01/05/2026
„Die Magie in der westlichen Welt des 21. Jahrhunderts ist weder das, als was sie erscheint, noch das, was sie von sich selbst behauptet. Insbesondere ist sie nicht das, was wir eine ‚lebendige Tradition‘ nennen könnten – sei diese nun westlich oder anderer Art. Andere Kulturen verfügen über lebendige magische Traditionen, unsere jedoch nicht“, so Jake Stratton-Kent in seinem denkwürdigen Essay The Magick of The Ghebers , in dem es vor allem auch darum geht, vorhandene europäischen Traditionen wieder zu entdecken und kreativ zu nutzen. Eine Idee, die auch an-deren am Herzen liegt; eine Idee auf die auch dieses kleine Kulturmagazin für Moderne Magie, angewandte Okkulte Lebenskunst und Kreative Psychonautik oft und gerne zurückgegriffen hat. In der Heutemorgengesternwelt des Gnostischen Kontinuums ist so-wieso jede Idee immer neu und jungfräulich, egal wie oft wir sie entdecken. Umso passender also, dass diese Ausgabe in der Nacht zum 1. Mai druckgelegt wird. Das große Fest des Belenos und der neugeborenen Sonne wird 40 Nächte nach den Frühlingsäquinoktien, für gewöhnlich in der Nacht zum 1. Mai gefeiert. […] auch heute noch ein Feiertag, einer der wenigen, die nicht auf christliches Brauchtum zurückgreifen, sondern unabhängig davon entstanden sind.
Der Erste Mai! Kaum sind jene Worte ausgesprochen, da trübt ein gewaltiges Bild aus dem Spiritus Mundi meinen Blick (YEATS): Heute tritt der Act of Union, der England und Schottland zum Königreich Großbritannien vereint, in Kraft; heute wird als Name für einen neu entdeckten Zwergplaneten offiziell „Pluto“ vorgeschlagen; und heute wird vor 250 Jahren in Ingolstadt von Adam Weishaupt der Illuminatenorden gegründet. All dies ist präsent in der Heutemorgengesternwelt und jedes dieser Ereig-nisse hat direkten Einfluss auf die Moderne Magie, die angewandte Okkulte Lebenskunst und die Psychonautik, mit der wir uns auf diesen Seiten befassen. In der Tiefen Zeit treiben heute die Druiden das Vieh der Bauern zwischen den lodernden Flammen der Belta-nefeuer hindurch, um es so symbolisch zu reinigen. Heute geht Ladhra, der Erste Tod, an einem Übermaß an Frauen zugrunde. Wenn dies keine „lebendige Tradition“ ist, weiß ich auch nicht weiter. Und doch flüstern sie in den Hypersigillen und Mythographien der westlichen Welt des 21. Jahrhunderts.
Teil des Editorials zur 15. Ausgabe von Schwert & Stab. Der offizielle Untertitel ist "Das Gelbe Signal" ("The Yellow Signal")