17/06/2026
Was hier wächst, was da, was weiß ich alles schon. Wo ich naschen kann, noch unreif, noch nicht schwarz, sauer und wach. Süß und rot hinterher. Dann du plötzlich in meinem Weg, fremd, noch nie so gesehen, weil Blume, halb abgeknickt, öffnest du deinen Mund dem Wind. Wer bist du, im Gespräch mit dem Farn nebenan, schreist du ihn an? Stummer Schrei, vor Schmerz über den Knick, den dir wer noch mal verpasst hat? Du lässt dich nicht pflücken. Spielst Schranke oder Ameisenbrücke. Schreiben soll ich, schreist du mir zu, über deine Farbe, die ich nicht verrate, abgelenkt von gelben Schuhen, die dem Farn gehören, an schwarzen Beinen wachsen sie aus ihm heraus, womöglich auch deinetwegen. Ob auch er die Farbe deiner Zunge verschweigt? Dein Kleid. Mir so fremd wie alles, was nicht essbar ist und einfach nur schön, zum Pflückenwollen schön, oder eigen zumindest – wer war das? Mein Kind? Im Vorbeigehen und ließ dich halbgepflückt stehen. Ich nehme dich mit. Und erfahre deinen Namen: Taglilie. Ich teile mein Glas mit dir.
Brombeerschloss, 13. Juni 2026
Schreibnachmittag mit Nina Lenz Nina Lenz
Jede Formulierung ein eigener Blick auf diesen Garten, den wir schreiben und weiterträumen.
Fotos: Lena Zoe Dernai