07/09/2026
„Ich bin Sarah und nach einer langen und anstrengenden Kinderwunschreise durch Endometriose und Adenomyose inklusive Operation haben mein Mann und ich an Weihnachten 2025 endlich einen positiven Schwangerschaftstest in den Händen gehalten. Die Freude war riesig! Nach allem, was hinter uns lag und nachdem ich lange als unfruchtbar galt, fühlte sich dieses kleine Plus wie ein riesiges Weihnachtswunder an. Doch der Ultraschall wenige Wochen später setzte noch einen oben drauf:
Ein eineiiges Zwillingspaar und ein zweieiiger Zwilling hatten es sich unter meinem Herzen bequem gemacht.
Als die erste Mehrlings-Schreckstarre vorüber war, überwog die Freude darüber, dass wir tatsächlich drei kleine Wunder erwarteten und bald eine fünfköpfige Familie sein würden. Und als dann auch noch klar war, dass es drei Mädchen werden, freuten wir uns dreifach.
Das erste Trimester war durch Übelkeit und Erbrechen zwar anstrengend, aber ich wusste, wofür es gut war. Ich ging ins Beschäftigungsverbot und konzentrierte mich auf die drei schlagenden Herzen in meiner Brust. Wir zogen in eine größere Wohnung und freuten uns jeden Tag mehr auf unser Leben mit drei Babys.
Nach ca. 16 Wochen wurde bei einer Pränataldiagnostik bei einem Baby sIUGR festgestellt.
sIUGR steht für selektive intrauterine Wachstumsrestriktion. Bei eineiigen Zwillingen, die sich eine gemeinsame Plazenta teilen, kann es vorkommen, dass eines der Babys deutlich schlechter über die gemeinsame Plazenta versorgt wird und deshalb wesentlich langsamer wächst als seine Zwillingsschwester. Die Situation kann für beide Babys gefährlich werden und erfordert eine engmaschige Kontrolle.
Von da an mussten wir jede Woche zum Ultraschall und als Eltern mit einer Entscheidung leben, die eigentlich niemand treffen möchte:
Sollten wir unsere kleinste Tochter durch eine Nabelschnurligatur aufgeben, um die Prognose ihrer Schwester zu verbessern, oder das Risiko eingehen, dass sie unkontrolliert verstirbt?
Auch der Eingriff bedeutete ein Risiko für alle drei Babys, da dadurch eine Frühgeburt ausgelöst werden konnte. Deshalb versuchten wir bei schwierigen, aber zunächst stabilen Werten, die 28. Schwangerschaftswoche zu erreichen.
„Wenn sie bis dahin auch ein überlebensfähiges Gewicht erreicht, können wir alle drei holen“, hieß es in der Uniklinik Köln.
Die 28. Schwangerschaftswoche wurde damit unser großer Meilenstein. Wir fuhren sogar noch einmal für eine Woche in den Urlaub und ich traute mich zum ersten Mal, freudige Babybauchbilder zu machen.
SSW 27, ein Tag bevor ich von Filines Tod erfuhr.
SSW 27 – ein Tag bevor Sarah von Filines Tod erfuhr. Foto: privat
Doch dann blieb Filines Herz stehen
In der 27. Schwangerschaftswoche hörte Filines Herz auf zu schlagen – und unsere Welt stand plötzlich still.
Die Trauer, die eine Mutter verspürt, wenn ihr Baby in ihrem Bauch verstirbt, ist unbeschreiblich. Wir weinten um Filine, um die fehlende Unbeschwertheit dieser Schwangerschaft, um die verlorene Vorstellung, drei Mädchen in den Armen halten zu können, und um unser Baby, das ich bereits bedingungslos geliebt hatte. Gleichzeitig trug ich noch zwei weitere Babys in meinem Bauch und musste weiter für sie da sein.
Rückblickend weiß ich manchmal selbst nicht, wie wir diese Wochen ausgehalten haben. Wahrscheinlich, indem wir nie versucht haben, die gesamte Strecke auf einmal zu schaffen. Wir hangelten uns von Untersuchung zu Untersuchung und von einem kleinen Meilenstein zum nächsten.
Wir beschäftigten uns nun mit Zwillingsausstattung, kauften einen Zwillingskinderwagen, Zwillingssets und ein Zwillingsstillkissen. Während wir um Filine trauerten, mussten wir uns also gleichzeitig darauf vorbereiten, bald zwei Babys mit nach Hause zu nehmen.
Dazu kam die Sorge um Filines eineiige Zwillingsschwester, denn beim Versterben eines eineiigen MoDi-Zwillings besteht ein erhebliches Risiko, dass auch der Co-Zwilling mitgerissen wird. Uns wurde erklärt, dass auch ihre eineiige Zwillingsschwester dadurch in großer Gefahr war. Wieder gab es einen neuen Meilenstein: 👉 https://t1p.de/igcyl