Kirche im SWR

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Ich finde, es sollte nur zwei Kategorien von Menschen geben: Die, die allein klarkommen und die, die sich helfen lassen....
09/09/2026

Ich finde, es sollte nur zwei Kategorien von Menschen geben: Die, die allein klarkommen und die, die sich helfen lassen. Richtig anstrengend wird es mit jenen, die eigentlich Hilfe brauchen, sich aber nicht helfen lassen wollen. Ich habe darüber mit einer Richterin gesprochen und sie sagte zu mir: „Ihnen bleibt nichts anderes übrig, als zuzuschauen. Jeder Mensch hat das Recht, sich selbst ins Unglück zu bringen. Jeder hat das Recht auf Verwahrlosung.“ Damit tue ich mich echt schwer.

Doch gibt es überhaupt Leute, die ganz allein klarkommen? Kommen nicht alle mal an einen Punkt, wo sie Hilfe brauchen? Es kann doch niemand alles. Was ist mit Blumen gießen oder Tiere versorgen im Urlaub, Hilfe beim Umzug oder bei unverständlichen Anleitungen? Ich kann und will mir ein Leben ohne Hilfe durch andere gar nicht vorstellen.

Ich find's wichtig, zu helfen, aber auch sich helfen zu lassen, wenn man nicht mehr weiterkommt. Natürlich ohne Menschen auszunützen. Meine Kinder sind da streng mit mir und fragen: Hast Du es wirklich erst mal allein probiert?

Ich habe schon viel Hilfe bekommen im Leben und bin echt dankbar dafür. Ich bin auch Gott dankbar, weil ich glaube, dass er mir zur rechten Zeit die richtigen Menschen geschickt hat. So bete ich manchmal mit einem alten Psalm aus der Bibel: „Ich preise Dich, Gott, denn Du hast mich aus der Tiefe gezogen.“ Auf meinem Schreibtisch steht dazu sogar ein kleines Kunstwerk. Mein Sohn hat es mal im Kunstunterricht aus Draht gemacht. Zu sehen ist jemand, der die A**e nach oben reckt und ein anderer beugt sich zu ihm und streckt ihm die Hand entgegen. Ich liebe diese Skulptur und habe damals so lange geschwärmt, bis mein Sohn sie mir geschenkt hat.

Und wen Gott mir über die Jahre schon alles geschickt hat: Die Studentin, die mir geholfen hat, riesige Lücken in Französisch aufzuarbeiten, als ich gemerkt habe, dass ich aus dem Loch nicht mehr allein rauskomme.

Meinen Mann, der das glatte Gegenteil von mir ist und mir bei vielem helfen kann, was mir schwerfällt. Den Kollegen, der mich auf eine hilfreiche Fortbildung aufmerksam gemacht hat. Die Nachbarin, die als Babysitterin eingesprungen ist.
Gott hat mich schon so oft aus der Tiefe gezogen. Ich bin sicher, dass er das auch in Zukunft tun wird.

Und für die, die sich partout nicht helfen lassen wollen, bleibt mir wohl nur, die Hand trotzdem offen zu halten – so wie es die kleine Drahtfigur auf meinem Schreibtisch zeigt. Vielleicht reicht das schon: offenbleiben und den Rest Gott überlassen.

Ich wünsche Ihnen einen guten Tag. Vielleicht können Sie heute jemandem helfen – oder dankbar erleben, dass Ihnen geholfen wird.

/ Dorothea Lorenz mit „Hilfe” in den SWR1 Anstößen BW

Vorstellungsrunden gibt es fast überall: im Job, der Schule, im Verein oder sogar auf Partys. Oft laufen sie nach demsel...
08/09/2026

Vorstellungsrunden gibt es fast überall: im Job, der Schule, im Verein oder sogar auf Partys. Oft laufen sie nach demselben Muster ab: Name, Beruf, vielleicht noch ein Hobby. Manchmal sind sie zäh und fast schon langweilig. Ich erinnere mich aber an eine ganz besondere Vorstellungsrunde.
Das war auf einer Fortbildung und die Leiterin hat uns darum gebeten, dass wir anstelle der üblichen Floskeln, eine Anekdote zu unserem Vornamen erzählen sollten.
Es war verrückt. Von der ersten Person an, war ich voll dabei und habe allen aufmerksam zugehört. Was für ein bunter Blumenstrauß an persönlichen Geschichten da zusammengekommen ist. Von Zoe habe ich erfahren, dass ihr Name auf Altgriechisch „Leben“ heißt und dass sie so genannt wurde, weil ihre Oma kurz vor ihrer Geburt gestorben ist. Ulla hat erzählt, dass ihr eigentlicher Name Ursula ist, aber dass sie noch nie mit ihrem Geburtsnamen angesprochen wurde und dass ihr der Name auch ganz fremd ist. Und Jakob ist zu seinem Namen gekommen, weil seine Eltern sich beim Pilgern auf dem Jakobsweg kennengelernt haben.
Die zwanzig Männer und Frauen im Raum, von denen ich ja niemand vorher gekannt habe, sind viel greifbarer geworden. Denn sofort ist es um mehr gegangen als nur um den eigenen Namen. Seit dieser Runde höre ich einen Satz aus der Bibel mit ganz anderen Ohren. Da sagt Gott einmal: „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“
Wenn hinter einem Namen so viele Geschichten und Erinnerungen stecken und Gott meinen Namen kennt, dann kennt er auch meine Geschichte. Und nicht nur die, die sich hinter meinem Namen versteckt.
Mir ist bewusst geworden: Namen schaffen Nähe. Wer mich beim Namen ruft, spricht immer auch ein Stück meiner Identität an. Und Namen drücken aus, dass man in Beziehung zueinandersteht. Es macht einen Unterschied, ob ich mit „Entschuldigung, Sie da hinten“ angesprochen werde oder mit meinem Namen.
Eltern geben ihrem Kind einen Namen. Freunde sprechen einander mit Namen an. Und Gott kennt eben auch den Namen eines jeden Menschen. Auch bei ihm bin ich nicht eine unter vielen, sondern Gott nimmt mich bewusst wahr. Mit allem, was mich ausmacht.
Von der Vorstellungsrunde von damals habe ich mir zwar nicht alle Namen merken können, aber mit jedem Namen ist ein Mensch sichtbar geworden. Und ich will mir vorstellen, dass es bei Gott genauso ist, wenn er sagt: „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein!“

/ Clarissa Wolk mit „Vorstellungsrunde“ in den SWR4 Abendgedanken

Was ist das für ein seltsames Verkehrsschild? Groß und schwarz mit drei weißen schrägen Streifen. Wie vor einem Bahnüber...
08/09/2026

Was ist das für ein seltsames Verkehrsschild? Groß und schwarz mit drei weißen schrägen Streifen. Wie vor einem Bahnübergang, nur viel größer und schwarz.

Ich bin mit dem Motorrad unterwegs von Baden-Baden hoch in den Schwarzwald. Und dann die Auflösung: „Schweigekilometer für die Verunfallten“ steht da und darunter ein Motorradhandschuh mit Bikergruß: zwei abgespreizte Finger.

Schweigen kenne ich gut als Biker, weil man unter dem Helm nicht redet – mit wem auch. Da hat man Zeit, die Gedanken ziehen zu lassen. Hinter jedem Unfall steckt ein Drama, und Angehörige, die den Menschen vermissen, der da gestorben ist. Ich habe Norman beerdigt. Die Urne war in den Farben seines Motorrads lackiert. Und ich denke an Martin, der seinen Unterschenkel verloren hat, oder Christoph, der seit seinem Unfall nur mit einem Arm klarkommen muss.

Die Gedanken schweifen zu weiteren Kranken: Thorsten, dessen Niere nicht mehr richtig arbeitet, oder Mona, die gerade untersucht wird und das Ergebnis noch nicht kennt. Ich denke auch an Amanda, die einfach umgekippt und gestorben ist, weil ein Blutgerinnsel eine Ader verstopft hat.

Vielleicht ist so ein Schweigekilometer genau das Richtige für all diese Dramen – also einfach schweigen. Denn wie will man trösten, was will man erklären, wen verantwortlich machen? OK, auf Gott könnte man es schieben. Aber da ich überzeugt davon bin, dass Gott nichts ferner liegt, als uns leiden zu sehen, ist das keine Option. Deshalb schweige ich und halte es aus, nichts schönreden oder rechtfertigen zu wollen – geht ja auch gar nicht unterm Helm.

Und plötzlich ist der Schweigekilometer schon um, und ich sehe gerade noch das Schild „Gute Fahrt“. Aber das Nachdenken in meiner kleinen Helm-Welt – das geht garantiert weiter.

/ Dominik Frey mit „Schweigekilometer“ in den SWR3 Gedanken

Noch immer höre ich im Wetterbericht: „Am Nachmittag wird es freundlicher.“ Oder: „Heute erwartet uns schönes Wetter.“Wa...
08/09/2026

Noch immer höre ich im Wetterbericht: „Am Nachmittag wird es freundlicher.“ Oder: „Heute erwartet uns schönes Wetter.“

Was war daran eigentlich freundlich? Wochenlang lag diesen Sommer ein Hoch über dem Land. Keine Wolke am Himmel. Die Sonne stach. Die Erde wurde hart. Die Pflanzen haben gelitten. Wildtiere haben sich am hellen Tag gezeigt, auf der Suche nach Wasser. Flüsse hatten auch zu wenig davon. Das soll schön sein?

Dabei ist diese Einteilung uralt. Schon zu Jesu Zeiten unterschied man so: „Ist der Himmel abends rot, wird es morgen schön. Ist er morgens rot und trüb, gibt es Regen.“ So lese ich es bei Matthäus. Zwei Kategorien, seit über 2000 Jahren: schönes Wetter oder schlechtes Wetter.

Nur: Diese alten Kategorien passen heute nicht mehr. Wochenlang kein Tropfen Regen ist heute keine schöne Aussicht mehr, sondern Dürre. Sinkende Grundwasserspiegel. Ernteausfälle. Der Klimawandel macht aus dem einfachen „schön oder schlecht“ eine Frage, die viel genauer angeschaut werden muss.

Ich will den Regen in Schutz nehmen. Er ist nicht unfreundlich. Wenn er ruhig fällt, kann er ein Segen sein. Er füllt Bäche und Brunnen. Er lässt Pflanzen wachsen. Er kühlt die Luft. Ein Regentag ist nicht schlecht, er ist einfach regnerisch. Okay, als ich kürzlich beim Open-Air-Konzert auf dem Killesberg in Stuttgart richtig nass geworden bin, lag mir auch eine andere Formulierung auf der Zunge…

Ich will zukünftig anders vom Wetter reden. Nicht sofort bewerten. Nur sagen: Es ist sonnig. Es ist trocken. Es regnet. Das reicht doch.

Das Gleiche gilt auch für unser Leben. Wir sprechen von guten und schlechten Tagen. Aber ein Tag ist nicht gut oder schlecht. Er ist einfach schwer. Oder still. Oder voller Fragen. Oder er kommt überraschend leicht daher. Auch Tränen sind nicht automatisch ein schlechtes Zeichen. Müdigkeit ist kein Versagen, eine Pause keine verlorene Zeit.

Wie auch immer sich die Tage anfühlen. Und wie auch immer das Wetter ist: eines weiß ich. Gott ist mit in meinem Leben. Seine Begleitung ist verlässlich.
Und deshalb muss ich auch gar nicht so tun, als sei alles nur schön. Und wenn das Leben sich mal wirklich bescheiden anfühlt, ist das auch nicht die Katastrophe. Denn ich weiß, ich bin dem allem nicht allein ausgesetzt.
Ich lebe davon, dass Gott da ist - in der Sonne, im Regen, im Gegenwind, in der Flaute. Und das trägt mich, selbst durch Dürre und Sturm.

/ Dorothea Lorenz mit „Schönes Wetter?” in SWR1 Anstöße BW

Mein Enkel blickt nachdenklich vor sich hin. „Weißt du was?“ fragt er plötzlich.„Wenn man stirbt…“ und jetzt klingt sein...
08/09/2026

Mein Enkel blickt nachdenklich vor sich hin.
„Weißt du was?“ fragt er plötzlich.
„Wenn man stirbt…“ und jetzt klingt seine Stimme sehr gewichtig, „wenn man stirbt, kommt nur der Po in den Himmel.“
„Wirklich…? Wie kommst du denn da drauf?“
„Wir waren mit der Kita im Museum. Und da habe ich ein Skelett gesehen. Und das hatte keinen Po mehr.“
So viel zur vielgerühmten Augenhöhe! Sonst wäre ihm vermutlich aufgefallen, dass auch die Schultermuskulatur gefehlt hat, das Gesicht, und was man sonst noch auf den Rippen hat… Wenn er allerdings recht hätte, und der Himmel wird tatsächlich nur von Hinterteilen bevölkert, dann hätte ich wirklich wenig Lust, dort zu landen.
Aber ich glaube: So funktioniert das nicht, mit dem Himmel. Da finde ich es viel überzeugender, wie der Apostel Paulus es beschreibt:
Unser irdischer Körper stirbt mit allem drum und dran - auch der Po. Und dann erhalten wir einen neuen Leib - aber nicht aus Materie, sondern aus Geist. Komplett schwerelos, also - und das sind nun wirklich himmlische Aussichten, für meine Begriffe, jedenfalls!
Zu meinem Enkel habe ich gesagt:
„Ich glaube, alles, was wir an unserem Körper anfassen können, stirbt. Aber unsere Gedanken und alles, was wir fühlen - das lebt weiter.“
Aber ihm hat seine eigene Vorstellung besser gefallen.
Kinder beschäftigen sich eben auf ihre ganz eigene Weise mit dem Tod; sie begegnen ihm ja auch schon auf Schritt und Tritt: Hier eine tote Hummel, da eine tote Fliege, dort ein paar tote Käfer…
Und was Kinder intuitiv begreifen:
Es kommt keine Angst davor auf, wenn man ganz natürlich darüber spricht.
Und so widersprüchlich es auch klingen mag: Im Tod liegt sehr viel Lebendigkeit. Er macht das Leben wertvoll. Und er stimuliert die Fantasie. Wie bei meinem Enkel…

/ Cornelia Michels Zepp mit „Nur der Po…“ in SWR1 Anstöße RP

Ich war bei einer „Wald-Erkundung“ dabei.  Und der Ranger hat die Gruppe einzeln mit kleinen Suchaufträgen in den Wald g...
07/09/2026

Ich war bei einer „Wald-Erkundung“ dabei. Und der Ranger hat die Gruppe einzeln mit kleinen Suchaufträgen in den Wald geschickt. Wir sollten ganz unterschiedliche Sachen suchen: was Rundes, was Eckiges, was Helles, was Dunkles, was Geordnetes oder was Chaotisches. Unsere Schätze haben wir auf einem Tuch gesammelt und bestaunt.

Dann hat der Ranger angekündigt: „So, das war der Grundkurs, jetzt kommt was für Profis.“ Und damit hat er uns neue Aufträge in die Hand gedrückt. Auf meinem stand: „Gehe in den Wald und suche Begeisterung. Mach ein Foto oder Video davon.“

Begeisterung im Wald? Ich war skeptisch. Aber kaum war ich losgezogen, da habe ich vier Schmetterlinge um eine seltsame lila Pflanze flattern sehen. Wenn das keine Begeisterung ist! Und dann habe ich Vögel gehört, die sich ein Frage-Antwort-Match geliefert haben, das es nur so gezwitschert hat. Am Bach über dem Wasser haben im Gegenlicht eine Menge kleiner Mücken getanzt. Und auch wie das Wasser gemurmelt und geplätschert hat war einfach hinreißend. Kurz: Ich habe Begeisterung gefunden – mitten im Wald.

Als wir uns die Ergebnisse unserer Suche angeschaut haben, war die ganze Gruppe ergriffen: Niemand hätte diese Vielfalt im Wald vermutet: Begeisterung, Genügsamkeit, Überfluss, Balance, Endlosigkeit – alles war da. Und ich bin mit zwei Dingen heimgegangen. Erstens war ich total erholt und erfüllt. Und zweitens hat mich der Gedanke nicht losgelassen: Gottes Schöpfung ist so reich, und wenn man aufmerksam draufschaut, dann kann man einfach nur dankbar sein und staunen.

/ Dominik Frey mit „Begeisterung um Wald“ in den SWR3 Gedanken

Heute, am Tag nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, ist ein Tag, an dem ich es ruhig angehen lasse. Ich werde mich, w...
07/09/2026

Heute, am Tag nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, ist ein Tag, an dem ich es ruhig angehen lasse. Ich werde mich, wenn’s geht, zurückziehen, denn ich brauche Zeit zum Nachdenken. So viele Gedanken schießen mir durch den Kopf: Warum unterstützen Leute, die sich benachteiligt fühlen, ausgerechnet eine Partei für Reiche? Warum gewinnen die, die schon konkrete Pläne für den Demokratie-Abbau in der Schublade haben? Mich nimmt das sehr mit. Wenn das Wetter passt, gehe ich zwei Stunden in den Wald, denn beim Gehen kann ich immer ganz gut denken. Oder ich schnappe mir mein Strickzeug, denn Stricken beruhigt. Ich habe da ein Vorbild. Nicht für Waldspaziergänge und Stricken, sondern fürs sich Zurückziehen und sich pflegen lassen: Den Propheten Elia aus der Bibel. Elia hatte mal eine Phase, da wurde es richtig schwierig für ihn. Er hatte eine entscheidende Abstimmung verloren, und dann wurde er auch noch von Feinden verfolgt. Er hat sich so schlecht gefühlt. Er war nicht nur wütend, er hatte auch Zukunftsängste. Er ist in die Wüste geflohen. In der Bibel wird berichtet, dass Gott Elia sieht und reagiert. Gott schickt Elia zweimal einen Engel mit Brot und Wasser vorbei. Es funktioniert. Elia kann schlafen, er kann sich erholen und kommt wieder zu Kräften. Das brauche ich jetzt auch. Atmen, essen, schlafen. Damit nicht gleich wieder die großen Fragen da sind. Die Frage, warum viele Menschen heutzutage so blauäugig sind und Gefahren nicht erkennen. Die Frage, wie Menschen dazu gebracht werden können, genau auf die Fakten zu schauen, um zu wissen, was wahr ist. Die Frage, wie Menschen wieder miteinander ins Gespräch gebracht werden können, damit sie sich gegenseitig verstehen. Bevor ich überhaupt an Gespräche denken kann, brauche ich erstmal Zeit mit mir selbst und mit Gott. Elia hat damals erlebt, dass die Solidarität nicht tot war. 7.000 Leute standen auf seiner Seite. Für ihn war das ein Zeichen, dass alles gut ausgehen wird. Darauf will ich auch hoffen, dass genug Leute da sind, die mit mir auf die Gefahren aufmerksam machen. Genug, die erkennen, dass oft auch die, die sich besonders christlich geben, mit ihren Positionen weit weg vom Christentum sind. Ich setze darauf, dass es viele sind, denen Nächstenliebe und Solidarität wichtig sind. Und wenn ich morgen wieder mehr Kraft habe, werde ich mich auch wieder dafür einsetzen.

/ Dorothea Lorenz mit „Enttäuschung” in den SWR1 Anstößen BW

Es gibt so viele Dinge, die brauchen zum Reifen nichts weiter als Zeit. Zeit und Geduld. Man muss nur mal der Schöpfung ...
07/09/2026

Es gibt so viele Dinge, die brauchen zum Reifen nichts weiter als Zeit. Zeit und Geduld. Man muss nur mal der Schöpfung zuschauen.
Nehmen wir Zum Beispiel meine Tomaten. Die wachsen kein bisschen schneller, wenn ich mich grimmig vor sie hinstelle und auf die Uhr tippe.
Oder haben Sie schon mal Petersilie ausgesät? Da braucht es Wochen, bis das erste, zaghafte Grün aus dem Boden ragt.
Und erst unsere eigenen Sprösslinge: Die brauchen ganze neun Monate, um heranzureifen! Und wir können nichts dazu beitragen, außer uns umsichtig zu verhalten; und abwarten und geduldig sein. Von all den Geduldsproben, die uns erwarten, wenn sie erstmal auf der Welt sind, einmal ganz zu schweigen…
Und später dann, wenn alle die Erziehungsarbeit überstanden haben - und die Kinder aus dem Haus gehen und die Eltern zurückbleiben - dann heißt es wieder: Abwarten. Und geduldig sein. Und Zeit lassen, zum Nachreifen…
Und irgendwann wird man dann plötzlich überrascht. Da ruft beispielsweise unser Sohn an und sagt:
„Elterns, ich muss Euch unbedingt was erzählen: Gestern, bei der Hitze, hatte ich nach der Arbeit so eine Lust auf ein schönes, kaltes Bier! Ich hab mir eine Flasche geschnappt und hab mich genüsslich im Park auf die Wiese gesetzt.
Und als ich gerade ein zweites Mal daraus trinken will, hatte ich plötzlich eure ständigen Warnungen im Ohr:
Pass bloß auf, dass da keine Wespe drin ist!
Das habt Ihr mir wohl tausend Mal gesagt.
Ich hab gelacht, den Kopf geschüttelt und gesagt:
Okay, Elterns! Dann schaue ich halt erstmal nach.
Und was soll ich euch sagen? Da war doch tatsächlich eine Wespe in der Flasche!“
Das hat ihm womöglich das Leben gerettet. Ist das nicht unglaublich! Aber es hätte auch schiefgehen können...
Abwarten und geduldig sein ist echt kein Spaß. Vielleicht ist es sogar die größte Leistung, die wir erbringen können. Voller Hoffnung, aber ohne Garantie. Wie die Schöpfung auch.

/ Cornelia Michels Zepp mit „Abwarten…“ in SWR1 Anstöße RP

Auf einem Hof im Schwarzwald leben rund zwanzig Leute Tür an Tür: Familien mit Kindern, Singles, Jung und Alt – ein echt...
06/09/2026

Auf einem Hof im Schwarzwald leben rund zwanzig Leute Tür an Tür: Familien mit Kindern, Singles, Jung und Alt – ein echtes Gemeinschaftsprojekt. Seit ein paar Jahren ist meine Freundin Katrin mit ihrer Familie ein Teil davon. Von Anfang an war für sie klar: „Ich wünsche mir, dass wir hier ausprobieren, wie wir gut zusammenleben können.“ Und immer wieder fragt sie sich: „Wie reden wir miteinander, vor allem dann, wenn Meinungen auseinandergehen und Konflikte entstehen?“

In dem Text, der heute in katholischen Gottesdiensten zu hören ist, schlägt Jesus dafür einen stufenweisen Weg vor. Er rät: Wenn dich jemand verletzt, geh direkt zu ihm und suche das persönliche Gespräch. Wenn das gelingt, ist der Streit aus der Welt. Falls das nicht gelingt, hole ein oder zwei Vertraute dazu. Dabei geht nicht darum, jemanden bloßzustellen, sondern in einem geschützten Rahmen offen und fair miteinander zu sprechen. Erst wenn das alles nichts bringt, kommt die Sache vor die Gemeinschaft und alle können sich gemeinsam um eine Lösung bemühen. Das Ziel bleibt immer, niemanden auszuschließen. Nur wenn es wirklich hart auf hart kommt, soll die Gemeinschaft Konsequenzen ziehen.

Jesus belässt es in dieser Bibelstelle jedoch nicht bei reinen Kommunikationsregeln. Er fügt einen entscheidenden Aspekt hinzu: das Gebet. Er verspricht: „Wo zwei oder drei in meinem Namen beisammen sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ (Mt 18,20) Für mich bedeutet das, in schwierigen Situationen Kontakt mit Gott aufzunehmen, um etwas Abstand zu meinen eigenen Gefühlen zu gewinnen. Bei Streit geht es oft gar nicht um die Sache selbst, sondern darum, wer das Sagen hat, oder ob man sich mag oder nicht. Wenn ich mir das bewusst mache, dann kann ich mich davon lösen. Und ich kann mich daran erinnern, was Jesus vorgelebt hat: barmherzig zu sein, zu vergeben und sich zu respektieren.

Mein Eindruck ist, dass Katrin und ihre Wohngemeinschaft genau das im Alltag versuchen. Sie lassen sich aufeinander ein und üben sich darin, Konflikte ehrlich anzusprechen – zu zweit, in kleinen Gruppen oder im Plenum. Und das tut nicht nur dort gut. Wie viel besser würde das Zusammenleben in Freundeskreisen oder im Job funktionieren, wenn wir den anderen direkt ansprechen, statt Ärger in der Dienstbesprechung oder über einen Mailverteiler auszutragen. Und wie gut wäre es, wenn auch in sozialen Netzwerken Kritik nicht ungefiltert in die Öffentlichkeit posaunt wird – sondern direkt als persönliche Nachricht.
Das ist anstrengend. Denn man muss Gesicht zeigen, argumentieren und macht sich verletzlich. Aber ich glaube: Am Ende können wir als Menschen nur gewinnen.

/ Judith Schmitt-Helfferich mit "Miteinander reden" in SWR1 3vor8

Immer wieder kommt das vor: In einem Gespräch bittet mich jemand, für ein Familienmitglied zu beten. Gott um Hilfe zu bi...
05/09/2026

Immer wieder kommt das vor: In einem Gespräch bittet mich jemand, für ein Familienmitglied zu beten. Gott um Hilfe zu bitten. Zu meinem Beruf als Pfarrer gehört das dazu. Und natürlich mache ich das dann auch.
Und für die Person, die mich darum bittet, für die bete ich oft gleich mit. Denn dieser Mensch ist vielleicht selbst nicht krank. Aber die Krankheit der Mutter, des Partners oder des Kindes belastet ihn ja mit. Und sicher auch die übrige Familie. Manchmal ist es ein pflegender Angehöriger, der mich bittet, zu beten – aber eben für jemand Erkranktes aus der Familie. Denn denen mit den aktuellen Problemen, geht es ja „eigentlich“ viel schlechter. Dagegen sieht die eigene Sorge oder Kraftlosigkeit viel kleiner aus. Und wird dann heruntergespielt.
Aber ich finde, das kann man nicht gegeneinander ausspielen. Wem es nicht gut geht, geht es nicht gut. Auch wenn es jemandem in der Familie vielleicht schlechter geht.
Über die Bitte um Gebet für andere ergeben sich deswegen oft Gespräche. Darüber, wie es den Angehörigen selbst geht. Was sie umtreibt und beschäftigt. Welche Sorgen sie sich machen. Wie ihre Kraft am Ende ist. Deswegen bete ich dann oft nicht nur für die Familienmitglieder, um die ich zu Beginn gebeten wurde. Sondern für die ganze Familie. Denn geht es einem Familienmitglied nicht gut, leidet oft die ganze Familie mit.

/ Tobias Weimer mit "Mitleiden" in den SWR3 Gedanken

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