30/05/2026
Die Vogteier und ihre Traditionen
Von 1333 bis 1803 gehörten die Vogteier zum Amt Treffurt, wegen seiner Entstehung auch Ganerbschaft Treffurt genannt. In der Praxis bedeutete das, die Vogteier wurden von ihren Nachbarn regiert und beherrscht. Kursachsen, Hessen und vor allem das Erzstift Mainz herrschten gleichzeitig über die drei Dörfer, aber nicht im Sinne der Vogteier, sondern im Interesse ihrer Länder. Dazu kam ein ständiges Stänkern aus Richtung der Reichsstadt Mühlhausen. Mühlhausen, Kursachsen, Mainz und Hessen versuchten ständig, ihre Interessen gegen die Vogteier durchzusetzen. Oppershausen und Kammerforst gehörten bis 1815 zu Kursachsen.
Der ständige Druck prägte die Vogteier und gab ihnen ihre Identität, also ihr Selbstverständnis als Vogteier. Wie drückte sich das aus? Die Vogteier besannen sich auf ihre Traditionen und alten Rechte, die sie sich gegen die Ganerben erkämpft hatten. Nachdem 1803 die Vogtei zum Königreich Preußen kam, verloren die Vogteier ihre alten Rechte. Es galt preußisches Recht für alle. Was blieb also?
Es blieben die alten Traditionen. So lange die Vogteier ihre alten Traditionen lebten, so lange waren und sind sie Vogteier. Deshalb passten die Vogteier ihre Traditionen an, an das Mögliche, an den Zeitgeist, an die Mode.
Die Traditionen reisten mit den Vogteiern durch die Zeit. Deshalb bleiben die Traditionen immer jung, ändern sich, passen sich an. Bleiben. Und es kommen neue Traditionen dazu.
Das Schöne: Wer zuzieht und mitmacht, gehört dazu.
Die drei Vogteier Dörfer unterscheiden sich nicht sooo sehr von ihren Nachbardörfern. Nur der Stolz macht sie schöner. Auch ihre Sprache, das Vogteier Platt, gehört zum Thüringer Platt und wurzelt im Mittelhochdeutschen. Was die Vogteier zu Vogteiern macht, das sind ihre eigenen Traditionen.
Vogteier und ihre Traditionen gehören zusammen. Die alten Rechte sind vergangen, die alten Herrschaften verschwunden. Geblieben sind die Menschen und ihre Bräuche. Solange die Vogteier ihre Traditionen leben, lebt auch die Vogtei.