04/06/2026
"Nichts ist für die Ewigkeit.“ So lautet eine Volksweisheit. Und ich finde: Sie stimmt. Was ich sehe, was ich habe, was mir unendlich wichtig vorkommt. Alles ist endlich und damit nicht für die Ewigkeit: mein Haus, mein Auto, mein Beruf, mein ganzes Leben. Auch meine Texte hier in SWR1, sogar wenn sie sich mit der Ewigkeit beschäftigen. Was ich hier sage, ist eine Momentaufnahme, die morgen schon wieder überholt sein kann. Ich suche nach der Wahrheit, nach dem, was Bestand hat, und finde doch nur Vergängliches.
Was ist dann aber mit dem folgenden Satz, der heute an Fronleichnam in den katholischen Gottesdiensten eine zentrale Rolle spielt: Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben[1]. Es gibt kein Brot und auch sonst nichts, das ewiges Leben schenkt. Menschen haben immer wieder damit experimentiert, ohne je etwas gefunden zu haben. Für manche ist es eine verlockende Vorstellung, das Altern stoppen zu können. Eine gesunde Ernährung, Methoden sich selbst zu optimieren – die Ideen dazu schießen wie Pilze aus dem Boden.
Das ist aber alles mit diesem biblischen Gedanken nicht gemeint. Als Jesus den Satz vom Brot der Ewigkeit sagt, löst er damit bei dem anwesenden Menschen eine große Irritation aus. Er soll etwas haben, dem der Tod nichts anhaben kann? Er behauptet: Es gibt auf dieser Welt doch etwas für die Ewigkeit. Etwas, das die Grenze zum Himmel überwinden kann. Etwas, das sich nicht den Gesetzen von Raum und Zeit unterwerfen muss, weil es aus dem Himmel, aus der Ewigkeit stammt: Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben.[2]
Um zu verstehen, was Jesus damit meint, muss man jeden Gedanken an Kannibalismus oder Zauberei beiseitelegen. Jesus sagt auf seine Weise, dass er der Weg ist, um in die Ewigkeit zu kommen. Konkret heißt das: Wie er leben – menschenfreundlich, großherzig, gütig. An ihn glauben, der aus Liebe in den Tod ging. Das ist die Richtung, die Christen einschlagen sollen. Und damit sie wenigstens etwas in der Hand haben, einen Vorgeschmack des Himmels, vergleicht Jesus sich mit Brot. Ich bin wie das wichtigste Lebensmittel. Schlicht und unverzichtbar.
Daran denken Katholiken heute an Fronleichnam, wenn sie ein kleines Stückchen Brot verehren; es durch die Straßen tragen, vor ihm das Knie beugen, Blumen streuen, feierliche Lieder singen. Weil sie glauben: Mit Jesus bin ich gerettet. Mit ihm gehe ich in die Ewigkeit.
/ Thomas Steiger mit "Kann der Mensch ewig leben?" im SWR1 3vor8 Beitrag.
[1] Johannes 6,51b
[2] Johannes 6,51ab