17/08/2026
„[…] Ein deutsches Shenzhen – ein rechtlich abgegrenztes Territorium als echte Sonderwirtschaftszone mit minimaler Regulierung, niedrigen Steuern sowie maximaler Vertragsfreiheit – wäre schlagartig ein Magnet für internationales Kapital, unternehmerische Dynamik und hochqualifizierte Talente aus aller Welt. Hundert solcher Freizonen über den europäischen Kontinent verteilt würden die Alte Welt tatsächlich wieder zu einem der dynamischsten Wirtschaftsräume des Planeten machen – ironischerweise genau die Vision, die die EU versprach und nie gehalten hat.
Das Herausragende an diesem Paradigma ist seine vollkommene Kompatibilität mit einem gelähmten politischen Apparat. Wenn ein solcher Schritt für die Nomenklatur der Kommunistischen Partei Chinas möglich war, dann ist er erst recht für verunsicherte CDU-Politiker gangbar. Auch die hiesigen Eliten spüren in lichten Momenten, dass ihre Regulierungsutopien in der Sackgasse stecken; was ihnen fehlt, ist ein gesichtswahrender Ausweg. Sonderwirtschaftszonen bieten genau dieses Narrativ: Sie versprechen ökonomisches Wachstum und Wohlstand, ohne dass man das bestehende Steuer- und Sozialrecht mühsam gegen den Widerstand von Lobbys und Gewerkschaften umbauen müsste.
Selbst die Europäische Kommission hat mit Initiativen wie dem Konzept des „28. Regimes“ (EU Inc.) im Ansatz erkannt, dass es einfacher ist, eine neue europäische Option für Unternehmensgründungen neben die zähen notariellen Gründungsprozesse für Kapitalgesellschaften der Mitgliedsstaaten zu stellen, anstatt zu versuchen, die nationalen gewachsenen bürokratischen Gepflogenheiten direkt abzuschaffen. Wir können diesen Gedanken konsequent weiterdenken: Warum schaffen wir nicht rechtliche Freiräume nach dem Muster europäischer Überseegebiete – wie Französisch-Guayana oder Sonderstatus-Inseln –, die geografisch mitten in Europa liegen, aber von den lähmenden EU-Verordnungen ausgenommen sind? Juristisch ist das möglich.
Unsere strategische Aufgabe als Libertäre sollte es daher nicht länger sein, im Hamsterrad der Parteienpolitik um fünfprozentige Steuersenkungen zu bitten oder vergebens auf den großen Befreiungsschlag einer politischen Kettensäge zu hoffen. Wir sollten unsere Energie darauf konzentrieren, die intellektuellen, juristischen und organisatorischen Baupläne für solche Sonderzonen so präzise und attraktiv auszuarbeiten, dass sie von festgefahrenen Regierungen – jedweder Richtung – in Momenten der Ausweglosigkeit einfach als vorgefertigte Instrumente ergriffen und umgesetzt werden können. Machen wir es den Politikern einfach, sich selbst überflüssig zu machen.“
Autor: Robert Bernhardt
Artikel: Sonderzonen statt Kettensäge
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Am Stammtisch heißen wir Robert Bernhardt herzlich willkommen. Er zeigt, warum die große politische Kettensäge in Deutschland kaum funktionieren kann – und warum echte Freiheit vielleicht ganz anders entstehen könnte: durch Sonderwirtschaftszonen nach dem Vorbild von Shenzhen.