzt man sich ein, investiert Energie, sie hat oft Priorität vor anderen Aspekten. Da die Musik auch mein Beruf ist, und zwar als Pianistin und Pädagogin, nimmt sie den breitesten Raum meines Lebens ein und ich kann mich nicht erinnern, je an dieser Beziehung gezweifelt zu haben.

Pläne, Ziele?

Ganz aktuell folge ich dem Ruf als Professorin nach Zürich und möchte meine Arbeit dort etablieren. Ich bekomme viel positive Rückmeldung über meinen Unterricht, was mich sehr freut. Auch Engagements für Klavierkonzerte in der Schweiz sind angefragt, so dass ich zunächst vollends beschäftigt bin, die bestehenden Aufgaben in Deutschland und die neuen in der Schweiz zu vereinen.

Was ist Glück?

Glück ist für mich, eins zu sein mit sich und der Welt. Wenn das empfundene Ego weder zu groß ist noch zu klein, wenn ich in Resonanz bin mit den Schwingungen um mich herum, dann bin ich glücklich. Diesen Zustand kann ich am leichtesten am Klavier herstellen. Aber auch in anderen Bereichen des Lebens bemühe ich mich um diese glücklichen Schwingungen.

Bilder, Beat und Beethoven - Silvester mit Ragna Schirmer & Matthias Daneck, 31. Dezember, Steintor-Varieté Halle, 17 Uhr, Tickets: www.kaenguruh.de Känguruh Production

Text: Mathias Schulze Bild: Maike Helbig
BU: Ragna Schirmer spielt am 31. Dezember im Steintor-Varieté das Programm „Bilder, Beat und Beethoven“.

Weihnachtsgeschenk gesucht? Game of Thrones & House of the Dragon am 2. Februar um 19.30 Uhr im Anhaltischen Theater Des...
26/11/2025

Weihnachtsgeschenk gesucht?

Game of Thrones & House of the Dragon am 2. Februar um 19.30 Uhr im Anhaltischen Theater Dessau, am 7. Februar um 16 Uhr im Leipziger Gewandhaus

Die packenden Geschichten und legendären Charaktere der beliebten Fantasy-Serien „Game of Thrones“ und „House of the Dragon“ werden musikalisch bei diesem Konzert zum Leben erweckt. Mit über 150 Aufführungen in vier Ländern hat sich die erfolgreiche Konzertreihe „Game of Thrones – The Concert Show“ bereits als äußerst populär erwiesen. Jetzt, in Kombination mit der Nachfolgeserie „House of the Dragon“, entfaltet sich ein weiteres Show-Erlebnis.

Game of Thrones & House of the Dragon, 2. Februar um 19.30 Uhr im Anhaltischen Theater Dessau, am 7. Februar um 16 Uhr im Leipziger Gewandhaus, alle Termine: www.highlight-concerts.de Highlight Concerts

Bild: Lessa Räbiger

Es ist kalt geworden. Unser Versuch, eure Herzen zu wärmen, kommt pünktlich: Hier kommen die Verlosungen für den Dezembe...
25/11/2025

Es ist kalt geworden. Unser Versuch, eure Herzen zu wärmen, kommt pünktlich: Hier kommen die Verlosungen für den Dezember und Januar. Ihr kennt das Spiel!

Daniel Schmahl und Karolina Juodelyte, Konzert
1. Dezember, Ulrichskirche Halle, 17 Uhr, 1x2 Tickets
Kennwort: Himmlische Weihnacht

Apokalypse Miau, Theater
7. Dezember, neues theater Halle, 19.30 Uhr, 1x2 Tickets
Kennwort: Miau

Claudia Michelsen, Lesung
9. Dezember, Felsenkeller Leipzig, 19 Uhr, 1x2 Tickets
Kennwort: Michelsen

Ulrich Tukur & Die Rhythmus Boys, Konzert
10. Dezember, Gewandhaus Leipzig, 19.30 Uhr, 1x2 Tickets
Kennwort: Tukur

Congoroo, Konzert
13. Dezember, Objekt 5 Halle, 20 Uhr, 1x2 Tickets
Kennwort: Congoroo

Moving Shadows, Musical
18. Dezember, Steintor-Varieté Halle, 20 Uhr, 1x2 Tickets
Kennwort: Shadows

Toni Krahl, Konzert
29. Dezember, Steintor-Varieté Halle, 19.30 Uhr, 1x2 Tickets
Kennwort: Krahl

Ragna Schirmer, Konzert
31. Dezember, Steintor-Varieté Halle, 17 Uhr, 1x2 Tickets
Kennwort: Schirmer

Ulrich Tukur & Die Rhythmus Boys, Konzert
7. Januar, Steintor-Varieté Halle, 19.30 Uhr, 1x2 Tickets
Kennwort: Boys

Danceperados of Ireland, Show
9. Januar, Steintor-Varieté Halle, 19 Uhr, 1x2 Tickets
Kennwort: Ireland

Woods of Birnam, Konzert
11. Januar, Leipziger Werk2, 20 Uhr, 1x2 Tickets
Kennwort: Woods

Schlager & Spaß, Konzert
12. Januar, Steintor-Varieté Halle, 16 Uhr, 1x2 Tickets
Kennwort: Borg, Rausch, Andrews

Katharina Thalbach, Lesung
15. Januar, Steintor-Varieté Halle, 19.30 Uhr, 1x2 Tickets
Kennwort: Thalbach

Toni Krahl, Konzert
18. Januar, Gewandhaus Leipzig, 19.30 Uhr, 1x2 Tickets
Kennwort: Toni

Marcus Wiebusch & Craig Finn, Konzert
19. Januar, Leipziger Werk2, 20 Uhr, 1x2 Tickets
Kennwort: Wiebusch

Kirsten Fuchs, Lesung
20. Januar, Leipziger Werk2, 20 Uhr, 1x2 Tickets
Kennwort: Fuchs

Romy Hausmann & Fortuna Ehrenfeld, Konzert
21. Januar, Leipziger Werk2, 20 Uhr, 1x2 Tickets
Kennwort: Hausmann

Dub Spencer & Trance Hill, Konzert
23. Januar, Leipziger Werk2, 20 Uhr, 1x2 Tickets
Kennwort: Spencer

Kind Kaputt, Konzert
24. Januar, Leipziger Werk2, 20 Uhr, 1x2 Tickets
Kennwort: Kind

Wladimir Kaminer, Lesung
28. Januar, Steintor-Varieté Halle, 19.30 Uhr, 1x2 Tickets
Kennwort: Kaminer

Northern Lite, Konzert
31. Januar, Steintor-Varieté Halle, 19.30 Uhr, 1x2 Tickets
Kennwort: Northern Lite

Transmission – The Sound of Joy Division, Konzert
31. Januar, Leipziger Werk2, 20 Uhr, 1x2 Tickets
Kennwort: Transmission

Weihnachtsgeschenk gesucht? Schwanensee, am 17. Januar um 20 Uhr in der Händel-Halle in Halle, am 28. Februar um 20 Uhr ...
24/11/2025

Weihnachtsgeschenk gesucht?

Schwanensee, am 17. Januar um 20 Uhr in der Händel-Halle in Halle, am 28. Februar um 20 Uhr im Gewandhaus Leipzig

„Schwanensee“, das wohl bekannteste Ballett von Peter I. Tschaikowski, verzaubert seit 1877 Generationen von Zuschauern mit seiner traumhaften Handlung und seiner unverwechselbaren Musik. Die poetische Choreografie und die ikonischen Schwan-Figuren verleihen dem Werk eine besondere Magie und Ästhetik, die sowohl Tänzer als auch Publikum fasziniert. Im kommenden Jahr ist das Ballett unter der künstlerische Leitung von Rimma Wachsmann in Mitteldeutschland zu erleben.

Schwanensee, am 17. Januar um 20 Uhr in der Händel-Halle in Halle, am 28. Februar um 20 Uhr im Gewandhaus Leipzig, alle Termine: www.highlight-concerts.de Highlight Concerts

Bild: Pavel Pass

„Ich bin früher, auf meinem Schulweg, an russischen Panzern vorbeigegangen, musste manchmal vor der ersten Stunde zum Ap...
22/11/2025

„Ich bin früher, auf meinem Schulweg, an russischen Panzern vorbeigegangen, musste manchmal vor der ersten Stunde zum Appell antreten, kenne Leipzig noch als schwarz und verrußt. Und die USA begann am Ende einer hellblauen Straße in Köln - zumindest in meiner kindlichen Phantasie.“ (Jörg Wolschina im Interview)

Der Ex-Leipziger Jörg Wolschina schlägt mit seinem Musikprojekt „Der Elegante Rest“ mal wieder in der Messestadt auf. Am 22. November spielt er zusammen mit der Band „Hallo Volte“ im Neuen Schauspiel. Grund genug, bei Wolschina nachzufragen

Wo wohnen und leben und arbeiten Sie jetzt? Wie sieht eine Durchschnittswoche bei Ihnen aus?

Ich lebe, wohne und arbeite die meiste Zeit noch in Berlin. Aber, das ist nicht jeden Tag so. Im Februar habe ich mich beispielsweise mit dem Ex-Manager von „Wanda“ in Wien auf zwei alkoholfreie Bier getroffen, letztes Jahr wurde ich vom Goethe-Institut nach Hanoi eingeladen, um über Pflegeberufe in Deutschland zu sprechen, weil ich die Filmmusik zu einer Doku zu diesem Thema gemacht habe. Und im Juni diesen Jahres spielte ich mit dem Querflötisten der Weimarer Staatskapelle ein kleines Lied zu einer Einschulung.

Interessant.

Was ich damit sagen will: Allein „Der Elegante Rest“ könnte meinen aktuellen Lebensstandard nicht halten. Das war aber auch nie die Idee. Ich stehe also jeden Tag zwischen sechs und sieben Uhr auf und gehe noch anderen Tätigkeiten nach. Da treffe ich dann manchmal den Botschafter von Kenia, Anne Imhof oder auch Nils, der auf dem aktuellen Album von „Der Elegante Rest“ eine ziemlich verschärfte Free-Jazz-Trompete mit Delay spielt ..

Lassen Sie uns zurückblicken: Wie fing das Ganze 2007 in Leipzig an? Welche Erfahrungen stehen zu Buche? Welcher Reiz hält das Projekt „Der Elegante Rest“ am Leben?

Das Musikmachen fing schon knapp sieben Jahre vorher in Weimar an. 2007 bin ich zum Musikstudium nach Leipzig gekommen, habe an der Hochschule für Musik und Theater viele coole Personen getroffen, mit denen ich in den letzten Jahren Musik gemacht habe und immer noch mache. Beispielsweise Andreas Schwaiger, Philipp Rohmer, Daniel Dexter, aber auch „Arpen“ und „Lot“. Allerdings fällt mir gerade kein Moment ein, in dem ich mich bewusst gefragt haben könnte, was ich mit meinem Leben anfange, nur um dann die Entscheidung zu treffen, Musiker zu werden. Die Übergänge sind eher fließend gewesen. Keine harten Schnitte. Insofern stelle ich mir auch jetzt nicht die Frage nach dem Reiz, beziehungsweise ich versuche, es zu vermeiden. Er ist halt immer noch da. Nennen Sie es die Lust am Experimentieren - in diesem Fall mit Musik und Wörtern. Und das, was aus oder in dem Experiment entsteht, mit Anderen aufzuführen - im besten Fall vor Publikum, auf der spanischen Treppe.

Was würde in Ihrem Leben fehlen, wenn es Ihr Musikprojekt nicht geben würde?

Ein Musikprojekt. Ich würde dann definitiv eins erfinden müssen. Und es „Die Eleganten Reste“ nennen.

Macht Sinn. Was sehen und empfinden Sie heute, wenn Sie durch Leipzig laufen?

Im Moment erscheint mir Leipzig als das bessere Berlin, aber ich kenne es auch andersherum: In Leipzig wohnen, Berlin vermissen. Ich glaube, ich mag Städte wie Leipzig und Berlin. Wien zum Beispiel.

Nehmen wir nochmals 2007 in den Blick: Wie hat sich Ihr Blick aufs Musikerleben, aufs Musikgeschäft seitdem verändert?

Das sollten sie lieber Taylor Swift oder Dieter Bohlen fragen - ich glaub, die kennen sich besser mit Musikbusiness-Fragen aus. Mein Blickwinkel ist ähnlich wie 2007. Es könnte aber sein, dass sich der allgemeine Stellenwert von Musik in unserem Leben verändert hat. Weg von Transzendenz und hin zu mehr Untermalung. Mood Music. Ich will jedenfalls in Zukunft wieder mehr Konzerte spielen.

In einer Rezension las ich eine Ansage, die Sie bei einem Konzert sprachen: „Wir sind der elegante Rest aus der DDR“. Fühlen Sie sich als Ossi? Woran erkennen Sie heute ihre DDR-Prägung, Sozialisierung?

Diese Ansage war ursprünglich als Eisbrecher gedacht. Eine nette Provokation, mehr eigentlich nicht. Die wurde dann aber, besonders von einem Musikmagazin, als wörtlich genommen. „Der Elegante Rest“ stand somit für eine kurze Zeit unter Ostalgie-Verdacht. Zumindest in Deutschland. Denn in Wien, als wir da im „Café Carina“ zum ersten Mal aufgekreuzt sind, war das kein Problem. Da riefen zwei, sich offensichtlich gut amüsierende, ältere Herren im Publikum: „Leipziger Schmäh!“. Aber zuhause, von 2007 bis etwa 2012, waren die Genre-Grenzen noch nicht so flüssig, beziehungsweise komplett verschwunden, wie sie das heute sind. Früher „Karat“ mit „Oasis“ und einer Prise Carla Bley vermischen, war nahezu unmöglich. Wie auch immer: Ein bisschen DDR hab’ ich schon miterlebt.

Was?

Ich bin früher, auf meinem Schulweg, an russischen Panzern vorbeigegangen, musste manchmal vor der ersten Stunde zum Appell antreten, kenne Leipzig noch als schwarz und verrußt. Und die USA begann am Ende einer hellblauen Straße in Köln - zumindest in meiner kindlichen Phantasie. Trotzdem habe ich mich nie als „Ossi“ wahrgenommen, beziehungsweise meine Umgebung als die neuen Bundesländer. Das kam immer von außen. Aber es wird mit Sicherheit Spuren bei mir hinterlassen haben, dass ich die ersten paar Jahre meines Lebens in einem Land verbracht habe, dessen Regierung es dir verboten hat, in Länder zu reisen, welche nicht dasselbe Staatssystem wie die DDR hatten. Mein Vater wurde allerdings, als konzertierender Musiker und Komponist für zeitgenössische Musik, immer wieder mal vom sogenannten „Westen“ für vereinzelte Gastspiele eingeladen. Insofern fühlte ich mich jetzt nicht komplett von der Außenwelt abgeschnitten.

Was ist Glück?

Es soll ja Orte geben, über die die Behauptung aufgestellt wird, dass du in ihren jeweiligen Grenzen dein Glück findest. Aber letztendlich ist Glück überall. Und ich behaupte jetzt auch mal, dass es für die meisten von uns in der Zukunft liegt. Die, die zu wenig haben, suchen es höchstwahrscheinlich. Und die mit Glück – die wollen es behalten. Beispielsweise bei rot über die Straße gehen und am Leben bleiben, Quality-Time mit deinem Idol, zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Was mich manchmal auch glücklich macht, sind kleine, vielleicht sogar mit Abstand betrachtet, selbstverständliche Gesten.

Beispiel?

Ich gehe nach einem anstrengenden Tag leicht genervt um eine Ecke und stoße mit einer anderen Person zusammen. Wir lächeln dann und entschuldigen uns gegenseitig. Glück ist ein Klassiker. So wie die aktuelle, gleichnamige Single von „Der Elegante Rest“: „…schöne Luft zu atmen. Ich könnte jetzt sagen: Is doch bloß ein Moment – so was liegt gerade im Trend und reih’ mich ein in die Schlange des Glücks. Für eine Nacht.“

Der Elegante Rest & Hallo Volte, 22. November, Neues Schauspiel, 20 Uhr, www.dereleganterest.de Der Elegante Rest
Neues Schauspiel Leipzig

Text: Mathias Schulze Bild: Leroy Sanders

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Leipzig

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