16/08/2026
Mutti, das Pflegeheim und ich.
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Unser drittes Sommerfest hier. Essen vom Grill & Schlagermusik vom Alleinunterhalter. Es wird gegessen, getanzt (meist im Sitzen) und vor allem – gesungen. Textsicher sind ganz viele hier. Mich beeindruckt, wie aller MitarbeiterInnen sich engagieren für ein gelungenes Fest. Nicht alle sind begeistert, aber alle machen mit. Und manche verbreiten richtig gute Laune. Sogar die Leiterin des Pflegeheims ist hochschwanger nochmal aus dem Mutterschutz zu Besuch und packt mit an. Das ist alles keine Selbstverständlichkeit, finde ich.
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Beim ersten Sommerfest hier hat mein Vater noch gelebt und Mutti und Papa – die 40 Jahre getrennt waren und sich hier wiedergetroffen haben – erzählten mit leuchtenden Augen vom ihrem Kennenlernen, wie gerne sie ausgegangen sind und getanzt haben. Kurz nach dem Sommerfest 2024 starb mein Vater und deshalb wird dieses Fest immer auch mit diesen letzten Erinnerungen an ihn verknüpft sein. So zeige ich auch dieses Jahr den Menschen, die uns damals noch nicht kannten, die Bilder von diesem ungewöhnlichen, surrealen Sommer, an dem ich meine Eltern noch einmal gemeinsam um mich hatte.⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀
Heute möchte Mutti in diesem ganzen Chaos aus Bewohnern, Mitarbeitern und Angehörigen, zwischen Wurst und Getränken zu meinem Leidwesen vor allem dauernd „rumgeschoben“ werden. „Schieb mich wieder rum“ lautet ihre recht unfreundliche, aber sehr bestimmte Anweisung. Ich würde gerne sitzen, quatschen, in Ruhe essen, mich ausruhen, den Sommertag genießen - aber um mich geht es hier nicht.
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„Sie spielt mit dir, merkst du das nicht“ raunzt mich eine der Pflegekräfte an und meint es gut, ich weiß. Ich bin aber zur Zeit in einem anderen Modus: Ich habe mir vorgenommen, Muttis „Anweisungen“ wieder mehr als ein Akt der Selbstwirksamkeit wahrzunehmen und als eine Möglichkeit Autonomie und Lebendigkeit zu erfahren („Ich bin noch da.“) Diese Erkenntnis habe ich mir mühevoll erarbeitet, was es immer noch nötig macht, Grenzen zu setzen, aber ich trainiere, nicht mehr jeden „Befehl“ von ihr als einen Akt zu sehen, der gegen mich gerichtet ist.
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