08/09/2026
Jetzt liegen nach der neuen PISA-Studie die Kenntnisse der 15-Jährigen in Deutschland im Lesen, in Mathe und in den Naturwissenschaften also nur noch im OECD-Schnitt und sind damit so schlecht wie nie. Das ist unerfreulich und ruft nach Maßnahmen. Ein Skandal seit einem Vierteljahrhundert ist aber, dass in der vergleichsweise reichen Bundesrepublik die Abhängigkeit des Bildungserfolgs von der Herkunft der Familie riesig geblieben ist. Und dass die Schere immer weiter auseinandergeht. Lange Zeit haben baden-württembergische CDU-Bildungspolitiker auf diese Erkenntnis hartleibig reagiert und veränderungsunwillig. Längeres gemeinsames Lernen und Lehren wurde verunglimpft, die Gemeinschaft- als Einheitsschule diffamiert und frühkindlicher Bildung keinerlei Priorität eingeräumt. Doch die Zeiten ändern sich, der neue – bekanntlich fachfremde – Kultusminister Andreas Jung reagiert überraschend deutlich auf die PISA-Studie 2025. „Dieser Rückschlag bei der Bildungsgerechtigkeit trifft uns ins Mark“, sagt der CDU-Bundesvize und Stellvertreter von Parteichef Friedrich Merz. Und Jung hat ein Herz für Reformen: „Es stellt sich die Frage, ob wir bei der Erfassung von Sprach- und Entwicklungsständen noch früher ansetzen und noch stärker kindgerecht fördern können als bislang im Schnitt mit 4,3 Jahren.“ In den ersten Jahren würden „entscheidende Weichen“ gestellt. 30 Prozent der Kinder in Baden-Württemberg seien im Schnitt aber ungenügend auf den Schulstart vorbereitet, weil sie nicht gut genug Deutsch sprächen oder Defizite in der Entwicklung aufwiesen: „Für sie ist das wie eine Bleiweste beim Schulstart, deshalb müssen wir noch mehr tun, um ihnen einen guten Start ihres Bildungswegs zu ermöglichen.“ Würde er sich durchsetzen mit diesen Plänen, ginge das sogar deutlich über den Koalitionsvertrag von Grünen und CDU hinaus. 25 Jahre nach dem ersten PISA-Schock könnten die Weichen tatsächlich endlich in Richtung Bildungsgerechtigkeit gestellt werden. (jhw)
Immer wieder berichtete Kontext über Bildungsungerechtigkeit und -abstieg. Etwa hier 2024. Mehr im Kommentarbereich.
Das Schulsystem in Baden-Württemberg soll gerechter werden, doch CDU und FDP wollen zum Schulfrieden weiter an Hauptschulen und Realschulen festhalten.